Personenverzeichnis

Hier findet sich eine Übersicht der wichtigsten AkteurInnen, darunter alle MitarbeiterInnen der ÖGfL von 1961 bis 1975 sowie eine Auswahl von weiteren SchriftstellerInnen und ForscherInnen, die für die ÖGfL von besonderer Wichtigkeit waren und teils über Jahrzehnte mit ihr in Verbindung standen. Schwerpunkt liegt hier auf den internationalen Netzwerken der ÖGfL.

Wystan Hugh Auden

Lyriker
1907 – 1973

Auden_web
Foto: Imagno/Otto Breicha

Geboren in York, England, studierte in Oxford und war als höherer Lehrer und Ende der 1920er-Jahre als Übersetzer in Berlin tätig. 1939 emigrierte Auden in die USA und erwarb die amerikanische Staatsangehörigkeit. Er war Professor für englische Literatur an der Ann Arbor Universität in Michigan und Verfasser einer großen Anzahl von Werken: Filmtexte und Libretti z.B. für Strawinskys The Rake’s Progress und Brittens Paul Bunyan. Für sein Hauptwerk, den Versdialog The Age of Anxiety (Das Zeitalter der Angst, 1947), erhielt er 1948 den Pulitzer-Preis. Auden verstarb in der Nacht von 28. auf 29. September 1973 in seinem Hotelzimmer in Wien, nachdem er am Abend in der ÖGfL aus einem neuen, zweisprachigen Gedichtband gemeinsam mit Achim Benning gelesen hatte. Seit 1957 hatte er sich regelmäßig in seinem Haus im niederösterreichischen Dorf Kirchstetten aufgehalten, wo er auch beigesetzt wurde.

Stein, Hannes: Ein Ruhmeslied für W. H. Auden und seine Verse. In: Die Welt, 20. Februar 2007

Klein, Erich: Wenn die Nacht am tiefsten ist: W. H. Auden. In: Der Standard, 17.Februar 2007

Kurt Benesch

Mitarbeiter der ÖGfL und Schriftsteller
1926 – 2008

Benesch1web
Foto: Imagno/Otto Breicha

Geboren in Wien, im letzten Kriegsjahr zum Militär- und Arbeitsdienst eingezogen, geriet 1945 in Italien in britische Kriegsgefangenschaft. Ab 1946 studierte Benesch Theaterwissenschaften und Germanistik in Wien. Ab 1952 veröffentlichte er zahlreiche Beiträge in Zeitungen und Zeitschriften. Benesch war Mitarbeiter der Grillparzer-Gesellschaft. Sein schriftstellerisches Werk umfasst zahlreiche Romane, darunter Die Flucht vor dem Engel (1955) und Die Spur in der Wüste (1985), eine Biographie über Marie von Ebner-Eschenbach, archäologische und kunsthistorische Werke, Hörspiele, Theaterstücke, Kinder- und Reisebücher sowie Übersetzungen aus dem Englischen. Bekanntheit erlangte Benesch v.a. als Sachbuchautor, z.B. für Auf den Spuren großer Kulturen (1980).

Benesch wechselte 1961 von der Grillparzer-Gesellschaft zur neugegründeten ÖGfL, wo er auch Leiter und Organisator des Forums der Jugend wurde. 1981 beendete er seine Tätigkeit für die ÖGfL.

Kurt Benesch im Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek

Raoul Blahacek

Mitarbeiter der ÖGfL und Literaturreferent
*1948

Geboren in Steyr, war Blahacek nach Reinhard Urbach von 1986 bis 2013 Referatsleiter der Kulturabteilung der Stadt Wien, MA 7.

Er war Mitarbeiter in der ÖGfL von 1975 bis 1985, wo er mit der Förderung zeitgenössischer Autorinnen und Autoren betraut war.

François Bondy

Essayist und Journalist
1915 – 2003

Bondy1web
Foto: Imagno/Otto Breicha

Geboren in Berlin, studierte in Paris und Zürich. Bondy wurde 1940 nach der Okkupation Frankreichs wegen seiner jüdischen Herkunft verhaftet und für drei Monate ins Lager Le Vernet eingesperrt, dann des Landes verwiesen. Ab 1947 war er Redakteur der Weltwoche in Zürich, bis 1950 auch politischer Kommentator, Auslandskorrespondent und Kritiker. 1951 gründete er in Paris die Zeitschrift Preuves, zentrales Organ des Congress for Cultural Freedom (CCF), und leitete diese bis 1969. Ab 1975 war er politischer Redakteur der Schweizer Monatshefte. Als Literaturkritiker förderte er Witold Gombrowicz und machte Romain Gary, André Gide, Eugène Ionesco, Nathalie Sarraute, Bruno Schulz, Ignazio Silone und Italo Svevo bekannt. Bondy verfasste Schriften über Albert Camus und Manès Sperber, Übersetzungen von Emil M. Cioran, Benedetto Croce und Alfred North Whitehead. Seine wichtigsten Publikationen erschienen zwischen 1970 und 1990, darunter der Essayband Aus nächster Ferne (1970) und der Band Gespräche (1972), Aufzeichnungen aus Unterredungen mit zwölf PartnerInnen, u.a. Carl J. Burckhardt, Eugène Ionesco, Mary McCarthy, Hans Mayer, Nathalie Sarraute und Ignazio Silone.

François Bondy arbeitete mit Wolfgang Kraus vor allem in Zusammenhang mit der Organisation der drei Round-Table-Gespräche (1963–65) eng zusammen.

Alexander Cammann: Europa als Idee: Rüdiger Altmann und Francois Bondy. In: Deutschlandfunk, 10. Mai 2009

Peter Hölzle: Francois Bondy. „Meine Welt ist eine Welt anderer“. In: Deutschlandfunk Kultur, 1. Jänner 2015

Iso Camartin: Zum Tod von François Bondy. Die Spannweite des Geistes. In: Neue Zürcher Zeitung, 28. Mai 2003

Otto Breicha

Mitarbeiter der ÖGfL, Kurator, Kritiker und Kunstmanager
1932 – 2003

ottobreicha
Foto: Imagno/Otto Breicha

Geboren in Wien, studierte Theaterwissenschaft, Germanistik und Kunstgeschichte. Er war von 1969–1974 Herausgeber der Zeitschrift ver sacrum, Direktoriumsmitglied des Avantgardefestivals Steirischer Herbst sowie Kunst- und Literaturkritiker für zahlreiche Zeitungen. 1966 gründete er mit Gerhard Fritsch die Zeitschrift protokolle. Von 1972 bis 1980 leitete Breicha das Kulturhaus der Stadt Graz. Ab 1980 war er Direktor der Salzburger Landessammlungen Rupertinum. Breicha veröffentlichte mehrere Kunstmonographien, u.a. über Fritz Wotruba, Wolfgang Hutter und Arnulf Rainer. Er war Autor von Monographien und Herausgeber mehrerer Sammelbände, darunter Finale und Auftakt (1964), Aufforderung zum Mißtrauen (1967), Wirklichkeiten (1988) und Anfänge des Informellen in Österreich (1997).

Breicha war von 1962 bis 1972 Mitarbeiter und teilweise stellvertretender Leiter der ÖGfL. In diesen Jahren forcierte er den Kontakt zu und die Propagierung der österreichischen Avantgarde-Literatur wie z.B. der Wiener Gruppe und der Grazer Gruppe.

Elfriede Jelinek: Schreiben müssen (in memoriam Otto Breicha)

Doris Krumpl: Otto Breicha 1932–2003. In: Der Standard, 8.Jänner 2004

Joseph Brodsky

Schriftsteller
1940 – 1996

Geboren in St. Petersburg, studierte Englisch und Polnisch im Selbststudium. 1962 versendete er erste lyrische Verse an die russische Lyrikerin Anna Achmatowa (1888-1966), wurde jedoch von offizieller Seite bald als intellektueller Außenseiter verdächtigt und im Herbst 1963 als „Drohne, die schriftstellert“ bezeichnet. Brodsky wurde 1964 in der Sowjetunion festgenommen und zu fünf Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Im Zuge seiner Haft schrieb er weitere Gedichte, die 1965 dem exilpolnischen Verlag Kultura in Paris übergeben wurden. Im Oktober 1964 wurde Brodsky nach Chruschtschows Sturz vorzeitig aus der Haft entlassen, 1972 des Landes verwiesen. Er emigrierte über Wien in die USA. Dort verfasste Brodsky Lyrik und Prosa in englischer Sprache und wurde durch die Universität von Michigan zum poet-in-residence ernannt. Ab 1986 hatte er eine Professur am Mount Holyoke College inne. Brodsky erhielt 1987 den Nobelpreis für Literatur.

Wolfgang Kraus stellte Brodsky 1972 nach seiner Ankunft in Wien in einer Pressekonferenz erstmals in Person der westlichen Presse vor.

