Das Dienstrecht an den österreichischen Universitätn-  dubiose Chancen für junge Menschen, ein Handicap für die Universitäten

 

- Das neue Uni-Dienstrecht ist seit  dem 1. Oktober 2002 in Kraft. Es sieht für Neueintretende nur noch das Vertragsbedienstetenrecht vor, Beamte soll es künftig keine mehr an der Uni geben. Am Beginn der Uni-Karriere stehen befristete Jobs, für die man sich jeweils neu bewerben muss - zuerst der "Wissenschaftliche Mitarbeiter in Ausbildung" (befristet auf vier Jahre) und anschließend der "Universitätsassistent" (befristet auf vier bis sechs Jahre). Anschließend kann man sich für eine Professur bewerben, entweder als auf maximal sieben Jahre befristeter "Vertragsprofessor" oder als unbefristeter "Universitätsprofessor".-

Ass. Prof. Dr Gert Bachmann, Mittelbauvertreter am Institiut für Ökologie und Naturschutz, Universität Wien

Kontakt: gert.bachmann@univie.ac.at , plum_org@philo.at, download unter http://www.univie.ac.at/IECB/pr/pr.htm

 

Die Zeit davor

Promovierte AkademikerInnen oder Magistri bewarben sich um freigewordene AssistentInnenposten, welche bei evaluierter ausreichender Qualifikation nach vier Jahren um sechs Jahre, danach bei Habilitation oder ähnlicher, extern evaluierter Qalififikation in ein unbefristetes Arbeitsverhätnis mündeten. Dies bot die Möglichkeit einer durchgängigen Karriere und der eigenständigen Gründung von Arbeitsgruppen, also die Voraussetzungen für spätere Professuren oder Abteilungen. Allerdings wurden die damit verbundenen Evaluationen auch ab und zu durch Interventionen der ProfessorInnen zur Farce, was jedoch von den AutorInnen des neuen Dienstrechtes missbraucht wurde, dieses ganze Modell und den Status der wissenschaftlichen BeamtInnen zu diffamieren.

 

Die Situation heute

Nun gibt es auch bei uns, so wie in Deutschland seit den 80ern, den Wegwerfassistenten. Ein junger Assistent darf 4 Jahre an der Uni bleiben, dann muss er die Universität und meist die Stadt oder das Land verlassen, um wo anders Professor zu werden (Ortswechsel ist zwingend, mit oder ohne Familie!). Da es jedoch viel weniger Professorenstellen als Assistenten gibt, bleibt der Großteil auf der Strecke..Für Frauen wird Mutterschaft und akademische Karriere nicht mehr möglich sein. Da die Profilierungsphase sehr kurz und genau in die Zeit der Kindererziehung fällt, wird keine Mutter auf der Uni überleben. Die von der Regierung im Laufe der Dienstrechtsverhandlungen der Hochschullehrergewerkschaft zugesagte vorgezogene Besetzung von 500 Professorenposten, fand in kaum nennenswertem Umfang statt und wird überdies nur für 3 Jahre vorfinanziert.

Für eine Bewerbung auf eine Professur werden auch weiterhin wissenschaftliche Qualifikationen entsprechend einer Habilitation die Voraussetzung sein. Diese Qualifikationen können aber in vielen Fächern in der vorgesehenen Zeit nicht erbracht werden. Das bedeutet aber auch, dass für die meisten KollegInnen eine Bewerbung direkt im Anschluss an die AssistentInnenphase nicht möglich ist. Das neue Dienstrecht sieht also eine durchgehende UniversitätslehrerInnenkarriere nicht mehr vor. Für jede Position ist eine Neubewerbung erforderlich. Die Behauptung des Ressorts, es würden immer genügend freie Stellen für diese Neubewerbungen zur Verfügung stehen, sind – insbesondere im Lichte der budgetären Situation - einfach unglaubwürdig.

In den USA hingegen werden "tenure track"-Positionen an junge WissenschaftlerInnen vergeben, wenn sie erfogreich promoviert und vier bis fünf Jahre erfolgreich "gepostdoct" haben. Wenn sie dann in der Selbständigkeit erfolgreich waren, bekommen sie "tenure", das heisst einen offenen Vertrag, der eben im Gegensatz zur derzeitigen Situation Österreich eine durchgängige Karriere und eigenständige Forschungstätigkeit ermöglicht. Das ist selbstverständlich der vernünftigere Weg, der einem "Braindrain" ins Ausland vorbeugt.

 

Die Folgen

Ambitionierte, selbständige, offene , kooperative, eigenverantwortliche UniversitätslehrerInnen werden sukzessive gegen zwangsläufig oportunistisch agierende Job- oder Projekthopper ersetzt, welche im neuen Haifischteich auf ihre "Chance" warten, den Rest der "KollegInnen" auszukonkurrenzieren. Die wiederholte Begrenzung der Dienstverhältnisse des Mittelbaus ist besonders motivationshemmend. Die Notwendigkeit, sich schon während der Anstellung um eine neue Position ausserhalb der Universitäten zu kümmern, wird sich negativ auf Forschung und Lehre auswirken: Wer wird schon potentiellen Konkurrenten um einen Job sein ganzes Wissen vermitteln und wer wird sich um längerfristige Forschungsprojekte bemühen, wenn die Karriere ohnehin nach kurzer Zeit endet?

Die Lehrqualität wird abnehmen, da nur wissenschaftliche Publikationen bewertet werden. Die Lehre, für die sich unter solchen Umständen niemand mehr ernstlich engagiert, wird zur ungeliebten Nebenbeschäftigung, auf ein Minimum (Rektoratstenor:„die Grundlehre ist gesichert“) reduziert und verschult komplett. Die Gebühren zahlende weniger gut bemittelte StudentInnenschaft hat auch gar nicht mehr die Möglichkeit, sich den Luxus zusätzlicher Semester zur Erlangung profunde(re)n Wissens zu leisten.

 

Fazit

Die flexiblen fluktuierenden Posten, von denen immer im Kontrast zu den verunglimpften Beamten der Universität die Rede ist, wären aufgrund des derzeit zu geringen Personalstandes zusätzlich nötig, aber nicht anstatt der SystemträgerInnen. Der Zugang zu diesem Problem, der derzeit propagiert wird, nämlich lieber ein paar Institute zusammenzulegen oder zu schließen, anstatt sich zu einem Tenure Track und einem notwendigen Mindestmaß an kontinuierlich angestellten (selbverständlich gut evaluierten) Systemträgerinnen zu bekennen, ist mehr als fragwürdig, und bietet schon gar keine nachhaltigen „Chancen für junge Menschen“. Es ist eher wegbereitend für ein Potential an leicht auszubeutenden, zum Dumping arbeitenden JungakademikerInnen ohne Zukunftsperspektive. Danke, Frau Minister Gehrer!

 

siehe auch http://www.univie.ac.at/IECB/aktuell/resol_reak/entwicklung0401.htm

Quellen: APA, ORF (Renee Schröder u.a), GÖD BSL 13