Archiv 2012
 

 

 

Richard Homola

 

Der Mácha-See / Mácháč

 

 

 

 

7.3. - 17.4, 2012

Vernissage: Mittwoch, 7.3. 2012, 18.30 (Einlass 18 Uhr)

 

 

Richard Homola

Geb. 1966 in Česká Lípa. Beschätigt sich mit künstlerlischer Fotografie seit 20 Jahren. Seit 1993 28 selbständige Ausstellungen darunter in Deutschland und USA. 2002 Mitglied der Asotiatiion der Fotografen. Lebt und arbeitet in Prag.

Hauptachse des fotografischen Schaffens ist die Landschaft, also lebendige wie nichtlebendige Natur und zwar meistens in Beziehung zu den Schöpfungen aus menschlicher Hand. Daneben spielt aber auch die Porträtfotografie eine wichtige Rolle. Von 1993 bis 2000 schuf er eine Reihe von abgeschlossenen Zyklen: Klöster, Irland, Česká Lípa –Tage und Nächte, Bezděz a Landschaft unter dem Vlhošť. Dazu schuf er noch intime Landschaftszyklen Peklo und die Arbeit Veitsdom, in der er wie eine Reihe anderer Fotografen versuchte, diese Kathedrale fotografisch zu erfassen.

Für genannten Zyklen verwendete der Autor Mittelformatfilme (6x6 und 6x9). Seit 2002 arbeitet Homola mit einer Großformatkamera 18 x 13 cm) und seit dieser Zeit realisiert er fast ausschließlich seine Projekt im genannten Format und in den Kontaktkopien. In dieser Technik entstanden die Zyklen Český Krumlov, Kutná Hora, Telč, sowie der ständig erweiterte Zyklus Parks, Břevnov, Prager Brücken und weitere prager Motive.

Der Zyklus Mácha-See erhielt im Jahre 2007 den dritten Preis beim Fotowettbewerb „Štíty Viléma Heckela“.

  

Mácha-See / Mácháč

Richard Homola präsentiert im genannten Zyklus den bekannten nordtschechischen Mácha-See, der ein außergewöhnliches touristisches Gebiet für besinnliche Erholung darstellt. Der Autor stellt eine Landschaft nach Saisonschluss dar, eine Landschaft ohne Menschen, obwohl dessen Anwesenheit konstant in vielen Motiven und Details hervortritt, die aber Quelle für einen zarten Hurmor und für Melancholie sind.

„Im Rahmen der charakteristischen Strömung der tschechischen ‚emotiven Fotografie‘ stechen besonders jene Fotografen hervor, die programmatisch klassische Fototechniken anwenden und insbesondere zu Großformatgeräten zurückkehren. Damit hängt die anspruchsvolle komositonelle Arbeit mit der Aufnahme zusammen. Das Ergebnis stellt sich dann in Form eines harmonisch komponierten fotografischen Bildes ein. In diese Konzeption, die sich bewusst zur fotografischen Tradition bekennt und Teil breiterer retrspektiver Tendenzen der zeitgenössischen bildenden Kunst ist, reiht sich auch Richard Homola, ein bedeutender Name der tschechischen künstlerischen Fotografie der letzten zwei Jahrzehnte. Für sein Schaffen, das ausgeprägte Zeichen eines existenziell-meditativen Romantismus trägt, ist gerade der Zyklus Mácha-See wichtig. In ihm finden wir alles Wesentliche, womit Richard Homola die erwähnte Tendenz der gegenwärtigen Tendenz der tschechischen Fotografie bereichert hat.

Das Bild vom Mácha-See ist in der tschechischen Kultur untrennbar mit der Person des bedeutendsten tschechischen Dichters des tschechischen Romantismus,

Karel Hynek Mácha (1810–1836) verbunden. Ist für Mácha charakteristisch die gefühlsschwere Lautmalerei der Wörter, die maximal die besonderen Eigenschaften der tschechischen Sprache ausnützt, so zeichnet auch genauso faszinierend der emotiver Lyrismus der Arbeit mit dem Licht das fotografische Schaffen von Richard Homola aus. Allein der Mácha-See ist ein ungewöhnlich suggestives landschaftliches Phänomen. ... 

