Nacktfeste (hadaka matsuri)

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Nacktfeste (hadaka matsuri)

Nacktfeste finden ty­pi­scher­weise im Winter statt und haben den Cha­rak­ter von Mut­pro­ben, bei denen gestandene Männer Härte de­mons­trie­ren. Die tra­di­tio­nel­le japanische Un­ge­zwun­gen­heit gegenüber dem nackten Körper kommt bei diesen Anlässen un­ge­bro­chen zum Aus­druck. Frauen sind allerdings meist nur als Zu­se­he­rin­nen zu­ge­las­sen.

Ikenoue Misogi Matsuri

Nacktfest in Ikenoue // Matsuri. 2007; Katsuragake Jinja, Ikenoue, Gifu-ken // Bild © Wada Yoshio, 2007 (letzter Zugriff: 2016/9/18) // Die Teilnehmer des hadaka matsuri, welche mit einem fundoshi bekleidet sind, auf dem Weg zum Fluss.
Hadaka matsuri in Ikenoue (2007/12/8)
Nacktfest in Ikenoue // Matsuri. 2007; Katsuragake Jinja, Ikenoue, Gifu-ken // Bild © Wada Yoshio, 2007 (letzter Zugriff: 2016/9/18) // Die ausschließlich männlichen Teilnehmer des hadaka matsuri, natürlich mit dem traditionellen fundoshi bekleidet, beim Bad (misogi) im Fluss, das jährlich am zweiten Samstag im Dezember veranstaltet wird.
Winterliches Bad im Fluss

Gegen Ende des Jahres ver­an­stal­tet der Katsuragake JinjaKatsuragake Jinja 葛懸神社 Schrein in Ikenoue, Gifu-ken Schrein in Ikenoue, Präf. Gifu, sein tra­di­tio­nel­les Nacktfest, das der rituellen Reinigung dient. Die ausnahmslos männlichen Teilnehmer sind wie bei den meisten Nackt­fes­ten mit einem tra­di­tio­nel­len Len­den­schurz (fundoshifundoshi traditionelle, japanische Unterwäsche für Männer Matsuri) bekleidet und stürzen sich bei win­ter­lichen Temperaturen ins Wasser. Das rituelle Bad im Fluss als Akt der Rei­ni­gung (misogimisogi Purifikation, Reinigungsritus, rituelle Waschung MatsuriShintoGoetter des Himmels) ist bereits aus den Mythen bekannt. Nach seiner Flucht aus der Un­ter­welt, entledigt sich der Götter­vater IzanagiIzanagi 伊耶那岐/伊奘諾 Göttervater; auch Izanaki (ki hier männliche Endung) OkuninushiGluecksgoetterEbisuMythen... mehr aller Ver­un­rein­igungen, die ihm im Reich der Toten begegnet sind, indem er sich in einem Fluss badet. Das Fest in Ikenoue soll seinen Ursprung in einer Hungerperiode des Jahres 1394 haben.

Die Schlacht der Nackten im Saidai-ji von Okayama

Eines der spek­ta­ku­lärs­ten und größten Nacktfeste findet alljährlich im Februar (zum Aus­klang des Jahres nach dem Alten Kalender) im Saidai-jiSaidai-ji 西大寺 Buddhistischer Tempel in Nara, err. 765, Haupttempel der Shingon Risshū Schule NaraDaikoku in Okayama statt. Nach einem reinigenden Bad im kalten Fluss begeben sich mehrere tau­send männliche Teil­nehmer, nur mit fundoshi bekleidet, in die Haupt­halle des Tempels. Hier werden um Mitter­nacht einige Glücks­bringer (in diesem Fall simple Bündel aus Holzstäben) in die Menge gewofen, wobei zusätzlich alle Lichter gelöscht werden. Es ent­steht ein wilder Kampf, bei dem nicht selten Ver­letzte und sogar Tote zu beklagen sind. Wer schließlich einen Glück­bringer erfolg­reich in seinen Besitz gebracht hat, soll angeblich das ganze Jahr über Glück haben.

Nacktfest // Matsuri. 2012; Saidai-ji, Okayama // Bild © Farmofmind, Blog, 2012 (letzter Zugriff: 2016/9/18) // Nach einem Bad in Eiswasser des hadaka matsuri drängen knapp 10.000 mit Lendenschurz (fundoshi) bekleidete Männer in den Tempel des Saidai-ji, wo um Mitternacht alle Lichter gelöscht werden und ein Kampf um das eine Glückslos, das in die Menge geworfen wird, beginnt.
Hadaka matsuri
Nacktfest im Saidai-ji // Tempelfest, matsuri, Detail. 2015; Saidai-ji, Okayama // Bild © Laughterkey, Blog, 2015 (letzter Zugriff: 2016/9/18) // Nur mit Lendenschurz (fundoshi) bekleidete Männer harren des Kampfes um das Glückslos beim hadaka matsuri im Saidai-ji.
An die 10.000 Männer wetteifern um ein Symbol des Glücks

Um die Stimmung unter den nackten Männer weiter anzuheizen, wird der Event von einem Trom­mel­orchester begleitet, das aus­schließ­lich aus (an­ge­klei­deten) Frauen besteht. Auch zahlreiche Schau­lustige sind zugelassen.