Poetryfoundation über Joseph Brodsky

Peter Hamm: Rettung der Welt durch Poesie. In: Der Spiegel, 27. März 1989

Hella Bronold

Mitarbeiterin der ÖGfL und Übersetzerin
1915 – 2002

Bronold
Foto: Imagno/Otto Breicha

Arbeitete nach 1945 als Dolmetscherin für die Alliierten und danach im Innenpolitik-Ressort des Kurier. Seit 1961 Sekretärin der ÖGfL, Kassierin und engste Mitarbeiterin von Wolfgang Kraus. Sie übersetzte aus dem Amerikanischen ins Deutsche u.a. Ein Bewusstsein der Wirklichkeit von W.H. Auden und Die Sehnsucht nach Ursprung. Von den Quellen der Humanität von Mircea Eliade.

Hella Bronold zeigte sich nicht nur für die Gästebetreuung verantwortlich, sondern übernahm auch die Übersetzungen und Korrespondenzen in englischer Sprache.

Elias Canetti

Schriftsteller
1905 – 1994

Canetti1web
Foto: Imagno/Otto Breicha

Geboren in Rustschuk (Türkei, später Bulgarien), aufgewachsen in Manchester und Wien, studierte von 1924 bis 1929 Chemie in Wien mit anschließender Promotion. Canetti verfasste Theaterstücke (Hochzeit 1932, Komödie der Eitelkeit 1932) und veröffentlichte 1936 seinen einzigen Roman Die Blendung. 1938 emigrierte Canetti aus Österreich über Paris nach London. Im Exil arbeitete er intensiv an seinem Hauptwerk Masse und Macht, das 1960 erschien. Er erhielt 1972 den Büchner-Preis und 1981 den Nobelpreis für Literatur. Seine Autobiographie (Die gerettete Zunge, Die Fackel im Ohr, Das Augenspiel) erschien in drei Teilen. Ab den Siebzigerjahren verlegte er seinen Lebensmittelpunkt in die Schweiz.

Canetti kam 1963 durch Einladung von Wolfgang Kraus das erste Mal wieder nach Wien zurück. Er wurde zu einem engen Vertrauten in England und war noch mehrmals Gast der ÖGfL. 1981 nahm er den Franz-Kafka Preis der Österreichischen Franz Kafka Gesellschaft unter der Leitung von Wolfgang Kraus entgegen.

Horst Bienek: Der Nobelpreis für Literatur an Elias Canetti: Die Sprache und das Exil. Ein Schriftsteller, der sein Leben und Werk als „Tod-Feindschaft“ versteht. In: Die Zeit, 23. Oktober 1981

Interview von Elfriede Jelinek mit Elias Canetti (Wien, Dezember 1971). Erschienen in einer Kurzfassung am 5. April 1972 in der Münchner „Abendzeitung“, vollständig in: André Müller, „Über die Fragen hinaus“, dtv, 1998

Emil Cioran

Philosoph und Aphoristiker
1911 – 1995

Geboren in Răşinari in Siebenbürgen, studierte Philosophie in Bukarest. 1933 erschien Pe culmile disperării (Auf den Gipfeln der Verzweiflung). Lebte in den 1930er-Jahren in Berlin, dann in Paris. 1949 erschien Précis de décomposition, Ciorans erste Fragmentesammlung auf Französisch, die von Paul Celan unter dem Titel Die Lehre vom Zerfall 1953 ins Deutsche übertragen wurde. 1968 konnte Cioran einen Verkaufserfolg mit der Portraitsammlung Exercices d’admiration zu u.a. Samuel Beckett, Jorge Luis Borges, Henri Michaux und Gabriel Marcel verbuchen. In den Jahren darauf veröffentlichte er zahlreiche weitere Werke, die ihn als radikalen Skeptiker zeigen, der dem Leben keinen Sinn abgewinnen kann und bereits das Geborensein als Katastrophe bezeichnet. Cioran lehnte alle Preise, auch den hochdotierten Preis der Académie française ab.

Wolfgang Kraus stand fast zwanzig Jahre in Briefkontakt mit Cioran und brachte 1973 dessen Werk Die verfehlte Schöpfung im Europa Verlag heraus. In der ÖGfL trat Cioran nicht auf.

Burkhard Reinartz: Emil Cioran. Ein Gedanke muss ätzen wie ein Gifttropfen. In: Deutschlandfunk, 23. November 2016

 

Franz Theodor Csokor

Schriftsteller und Dramatiker
1885 – 1969

Csokor_web
Foto: Imagno/Otto Breicha

Geboren in Wien, studierte Kunstgeschichte, Literatur- und Theaterwissenschaft und war zunächst als Dramaturg in Petersburg tätig. Ab 1922 arbeitete er als Regisseur und Dramaturg am Raimund-Theater sowie später am Deutschen Volkstheater in Wien. Csokor avancierte zum bedeutendsten Dramatiker des Expressionismus in Österreich mit zahlreichen Dramen, darunter Der große Kampf (1915), Die Sünde wider den Geist (1918) und Die rote Straße (1918). Sein Hauptwerk war Dritter November 1918 (1936). 1938 emigrierte Csokor aus Österreich über die Stationen Polen, Rumänien und Jugoslawien nach Süditalien. Ab 1943 stand er im Dienst der alliierten Streitkräfte in Italien. Nach Kriegsende kehrte Csokor nach Wien zurück und wurde Präsident des Österreichischen P.E.N.-Clubs. Csokor hat die Erfahrung der Odysee seiner Emigration literarisch verarbeitet. In den 1950er-Jahren erschienen außerdem Gedichte, Romane und Erzählungen.

Als Präsident des Österreichischen P.E.N.-Clubs war Csokor für Wolfgang Kraus gerade in den ersten Jahren des Bestehens der Institution ein wichtiger Kooperationspartner. Zudem wurde der Autor zu einer Vielzahl von Veranstaltungen, die letzte 1969 zu den Dichtungen von Hugo von Hofmannsthal, eingeladen.

Gestorben: Franz Theodor Csokor. In: Der Spiegel, 13. Jänner 1969

Tibor Déry

Schriftsteller und Dramatiker
1894 – 1977

Dery1web
Foto: Imagno/Otto Breicha

Geboren in Budapest, übernahm nach dem Studium der Volkswirtschaft die Leitung des größten Holzverarbeitungsbetriebs Ungarns, organisierte 1918 einen Lohnstreik auf Arbeiterseite, wurde entlassen und musste zum Militär einrücken. Nach dem Ende der Kommune in Ungarn ging Déry ins Exil und lebte fast anderthalb Jahrzehnte in Wien, Paris, Berlin und Jugoslawien. Aufgrund seines Engagements in der Räterepublik musste er 1919 Ungarn verlassen. 1934 begann Déry mit seiner Arbeit an Der unvollendete Satz (1947), 1937 kehrte er zurück nach Ungarn und publizierte ab 1945 in hoher Auflage. 1952 folgte der Roman Die Antwort. 1953 wurde Déry aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen. Die Diskussion um sein Werk führte zum ersten offenen Konflikt ungarischer Schriftsteller mit der Partei. Mit Niki – Geschichte eines Hundes fand der Autor 1956 Eingang in die Weltliteratur. Nach einem gescheiterten Aufstand 1956 wurde er am 13. November 1957 zu einer Haftstrafe von neun Jahren verurteilt, jedoch 1960 frühzeitig entlassen. Nach Tätigkeiten als Übersetzer kehrte er ab 1963 wieder in den Literaturbetrieb zurück.

Am 14. März 1963 fand auf Einladung von Wolfgang Kraus Dérys erste Lesung im Westen nach seinem Gefängnisaufenthalt statt, die europaweit breite mediale Resonanz fand. Déry folgte 1965 und 1968 weiteren Einladungen der ÖGfL.

Ivan Nagel: Wer ist Tibor Déry? In: Die Zeit, 22. März 1963

Blaga Dimitrowa

Schriftstellerin und Politikerin
1922 – 2003

Geboren in Bjala Slatina in Bulgarien, studierte Slawistik in Sofia, promovierte 1945 in Leningrad und Moskau. Sie trat als Übersetzerin aus dem Altgriechischen, Polnischen, Russischen, Schwedischen, Deutschen und Vietnamesischen hervor, verfasste Literaturkritiken und Essays und war als Redakteurin für Jugendbücher tätig. In der Zeit des Vietnamkrieges reiste sie fünfmal nach Vietnam und adoptierte ein vietnamesisches Mädchen. Nach dem Ende der kommunistischen Ära Bulgariens gründete sie gemeinsam mit anderen 1987 den Klub für Demokratie, aus dem später das Oppositionsbündnis Union der demokratischen Kräfte hervorging. 1992 bis 1993 war sie Vizepräsidentin Bulgariens. Sie war Vorsitzende der Raina Kabaiwanska-Stiftung für Waisenkinder.