Richard Homola fängt auch den Mácha-See – heute ein fast zu lärmender Ort des Erholungs- und Fremdenverkehrs – von einer Stelle ein, wo ihn heute niemand fotografieren würde und  zu einer Zeit, wenn ihn seine alltäglichen Besucher schon verlassen haben und wenn das scharfe Tageslicht sich in ein barmherziges, für gefühlreiche Resonanz aber reiches Halbgrau verändert. Erst aus solchem Nebel tauchen die Trugbilder der Dinge auf wie in einem von Symbolen überladenen Traum. Die fotografischen Bilder von Richard Homola sind deshalb früher als gesehene und von der Kamera dokumentierte – erträumte Bilder. Unnötig zu erwähnen, dass Richard Homola vor seinem heutigen Wohnsitz in Prag eine Reihe von Jahren gerade im Gebiet um den Mácha-See gelebt hat.“

Jan Kříž  

 


 

 

 

 

 

27.6. - 30.8. 2012

Vernissage: 27.6. 2012, 18 Uhr

 

 

Photo exhibition „Btw, I‘m In Vienna now…“

Wien ist eine seltsame Stadt. Man spaziert durch eine ihrer dichtbelebten Straßen, blickt nach oben – und plötzlich entdeckt man,golden funkelnd im Sonnenschein, ein flirrend schönes Jugendstilgebäude

aus der glorreichen Vergangenheit. Zu spät bemerktman allerdings, dass man gerade in einen frischen Hundehaufengestiegen ist. Prachtvolle Architektur und grantige Gesichter,erzkatholischer Konservativismus und ausgelassen feierndesPartyvolk, unzählige Hauptquartiere internationaler Organisationenund zugleich eines der schärfsten Fremdengesetze innerhalbder EU … all das ist Wien und noch vieles mehr.

Was diese Ausstellung zeigt, sind sehr persönliche Sichtweisen dieser Stadt, aufgenommen von sieben expats aus Frankreich,Polen, Rumänien, der Türkei und Großbritannien sowie einesWieners. Was sie alle gemeinsam haben, ist, dass sie hier leben,arbeiten und studieren. Seit zwei Jahren sind sie alle auch Mitgliederdes Foreign Photographers Club Vienna, einer internationalenFotogruppe auf Facebook. Sie wurde gegründet, um Wienund seine versteckten Schönheiten auf fotografische Weise zuentdecken. Das Wandern durch die Stadt und das gleichzeitigeWundern über sie wurden dabei eins.

Gemäß der Tradition der street photography spielt dabei die technischePerfektion nur eine untergeordnete Rolle. Von primäremInteresse ist das Objekt und seine fotografische Darstellung.

Altbekannte Wahrzeichen werden oft von einem völlig subjektivenStandpunkt aus betrachtet und verwandeln sich so in etwasFremdes und Unbekanntes. Ist das wirklich in Wien?

Was noch mehr überrascht, sind die Details. Hast Du dasjemals bemerkt …? Fremde Augen scheinen die Dinge näherzu betrachten als die Einheimischen und entdecken dabei so manches wohlgehütete Geheimnis – oder auch nur völligTriviales. Wien wirkt oft auch ziemlich verlassen auf diesenFotografien. Verglichen mit so dicht bevölkerten und lebendigenStädten wie London, Bangkok oder Warschau scheint der Flussan Menschen in dieser ehemaligen Reichshauptstadt niemals allzu

dicht gedrängt zu sein. Aber das kann natürlich ebenso einesder Klischees sein, von denen die Stadt so voll ist. Manchmalstimmen sie sogar, oft sind sie aber bloß eine billige Fälschung,wie die grüne Farbe der Kupferdächer.

Treten Sie also ruhig einen Schritt näher und entdecken Sie, was es hier zu sehen gibt. Und, so nebenbei bemerkt, Sie finden esin Wien …

Die FotografInnen:

Ozan Akgül

Geboren 1980 in Samsun, Türkei. Lebte für viereinhalb Jahre in Wien. Arbeitet jetzt als Projektingenieur in Bukarest. Hatmit 22 Jahren begonnen zu fotografieren und versucht nochimmer zu entdecken, was nicht gleich auf den ersten Blicksichtbar ist.