Nacktfest des Saidai-ji, Okayama // Querbildrolle, matsuri (Papier), Detail. 17. Jh.; Saidai-ji, Okayama // Bildquelle: Wada Yoshio (letzter Zugriff: 2016/9/19) // Auszug aus der Bildrolle Saidai-ji engi, welche das hadaka matsuri des Saidai-ji zeigt.
Edo-zeitliche Darstellung des Nacktfestes von Okayama, 17. Jh.

Winter-matsuri von Enoshima

Schreinprozession durchs Meer // Schreinfest, matsuri; Fujisawa-shi, Präfektur Kanagawa, Enoshima // Bild © Wada Yoshio (letzter Zugriff: 2016/9/19) // Wada Yoshio stellt auf seiner Homepage Bilder und eine ausführliche Dokumentation des hadaka matsuri mit dem mikoshi vom 28.1.2006 zur Verfügung.
Szenen der Schreinprozession durchs Meer
Schreinprozession durchs Meer // Schreinfest, matsuri; Fujisawa-shi, Präfektur Kanagawa, Enoshima // Bild © Wada Yoshio (letzter Zugriff: 2011/7) // Wada Yoshio stellt auf seiner Homepage Bilder und eine ausführliche Dokumentation des Festes hadaka matsuri mit dem mikoshi vom 28.1.2006 zur Verfügung.
Präfektur Kanagawa, Fujisawa-shi, Enoshima (2006/1/28)

Bei diesem Festival werden mehrere tragbare Schreine (mikoshimikoshi 神輿 tragbarer Schrein MatsuriPhalluskulte) aus den nahe­ge­le­genen Städten Fujisawa und Kamakura durch das seichte Meer­wasser zur Schrein­insel EnoshimaEnoshima 江ノ島 Schreininsel; rel. Zentrum nahe Kamakura Bekannte SchreineBenzaiten getragen. Pi­kan­ter­weise trans­por­tie­ren die nackten Männer auch einige Mädchen zur Insel der lau­ni­schen Göttin BenzaitenBenzaiten 弁才天/弁財天 Glücksgöttin, Gottheit des Wassers, der Musik und der Beredsamkeit; skt. Sarasvati; auch: Benten Bekannte SchreineItsukushimaToriiBishamon-ten... mehr.

Die erotische Spannung zwischen den bekleideten Frauen (Herrinnen) und den nackten dienenden Männern, die in diesem Nackt­fest besonders deutlich zum Aus­druck kommt, wird auch in einem shungashunga 春画 wtl. „Frühlingsbilder“; Gemälde und Druckwerke mit expliziten sexuellen Darstellungen BodhidharmaTengu der Edo-Zeit the­ma­ti­siert, auf dem männliche Träger beim Tran­sport von Reisenden durch einen Fluss dargestellt sind. Dieser heute aus­ge­storbene Beruf hat wohl auch die Idee zu diesem matsurimatsuri religiöses (Volks-)Fest MatsuriPhalluskulteItakoBekannte Schreine... mehr geliefert.

Kanaya // Farbholzschnitt, shunga (Papier, Farbe) von Kuniyoshi. Ca. 1835 // Bild © Edo Prints Gallery // Kanaya, die 25. Station des Tōkaidō, befand sich am Fluss Ōi in der heutigen Präfektur Shizuoka. Da es keine Brücke gab, waren die Reisenden auf Flöße oder Träger angewiesen. Diese Träger sind daher auch ein fixes Motiv auf Abbildungen dieser Tōkaidō-Station, so auch auf diesem satirischen shunga: Während der vordere Träger offensichtlich Gefallen an seiner Tätigkeit findet, hält sich der hintere die Nase zu.
Shunga von Kuniyoshi, ca. 1835
Während der vordere Träger offensichtlich Gefallen an seiner Tätig­keit findet, hält sich der hintere die Nase zu.

Eisbad des Teppōzu Inari Schreins

Nur für die härtesten: Neujahrsfeier im Eiswasser. Der Teppōzu Inari JinjaTeppōzu Inari Jinja 鉄砲洲稲荷神社 Inari Schrein in Tōkyō in Tōkyō führt seine Tradition auf die HeianHeian 平安 alter Name Kyōtos, eig. Heian-kyō 平安京, „Stadt des Friedens“; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit) PilgerschaftBautenItsukushimaKasuga... mehr-Zeit zurück, das Eis­wasser­fest entstand aller­dings erst nach dem zweiten Weltkrieg. 2005 badeten 38 Personen im eisigen Wasser, darunter auch zwei Frauen.

Eiswasserfest // Schreinfest, matsuri; Teppōzu Inari Jinja, Chūō-ku, Tōkyō // Bild © Wada Yoshio (letzter Zugriff: 2011/7) // Auf der Homepage von Wada Yoshio findet sich eine ausführliche Dokumentation des Festes des Teppōzu Inari Jinja vom 9.1.2005.
Eisbad
Eiswasserfest // Schreinfest, matsuri; Teppōzu Inari Jinja, Chūō-ku, Tōkyō, 9. 1. 2005. // Bild © Wada Yoshio, 2005 (letzter Zugriff: 2016/9/18) // Aufnahme des Eiswasserfestes des Teppōzu Inari Jinja.
Tōkyō, Chūō-ku, Teppōzu Inari Jinja. 9. 1. 2005
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Ikonographie 
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„Nacktfeste (hadaka matsuri).“ In: Bernhard Scheid (Hg.), Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 21.9.2016). URL: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Alltag/Matsuri/Hadaka_matsuri?oldid=67216