Archiv 2008

 

 

Karel Tůma

 

Zwischenwelten
 

31.1. - 26.2.08

Vernissage: 31.1.08, 18 Uhr

Karel Tůma


Geb. 1978, Handelsakademie, 1996-7 Arbeit als Bühnentechniker, 1998 - 2005 Studium an der FAMU in Prag (Fach Film und Fernsehen), Kontakte mit linksorientierten Zeitschriften (“Konfrontace” und “Mladý Svět”) und NGOs (wieČlověk v tísni/Mensch in Not).
K.T. ist ein Vertreter der teilnehmenden humanistischen Fotografie, arbeitet in thematischen Zyklen, verfolgt längerfristige dokumentarische Projekte mit starkem sozialem und aufklärerischen Hintergrund.

Ausstellungen im In- und Ausland
Zahlreiche renommierte Preise (darunter: Czech Press Photo 2002 für den Zyklus “Zwischenwelten”)


Zwischenwelten

Seit 1998 beschäftigt sich K.T. mit den Roma in der Ostslowakei, vor allem in der Region von Spiš, wo es fast in jedem Dorf eine Roma-Siedlung gibt, von denen er einige der größten Problemgebiete besucht und dokumentiert hat. Diese Siedlungen haben ihre eigenen Regeln und Beziehungen, unter den Roma ist starker Glaube an Gott und Naturgebundenheit fest verankert. Das Lied der Roma ist ein wichtiges kulturelles Element, das Freude, Trauer und Familie ebenso repräsentiert wie Einsamkeit und Elend. Viele der überkommenen Traditionen und Bräuche der Roma werden vom modernen Konsumismus überformt und verdrängt. In der Region beträgt die Arbeitslosigkeit der Gesamtbevölkerung 30 %, die der Roma hingegen fast 100 %. Der Alltag der Roma ist gekennzeichnet von sozialer, ökonomischer und politischer Ausgrenzung. Ansätze politischer Lösungen der gesellschaftlichen Misere überschreiten nur selten die Grenzen der Romasiedlungen ...
Für K.T. stellt das Elend der ostslowakischen Roma kein isoliertes Phänomen dar, sondern steht in einem größeren Zusammenhang, vor dessen Hintergrund sich Widerstand formiert: Deshalb finden sich hier auch Bilder von den Demonstrationen gegen IMF und World Bank im Jahr 2000 in Prag, eine Dokumentation, für die K.T. ebenfalls einen Preis erhalten hat.

Kontakt:

kareltuma@email.cz

 

 

Jaroslav Boček

Slatiny - Eine Prager Arbeiterkolonie

 

27. 2. - 6. 4. 08
Vernissage Mittwoch, 27. 2. 08, 18 Uhr

 

Slatiny

Slatiny entstand als Arbeiternotkolonie während der Ersten tschechoslowakischen Republik am Stadtrand von Prag, als in den 20-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in die Metroppole Tausende kamen Arbeit und Wohnung zu finden. Bis heute ist es vergessenes Gebiet, ein Stück ländliche Gegend in Sichtweite des Zentrums, ein Slum in Mitten einer europäischen Großstadt, die größte Notkolonie, die je auf dem Gebiet Prags stand.
Es ist dies eine Welt für sich, einerseits umgeben von der sich ausbreitenden Großstadt und gleichzeitig von ihr abgetrennt durch Autobahn und Eisenbahn. Die gegenwärtigen Bewohner verbessern - abhängig von ihrer sozialen Situation - ihre Häuser aber hinsichtlich der lukrativen Grundstücke werden sie ihren Erhalt offensichtlich nicht verteidigen können.

Jaroslav Boček

Geb.1962 in Prag. Nach der Schule arbeitete er im Maschinenbau (ČKD) und nach dem Jahr 1991 freischaffend. Der Fotografie widmet er sich schon seit Beginn der 90-er Jahre. Sein Schaffen ist nicht einseitig ausgerichtet, weil er sich dessen bewusst ist, dass eine enge professionelle Spezialisierung zwar den Weg zur Perfektion zwar beschleunigt, andererseits aber bindet und lähmt. Extern arbeitet er mit verschiedenen Medien zusammen. Einen Teil seiner freien Tätigkeit widmet er dokumentarischen Projekten, an denen er schon seit einigen Jahren arbeitet, wie z.B. die Liquidierung der Lokomotivfabrik ČKD, Menschen aus Slatiny und andere. Reportageaufnahmen von den Überschwemmungen stellte er im Rahmen von Gemeinschaftsausstellungen im Altstädter Rathaus in Prag aus, im Gebäude der UNO in New York und der UNESCO in Genf. Weitere selbständige Austellungen realisierte er in Prag, wie Untergang und Geburt und in Karlsbad seine bisherige Retrospektive Letem svìtem (Im Flug durch die Welt). Seine Arbeiten erhielten Preise u.a. bei Czech Press Photo und bei verschiedenen Wettbewerben u.a. Praha fotografická, Ekologie v objektivu u.a.

