Yamabushi

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Yamabushi
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Älterer Yamabushi // // Bild © Frantisek Staud, 1999 (letzter Zugriff: 2016/9/18) // Ein älterer Yamabushi in sitzender Position, Mibu-tera, Kyōto.
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Yamabushi-Prozession im Mibu-dera // // Bild © Frantisek Staud, 1999 (letzter Zugriff: 2016/9/18) // Eine lange Prozession von yamabushi im Mibu-dera, Kyōto.
. 1 . 2 Yamabushi in Kyōto

Yamabushiyamabushi 山伏 Bergasket, wtl. der in den Bergen schläft; Praktikant des Shugendō MatsuriFeuergangMoencheMoenchstrachtPilgerschaft... mehr, wtl. „die in den Bergen schlafen“, bilden eine locker or­gani­sierte Kon­fö­dera­tion von Mön­chen und Laien­brüdern mit spe­ziel­len syn­kre­tis­ti­schen Riten. Man­che ihrer Prak­ti­ken las­sen sich höchst­wahr­schein­lich auf ein­heimi­sche, vor-bud­dhis­tische Berg­kulte zurück­führen, die meis­ten sind aber stark vom eso­te­ri­schen Bud­dhis­mus be­ein­flusst. Äu­ßer­lich er­kennt man die Berg­aske­ten an ihrer ei­gen­wil­ligen Mönchs­tracht, bei der als erstes die cha­rak­ter­is­tische, in die Stirn ge­rückte Kopf­be­deckung ins Auge fällt. Darüber hi­naus tragen viele eine bud­dhis­tische Stola (kesakesa 袈裟 äußerstes Gewand der buddh. Mönchstracht, variiert zwischen einem breiten Wickeltuch und einer dünnen Stola; besteht der Theorie nach aus Flicken. MoencheMoenchstrachtShotoku Taishi) mit dicken Bom­meln und ein Muschel­horn, das einen dump­fen, kla­gen­den Ton von sich gibt.

Shugendō

En no Gyōja auf dem Berg Fuji // Buchillustration von Katsushika Hokusai. Edo-Zeit, 1834; aus der Serie Hundert Ansichten des Fuji, Band 1 // Bild © visipix (letzter Zugriff: 2011/7) // En no Gyōja auf dem Berg Fuji.
En no Gyōja

Der Orden der yamabushi nennt sich ShugendōShugendō 修験道 gemischt-rel. Bergkult, Orden der yamabushi NikkoShinbutsu bunriHeiligeTengu und führt sich auf En no GyōjaEn no Gyōja 役行者 Legendärer Begründer des Shugendō (um 700); auch: En no Ozunu/Ozuno En no GyojaHeilige, einen legenden­um­wo­benen Asketen und Magier aus der Asuka- und frühen Nara-Zeit (um 700) zurück. Organisierte Bergasketen tauchen allerdings erst in der Heian-Zeit in den Quellen auf und dürften mit dem damaligen Pilgerwesen auf der Halb­insel KiiKii Hantō 紀伊半島 Halbinsel Kii, Wakayama-ken PilgerschaftOpfer, südlich von NaraNara 奈良 Hauptstadt und Sitz des Tennō, 710–784 (= Nara-Zeit); ehemals: Heijō-kyō EmaBautenHachimanItsukushima... mehr zusammenhängen. Erst nach und nach breitete sich der Orden in ganz Japan aus. Manche yamabushi-Gruppen schlossen sich formal dem ShingonShingon-shū 真言宗 Shingon-Schule, wtl. Schule des Wahren Wortes; wichtigste Vertreterin des esoterischen Buddhismus (mikkyō) in Japan AhnenkultMoencheBekannte TempelBerg Koya... mehr-, andere dem TendaiTendai-shū 天台宗 Tendai-Schule, chin. Tiantai NikkoBekannte TempelBerg KoyaBishamon-ten... mehr-Bud­dhis­mus an. In jedem Fall war der Einfluss esoterisch-bud­dhis­tischer Riten, vor allem aber der Feuer­kulte des Fudō MyōōFudō Myōō 不動明王 prominentester japanischer Myōō (Mantra-König), wtl. „der Unbewegliche“ FeuergangEn no GyojaVajrapaniKukai... mehr beträchtlich. Da die yamabushi aber auch Schreine für ein­heimische Berg­gott­heiten un­ter­hielten, entstand eine un­trenn­bare Mischung aus BuddhaBuddha बुद्ध „Der Erleuchtete“, jap. butsu (hotoke) 仏 oder Budda 仏陀 AlltagAhnenkultFriedhofGorintoShikoku... mehr- und kamikami Gottheit; im engeren Sinne einheimische oder lokale japanische Gottheit, Schreingottheit (s. jinja), Gottheit des Shintō AlltagAhnenkultGluecksbringerKamidanaMatsuri... mehr-Kulten.

