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Glückslose (o-mikuji)

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Glückslose (o-mikuji)

Omikujio-mikuji 御籤/おみくじ Glückslos, Glücksorakel; auch mikuji; sind für gewöhnlich einfache Papierzettel, die man gegen eine kleine Summe z.B. einem Kasten entnehmen kann. Sie enthalten eine Orakelbotschaft, die dann noch weiter erläutert wird. Fast alle größeren Schreine sowie diverse buddhistische Tempel bieten omikuji an und folgen dabei zumeist sehr ähnlichen Grundregeln.

System

Kamigamo Omikuji.jpg
Glückslose (o-mikuji) (Bild: Frank Gualtieri, Wikimedia Commons (jap.), 2006). Hier wirft man 200 Yen in den Behälter mit der entsprechenden Aufschrift, zieht ein Los aus dem mittleren Behälter und erfährt daraus, aus welcher Lade man einen Zettel wählen soll. Der enthält dann das Orakel (o-mikuji) und wird schlussendlich irgendwo im Schreinareal an einen Zweig oder ein Gestell gebunden.
1 Omikuji-Box

Das Wort kuji hat die Grundbedeutung „Spieß“. Omikuji — das gleiche Vokabel mit dem doppelten Honorifikum o-mi — bezeichnet eigentlich die Stäbchen in der zumeist sechseckigen omikuji-Box, die man zunächst einmal schüttelt, bis ein omikuji-Spießchen zum Vorschein kommt. Dieses ist mit einem Zeichen versehen, das auf ein Fach im daneben stehenden Zettelkasten verweist. Die Zettel in diesem Fach enthalten dann die eigentliche Orakelbotschaft. Es gibt eine klare Abstufung von Botschaften, die etwa von Großem Glück (daikichi 大吉), Mittlerem Glück (chūkichi 中吉 oder hankichi 半吉) und kleinem Glück (shōkichi 小吉) bis zu Unglück (kyō 凶) und Großem Unglück (daikyō 大凶) reichen. Die Zettel enthalten darüber hinaus Ratschläge, ähnlich hierzulande geläufigen Horoskopen. Meist kommt der spezifische Charakter des jeweiligen Schreins oder Tempels in diesen Ratschlägen zum Ausdruck. Kuji hat aber aufgrund seiner Verwendung auch die Bedeutung „Glückslos“ und wird in dieser Bedeutung auch auf die Zettel mit der Orakelbotschaft übertragen.

Diese Zetteln werden nach dem Lesen im Schrein- oder Tempelareal oft an einen Zweig oder an ein dafür vorgesehenes Gestell gebunden. Manchmal heißt es, dass nur die schlechten Horoskope vor Ort angebunden, die guten hingegen mitgenommen werden sollen, doch scheint es hier lokal unterschiedliche Konventionen zu geben.

Beispiele

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Lesen der Neujahrsorakel (Bild: Frantisek Staud, 1999, über Internet Archive). Schreinbesucher des Heian Jingū beim Lesen der Neujahrsorakel (o-mikuji).
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O-mikuji (Bild: Nihon ryokō, 2002). Schüler mit frisch erworbenen o-mikuji Losen des Dazaifu Tenman-gū.
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Anbinden von o-mikuji Losen (Bild: Frantisek Staud, 1999, über Internet Archive). Japanerin im Neujahrs-Kimono beim Anbinden von o-mikuji Losen im Heian Jingū.
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Omikuji zu Neujahr (Bild: Japan Info). Glückslose (o-mikuji) werden von einem Mädchen im festlichen Kimono an ein Gestell gebunden. Besonders zu Neujahr (O-shōgatsu) erfreut sich dieser Brauch großer Beliebtheit.
O-mikuji zu Neujahr

Wie man an den Fotos erkennen kann, erfreut sich dieser Brauch vor allem zu NeujahrShōgatsu 正月 Neujahr, Neujahrsfest; in der Alltagssprache meist O-shōgatsu; im Heian SchreinHeian Jingū 平安神宮 Shintō-Schrein in Kyōto; zu Ehren des Kanmu Tennō im Jahr 1895 errichtet; die historisierende Bauweise ist der Palastarchitektur der Heian-Zeit nachempfunden; in Kyōto großer Beliebtheit.

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Glückslose (omikuji) (Bild: Zhang Wenjie, 2011). Glückslose (o-mikuji), in rosa gehalten.
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Glückslose (omikuji) (Bild: Bonguri, Flickr 2015). Glückslose (o-mikuji), an einen Zweig gebunden.
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Glückslose (o-mikuji) (Bild: Brian Utesch, flickr 2006). Glückslose (o-mikuji), welche an einem Zweig befestigt wurden.
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O-mikuji und torii (Bild: Bjørn K, 2006). Gückslose (o-mikuji) und torii in Kamakura.
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Schreindienerin (miko) (Bild: Alain Barthe, 1997). Im Hintergrund der miko befinden sich o-mikuji auf den Zweigen künstlich angelegter Büsche.
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O-mikuji (Bild: Stephen A. Edwards, 2002). Die o-mikuji sind an einen Granatapfelzweig gebunden

Wie so oft in der religiösen Praxis Japans werden die mit Zetteln bespickten Bäume und Sträucher Teil eines kollektiven Kunstwerks.