Ruxandra Alexandru

Geboren 1979 in Bukarest, Rumänien. Lebt in Wien und arbeitet als Kommunikationsspezialistin. Hat dieFotografie gleichzeitig mit dieser Stadt zu entdecken begonnen. Konnte 2010 Christoph Kneitschel davon überzeugen,gemeinsam den Foreign Photographers Club Vienna zu gründen.

Mike Bailey

Geboren 1977 in Taunton, Großbritannien. Lebt in Wien undarbeitet als Technischer Übersetzer und Event-Manager.Begann bereits in den frühen 1990ern zu fotografieren undbeschäftigt sich seit 2008 ernsthaft mit digitaler Fotografie.Hat Europa und Südafrika ausführlich bereist.

Aulde de Courrèges

Geboren 1984 als Französin in Pforzheim, Deutschland. Lebt in Wien. Arbeitet als barista und war bereits in verschiedeneKunstprojekte aus den Bereichen Theater, Film undPerformance als Schauspielerin involviert. Liebt es, ihreLeidenschaft für die Fotografie mit anderen zu teilen.

Natalia M. Hallay

Geboren 1984 in Warschau, Polen. Lebt in Wien und arbeitet als Biologin mit faszinierenden Meeresorganismen. Liebt Punkund nimmt immer ihren ganz persönlichen Standpunkt ein.Sie hat auch das Key Visual für diese Ausstellung fotografiert.

CEKA – Christoph Kneitschel

Geboren 1967 in Wien, Österreich. Lebt in der Stadt und reist viel. Arbeitet selbständig als Freelance Creative Director undTexter. Fotografiert seit seinem 13. Lebensjahr. Hat 2010 gemeinsam mit Ruxandra Alexandru den Foreigners PhotographersClub Vienna gegründet.

Mateusz Kotyrba

Geboren 1985 in Rydultowy, Polen. Lebt in Wien und experimentiert als Physiker in einem Laboratorium. Hat geradeerst begonnen Fotos zu machen und entdeckt seine Umweltseither aus einer völlig anderen Perspektive.

Olivia Passoni

Geboren 1983 nahe Mailand, Italien. Lebt in Wien und arbeitet als Beraterin. Hat fünf Jahre in Großbritannien verbracht,wo sie erstmals die Fotografie entdeckte. Aber erst in dieserschönen Stadt hat sie auch die richtige Inspiration gefunden.

Foreign Photographers Club Vienna: www.facebook.com/groups/142569329112069/

Photo exhibition „Btw, I‘m In Vienna now…“

Vienna is a strange city. Walking through the sometimes pretty crowded streets you look up – and there you suddenlyexperience a fancy art nouveau building from the city’sglorious past, shimmering golden in the sunshine. Unfortunatelyyou’re too late to notice that you’ve just stepped in some fresh

dog pooh. With its gorgeous architecture and grumpy faces,Catholic conservatism and a loud partying crowd, being hometo the headquarters of international organizations while having some of the strictest laws for foreigners in the whole EU ... Vienna has it all and much more.

This exhibition shows very personal views of this city, taken by seven expats from France, Italy,Poland, Romania, Turkey, theU.K. and a local Viennese. Their common link is that they all live, work and study in town. They have also been part of the Foreign Photographers Club Vienna for the last two years – take a lookat this international photo group on Facebook. It was foundedwith the aim of exploring the city and its hidden gems in aphotographic way. Wandering and wondering became one thing.

In the old tradition of street photography, technical perfection is only of secondary interest. The subject and its depiction ismost important. Well known sights are often observed from a very subjective viewpoint and consequently they look totallystrange and unknown. Is it really Vienna?

What is even more surprising are the details. Have you ever noticed that …? Foreign eyes seem to take a closer look than theinhabitants and sometimes discover hidden secrets – or maybe only some absurd trivialities. Vienna often also looks somewhatdeserted on these photos. Compared to such lively cities asLondon, Bangkok or Warsaw, this old capital of a former empire never seems to become overcrowded. Of course that might alsobe a stereotype of which this city is full of. Sometimes true,often fake like the green paint of its copper roofs.

So take a step closer and discover what there is to be seen.

And by the way, it’s to be found in Vienna …

The Photographers:

Ozan Akgül

Born in 1980 in Samsun, Turkey. Lived in Vienna for four and a half years but now works as a project engineer in Bucharest.Started taking photos when he was 22 years old and is stilltrying to see what’s not to be seen at the first glance.