Unter dem Einfluss des Staatsshintō wurde die Tradition des Shugendō in der Meiji-Zeit (1868–1912) verboten, lebt allerdings in jüngerer Zeit in zahl­reichen ehemaligen Zentren des Berg­asketen­tums — auf der Halb­insel Kii in KumanoKumano 熊野 Region im Süden der Halbinsel Kii (Wakayama-ken), bekannt für ihre alten Pilgerzentren (s. Kumano Sanzan) PilgerschaftTorii und YoshinoYoshino 吉野 Bergregion im Süden des Nara-Beckens mit mehreren Zentren der Bergasketen (yamabushi); wichtige Pilgerstätte der Heian-Zeit (Kinpusen-jiKinpusen-ji 金峯山寺 Tempel in der Bergregion Yoshino, Nara-ken; wichtiger Tempel des Shugendō ), auf Berg TakaoTakao-san 高尾山 Berg Takao, rel. Zentrum im Westen Tōkyōs FeuergangTengu bei Tōkyō oder auf Berg HaguroHaguro-san 羽黒山 Berg Haguro; religiöses Zentrum des Shugendō in der Präfektur Yamagata, Nord-Japan in Nord-Japan — erneut wieder auf.

Asketische und magische Riten

Yamabushi beim Beten // // Bild © Wada Yoshio, 2006/2/18 (letzter Zugriff: 2016/9/18) // Bergasket (yamabushi) beim takigyō unter einem Wasserfall im winterlichen Niigata, tief in den japanischen Alpen.
. 3 Beten unter eiskaltem Wasserfall
Feuergang // Yamabushi-Zeremonie, matsuri; Berg Takao // Bild © Wada Yoshio, 2004 (letzter Zugriff: 2016/9/18) // Nachdem die Flammen großteils verlöscht sind, bahnen sich die erfahrenen Mönche mit Hilfe von Salz einen Weg durch die Glut (hiwatari). Die Schuhe haben sie natürlich abgelegt.
. 4 Feuergang

Die Riten der yamabushi haben zumeist einen ausgeprägt körper­lichen, oft beinahe sport­lichen Aspekt: es geht um die Über­win­dung von Angst, Schmerzen und physischer Erschöpfung, also in erster Linie um die Aus­lotung kör­per­licher Grenzen. Gomagoma 護摩 buddh. Feuerritus, skt. Homa -Riten, bei denen zu Ehren des Fudō MyōōFudō Myōō 不動明王 prominentester japanischer Myōō (Mantra-König), wtl. „der Unbewegliche“ ein Feuer entzündet und ein bloß­füßiger Gang durch die glühende Asche ver­an­stal­tet wird, zählen zu den typischen Ak­ti­vi­tä­ten der yamabushi, aber auch das Beten unter eiskalten Wasserfällen (takigyōtakigyō 滝行 Beten unter einem Wasserfall; asketische Übung der yamabushi ).

Es ist daher nicht weiter ver­wun­der­lich, dass den yamabushi, ähnlich wie den indischen Yogis, in früherer Zeit magische oder para­nor­male Fähig­keiten nachgesagt wurden, z.B. die Kunst des Fliegens. Sie waren eng mit den tengutengu 天狗 wtl. Himmelshund; vogelartiger oder geflügelter Kobold, meist in den Bergen PhalluskulteBishamon-tenShinto MittelalterGoetter der Erde... mehr assoziiert, jenen un­heim­lichen Kobolden, die ihrerseits meist in der Ordens­tracht der yamabushi dargestellt werden. Die grund­sätzlich am­bi­va­lente Haltung gegen­über den tengu, die in Sagen und Legenden sowohl als un­heil­volle Böse­wichte als auch als tapfere Schwert­meister auftreten, scheint zugleich die traditionelle Haltung gegen­über den yamabushi aus­zu­drücken: sie waren einerseits wegen ihrer magischen Fähig­keiten gefürchtet, konnten anderer­seits aber als Berg­führer und in krie­gerischen Zeiten als Elite­kämpfer durchaus von Nutzen sein.

Yamabushi auf Spendensammlung // // Bild © Wada Yoshio, 2002 (letzter Zugriff: 2016/8) // Vor dem Kinpusen-ji in Yoshino, einem religiösen Zentrum in den Bergen südlich von Nara, das u.a. auch für den Shugendō (den Glauben der yamabushi) bedeutend ist. (Der yamabushi im Vordergrund rechts ist im übrigen ein Westler!)
. 5 Yamabushi in Yoshino
Yamabushi auf Spendentour // Zeremonie. 2011; Kyoto, Sanjō dōri // Bild © Andy Heather (letzter Zugriff: 2017/11/30) // Yamabushi in Begleitung eines Shingon-Mönchs sammeln für die Opfer des Tōhoku-Erdbebens 2011 im Stadtzentrum von Kyoto.
. 6 Yamabushi in Kyoto

Heute haben viele yamabushi Ver­an­stal­tungen einen exotisch-touristischen Aspekt, in entlegeneren Gegenden werden aber auch traditionelle, mit echter körperlicher Heraus­forderung verbundene Riten erneut wieder­belebt. Auch in Europa haben sich unter den zahl­reichen asiatischen Kampf­sport­arten Richtungen etabliert, die mit dem Shugendō in Verbindung stehen.