Wolfgang Kraus und Dimitrowa standen seit 1965 in brieflichem und persönlichem Kontakt. 1982 trat sie erstmals in der ÖGfL bei einem Abend zu bulgarischer Lyrik auf.

Heinrich Drimmel

Politiker
1912 – 1991

Drimmel1web
Foto: Imagno/Otto Breicha

Geboren in Wien, studierte Jus und trat in den österreichischen Staatsdienst ein. Von 1929 bis 1936 gehörte er der Wiener Heimwehr an. 1937 wechselte Drimmel in das Österreichische Unterrichtsministerium und wurde 1938 zum Finanzdienst zurückversetzt. 1940 zum Kriegsdienst einberufen, geriet er bei Kriegsende in amerikanische Gefangenschaft. Nach seiner Entlassung 1946 war er wieder im Unterrichtsministerium, dessen Bundesminister ab Dezember 1945 von der ÖVP gestellt wurden. Von 1954 bis 1964 war Drimmel ÖVP-Bundesminister für Unterricht und prägte in dieser Funktion die österreichische Kulturpolitik der 1950er- und der frühen 1960er-Jahre. Von 1964 bis 1969 war er Vizebürgermeister der Stadt Wien und ab 1972 Ministerialrat im Ruhestand. 1965 erschien sein Buch Zehn Reden wider den Geist, 1970 folgte Der konservative Mensch und die Revolution.

Mit seiner Unterstützung wurde 1961 die ÖGfL gegründet.

Dimiter Dublew

Schriftsteller und Lyriker
1927 – 1988

Geboren in Jambol in Bulgarien, studierte Jus und war als Journalist tätig. Er absolvierte Aufenthalte in Berlin zur Festigung seiner deutschen Sprachkenntnisse. Dublew war einer der konsequentesten Vertreter des freien Verses in Bulgarien und veröffentlichte zahlreiche Gedichtbände, darunter Gedichte von der Grenze (1953), Liebe durchs Fenster (1957), Spannungen (1984) und Nerv (1987), außerdem das Kinderbuch Der weiße Bär (1960) und zahlreiche humoristische Kurzgeschichten. Aus dem Deutschen übersetzte er u.a. Werke von Ingeborg Bachmann, Heinrich Böll, Bertolt Brecht, Paul Celan, Erich Fried und Georg Trakl ins Bulgarische.

1963 gab er bei einer Veranstaltung der ÖGfL einen Überblick über die zeitgenössische bulgarische Lyrik.

Pop Verlag über Dimiter Dublew

Efim Etkind

Literaturwissenschaftler und Übersetzer
1918 – 1999

Etkind1web
Foto: Imagno/Otto Breicha

Geboren in Petrograd, studierte Germanistik, Slawistik und Romanistik, diente während des Zweiten Weltkriegs aufgrund seiner perfekten deutschen und französischen Sprachkenntnisse als Propagandaoffizier in der Roten Armee. Ab 1952 lehrte Etkind am Pädagogischen Herzen-Institut in Leningrad als Professor. 1974 wurde ihm seine Professur entzogen sowie der Doktortitel und das Lehr- und Publikationsrecht in der Sowjetunion aberkannt. Zum Vorwurf gemacht wurden ihm hauptsächlich seine Kontakte zu Alexander Solschenizyn, Christa Wolf und Heinrich Böll und sein Einsatz für Joseph Brodsky während dessen Schauprozesses. Nach Verhören durch den KGB stellte Etkind einen Ausreiseantrag nach Israel, woraufhin er aus der Sowjetunion ausgewiesen wurde. Ab 1975 lehrte er Komparatistik an der Universität Sorbonne in Paris. In den 1990er-Jahren wurde er in St. Petersburg offiziell rehabilitiert.

Kraus stand seit 1963 in Kontakt mit Etkind und beherbergte ihn nach seiner Ausweisung 1974 für einige Monate in Wien. Daraufhin folgten regelmäßig Einladungen aus Wien, 1996 sprach er das letzte Mal in der ÖGfL zum Thema „Österreichische Lyrik im Spiegel der russischen Dichtung“.

Ilma Rakusa: Dissident wider Willen. Zum Tode des russischen Germanisten und Übersetzers Efim Etkind. In: Die Zeit, 2. Dezember 1999

 

Erich Fried

Schriftsteller
1921 – 1988

Fried1web
Foto: Imagno/Otto Breicha

Geboren in Wien, emigrierte 1938 mit seiner Mutter nach London. Im Exil arbeitete Fried als Bibliothekar und gründete eine Flüchtlings-Selbsthilfegruppe. Von 1952 an war er Kommentator des German Soviet Zone Programm der BBC, gab aber diese Mitarbeit im Februar 1968 wieder auf. Fried war britischer, ab 1981 auch wieder österreichischer Staatsbürger. 1944 erschien in London sein erster Gedichtband (in deutscher Sprache) mit dem Titel Deutschland. Nach Kriegsende publizierte er weitere Gedichte unter dem Titel Österreich (1945). 1960 erschien sein Roman Ein Soldat und ein Mädchen. Als entscheidender Wendepunkt in seiner schriftstellerischen Aussage gelten die zwischen 1962 und 1966 entstandenen Anti-Vietnamkriegs-Gedichte (1966), die Paradebeispiele für die politische Lyrik der Neuen Linken boten. Insgesamt hinterließ Fried rund zwei Dutzend Gedichtbände, die eine Gesamtauflage von über 300.000 Exemplaren erreichten. Zudem war er Übersetzer von Shakespeare-Dramen, Euripides und T.S. Elliot.

Wolfgang Kraus nahm bereits 1962 mit Fried Kontakt auf und besuchte ihn in London. Trotz der unterschiedlichen politischen Einstellungen wurde Fried oftmals nach Wien eingeladen. Zudem unterstützte die ÖGfL Fried bei dem Versuch der Wiedererlangung der österreichischen Staatsbürgerschaft.

Erich Fried im Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek

Erich Fried. In: Der Spiegel, 28. November 1988

Gerhard Fritsch

Schriftsteller und Redakteur
1924 – 1969

Fritsch1web
Foto: Imagno/Otto Breicha

Geboren in Wien. Als Funker einer Transportfliegerstaffel in Norwegen, Finnland und Russland, geriet Fritsch 1945 in Kriegsgefangenschaft. Nach Wien zurückgekehrt, studierte er Germanistik und Geschichte. Fritsch war als Gymnasiallehrer, Redakteur und Verlagslektor tätig, ab 1951 war er Bibliothekar der Wiener Städtischen Bücherei. Ab 1959 arbeitete Fritsch als freier Schriftsteller und Redakteur der Literaturzeitschrift Wort in der Zeit (bis zu seiner Kündigung durch die Verlagsleitung 1965). Ab 1966 war er Mitherausgeber von Literatur und Kritik sowie der Wiener Literaturzeitschrift protokolle. Seine frühe Lyrik (Lehm und Gestalt 1954, Der Geisterkrug 1958) griff kollektive Erfahrungen des Kriegs auf. Sein erster Roman, Moos auf den Steinen , wurde 1956 äußerst positiv aufgenommen, indem der Anschluss an eine „österreichische Tradition“ hervorgehoben wurde, ohne das kritische Potenzial des Werks zu berücksichtigen. Sein zweiter Roman Fasching stieß dagegen 1967 auf Ablehnung.

Die Redaktion der Zeitschriften Wort in der Zeit und Literatur und Kritik befand sich in den Räumlichkeiten der ÖGfL. Nach dem Selbstmord Gerhard Fritschs gründete Wolfgang Kraus die Gerhard Fritsch-Stiftung, welche die Förderung von jungen österreichischen AutorInnen zum Ziel hatte.

Hermann Piwitt: Gerhard Fritsch. In: Die Zeit, 4. April 1969

Susanne Zobl: Zu Leben und Werk von Gerhard Fritsch. In: Der literarische Zaunkönig, H. 1, 2004

Eduard Goldstücker

Literaturhistoriker
1913 – 2000

Goldstuecker1web
Foto: Imagno/Otto Breicha

Geboren in Podbiel in der Slowakei, kam 1931 nach Prag um Germanistik und Romanistik zu studieren und promovierte in Oxford (1940–1942). Goldstücker wurde 1933 Mitglied der Kommunistischen Partei. 1939 floh er vor antisemitischer Verfolgung über Polen und Schweden nach England. Im Londoner Exil wirkte er als Redakteur und anschließend im Außenministerium der tschechischen Exilregierung, war Kulturattaché an der Botschaft der Tschechoslowakei in Paris, Beamter im Prager Außenministerium und Attaché bei der Botschaft in London sowie erster tschechoslowakischer Botschafter in Israel und Schweden. Goldstücker wurde während einer parteiinternen antisemitischen Welle im Mai 1953 zu lebenslänglicher Kerkerhaft verurteilt. 1955 kam er frei und übernahm im Januar 1956 eine Dozentur für Germanistik an der Karls-Universität in Prag. 1963 war er Mitorganistor der Kafka-Konferenz auf Schloss Liblice, die die Kafka-Rezeption in den kommunistisch regierten Ländern einleitete. Von 1968 bis 1969 war er Abgeordneter der Nationalversammlung, ab Januar 1968 Präsident des tschechoslowakischen Schriftstellerverbandes. Nach dem Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes flüchtete er nach Wien und übernahm 1969 eine Gastprofessur an der britischen Universität Sussex. 1970 wurde er aus der Partei ausgeschlossen, 1974 folgte der Entzug der Staatsbürgerschaft. Ab 1991 lebte Eduard Goldstücker erneut in Prag.