Kontakt:
www.photobocek.cz

 

 

Gero Fischer

Bet alemin - Haus der Ewigkeiten

Jüdische Friedhöfe in Böhmen und Mähren

 

 

 

3.4. - 6.5.08

Vernissage: 3.4.08 18 Uhr

 

Gero Fischer

Geb. 1944, Studium der Slawistik, Wirtschafts-und Sozialgeschichte, in Wien, Prag und Skopje. Promotion 1968 in Wien, Habilitation aus Mathematischer Linguistik (1975), Habilitation aus Slawistik (1977). Univ. Prof. am Institut für Slawistik Wien.
Beschäftigung mit der Fotografie seit der Kindheit. Hinwendung zur sozialdokumentarischen Fotografie im Kontext gesellschaftswissenschaftlicher Fragestellungen. Seit 1980 fotodokumentarische Auftragsarbeiten für wissenschaftliche Publikationen. Erste Ausstellungen seit 1983. Ab 1997 Zusammenarbeit mit Petr Baran und Petr Francán (JAMU Brno), gemeinsame Realisierung von verschiedenen fotodokumentarischen Projekten. Im selben Jahr Gründung und seither Leitung der Galerie auf der Pawlatsche. Zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland.


Bet alemin - Haus der Ewigkeiten
Jüdische Friedhöfe in Böhmen und Mähren


„Während meines Studiums in Prag ging ich täglich am jüdischen Friedhof vorbei und vom 4. Stock der Philosophischen Fakultät der Karlsuniversität gab es ein Fenster, von dem man aus auf einen Teil der Gräber sehen konnte. Der Widerspruch und die Harmonie der toten Steine und der Majestät der Bäume, die Unausweichliches und Tröstliches verbinden, machen die besondere Atmosphäre dieser Orte aus. Die Bilder entstanden im Zeitraum von 1970 bis 1990 in Prag, Südböhmen (Umgebung von Èeské Budìjovice) und Südmähren (Mikulov, Znojmo und Umgebung). 2007/8 habe ich die Negative neu bearbeitet, oder besser gesagt, interpretiert.“ (Gero Fischer)

 

Jan Reich

Ein Haus auf dem Land

 

 

8. 5. - 8. 6. 08

Vernissage: Donnerstag, 8. 5. 08 18 Uhr

Weinverkostung - Weinhandel Christian Peters  www.reben-portal.de

Ein ausgesuchtes Sortiment an wohlschmeckenden argentinischen Weinen

(von den Weingütern Enrique Foster, Valentin Bianchi, Familia Schroeder,

Bodega Vistalba u.a.)

 

 

 

Jan Reich


Geb. 1942 in Prag. Von 1959 bis 1963 in verschiedenen Berufen (Maurer, Zirkusarbeiter, Fotograf, Beleuchter und Requisiteur im Filmstudio Barrandov) tätig.

1965-70 Studium der Fotografie an der FAMU in Prag.

Seit 1970 freischaffender Fotograf.

Seit 1964 bemüht sich J. Reich, fotografisch das einzufangen, was im Laufe der Zeit verschwindet. Mit dem Übergang vom Kleinbild und Mittelformat auf die Formate 13x18 und 24x30 im Jahre 1980 und anknüpfend an die Tradition Josef Sudeks und die der amerikanischen Großformatfotografie beginnen in seinem Schaffen romantische Elemente einzufließen. Seine Arbeiten klassifiziert der tschechische Fototheoretiker A. Dufek als “spezifische tschechische Variante einer neuen Topografie”.

 

Ein  Haus auf dem Land

"In der Zeit, als der Benzin noch billig war, lag das Haus auf dem Land nicht einmal 100 Kronen weit von Prag entfernt, es war  von Feldern und Wiesen umgeben, die allen und niemandem gehörten, es hatte einen Verputz, der im Frühling gekalkt wurde und einen Ofen, der im Winter mit Holz geheizt wurde. Zum Haus auf dem Land fuhr man über einen Feldweg und von ihm ging man durch einen Hohlweg entlang von Findlingen, einem Bach und Apfelbäumen. Die Kirchen in den umgebenden Dörfern, genauso wie die Wolken über der Landschaft, waren barock und die Zeit bewegte sich je nach dem, wie viele Striche auf dem Bierdeckel und Kreuze auf dem Friedhof dazukamen.