Shamanismus

Eine blinde itako Priesterin // // Bild © H. Johnson, 2005 (letzter Zugriff: 2011/7) // Ein blinde Geisterbeschwörerin itako lässt die Geister der Verstorbenen durch sich sprechen. In der Hand hält sie eine buddhistische Gebetskette (juzu), hinter ihr steht eine Trommel.
Itako

Yamabushi werden auch mit dem Sha­ma­nis­mus in Ver­bin­dung gebracht und waren vor allem in vor­mo­der­ner Zeit auf Ge­bie­ten wie Geis­ter­aus­trei­bung oder Wet­ter­vor­her­sage tätig, die man im weites­ten Sinne als „sha­ma­nis­tisch“ bezeichnen könnte. Der größte Teil dessen, was man mit Sha­ma­nismus verbindet, nämlich die Kom­mu­ni­kation mit der Welt der Geister, wurde und wird in Japan jedoch von Frauen über­nom­men. Noch heute gibt es or­ga­ni­sierte Geister­be­schwö­rerin­nen, die sich itakoitako イタコ blinde Priesterin oder Shamanin; früher auch ichiko 市子 SchreinpriesterItakoShintoGeister nennen und vor allem in Nord-Japan zu finden sind. In der Regel handelt es sich um seh­be­hin­derte Frauen. Die Edo-zeit­lichen Vorfah­rin­nen der itako koope­rierten eng mit den yamabushi, nicht selten waren sie auch ver­heiratet.

Verweise

Bilderläuterungen

  1. Yamabushi kyoto2 staud.jpg
    Älterer Yamabushi // // Bild © Frantisek Staud, 1999 (letzter Zugriff: 2016/9/18) // Ein älterer Yamabushi in sitzender Position, Mibu-tera, Kyōto.
  2. Yamabushi kyoto staud.jpg
    Yamabushi-Prozession im Mibu-dera // // Bild © Frantisek Staud, 1999 (letzter Zugriff: 2016/9/18) // Eine lange Prozession von yamabushi im Mibu-dera, Kyōto.
  3. Takishugyo.jpg
    Yamabushi beim Beten // // Bild © Wada Yoshio, 2006/2/18 (letzter Zugriff: 2016/9/18) // Bergasket (yamabushi) beim takigyō unter einem Wasserfall im winterlichen Niigata, tief in den japanischen Alpen.
  4. Yamabushi takao wada5m.jpg
    Feuergang // Yamabushi-Zeremonie, matsuri; Berg Takao // Bild © Wada Yoshio, 2004 (letzter Zugriff: 2016/9/18) // Nachdem die Flammen großteils verlöscht sind, bahnen sich die erfahrenen Mönche mit Hilfe von Salz einen Weg durch die Glut (hiwatari). Die Schuhe haben sie natürlich abgelegt.
  5. Yamabushi yoshino2.jpg
    Yamabushi auf Spendensammlung // // Bild © Wada Yoshio, 2002 (letzter Zugriff: 2016/8) // Vor dem Kinpusen-ji in Yoshino, einem religiösen Zentrum in den Bergen südlich von Nara, das u.a. auch für den Shugendō (den Glauben der yamabushi) bedeutend ist. (Der yamabushi im Vordergrund rechts ist im übrigen ein Westler!)
  6. Yamabushi 2011.jpg
    Yamabushi auf Spendentour // Zeremonie. 2011; Kyoto, Sanjō dōri // Bild © Andy Heather (letzter Zugriff: 2017/11/30) // Yamabushi in Begleitung eines Shingon-Mönchs sammeln für die Opfer des Tōhoku-Erdbebens 2011 im Stadtzentrum von Kyoto.

Links

  • Shiozawa seppu matsuri Wada Yoshio (jap.)
    Dokumentation eines winterlichen Wasser­fall-Rituals der yamabushi am Fuße des Makihata-yama in den japanischen Alpen. Auf der Website des Foto­grafen und Amateur­volks­kundlers Wada Yoshio finden sich noch etliche weitere Dokumentationen von Shugendō-Riten.
  • Shugendo Mark Schumacher
    Besonders umfangreiche Seite aus Marks umfangreichen Online-Lexikon.
Letzte Überprüfung der Linkadressen: Sept 2016

Literatur

Royall Tyler und Paul Swanson (Hg.) 1989
Shugendo and Mountain Religion in Japan. Japanese Journal of Religious Studies 16/2–3 1989. [Sondernummer des JJRS.]
Ende des Kapitels „Religion und Alltag“
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„Yamabushi.“ In: Bernhard Scheid (Hg.), Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 11.8.2018). URL: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Alltag/Yamabushi?oldid=69519