Nach einem ersten Vortrag zum Prager Kreis 1964 war Goldstücker oftmals Gast der ÖGfL, 1968 führten ihn die ersten Schritte seines Exils in die Räume der Gesellschaft. 1993 hielt er seinen letzten Vortrag für die ÖGfL bei einem Symposium über die Konsequenzen der politischen Wende 1989.

Marko Martin: Eduard Goldstücker – fast selbst eine Kafka-Figur. In: Die Welt, 30. Mai 2013

Vogelfrei zum dritten Mal. Ein Interview mit Eduard Goldstücker. In: Die Zeit. 1. November 1968

 

Zlatko Gorjan

Lyriker und Übersetzer
1901 – 1976

Gorjan1web
Foto: Imagno/Otto Breicha

Geboren in Sremska Mitrovica in der Vojvodina, studierte Deutsch und Französisch in Wien und Zagreb und war zunächst als Redakteur bei mehreren fremdsprachigen Zeitungen und als örtlicher Korrespondent für ausländische Zeitungen tätig. 1928 arbeitete er als Assistent der Theaterdirektoren Ivo Raić Lonjski und Branko Gavella. Von 1936 bis 1940 war er als Dramaturg für Warner Bros. in Zagreb tätig. Nach dem Krieg arbeitete Gorjan als Redakteur bei mehreren Zagreber Verlagsunternehmen. Gorjan war Gründungsmitglied und Präsident der kroatischen literarischen Übersetzervereinigung, wurde 1963 zum Präsidenten des Internationalen Verbandes der Übersetzer gewählt und war Mitglied des Redaktionsausschusses der föderalen Zeitschrift Babel. Seit 1973 war er Sekretär des kroatischen PEN-Zentrums. Er schrieb Poesie, Novellen und Essays, ist aber insbesondere durch seine etwa 150 Übersetzungen ins Kroatische bekannt, darunter Herman Melvilles Moby Dick, James Joyces Ulysses und Robert Musils Der Mann ohne Eigenschaften.

Gorjan war einer der ersten Gäste aus den Staaten jenseits des Eisernen Vorhangs in der ÖGfL und wurde von dieser in seiner Übersetzerarbeit unterstützt.

Walter Gürtelschmied

Mitarbeiter der ÖGfL und Journalist
* 1949

Gürtelschmied war von 1975 bis 1977 Mitarbeiter der ÖGfL, arbeitete danach als Journalist, u.a. für den Kurier.

Hans Haider

Mitarbeiter der ÖGfL und Journalist
* 1946

Geboren in Innsbruck, übersiedelte 1996 nach Wien, wo er Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte studierte. Von 1974 bis 2008 war Haider Redakteur der Tageszeitung Die Presse. Er war Verantwortlicher der Literaturbeilage Literaricum von 1979 bis 1984, Leiter der Samstagbeilage Spectrum von 1986 bis 1989 und ab 1992 Leiter des Kulturressorts. Er ist Herausgeber zahlreicher literarischer Sammelbände (u.a. zu H.C. Artmann, Barbara Frischmuth, Norbert C. Kaser und Christine Lavant).

Von 1972 bis 1974 war er als Mitarbeiter in der ÖGfL tätig.

Amalia von Wendlingen: Hans Haider: Ein Streiter der Kultur ist 70. In: Die Presse, 9. März 2016

Václav Havel

Schriftsteller und Politiker
1936 – 2011

Havel1web
Foto: Imagno/Otto Breicha

Geboren in Prag, absolvierte eine Lehre als Chemielaborant und studierte Verkehrswirtschaft in Prag. Havel schrieb in dieser Zeit Kritiken für die Zeitschrift Květen, denen bald Beiträge in allen wichtigen tschechischen Literaturzeitschriften sowie sein erstes Stück Rodinný večer (Familienabend) folgten. 1960 bis 1968 arbeitete er am Prager Divadlo na zábradlí (Theater am Geländer) als Bühnentechniker, Dramaturg und Autor. Im Dezember 1963 wurde sein Drama Zahradní slavno (Das Gartenfest) uraufgeführt. Während des Prager Frühlings 1968 war er Vorsitzender des Klubs unabhängiger Schriftsteller. 1968 erhielt Havel in der ČSSR Publikationsverbot, doch viele deutschsprachige Bühnen brachten in den 70er-Jahren seine Komödien zur Aufführung. Von 1977–1989 war er als Mitglied der Oppositionsbewegung gegen die kommunistische Partei viermal inhaftiert und verbrachte fast fünf Jahre im Gefängnis. 1988 gründete er die Monatszeitung Lidové noviny. 1989 entwickelte er sich zum führenden Vertreter des Bürgerforums. Im Dezember 1989 wurde Havel zum Präsidenten der Tschechischen und Slowakischen Föderativen Republik gewählt, trat am 20. Juli 1992 vom Amt zurück und wurde 1993 erneut Präsident, diesmal der Tschechischen Republik.

1965 trat Havel auf Einladung der ÖGfL in Wien auf. Trotz zahlreicher Bemühungen durch die ÖGfL in den kommenden Jahrzehnten kam es zu keinem weiteren Besuch des Dichters und Politikers in Wien.

Kilian Kirchgeßner: Zum Tod von Václav Havel: Das Gesicht der tschechischen Freiheit. In: Die Zeit, 18. Dezember 2011

Karl-Peter Schwarz: Zum Tode von Václav Havel. Das Leben in der Wahrheit. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18. Dezember 2011

Julius Háy

Dramatiker
1900 – 1975

Geboren in Abony in Ungarn, nahm als Kommunist und Mitarbeiter von Georg Lukács an der Räterepublik teil. Nach der Niederschlagung der Revolution ging Háy 1919 nach Deutschland, wo er zunächst in Dresden sein Architekturstudium fortsetzte. Er schrieb seinen ersten Roman in ungarischer Sprache und trat als marxistischer Dramatiker hervor. 1930 schrieb Háy sein erstes Bühnenstück Das neue Paradies. 1933 musste Háy Deutschland verlassen und kam über Österreich, wo er inhaftiert wurde, nach Zürich und von dort nach Moskau, wo er ab 1935 lebte. 1945 kehrte er nach Ungarn zurück, erhielt aber Aufführungsverbot. Während des Volksaufstands 1956 gehörten Háy und seine Frau zu jenen Intellektuellen, die bis zuletzt Widerstand leisteten. Im November 1957 wurde er zu sechs Jahren Kerker verurteilt, drei Jahre später – nach zahlreichen Protesten westlicher Schriftsteller – begnadigt. 1965 durfte Háy Ungarn verlassen und ließ sich in Tessin nieder. Weitere Dramen aus späterer Zeit sind Der Barbar (1965) und Der Großinquisitor (1969). Háy trat erstmals 1964 in der ÖGfL auf, darauf folgten zwei weitere Veranstaltungen (1965 und 1971).

Wolfgang Kraus sorgte 1963 für einen Empfang von Háy in München durch den Congress for Cultural Freedom (CCF) und unterstützte die Inszenierung seines Theaterstücks Attilas Nächte im Wiener Burgtheater.

Gerd Bucerius: Deutsches – aus Ungarn: Gedenkblatt für Julius Hay. Sendungen zum 80. In: Die Zeit, 2. Mai 1980

Zbigniew Herbert

Lyriker und Dramatiker
1924 – 1998

Herbert1web
Foto: Imagno/Otto Breicha

Geboren in Lemberg, studierte in Krakau, Thorn und Warschau Jus, Ökonomie, Philosophie und Kunstgeschichte. Nach 1945 arbeitete Herbert als Bühnenarbeiter, als Bankbeamter bei der Polnischen Nationalbank und verfasste erste Gedichte. 1949 trat er nach kurzer Mitgliedschaft aus dem polnischen Schriftstellerverband wieder aus. Als 1956 die Periode des „Tauwetters“ anbrach, kehrte er in die Standesorganisation zurück, um an die Öffentlichkeit treten zu können. In den 1950er-Jahren veröffentlichte Herbert drei Gedichtbände und einen Essayband. Unter den polnischen Autoren galt Herbert, Mitherausgeber der Zeitschrift Twórczosc, als große Entdeckung. Mitte der 1960er-Jahre reiste er durch Europa und hielt sich u.a. als Gast des DAAD in Westberlin auf. 1970 erhielt er eine Professur am California State College in Los Angeles. 1974 erschien seine bekannteste Gedichtsammlung Herr Cogito. Ab 1981 kehrte Herbert nach Polen zurück, avancierte zur Galionsfigur der Opposition und publizierte aus Protest bis zur Wende des Herbstes 1989 nur in Untergrundverlagen oder im Ausland.