In der Zeit, als noch das vergangene Regime existierte, gab es viele Gründe, draußen im Haus auf dem Land, außerhalb der Welt und weit davon entfernt zu leben, was kommen konnte. Dann fielen die Vorhänge und Mauern, es öffneten sich die Grenzen und die Erde wurde für die Kinder, die früher mit dem Ball warfen, nur eine etwas größere Kugel. Das Haus auf dem Land, etwas verlassen, etwas mehr entfernt, veränderte sich dann in ein Album, in das sich Gegenstände von den Zeiten der "fröhlichen Armut", wie sie Jan Reich nennt, einschlossen: angeschlagene Kaffeehäferl, Porträts der Urgroßeltern, lange Sehnsucht erweckende Röcke und alte Truhen mit Fotografien aus der Zeit, von der nicht einmal wir kaum mehr etwas wissen." Jan Rubeš, Brüssel 2007


 

Gero Fischer

Blitzlichter aus Sarajevo 2005

 

 

Vernissage und Umtrunk zum Saisonende: Montag, 30. 6. 2008, 18 Uhr

 

 

Sarajevo 2005

 

Die Kriegsschäden sind noch nicht beseitigt, die Stadt verändert ihr Gesicht und trotzdem die Traumata sind allgegenwärtig.

Sarajevo ist eine der schönsten Städte der Welt, es ist unmöglich sich dieser Atmosphäre zu entziehen.

Die Aufnahmen entstanden während eines mehrtägigen Kurzbesuches im Jahre 2005.

 


 

Markéta Luskačová

 

Wallfahrer

 

 


 

1. 10. - 1. 11. 08

 


Markéta Luskačová (geb. 1944)

 

studierte Kultursoziologie und an der FAMU in Prag Fotografie. 1970-72 war sie Theaterfotografin am Divadlo za branou, 1976-80 Mitglied der Fotoagentur Magnum. Lebt in London.
1964 erste Aufnahmen zum Thema Wallfahrer, 1970 einjähriges Stipendium mit dem Auftrag in der Slowakei (Šumiac) das religiöse Leben zu dokumentieren. Diese Arbeit hat sich ihren bleibenden Platz in der internationalen Fotografie erobert. Als sie in den 70-er Jahren in die Schweiz und dann nach England geht, bleibt sie im Prinzip diesem Thema treu.
 


Wallfahrer (Poutníci)

"Ein Umzug, knieend im kahlen Land, dem nackten Himmel nah; ein Umzug, der geht und singt, hinkiet und betet, aufsteht und geht - dem Chor gleich aus einer antiken Tragödie, der einmal über andere pilgernd auszieht - zu welchem Delphi hin? ...
Die Welt ist eine Rennbahn, ist Schlachtfeld, Irrgarten, Lazarett, eine hastige Autobahn oder dunkler, tiefer Wald ... Die Welt ist auch ein Weg frommer Pilgerfahrten, ein Ort zu Beten. Nicht nur durch die Linse des Betrachters, aber mit Menschenaugen schaut Markéta Luskačová ihre Pilger an. Ein Stück ihres Lebens wollte mit ihnen verbracht sein, mitgegangen ein Stück ihres Wegesm dass sie so arglos sich ihr zeigten und das Gesicht ihr überließen selbst in den selbstvergessenen Augenblicken der Versunkenheit, der Ergebung, der Trauer und Stille ... So übersteigt Fotografie, sich selbst und wird zur dichterischen Zeugenschaft dafür, dass das Bild des Menschen, unseres Zeitgenossen, ein Bildnis seines Geistes ist; sie wird zum Zeichen einer Pilgerschaft, die selten sit in diesem Raum und dieser Zeit."
(Josef Topol: Wo Engel umgehn, Übersetzung Franz Wurm)
 

  

 

 

Václav Podestát

 

Private Ereignisse

 

 


 

5. 11. - 2. 12. 08

 


Václav Podestát

 

Geb. 1960, studierte am Institut für Künstlerische Fotografie in Prag (1985 – 88) und am Institut für Fotografie der Filmakademie (FAMU) in Prag (1989 – 1994). Seit 1998 ist V. Podestát Fachassistent am Institut für kreative Fotografie FPF der Schlesischen Universität in Opava. Zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland. Seine Fotografien sind außer in tschechischen Sammlungen auch in Šiauliai (Litauen) vertreten.