Ruxandra Alexandru

Born 1979 in Bucharest, Romania. Lives in Vienna and works as communications specialist. Discovered photography at the same time as this city. Convinced Christoph Kneitschelto found together the Foreign Photographers Club Viennain 2010.

Mike Bailey

Born 1977 in Taunton, United Kingdom. Lives in Vienna and works as a technical translator and event manager. Startedtaking photos in the early 1990s, got serious about digital photography in 2008. Has travelled extensively within Europeand Southern Africa.

Aulde de Courrèges

Born 1984 as a French in Pforzheim, Germany. Lives in Vienna.Works as a barista and has been involved in various artisticprojects for theatre, movies and performances as an actress. Loves to share her passion for photography with others.

Natalia M. Hallay

Born 1984 in Warsaw, Poland. Lives in Vienna and works as a biologist with fascinating marine organisms. Loves punkmusic and always takes her very personal viewpoint. She also created the key visual for this exhibition.

CEKA – Christoph Kneitschel

Born 1967 in Vienna, Austria. Lives in the centre and travels a lot. Self-employed as a freelance creative director andwriter. Has been taking photos since the age of 13. Founded the Foreign Photographers Club Vienna together with RuxandraAlexandru in 2010.

Mateusz Kotyrba

Born 1985 in Rydultowy, Poland. Lives in Vienna and conducts experiments as a laboratory physicist. Has just started takingphotos and has begun to discover the surrounding world from a different perspective.

Olivia Passoni

Born 1983 near Milan, Italy. Lives in Vienna and works as a consultant. Spent five years in England, where she firstdiscovered photography. But it was only in this beautiful citythat she was able to find her real inspiration.

Foreign Photographers Club Vienna: www.facebook.com/groups/142569329112069/

 

 

 

 

 

Rudolf Jung

 

 

Baltische Landschaften

 

 

 

 

 

 

 

27.9. - 23.10.2012

Vernissage: 27.9. 2012, 18.30 (Einlass 18 Uhr)

 

 

Rudolf Jung

Geb. 1954 in Prag wo er lebt und arbeitet.

Zu forografieren begann er im Alter von 16 Jahren, um das Leben rund um das Sportfliegen zu dokumentieren. Später erweiterte er die Themen um Landschaften, fotografisches Dokument und Porträt. Derzeit widmet er sich der figuralen Fotografie (Skulpturen, künstlerisches Porträt), dokumentiert unauffällige Veränderungen der Stadt Prag (innere und äußere Periferie Prags), Flugfotografie. 

Seit 1995 Leiter der Fotoabteilung des Tschechischen Fernsehens. 

Mitglied der Assoziation professioneller Fotografen der Tschechischen Republik und Mitglied der Künstlervereinigung SVU Mánes. 

Kurator zahlreicher Ausstellungen und Kataloge

Verschiedene Publikationen

Zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland

 

 

Vertreten in folgenden Sammlungen:

 

Národní muzeum fotografie – Jindřichův Hradec

Svaz českých fotografů - Státní ústřední archiv

Fotografische Ausbildung:

 

IVF/ Institut výtvarné fotografie (Institut künstrerischer Fotografie) 1980 – 1983

FAMU – Katedra fotografie (Institut für Fotografie) 1985 – 1994


 

 

Alessio Maximilian Schroder

Blokovi

 

 

 

 

 

 

24.10. - 27.11.2012

Vernissage: 24.10. 2012, 18.30 (Einlass 18 Uhr)

 

 

Alessio Maximilian Schroder

 

Geboren in 1985 in Rom (Italien).

Lebt und arbeitet in Wien (Österreich) und Tel Aviv (Israel).

2004 Übersiedlung nach Österreich und Beginn des Studiums der Philosophie und Slawischen Philologie an der Universität Wien, anschließend bis 2008 Fotografie an der Fotoschule Wien.

In der Folge freiberufliche Tätigkeit als  Fotograf mit Schwerpunkt auf sozialen und politischen Subjets in Osteuropa, hauptsächlich Ungarn, Slowakei und Serbien.

2009 zeitweilige Übersiedlung nach Belgrad (Serbien) und systematische Erkundung des in den 70er-Jahren errichteten Quartiers Novi Beograd, dem ambitionierten Urbanisationsprojekt Ex-Jugoslawiens.