1964 war Herbert erstmals Gast der ÖGfL, 1965 reiste er anlässlich der Verleihung des Österreichischen Staatspreises für europäische Literatur erneut an.

Peter Hamm: Polen. Den Kopf senken. Letzte Gedichte des großen Danksagers und Lobpreisers Zbigniew Herbert. In: Die Zeit, 19. Oktober 2000

Konstanty Aleksander Jeleński

Essayist und Journalist
1922 – 1987

Geboren in Warschau, verließ im Alter von achtzehn Jahren Polen, um der polnischen Armee in Frankreich zu dienen. Danach lebte er in Italien und ab 1951 in Paris, wo er politisch tätig wurde. Er führte den Congress for Cultural Freedom (CCF) und leistete Beiträge zur monatlichen Publikation des Vereins Preuves. Ab 1975 wurde er im Institut national de l’audiovisuel aktiv. Jeleńskis Kritiken, Übersetzungen und Werke beschäftigen sich mit einer breiten Palette von literarischen, politischen und künstlerischen Themen, vor allem aus der polnischen Literatur und Geschichte des 20. Jahrhunderts. Zu seinen einflussreichsten Werken gehörten Essays über Witold Gombrowicz und seine Anthologie de la poesie polonaise (1965).

Die ÖGfL arbeitete seit 1963 mit Jeleński zusammen, besonders intensiv wurde die Zusammenarbeit bei der Organisation der drei Round Table-Gespräche (1963–1965).

Roman Karst

Literaturwissenschaftler
1911 – 1988

Geboren als Adolf Tuchmann in Tyczyn in Polen, war von 1939–1944 Gefangener in einem sibirischen Arbeitslager, von 1944-1946 diente er in der polnischen Volksarmee. 1946 nahm er seine literarischen Tätigkeiten unter dem Pseudonym Roman Karst auf. Von 1947 bis 1948 war er Redakteur bei Nowiny Literackie, von 1949 bis 1952 bei Kuźnica und Nowa Kultura. Von 1952 bis 1961 war er stellvertretender Professor für Allgemeine Literatur an der Universität Warschau und von 1955 bis 1969 Redakteur bei Twórczość. Ab 1955 war er Mitglied im Kuratorium des Thomas-Mann-Archivs in Berlin und nahm im Mai 1963 an der Kafka-Konferenz im Schloss Liblice bei Prag teil. Gegen alle Tendenzen des sozialistischen Realismus unternahm Karst den Versuch, zusammen mit Eduard Goldstücker, Roger Garaudy und Ernst Fischer, Kafka in den kommunistischen Ländern durchzusetzen. 1967 wurde er nach seiner Solidarisierung mit Leszek Kołakowski aus der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei ausgeschlossen und 1968 Opfer antisemitischer Hetze in Polen. 1969 gelang ihm die Emigration in die USA, wo er zwischen 1969 und 1981 als Professor für vergleichende Literaturwissenschaft an der State University of New York in Stony Brook (USA) tätig war.

Karst war im Februar 1969 kurzzeitig in Wien, wo er Aufnahme und Unterstützung bei der ÖGfL fand. Er wurde zudem zum ersten Abend mit polnischen AutorInnen im Jahr 1962 eingeladen. 1987 folgte er zum letzten Mal einer Einladung der ÖGfL zum Vortrag über die deutschsprachige Prager Literatur zur Zeit Kafkas.

Lew Kopelew

Literaturwissenschaftler
1912 – 1997

Geboren in Kiew, studierte an der Universität Charkow Germanistik, Philosophie, Literatur sowie Geschichte. Er erhielt eine Anstellung als stellvertretender Leiter der Abteilung für ausländische Dramatik bei der Theatergesellschaft in Moskau. Im Juni 1941 meldete sich Kopelew freiwillig zur Armee. Ab 1945 saß er wegen „bürgerlich-humanistischer Propaganda des Mitleids mit dem Feind“ fast zehn Jahre in Lagern und Gefängnissen. 1956 wurde er rehabilitiert und arbeitete als Dozent für internationale Pressegeschichte. Er verfasste germanistische Publikationen zu Werken von Heinrich Böll, Bertolt Brecht, Thomas Mann und Anna Seghers. Ab 1966 setzte sich Kopelew für DissidentInnen ein. Ein erneuter Parteiausschluss, Schreibverbot und die Entlassung aus dem Institut (1968) folgten. Nach 1968 arbeitete er als freischaffender Schriftsteller und Literaturwissenschaftler und hielt bis 1975 Gastvorlesungen. Im Januar 1980 unterzeichnete er eine Erklärung für Andrej D. Sacharow. Während eines Aufenthalts in Berlin wurde Kopelew ausgebürgert. Kopelew konnte eine Gastprofessur an der Universität Göttingen übernehmen.

Die ÖGfL stand seit 1963 mit Kopelew in Kontakt, doch erst nach seiner Ausbürgerung war auch ein Auftritt in Wien möglich.

Spiegel Gespräch: „Die Polen sind ein großartiges Volk“. In: Der Spiegel, 26. Jänner 1981

 

Wolfgang Kraus

Präsident der ÖGfL, Journalist und Kulturpublizist
1924 – 1998

Kraus2web
Foto: Imagno/Otto Breicha

Geboren in Wien, absolvierte von 1942 bis 1943 Kriegsdienst und wurde wegen jugendlichen Herzdefekts frühzeitig entlassen. Studierte ab 1943 Germanistik, Musikwissenschaft und Publizistik. Von 1946 bis 1948 war er Sekretär von Edwin Rollett im Wiener Ullstein Verlag und literarischer Mitarbeiter der Wiener Zeitung. Ab 1949 war Kraus Cheflektor des Paul Zsolnay-Verlages, später auch Pressechef und Vertriebsleiter. Von 1956 bis 1971 arbeitete er als Kulturkorrespondent mit dem Schwerpunkt Osteuropa für Zeitungen in Österreich, der Bundesrepublik Deutschland und der Schweiz. Von 1968 bis 1994 war Kraus Gestalter der ORF-Reihe Jour fixe mit Wolfgang Kraus, von 1979 bis 1981 auch Präsentator der Sendung Die Welt des Buches. Von 1971 bis 1975 übte er die Tätigkeit des Programmleiters des Europa Verlages in Wien aus. Von 1975 bis 1982 war er Leiter der von ihm angeregten kulturellen Kontaktstelle des Außenministeriums. Kraus war Herausgeber von Auswahlanthologien u.a. von Friedrich Nietzsche, Novalis und Oscar Wilde, sowie Autor von mehreren Essaybänden, deren bekanntester Der fünfte Stand (1965) war.

1961 gründete Wolfgang Kraus die ÖGfL, deren Leiter er bis 1994 war. 1994 wurde er zum Ehrenpräsident der ÖGfL ernannt.

Wolfgang Kraus im Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek

Miroslav Krleža

Schriftsteller
1893 – 1981

Krleza1web
Foto: Imagno/Otto Breicha

Geboren in Agram, besuchte die Kadettenschule und die Militärakademie, aus der er 1912 entfloh, um im serbischen Heer gegen die Türken zu kämpfen. Als Spion verdächtigt, wurde er nach Ungarn abgeschoben. 1914 diente Krleža in der österreichisch-ungarischen Armee an der russischen Front. Nach 1918 engagierte er sich für ein freies Serbo-Kroatien. Von seinem literarischen Schaffen ist insbesondere der Dramen- und Novellenzyklus Die Glembays vom Ende der 1920er-Jahre bekannt geworden. Das gleichnamige Schauspiel kam 1965 im Rahmen der Grazer Sommerspiele zur deutschsprachigen Erstaufführung. Zwischen 1930 und 1938 schrieb Krleža drei Romane. Beispiele für seine zahlreichen Essays finden sich in Europäisches Alphabet (1964) und in Politisches Alphabet (1967). 1966 erschien in deutscher Übersetzung ein Band mit neun weiteren Erzählungen, 1968 der Erzählband Requiem für Habsburg. Die in Zagreb erschienene Ausgabe seiner gesammelten Werke umfasst 36 Bände. Er war Direktor des Jugoslawischen Lexikographischen Instituts und Vizepräsident der jugoslawischen Akademie.