Yasui konpira.jpg
„Stein der Trennung und der Bindung“ (Engiri enmusubi ishi) (Bild: Kimagure Jīsan, (J-Blog), 2009). Im Inneren des Konvoluts von aufgeklebten Zetteln (o-mikuji) befindet sich ein großer Stein mit einem Loch. Auf den Zetteln stehen Wünsche, die mit Hilfe des Steins in Erfüllung gehen sollen. Der Stein selbst, welcher sich am Gelände des Yasui Konpira-gū befindet, ist erstaunlich dünn und gleicht eher einer Wand mit Loch. Die Zetteln bilden also die Hauptmasse des auf diesem Bild gezeigten religiösen Objekts.
12 Engiri enmusubi ishi, der „Stein der Trennung und der Bindung“

Der Yasui Konpira SchreinYasui Konpira-gū 安井金比羅宮 Schrein in Kyōto, welcher 1695 errichtet wurde.; in Kyōto bietet eine ganz besondere Art von Zetteln — die hier katashiro heißen — an: Man schreibt Wünsche auf diese Zetteln und klebt sie auf den Stein, der bald nicht mehr zu erkennen ist.

Diese Wünsche haben sowohl mit der Trennung von Unerwünschtem als auch mit der Bindung zu Erwünschtem zu tun, meist — aber nicht notwendigerweise — im Zusammenhang mit Liebesbeziehungen. Man kann sich also auch wünschen, dass die Affaire des Ehepartners zu Ende geht. Außerdem muss man durch den Tunnel aus Zetteln durchkriechen, damit der Wunsch in Erfüllung geht.

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„Glückslose (o-mikuji).“ In: Bernhard Scheid, Religion-in-Japan: Ein digitales Handbuch. Universität Wien, seit 2001

Verweise

Internetquellen

  • Shi-yaku-jin no hokora, ein amerikanischer Shintō-Schrein mit starkem Online-Auftritt. Hier gibt es die Möglichkeit auch in englischer Übersetzung nachzuvollziehen wie O-mikuji funktionieren.
Letzte Überprüfung der Linkadressen: Jul. 2020

Bilder

Quellen und Erläuterungen zu den Bildern auf dieser Seite:

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    Kamigamo Omikuji.jpg
    Glückslose (o-mikuji) (Bild: Frank Gualtieri, Wikimedia Commons (jap.), 2006). Hier wirft man 200 Yen in den Behälter mit der entsprechenden Aufschrift, zieht ein Los aus dem mittleren Behälter und erfährt daraus, aus welcher Lade man einen Zettel wählen soll. Der enthält dann das Orakel (o-mikuji) und wird schlussendlich irgendwo im Schreinareal an einen Zweig oder ein Gestell gebunden.
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    Omikuji heian.jpg
    Lesen der Neujahrsorakel (Bild: Frantisek Staud, 1999, über Internet Archive). Schreinbesucher des Heian Jingū beim Lesen der Neujahrsorakel (o-mikuji).
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    Mikuji gakusei dazaifu.jpg
    O-mikuji (Bild: Nihon ryokō, 2002). Schüler mit frisch erworbenen o-mikuji Losen des Dazaifu Tenman-gū.
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    Omikuji heian shogatsu.jpg
    Anbinden von o-mikuji Losen (Bild: Frantisek Staud, 1999, über Internet Archive). Japanerin im Neujahrs-Kimono beim Anbinden von o-mikuji Losen im Heian Jingū.
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    Hatsumode-omikuji.jpg
    Omikuji zu Neujahr (Bild: Japan Info). Glückslose (o-mikuji) werden von einem Mädchen im festlichen Kimono an ein Gestell gebunden. Besonders zu Neujahr (O-shōgatsu) erfreut sich dieser Brauch großer Beliebtheit.
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    Omikuji rosa.jpg
    Glückslose (omikuji) (Bild: Zhang Wenjie, 2011). Glückslose (o-mikuji), in rosa gehalten.
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    Omikuji blau.jpg
    Glückslose (omikuji) (Bild: Bonguri, Flickr 2015). Glückslose (o-mikuji), an einen Zweig gebunden.
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    Omikuji.jpg
    Glückslose (o-mikuji) (Bild: Brian Utesch, flickr 2006). Glückslose (o-mikuji), welche an einem Zweig befestigt wurden.
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    Mikuji kamakura.jpg
    O-mikuji und torii (Bild: Bjørn K, 2006). Gückslose (o-mikuji) und torii in Kamakura.
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    Miko heianjingu barthe.jpg
    Schreindienerin (miko) (Bild: Alain Barthe, 1997). Im Hintergrund der miko befinden sich o-mikuji auf den Zweigen künstlich angelegter Büsche.
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    Mikuji nara.jpg
    O-mikuji (Bild: Stephen A. Edwards, 2002). Die o-mikuji sind an einen Granatapfelzweig gebunden
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    Yasui konpira.jpg
    „Stein der Trennung und der Bindung“ (Engiri enmusubi ishi) (Bild: Kimagure Jīsan, (J-Blog), 2009). Im Inneren des Konvoluts von aufgeklebten Zetteln (o-mikuji) befindet sich ein großer Stein mit einem Loch. Auf den Zetteln stehen Wünsche, die mit Hilfe des Steins in Erfüllung gehen sollen. Der Stein selbst, welcher sich am Gelände des Yasui Konpira-gū befindet, ist erstaunlich dünn und gleicht eher einer Wand mit Loch. Die Zetteln bilden also die Hauptmasse des auf diesem Bild gezeigten religiösen Objekts.

Glossar

Namen und Fachbegriffe auf dieser Seite:

  • Heian Jingū 平安神宮 ^
    Shintō-Schrein in Kyōto; zu Ehren des Kanmu Tennō im Jahr 1895 errichtet; die historisierende Bauweise ist der Palastarchitektur der Heian-Zeit nachempfunden
  • o-mikuji 御籤/おみくじ ^
    Glückslos, Glücksorakel; auch mikuji
  • Shōgatsu 正月 ^
    Neujahr, Neujahrsfest; in der Alltagssprache meist O-shōgatsu
  • Yasui Konpira-gū 安井金比羅宮 ^
    Schrein in Kyōto, welcher 1695 errichtet wurde.