 

Zum Zyklus „Menschen“

An diesem umfangreichen Projekt arbeitet V. Podestát schon seit zwei Jahrzehnten. Der Autor zeigt in seiner Arbeit, dass er von den Pionieren des subjektiven fotografischen Dokumentes wie Robert Frank, William Klein, Louis Faurer oder Martin Parr, Carl de Keyzer, Bruce Gilden, Mary Ellen Mark u.a. gelernt und deren Impulse verarbeitet hat. In V. Podestáts Fotografien verringert sich zunehmend der Handlungscharakter, die Narrativität und die Zahl der Motive und oft bleiben von den Menschen und der Umwelt vor der Kamera nur Fragmente. Dagegen nimmt die Rolle der gespenstisch wirkenden Schatten der Menschen und in den Bildern festgehaltenen Dinge zu sowie auch der Gegenstände und Personen, die sich außerhalb des Bildes befinden. In seinen nur oberflächlich trivial erscheinenden Alltagsszenen entdeckt V. Podestát immer etwas Besonderes, etwas, was als bildhafte Metapher subjektiver Gefühle, Erlebnisse und Stimmungen gelten kann, etwas, was im Stande ist, visuell mit Worten schwer beschreibbare Zustände oder Beziehungen auszudrücken. Viele seiner Bilder erwecken den Eindruck sie seien sorgfältig arrangiert, der Autor aber inszeniert nicht und provoziert auch nicht die Menschen vor dem Fotoapparat, dass sie bestimmte Haltungen und Posen einnehmen, sondern er wartet geduldig auf die wirkungsvollste Konstellation der Hauptkomponenten der abgebildeten Szene aus dem Theater des wirklichen Lebens. Trotz einer breiten Skala von Interpretationen, die jedes Bild bietet, haben Podestáts Fotografien viel Gemeinsames: Fast immer strahlen Nostalgie und zarte Trauer aus, fast immer hat die Hauptrolle der Mensch, auch wenn viele Aufnahmen auf seine direkte Anwesenheit nicht hinweisen, oft zeigen sie einen Einzelnen in sich gekehrt inmitten einer ihn umgebenden lärmenden Menge. V. Podestáts subjektive Dokumente regen eher die Fantasie an als dass sie eindeutige Behauptungen aufstellen oder Fragen beantworten. (Nach Vladimír Birgus, Leiter des Institutes für kreative Fotografie FPF der Schlesischen Universität in Opava)

 

Alan Hyža

 

Donaudelta

 

 


 

3. 12. 08 - 5. 1. 09

 


 

Alan Hyža

 

Geboren 1964 in Levoča in der Slowakei.
Studium der Naturwissenschaften in Bratislava (1983-1988).
Korrespondent von Tageszeitungen wie Večerník, Práca, Pravda, SME, und in der Wochenzeitschrift Plus 7 dní.
Gewinner beim ersten und dritten Wettbewerb Czech Press Photo.
Lebt und arbeitet in Bratislava.

Autor verschiedener Dokumentarserien:
Leben in den Ländern der ehemaligen UdSSR, Leben in den postsozialistischen Ländern (1993 - 2000) Jugoslawien, Cuba, Vietnam, Libyen, Äthiopien, Russland

Buchpublikation: Ríša zla. Bratislava, 2000

Ausstellungen im In- und Ausland

 

 

 

 

 

 

Blanka Lamrová

 

Prag anders

 

 


 

 14. 1. - 12. 2. 2009 

 


 

Blanka Lamrová

geboren 1949, lebt und arbeitet in Prag. 1968-72 Studium der Mittleren graphischen Lehranstalt in Prag, Fach Fotografie. Seit 1972 in der beschäftigt in der fotografischen Abteilung der tschechischen Nationalgalerie. Mitglied der Assoziation der Fotografen der Tschechischen Republik.

Seit 1983 zahlreiche Einzelaus- und Kollektivausstellungen In- und Ausland

 


Prag anders

In ungewöhnlichen Sichtweisen und Perspektiven entdeckt die Autorin einen indirekt wahrgenommenen Ausschnitt der Stadt Prag, wobei sie Verfremdungen sucht, die sich durch Spiegelungen und durch Einrüstungen (bekannter) architektonischer Objekte ergeben.

 

 

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