1966 trat Krleža in der ÖGfL auf, Kraus rezensierte mehrmals seine Werke.

Jörg Plath: Der kroatische Jahrhundertautor Miroslav Krleža. Ein unbekannter Planet. In: Neue Zürcher Zeitung, 8. Februar 2014

Irene Laudon

Mitarbeiterin in der ÖGfL

Arbeitete von März bis September 1966 als Sekretärin in der ÖGfL.

Stanisław Lem

Schriftsteller
1921 – 2006

Geboren in Lemberg (heute Lwiw), begann Lem 1939 ein Medizinstudium. Während der deutschen Besetzung brachte er sich ab 1942 als Autoschlosser und Monteur durch. Als Polen von der Roten Armee erobert wurde, setzte er sein Studium in Krakau fort. Die Begegnung mit Mieczysław Choynowski ermöglichte Lem ein umfassendes Privatstudium von Physik, Biologie, Kosmologie und Philosophie. Ab Anfang der 1950er-Jahre war er freier Schriftsteller. Sein erster Science-Fiction-Roman erschien 1946 in einer Romanheftreihe und wurde erst 1989 unter dem Titel Der Mensch vom Mars neu aufgelegt. Sein eigentliches literarisches Debüt Hospital der Verklärung vereitelte 1948 die Zensur des polnischen Staates. 1973 wurde Lem Dozent für polnische Literatur an der Universität Krakau. Sein literarisches Schaffen umfasste neben Romanen auch Gedichte, Humoresken, Märchen, Fabeln, Erzählungen sowie auch Hör- und Fernsehspiele, Essays und philosophische Abhandlungen. Lem gilt als erfolgreichster Autor der modernen polnischen Literatur, u.a. mit dem Welterfolg des Romans Solaris (1961). Ab Ende der 1980er-Jahre widmete er sich wissenschaftlich fundierten, zivilisationskritischen Essays. Ab 1983 lebte er vorübergehend in Wien, kehrte aber 1988 nach Krakau zurück.

Seine Lesung in der ÖGfL fand 1962 im Rahmen des ersten Abends zur polnischen Literatur statt, weitere Lesungen folgten in den 1960er- und 1980er-Jahren.

Piotr Dobrowolski: Stanisław Lem: Intergalaktischer Pessimist. In: Wiener Zeitung, 27. März 2016

Heinz Lukas-Kindermann

Mitarbeiter der ÖGfL, Regisseur und Intendant
* 1939

Geboren in Münster, studierte an der Hochschule für Darstellende und Bildende Kunst in Wien. Er arbeitete als Regieassistent an der Deutschen Oper Berlin. Als Oberspielleiter der Oper war er am Theater Bielefeld, an den Bühnen der Landeshauptstadt Kiel, am Staatstheater Braunschweig, Staatstheater Nürnberg sowie am Theater Dortmund tätig. Lukas-Kindermann inszenierte an über 40 Opernhäusern. In Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Komponisten brachte er einige Opern-Uraufführungen, wie Aribert Reimanns Gespenstersonate, Nino Bibalos Gespenster, Die Glasmenagerie von Manfred Gurlitt sowie Wilfried Hillers Rattenfänger auf die Bühnen.

Lukas-Kindermann war von 1965 bis 1966 Mitarbeiter der ÖGfL und für die Korrespondenz und Koordination von AuslandsgermanistInnen zuständig.

Claudio Magris

Germanist und Schriftsteller
* 1939

Geboren in Triest, studierte an der Universität von Turin sowie in Freiburg/Breisgau Germanistik. Von 1968 bis 1970 war Magris an der Universität Triest tätig, später an der Universität Turin. 1978 wechselte er zurück an die Triester Universität und war dort bis 2006 Professor für Deutsche Sprache und Literatur. Er übersetzte viele österreichische Autoren ins Italienische, u.a. Joseph Roth, Arthur Schnitzler und Franz Grillparzer. International bekannt wurde er mit seiner 1963 publizierten Dissertation Der habsburgische Mythos in der österreichischen Literatur und mit seinem Buch Donau. Biographie eines Flusses (1986). Als Essayist und Kolumnist des Corriere della Sera nahm er zu innen- und außenpolitischen Themen Stellung.

Magris Werke waren für Wolfgang Kraus ein zentraler Beitrag zur Diskussion über eine österreichische Literatur. Der Autor trat mehrfach in der ÖGfL auf, zuletzt 1993 mit einem Vortrag über Ein anderes Meer.

Ernst-Wolfram Marboe

Mitarbeiter der ÖGfL und Journalist
1938 – 2012

Geboren in Wien, absolvierte ein Regie- und Schauspielstudium am Max-Reinhardt-Seminar und begann ein Studium der Theaterwissenschaften und Germanistik an der Universität Wien. Bereits während seines Studiums leitete er von 1962 bis 1964 das Wiener Studententheater, war als Assistent und Inspizient bei den Bregenzer und den Salzburger Festspielen tätig und Mitarbeiter an den Opernhäusern in Stuttgart, Hamburg und Frankfurt. Ab 1961 war Ernst-Wolfram Marboe als Autor, Regisseur und als freier Mitarbeiter im ORF tätig. 1971 wurde er zum Leiter der Abteilung Hörspiel und Literatur im Landesstudio Niederösterreich und 1976 zu dessen Intendanten bestellt. Ab 1978 war er Intendant des ORF-Fernsehsenders FS 2 und 1984 Fernseh-Programmintendant. Nach seinem Ausscheiden aus dem ORF leitete er von 2000 bis 2007 die Raimundfestspiele Gutenstein.

Marboe war 1964 Mitarbeiter der ÖGfL.

Maria Merckens

Mitarbeiterin der ÖGfL

Merckens war ab 1968 Mitarbeiterin der ÖGfL.

George C. Minden

Kulturmanager
1921 – 2006

Geboren in Bukarest, studierte Jus und emigrierte nach der kommunistischen Machtübernahme nach England. Er war als Sprachlehrer in Spanien und Mexiko tätig, bevor er ab 1954 für Radio Free Europe in New York arbeitete. Minden war Präsident des International Literary Center, das vom CIA finanziert wurde und ab 1956 Buchsendungen in großem Ausmaß in die Staaten jenseits des Eisernen Vorhangs durchführte. Das Programm endete 1993.

In Österreich kooperierte Minden v.a. in den 1960er-Jahren mit der ÖGfL und Wolfgang Kraus.

Josef Nesvadba

Schriftsteller und Übersetzer
1926 – 2005

Geboren in Prag, besuchte das englische Gymnasium in Prag und absolvierte von 1945 bis 1950 ein Medizinstudium. Von 1956 bis 1992 war Nesvadba als Psychotherapeut tätig. Ab 1968 befand sich der Übersetzer und Autor von Science-Fiction-Erzählungen, utopischen und satirischen Romanen zeitweise im österreichischen Exil.

Nesvadba trat zwar nur einmal in der ÖGfL auf (1963), stand jedoch in jahrzehntelangem brieflichen oder persönlichen Kontakt mit Wolfgang Kraus und Hella Bronold.

Helmuth A. Niederle

Mitarbeiter der ÖGfL, Schriftsteller, Übersetzer und Präsident des Österreichischen P.E.N.-Clubs
* 1949

Niederle1web
Foto: Imagno/Otto Breicha

Geboren in Wien, studierte Medizin, dann Ethnologie, Volkskunde, Kunstgeschichte und Soziologie. Er war journalistisch tätig und veröffentlichte Aufsätze zu kulturellen und gesellschaftspolitischen Themen. Frühe literarische Texte Niederles finden sich in Reinhard Federmanns Zeitschrift Die Pestsäule. Sein Buchdebüt Verwandlungen erschien 1974. Größere Erzählungen legte er mit dem Bericht Lainz. Ein Ort zum Sterben? (1982) und dem Erzählband Die dritte Halbzeit (2004) vor. Seit 2000 fungiert er als Beauftragter des Writers in Prison Committee des P.E.N.-Clubs und setzt sich als Funktionär, Herausgeber und Vortragender für politisch unterdrückte Schriftsteller ein. Niederle übersetzte Bücher aus dem Englischen von Abdulrazak Gurnah, Jackie Kay, Jack Mapanje und vor allem von Ben Okri. Seit 2011 ist Helmuth Niederle Präsident des Österreichischen P.E.N.-Clubs.

Niederle war ab 1973 Mitarbeiter der ÖGfL und von 1994 bis Ende 2011 stellvertretender Leiter der ÖGfL.