2010 Abschluss des Masterstudiums Fotojournalismus am Institut für Fotografie, Rom (ISFCI – Instituto superiore di Fotografia e Comunicazione integrata), Beginn der Zusammenarbeit mit verschiedenen italienischen Zeitschriften und intensive, bis in die Gegenwart fortdauernde fotografische Auseinandersetzung mit der Problematik der "jüdischen" bzw. "nicht-jüdischen" Immigration in Israel.  

Seit 2011 wieder wohnhaft in Wien und Arbeit an diversen Langzeitprojekten.

 

Schroders Arbeiten wurden sowohl in Italien als auch International veröffentlicht und waren in zahlreichen Gruppenausstellungen zu sehen.

 

 

 

“BLOKOVI”

oder

der post-industrielle poetische Realismus von Alessio Maximilian Schroder

In Novi Beograd, einem Viertel der serbischen Hauptstadt, stehen Dutzende von Wolkenkratzern wie ein künstlicher Damm am Ufer der Save aufgereiht. Sie wurden in den 70er-Jahren des vorigen Jahrhunderts erbaut und scheinen einer Baupraxis Tribut zu zollen, wie sie im „Ostblock“ zu jener Zeit sehr verbreitet war (auch in einem nicht linientreuen und, im Hinblick auf die marxistisch-leninistische Lehre geradezu ketzerisch eingestellten Land wie dem Jugoslawien Titos). Eine Praxis aus Stahlbeton und vorfabrizierten Gebäuden, die kaum voneinander zu unterscheiden sind; ähnlich bis zu dem Grad, an dem einem, abgesehen von der Hausnummer, kein besserer Name für sie einfiel als „Blokovi“ – eine Bezeichnung, welche sie identifiziert und in ihrer Gesamtheit zusammenfasst.  

Alessio Maximilian Schroder (Rom, 1985), der seit geraumer Zeit das Nicht-Gesagte erforscht – das Verborgene großer Städte wie Tel Aviv, Kalkutta oder Wien – beschließt im Jahr 2009 nach Belgrad zu übersiedeln, um die scheinbare Gesichtslosigkeit dieses gewaltigen urbanistischen Projekts des Ex-Jugoslawien neu lesbar zu machen. Dabei sind Bilder entstanden, die hinter der blassen Eintönigkeit dieser baukastenförmigen Lebensraum-Gestaltung die unantastbaren individuellen Dramen des Alltags spürbar werden lassen. Geschichten über den großstädtischen, vor den Fernsehern in tristen Einzimmerwohnungen ausgelebten Weltschmerz, über mehr oder weniger unschuldige Grenzüberschreitungen, vielleicht auch über zerbrochene Hoffnungen – Motive, die Schroders Objektiv dokumentiert und erzählt, ohne zu beschönigen oder rhetorisch zu überzeichnen.

Schroders „Blokovi“ ist ein kleines Manifest urbaner Poesie; eine Art Neuauslegung der nebelhaft melancholischen Atmosphären, an die wir uns bei den französischen Meistern des poetischen Realismus der 30er-Jahre gewöhnt haben, unter einer balkanischen Optik und post-industriellen Gesichtspunkten.

 

 

 

 

 

Christoph Lingg

 

 

 

Verlust + Erinnerung

 

 

 

 

 

 

28.11.2012 - 8.01.2013

Vernissage: 28.11. 2012, 18.30 (Einlass 18 Uhr)

 

 

Verlust und Erinnerung - Eine Anthologie

Im September 2008 unternahm Christoph Lingg eine Reise nach Sibirien, um auf der Halbinsel Yamal für sein Projekt “Völker Asiens” die Volksgruppe der Nenets aufzusuchen und bei ihnen für die Aufnahme von Porträtfotos einige Tage zu verbringen. Auf der Rückreise kam es in der Bezirkshauptstadt Salekhard am Polarkreis zu einem Tag Aufenthalt, und wie in fast allen fremden Städten suchte Christoph Lingg auch hier den Friedhof auf.

