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Weltweit ist Verhütung Frauensache

Methoden sind bekannt, Know-how nicht immer


In allen Gesellschaften trägt im Regelfall die Frau die Verantwortung für die Verhütung von Schwangerschaften - und damit auch die Folgen, wenn Familienplanung unterlassen wurde oder versagt hat. Die Analyse der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung zum Thema "Sexualität und Verhütung" zeigt auf, dass gerade junge Frauen wenig Einfluss darauf haben, ob und welche Verhütungsmittel benutzt werden. Dabei ist durch die zunehmende Verbreitung von Geschlechtskrankheiten und vor allem von HIV/AIDS der Gesundheitsschutz für sexuell aktive junge Menschen genauso wichtig geworden wie die Verhütung ungewollter Schwangerschaften. Aber auch junge Frauen, die verhüten möchten, haben keinen Zugang zur Familienplanung und zu den entsprechenden Leistungen.

Die regionale Analyse zeigt ein höchst unterschiedliches Bild:
 

 - In Afrika südlich der Sahara wünschen sich Frauen generell viele Kinder. Verheiratete junge Frauen verhüten selten, das Familienplanungsangebot ist gering. In Simbabwe verhütet ein Drittel der jungen unverheirateten Frauen, in den übrigen Ländern höchstens ein Fünftel. Sexuell aktive unverheiratete Jugendliche verhüten hingegen häufiger, in Elfenbeinküste sind dies sogar 47 %.

 -  In Nordafrika und dem Mittleren Osten verhüten nur wenige verheiratete junge Frauen, in Marokko sind dies 23 %, in den anderen Ländern höchstens 14 %.

 - In Indien und Pakistan verhüten weniger als fünf Prozent, während der Anteil in Indonesien und Thailand 36 bzw. 43 % beträgt.

 - In Lateinamerika und in der Karibik liegt die Verhütungsquote bei verheirateten jungen Frauen bei knapp 22 %, es zeigt sich dabei kein Unterschied zu unverheirateten Jugendlichen. Gleiches gilt auch für die USA.

Während in der Region südlich der Sahara traditionelle Verhütungsmethoden (z.B. periodische Enthaltsamkeit) überwiegen, stehen in Nordafrika und im Mittleren Osten die Pille, injizierbare Kontrazeptiva, Implantate und die Spirale im Vordergrund. Das Kondom wird von verheirateten Jugendlichen in den Entwicklungsländern nur selten verwendet. In Bolivien, Brasilien, Kolumbien und Peru wird das Präservativ hingegen von unverheirateten Jugendlichen mehr als doppelt so häufig wie von verheirateten jungen Leuten verwendet.

Die Analyse der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung zeigt zudem, dass zwar moderne Verhütungsmethoden in vielen Entwicklungsländern mehrheitlich bekannt sind, dass aber vor allem Jugendliche sie nicht richtig anzuwenden wissen. So wussten von Besuchern weiterführender Schulen in Kenia nur ein Drittel der männlichen und ein Viertel der weiblichen Schüler, dass die Pille von der Frau - und nicht vom Mann - eingenommen werden muss. Der (richtigen) Verwendung von Verhütungsmitteln steht auch ihre mangelnde Beschaffbarkeit entgegen: Beispielsweise wissen nur 10 bis 17 % der jungen Frauen in Bolivien, Mali und Jemen, wo sie sich moderne Verhütungsmittel beschaffen können.

Von den fast 260 Millionen Frauen im Alter von 15 bis 19 Jahren weltweit fehlt rund 11 % der Zugang zu adäquaten Verhütungsmethoden.

Am stärksten ist die Verhütungspraxis verheirateter Frauen in einigen asiatischen Ländern gestiegen. In Indonesien, auf den Philippinen und in Thailand ist die Verhütungsrate heute bis zu dreimal höher als in den frühen 70er-Jahren.

Die deutschen Experten thematisieren in ihrem Bericht auch die Risken für die reproduktive Gesundheit Jugendlicher: Gerade für junge Frauen sind die gesundheitlichen Risken bei einer Schwangerschaft hoch. In Indien, Ägypten, Indonesien oder auf den Philippinen gebären beispielsweise nicht mehr als 25 % der jungen Mütter unter ärztlicher Aufsicht. Die Müttersterblichkeit von Teenagern ist bis zu viermal so hoch wie bei Frauen über 20 Jahren. Da Abtreibungen in vielen Ländern verboten oder gesetzlich eingeschränkt sind und auch nicht jede Frau die dafür notwendigen Mittel aufbringen kann, riskieren viele Jugendliche einen illegalen oder unsachgemäß durchgeführten Abbruch. Dies hat vielfach gesundheits- oder lebensbedrohende Konsequenzen, zeigt die Analyse. Die Fruchtbarkeit junger Menschen ist natürlich auch durch Infektionen bedroht: Weltweit machen bei den Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter die Geschlechtskrankheiten einschließlich HIV/AIDS 16 % der Krankheits- bzw. Invaliditätszeiten aus. Das ist etwa gleichviel wie die Ausfallszeiten aufgrund einer Mutterschaft.
 

 


Informationen: Deutsche Stiftung Weltbevölkerung; Göttinger Chaussee 115, D-30459 Hannover Web: www.dsw-online.de, E-Mail: info@dsw-hannover.de
Aus: Deutsche Stiftung Weltbevölkerung: Auf dem Weg in eine neue Welt. Zur Sexualität und reproduktiven Gesundheit von jungen Frauen weltweit.

Informationsdienst "beziehungsweise", Ausgabe 10/2001.