Podium-Porträt Helmuth Niederle

Oskar Pastior

Lyriker und Übersetzer
1927 – 2006

Geboren in Hermannstadt, wurde 1945 in die Sowjetunion deportiert. 1949 zurückgekehrt, arbeitete er ab 1950 als Kistennagler und Bautechniker. Von 1955 bis 1960 studierte er Germanistik an der Universität Bukarest. Von 1960 bis 1968 war er Rundfunkredakteur in Bukarest. 1964 erschien sein erster Lyrikband Offne Worte. Der Literaturpreis der Zeitschrift Neue Literatur, die Aufnahme in den Schriftstellerverband der Sozialistischen Republik Rumänien (1965) und der Lyrikerpreis des Verbandes (1967) folgten. Im Frühjahr 1968 floh Pastior in die Bundesrepublik Deutschland. Die Gedichtsammlung Vom Sichersten ins Tausendste wurde 1969 sein literarisches Debüt in der Bundesrepublik. Pastior war 1992 und 1993 an der Gesamthochschule Kassel sowie 1994 und 1995 an der Universität Frankfurt am Main tätig. Posthum wurde 2010 Pastiors Zusammenarbeit mit dem rumänischen Geheimdienst Securitate bekannt, deren Bewertung jedoch noch nicht abgeschlossen ist.

Dass Pastior 1968 eine Einladung der ÖGfL nach Wien zur Emigration aus Rumänien nutzte, führte zu Verstimmungen mit Wolfgang Kraus. 1970 trat Pastior zusammen mit Michael Guttenbrunner wieder in der Gesellschaft auf.

Regina Mönch: Oskar Pastior und die Securitate. Schluchten des Argwohns. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25. Juni 2012

Sylvia Peyfuss

Mitarbeiterin der ÖGfL
* 1943

Peyfuss1web
Foto: Imagno/Otto Breicha

Geboren in Wien. Mitarbeiterin der ÖGfL von 1964 bis 1966 und von 1976 bis 1994, übernahm die Organisation von Symposien und Tagungen sowie Korrespondenzen.

Marcel Reich-Ranicki

Literaturkritiker
1920 – 2013

Reich-Ranicki2web
Foto: Imagno/Otto Breicha

Geboren als Marcel Reich in Włocławek in Polen. Ab 1929 in Berlin lebend, wurde er im Oktober 1938 nach Polen ausgewiesen. Ab November 1940 lebte Reich-Ranicki im Warschauer Ghetto, wo er als Übersetzer und Mitarbeiter des Ghetto-Untergrundarchivs tätig war. Nach Kriegsende trat er der Kommunistischen Partei Polens bei und arbeitete ab 1947 für den Auslandsgeheimdienst und im polnischen Außenministerium. Anfang 1950 wurde er aus dem Geheimdienst und dem Außenministerium entlassen, aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen und inhaftiert. Nach der Haft war Reich-Ranicki als Lektor sowie ab Ende 1951 als freier Autor tätig, wurde aber von 1953 bis 1954 mit einem Publikationsverbot belegt. Im Juli 1958 hielt er sich zu Studienzwecken in der Bundesrepublik auf und blieb. Zwischen 1960 und 1974 wurde Reich-Ranicki als Literaturkritiker für FAZ, Die Welt, Die Zeit und in der Gruppe 47 international bekannt. Er war Gastprofessor an zahlreichen internationalen Universitäten, Initiator des Ingeborg-Bachmann-Preises und von 1964 bis 1967 in der Fernsehsendung Das literarische Kaffeehaus zu sehen, ab 1988 im Literarischen Quartett.

Mit der ÖGfL stand er seit den frühen 1960er-Jahren in Verbindung. Er hielt nicht nur regelmäßig Vorträge auf Einladung von Kraus, sondern berichtete auch über die Institution und ihre Veranstaltungen.

Deutschlands bedeutendster Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki ist tot. In: Der Spiegel, 18. September 2013

Hans Rochelt

Mitarbeiter in der ÖGfL, Musikkritiker und Kulturjournalist
1936 - 2016

Geboren in Linz, studierte Psychologie, Germanistik und Philosophie in Wien und war von Anfang bis Mitte 1973 als freier, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der ÖGfL tätig; danach bis 1995 Kulturredakteur und Regisseur im ORF-Landesstudio Burgenland.

ORF trauert um Hans Rochelt. 15. März 2016

Helmuth Schönthal

Mitarbeiter der ÖGfL

War von 1964 bis 1970 Mitarbeiter der ÖGfL, korrespondierte vor allem mit Auslandsinstitutionen und organisierte Büchersendungen.

Egon Schwarz

Literaturwissenschaftler
1922 - 2017

Geboren in Wien, musste nach dem „Anschluss“ mit seinen Eltern Österreich verlassen. Die Stationen seines Exils waren Bolivien, Chile und Ecuador, wo er sich als Hilfsarbeiter durchbrachte. Durch Bernhard Blume gelang der Wechsel in die USA. Er studierte nun Germanistik und Romanistik. Schwarz lehrte als Professor u.a. an der Washington University, in Harvard und in St. Louis. Er veröffentlichte zahlreiche Monographien, Sammlungen und Aufsätze mit Schwerpunkten zu Joseph von Eichendorff, Hugo von Hofmannsthal und Rainer Maria Rilke. Egon Schwarz galt als einer der wichtigsten Vermittler der deutschsprachigen Literatur und widmete seine Forschung vor allem VertreterInnen der Exilliteratur. Zu seinen Werken zählen auch die Autobiografie Unfreiwillige Wanderjahre (2009) und der Essayband Wien und die Juden (2014).

Egon Schwarz war mit einem Vortrag über Rainer Maria Rilke erstmals 1971 zu Gast in der ÖGfL. Es war dies die erste offizielle Einladung nach Österreich nach seiner Flucht, erklärte der Germanist in einem persönlichen Gespräch mit den ProjektmitarbeiterInnen.

Ursula Seeber und Michael Omasta: Egon Schwarz: Auf immer ein Zuagraster. In: Die Presse, 3. März 2017

Hermann Schlösser: Lebendigkeit und Eleganz. In: Wiener Zeitung, 14. Februar 2017

 

Jan Skácel

Lyriker
1922 – 1989

Geboren in Vnorovy in Mähren, war während der deutschen Okkupation drei Jahre lang Zwangsarbeiter in Österreich. Von 1954 bis 1963 war er als Redakteur beim Rundfunk in Brno tätig; ab 1963 Chefredakteur der Kulturzeitschrift Host do domu (Gast ins Haus). Ab 1969 hatte Skácel Publikationsverbot in seiner Heimat. Auf deutsch erschienen 1967 Fährgeld für Charon und 1982 Wundklee in der Übersetzung durch Reiner Kunze. 1981 konnte wieder eine Auswahl seiner Gedichte in der ČSSR veröffentlicht werden.

Über Vermittlung von Wolfgang Kraus sprach sich Peter Handke dafür aus, Skácel 1989 den Petrarca-Preis zu verleihen.

Peter Handke: Laudatio auf Jan Skácel: der tschechische Lyriker nahm am vergangenen Wochenende den Petrarca-Preis entgegen. Das plötzliche Nichtmehrwissen des Dichters. In: Die Zeit, 16. Juni 1989

Manès Sperber

Schriftsteller
1905 – 1984

Sperber2web
Foto: Imagno/Otto Breicha

Geboren in Zablotow/Galizien, floh 1916 mit seinen Eltern nach Wien und beendete dort seine Gymnasialausbildung. Sperber wurde Mitglied der zionistischen Jugendbewegung. Er studierte Psychologie u.a. bei Alfred Adler. 1926 veröffentlichte er die Schrift Alfred Adler, der Mensch und seine Lehre. 1927 sandte ihn Adler nach Berlin, wo er bis 1933 Individualpsychologie lehrte und die Zeitschrift für individualpsychologische Pädagogik und Psychohygiene herausgab. Sperber schloss sich 1931 der Kommunistischen Partei an, es kam zum Bruch mit Alfred Adler. 1933 emigrierte Sperber über Jugoslawien nach Paris. 1937 löste er sich von der Kommunistischen Partei. Auf französischer Seite nahm er am 2. Weltkrieg teil und floh nach der Niederlage in die Schweiz. Nach dem Krieg wieder in Paris, wurde er literarischer Direktor des Pariser Verlagshauses Calmann-Lévy. Sperber war Gründungsmitglied des Congress for Cultural Freedom (CCF) im Jahr 1950, deren Exekutivkomitee er fortan angehörte. Seine literarische Karriere begann 1949 mit der Romantriologie Wie eine Träne im Ozean, die aus den Werken Der verbrannte Dornbusch (1949), Tiefer als der Abgrund (1950) und Die verlorene Bucht (1953) bestand. In den 1970er-Jahren veröffentlichte er seine umfangreichen Erinnerungen in drei Bänden unter dem Titel All das Vergangene.

Sperber gehörte zu den engsten Vertrauten von Wolfgang Kraus, er trat erstmals 1962 auf und brachte Kraus mit dem Congress for Cultural Freedom (CCF) in Verbindung. Nach zahlreichen Auftritten folgte er 1981 zum letzten Mal einer Einladung nach Wien.