Wild überwucherte Gräber, dem Wuchs der Pflanzen überlassene Grabsteine fand er auf dem mitten in der Stadt gelegenen Friedhof vor. Der Natur waren keine Schranken gesetzt. In diesem prächtigen Grün zogen ihn magisch, wie Augen aus dem Dickicht anblickend, Bildnisse auf den bewachsenen Grabsteinen an, die zwischen Ästen, Laubwerk und Gestrüpp durchschimmerten. Fotos von Verstorbenen. Viele in Medaillonform. Inmitten dieser satten, dichten, wilden Friedhofskultur künstlerische Porträtaufnahmen. Der Besucher war von diesen Studiofotos auf dem Friedhof im fremden Salekhard dermaßen überwältigt, daß in ihm spontan die Idee aufkam, ein Buch mit solchen Porträts zu gestalten. Ab nun folgten gezielte Friedhofsbesuche auf der Weiterreise: Die Friedhöfe in der nahe dem Ural, an der Grenze zu Asien gelegenen Stadt Perm und in Ekaterinburg waren die nächsten Stationen.

 

Nach seiner Rückkehr setzte Christoph Lingg die Recherchen fort. Als erstes auf dem Wiener Zentralfriedhof. Fahrten zu den Friedhöfen in Budapest, Bratislava folgten, danach Barcelona, Dubrovnik und Cavtat in Kroatien.

Eine Reise im April 2009 nach Moskau und der Besuch zweier dortiger Friedhöfe bildeten den Abschluß.

Auf all diesen Friedhöfen konnte der Photograph Totenporträts, sogenannte Gedenkfotos entdecken, in den östlich gelegenen mehr als in den westlichen.

Teilweise phantastische, bizarre Gebilde sind es, langjährigen Witterungen ausgesetzt. Manche von Menschen beschädigt, möglicher Weise mit Absicht devastiert, aber viele in alter Studioqualität, gleichsam auf den Grabsteinen wieder zum Leben erweckt.

Der Titel “Verlust und Erinnerung” war bald festgelegt. Autorinnen und Autoren wurden angeschrieben: Beiträge von nicht mehr als einer Dreiviertelseite zu diesem Themenkreis waren gewünscht. Diese sollten jedoch die Fotos nicht illustrieren, sondern als eigenständige Texte an ihrer Seite stehen. Die Fotos gleichsam begleitend. Den Beitragenden wurden keine Fotos vorgelegt. Keine Bildbeschreibung also. Mit einer einzigen Ausnahme, wo eine solche ausdrücklich gewünscht wurde.

Bei der Textgestaltung hatten die Autorinnen/Autoren freie Wahl.

48 Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus Österreich, der Schweiz, Deutschland und der Ukraine konnten für dieses Projekt gewonnen werden. 20 dieser Bild-Text-Kombinationen sind in der Ausstellung vertreten.

Verlust und Erinnerung. Ist Erinnerung ohne Verlust zu denken?

Verluste von Menschen, von Landschaften, Gegenständen und Dingen, vom Stetl, von der Kindheit sind Thema der Beiträge. Viele berühren sehr persönliche, private Ereignisse und Einschnitte im Leben der Schreibenden.

Nachsinnen über verstorbene Verwandte. Den Vater, die Tochter. Kindheitserinnerungen. Widmungen an verlorene Orte, Plätze und Gassen. Das Sichvergegenwärtigen von Augenblicken. Momentaufnahmen.

Ein breiter literarischer Kosmos konnte in dieser Anthologie versammelt werden, die in der Edition Aufbruch erschienen und gleichsam Katalog dieser Ausstellung ist.

Helmut Peschina

 

 

Christoph Lingg

 

1964 geboren, Ausbildung am International Center of Photography in New York, 

zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland, lebt in Wien. Veröffentlichungen u.a. in Liberation,

Stern, New York Times, Merian, Die Zeit, Brigitte, Le Monde, Focus, Newsweek, NZZ, Abenteuer & Reisen, FAZ, Wienerin, Spectrum, El Pais , Time, US-News, NZZ, Geo, Focus, The Independent Magazine

 

Buchveröffentlichungen:

„Apropos Czernowitz“ (mit Texten von Otto Brusatti), „Vergessener Völker Müdigkeiten“,

„Den Sternen entlang“, „Im Stein“ (alle mit Texten von Susanne Schaber), „STILLGELEGT“ (mit

Texten von Susanne Schaber, Richard Swartz und Serhij Zhadan), „Verlust und Erinnerung – Eine

Anthologie“.

 

Mehr über Christoph Lingg unter www.christophlingg.com 

 

 

 

 

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