Hilde Spiel

Schriftstellerin und Journalistin
1911 – 1990

Spiel2web
Foto: Imagno/Otto Breicha

Geboren in Wien, studierte Philosophie. Von 1933 bis 1935 war sie Mitarbeiterin der Wirtschaftspsychologischen Forschungsstelle der Universität Wien. 1933 erschienen ihr erster Roman Kati auf der Brücke, 1935 folgte Verwirrung am Wolfgangsee. 1936 übersiedelte Spiel nach London, wo sie als Journalistin tätig war und ihre schriftstellerische Arbeit fortsetzte. Als Korrespondentin des New Statesman kehrte sie im Januar 1946 nach Wien zurück. Von Herbst 1946 bis Sommer 1948 hatte sie ihren Wohnsitz in Berlin, wo sie als Theaterkritikerin der Welt tätig war. Nach England zurückgekehrt, arbeitete sie als Kulturberichterstatterin. 1963 kehrte sie endgültig nach Österreich zurück. Von 1966 bis 1971 war sie Generalsekretärin des Österreichischen P.E.N.-Clubs. Ihre Wahl zur Präsidentin des P.E.N.-Clubs wurde 1972 verhindert. Spiels ungewöhnlich breites Œvre umfasst Romane, Erzählungen, Essays, Feuilletons, Kritiken, Übersetzungen, Dramen, Filmdrehbücher und historische Studien.

Hilde Spiel trat 1964 erstmals in der ÖGfL auf, zuletzt 1982. Kraus unterstützte ihr Ansuchen um Wiedererlangung der österreichischen Staatsbürgerschaft.

Daniela Strigl: Dame mit Scharfblick – Vor hundert Jahren wurde die österreichische Schriftstellerin Hilde Spiel geboren. In: Neue Zürcher Zeitung, 19. Oktober 2011

Reinhard Urbach

Mitarbeiter der ÖGfL, Literaturreferent und Theaterdirektor
* 1939

Urbach1web
Foto: Imagno/Otto Breicha

Geboren in Weimar, wanderte 1957 in die BRD aus, studierte in Köln, Bonn und Wien. Durch ein Empfehlungsschreiben seines Professors Richard Allewyn gewährte Heinrich Schnitzler Urbach Zugang zum Archiv seines Vaters Arthur Schnitzler. Urbach lebt seit 1964 in Wien. Als Literaturreferent der Stadt Wien war er 1975 Gründer des Literarischen Quartiers in der Alten Schmiede in Wien und Initiator von Literatur im März 1979, Leiter der Dramaturgie des Burgtheaters von 1979 bis 1986 und Direktor des Theaters der Jugend von 1988 bis 2002. Er war Mitarbeiter der zehnbändigen Edition des Schnitzler-Tagebuchs der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

Urbach war von 1968 bis 1975 Mitarbeiter der ÖGfL, er zeigte sich vor allem für die Korrespondenz mit Germanisten im In- und Ausland verantwortlich.

Wolfgang Freitag: Reinhard Urbach: „Immer im Protest“, 7. November 2009

Johannes Urzidil

Schriftsteller und Kulturhistoriker
1896 – 1970

Urzidil2web
Foto: Imagno/Otto Breicha

Geboren in Prag, studierte Germanistik, Slawistik und Kunstgeschichte an der deutschen Universität in Prag. Während des ersten Weltkrieges wurde er zwei Jahre zur österreichischen Armee eingezogen. Von 1921 bis 1932 arbeitete er als Pressebeirat der deutschen Gesandtschaft in Prag und als Korrespondent. In dieser Zeit erschienen der Gedichtband Sturz der Verdammten (1920) und Die Stimme (1930). 1939 emigrierte er mit seiner Frau zunächst nach England. Seit 1941 lebte er in den USA und erhielt 1946 die amerikanische Staatsbürgerschaft. Als Mitarbeiter amerikanischer, englischer und deutscher Zeitschriften in den 1950er-Jahren wirkte er in New York auch an der österreichischen Abteilung der Stimme Amerikas mit. Urzidil veröffentlichte zahlreiche Erzählungen, Romane und Studien sowie autobiographische Bücher.

Erstmals las der Autor auf Einladung der ÖGfL im Dezember 1962 aus seinem Werk, darauf folgten einige weitere Auftritte, der letzte im Oktober 1970.

Hans Weigel

Schriftsteller und Kritiker
1908 – 1991

Weigel1web
Foto: Imagno/Otto Breicha

Geboren in Wien, betätigte sich ab 1934 als Schriftsteller, später auch als Journalist, Kritiker, Radiokommentator und Lektor an der Wiener Universität. Weigel emigrierte 1938 in die Schweiz und kehrte 1945 nach Wien zurück, wo er als Kritiker, Schriftsteller, Feuilletonist, Essayist, Librettist und Übersetzer tätig war. Neben zahllosen Kritiken und Essays verfasste er den Roman Der grüne Stern (1946) sowie die Dramen Barrabas (1946) und Angelica (1951). Weigel lancierte nach dem Krieg zusammen mit Friedrich Torberg den „Brecht-Boykott“ an den Wiener Bühnen. Ab 1961 hatte er sich ganz aus der Tagespublizistik und der Kritik zurückgezogen, um sich intensiv seiner schriftstellerischen Tätigkeit widmen zu können. In der Folge entstanden seine Karl Kraus-Biographie (1968), weitere literaturkritische Essays, mehrere Parodien- und Satire-, Feuilleton- und Essaysammlungen. Eine Sammlung seiner Theaterkritiken erschien 1983 unter dem Titel 1001 Premiere.

Weigel nahm immer wieder Einfluss auf die Programmgestaltung der ÖGfL und begleitete die Gesellschaft über drei Jahrzehnte. Auf seine erste Einladung im Jahr 1962 folgten viele weitere. 1991 war er zum letzten Mal in der ÖGfL zu Gast.

Günther Nenning: Zum Tode des Kritikers und Schriftstellers Hans Weigel: Spaziergänger am österreichischen Abgrund. In: Die Zeit, 23. August 1991

Wolf A. Greinert: Hans Weigel: Die vergessene Instanz der österreichischen Literatur. In: Der Standard, 12. August 2016

Projekt Die Schaltstelle Hans Weigel

Alfred Weikert

Beamter, Herausgeber
1910 – 1990

Weikert1web
Foto: Imagno/Otto Breicha

War Sektionschef (Leiter der Sektion II – Kunstangelegenheiten) im Österreichischen Unterrichtsministerium und ab 1947 Mitglied der Zentralkommission zur Bekämpfung der NS-Literatur. Weikert gab ab 1950 zusammen mit Rudolf Henz die Reihe Dichtung der Gegenwart heraus und gründete 1958 die Hammer-Purgstall-Gesellschaft. Er wurde im Oktober 1965 von seinem Posten suspendiert und im Dezember wegen Korruptionsvorwürfen in Zusammenhang mit der Subventionierung des Stiasny-Verlages verhaftet.

Weikert war an der Gründung der ÖGfL beteiligt und bis zu seiner Suspendierung der engste Kooperationspartner von Wolfgang Kraus im Unterrichtsministerium.

Herbert Zand

Mitarbeiter der ÖGfL und Schriftsteller
1923 – 1970

Zand1web
Foto: Imagno/Otto Breicha

Geboren in Knoppen bei Bad Aussee/Steiermark, wurde im Alter von 17 Jahren an der Ostfront eingesetzt. In den letzten Kriegstagen erlitt er schwere Verwundungen. Seit 1954 lebte er in Wien. Hier war Zand als Verlagslektor, später als Außenlektor des Österreichischen Rundfunks tätig. Erste literarische Kenntnisse erhielt er durch die Bekanntschaft mit dem Schriftsteller Frank Thiess. 1953 erschienen der Lyrikband Die Glaskugel und der autobiographische Roman Letzte Ausfahrt, der breite Aufmerksamkeit erregte. Nach der Erzählung Der Weg nach Hassi el emel (1956) und dem Roman Erben des Feuers (1961) hörte Zand auf zu veröffentlichen, schrieb aber weiter. Er trat als Übersetzer u.a. von Lawrence Durrell Henry Miller und Anaïs Nin in Erscheinung.

Zand war seit 1961 Mitarbeiter der ÖGfL. Nach seinem Tod veröffentlichte Wolfgang Kraus seine Werke in einer Gesamtausgabe beim Europaverlag.

Martin Gregor-Dellin: Herbert Zands letzte Ausfahrt. Wiedergutmachung an einem österreichischen Schriftsteller. In: Die Zeit, 19. Mai 1972

Christian Teissl: Meister der Umwege. In: Wiener Zeitung, 09. Juli 2010