Amida Nyorai und sein Reines Land

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Amida Nyorai und sein Reines Land
Amida mit der Geste des Predigens.
Wandgemälde, nyorai, Detail. Spätes 7. Jh.; 1949 durch Brand zerstört; Hōryū-ji, Präfektur Nara
Bild © Yamashina Reiji. (Letzter Zugriff: 2016/9/19).

In Fresco-Technik an der Haupthalle des Tempels Hōryū-ji, Abbildung des Amida Buddha mit der mudra-Geste des Predigens.

Amida Statue mit Meditations-mudrā.
Statue, nyorai (Holz, vergoldet). Späte Heian-Zeit, 11. Jh.?; Höhe: 152,5 cm
Bild © Kyōto National Museum. (Letzter Zugriff: 2016/8).

Abgebildet ist der Buddha Amida mit der für ihn typischen Meditations-mudrā. Sein Gewand besteht aus einem langem Tuch namens kashaya (jap. kesa), das um dem Körper gewickelt ist.

Gesicht des Großen Buddha von Kamakura.
Statue, daibutsu (Bronze), Detail. 1252
Bild © Robert Prestiano. (Letzter Zugriff: 2008/2).

Gesicht des Amida (skt. Amitabha) Daibutsu von Kamakura. Die Gusstechnik in ringförmigen Segmenten ist hier gut zu erkennen.

Darstellungen des Amida

BuddhasBuddha बुद्ध „Der Erleuchtete“, jap. butsu (hotoke) 仏 oder Budda 仏陀 AlltagAhnenkultFriedhofGorintoShikoku... mehr haben nach Auf­fas­sung der bud­dhis­ti­schen Lehre alle Leiden hinter sich ge­las­sen, die Er­leuch­tung erfahren und den Kreis­lauf der Wieder­geburten ver­lassen. Damit sind sie für den ge­wöhn­lichen Sterb­lichen schein­bar nicht mehr greif­bar und wären somit im Grunde ohne Belang für die Suche nach bud­dhis­tischer Er­leuch­tung. In der Praxis gibt es jedoch neben der ab­strak­ten Vor­stel­lung vom Aus­tritt aus dem Gebur­ten­kreis­lauf (s. Grund­begriffe, Buddhismus-Lehre) zahl­reiche Vor­stufen zur per­fek­ten Er­lö­sung, die plas­tischer sind als das NirvanaNirvāṇa निर्वाण „Erloschen, ausgelöscht“, Ort der Erlösung von allem Leid, jap. Nehan 涅槃 OpferAmidismus und in vieler Hin­sicht an abend­län­dische Paradies­vor­stellungen erinnern. Diese Paradiese werden auch als „Reines Land“ (jap. jōdojōdo 浄土 Reines Land, Paradies AmidismusHeian ZeitKamakuraZen... mehr, skt. SukhavatiSukhāvatī सुखावती „Reines Land“, jap. Jōdo 浄土 AmidismusParadiese) be­zeich­net und stellen einen Ort der Be­geg­nung zwischen Bud­dhas und an­deren Lebe­wesen dar. Während solche Para­diese — orthodoxen Auslegungen des Buddhismus zufolge — in allen vier Him­mels­rich­tun­gen existieren, hat sich der Begriff „Reines Land“ im ja­pani­schen Kon­text (aber auch in an­deren ost­asiati­schen Re­gio­nen) fest mit dem im Westen ge­legenen Para­dies des AmidaAmida 阿弥陀 Buddha Amitabha; Hauptbuddha der Schulen des Reinen Landes (Jōdo-shū bzw. Jōdo Shinshū) JahrNikkoDaibutsu StatuenAmidismusAmidas Geluebde... mehr NyoraiNyorai 如来 Buddha-Titel Ikonographie (skt. AmitabhaAmitābha अमिताभ „Unermesslicher Glanz“, jap. Amida 阿弥陀 AmidismusParadiese) ver­knüpft. Dank seines Reinen Landes ist Amida daher in Japan zu einem der popu­lärsten Bud­dhas auf­ge­stiegen und drängte dabei insbe­sondere den histo­rischen Buddha ShakyamuniŚākyamuni शाक्यमुनि „Der Weise des Shakya-Klans“, Gautama Siddhartha, jap. Shaka 釈迦 oder Shakamuni 釈迦牟尼 En no GyojaStupaDaibutsu Statuen in den Hinter­grund. Amida ist dem­nach auch der­jenige Buddha, der in Japan am häu­figs­ten bild­lich dar­gestellt wird.

Amidas Ikonographie

Amida.
Statue, nyorai (Holz, vergoldet) von Jōchō (?–1057). Heian-Zeit, 1053; „Nationalschatz“; Byōdō-in, südlich von Kyoto; Sitzhöhe 2,78 m.

Eine der berühmtesten Amida-Statuen Japans, im Tempel Byōdō-in, der selbst zum Unesco Kulturerbe erklärt wurde. Der Tempel war einst Sommerresidenz der Fujiwara, die am Höhepunkt ihrer Macht auch diese Statue in Auftrag gaben. Zur Zeit ihrer Herstellung waren Zeitgenossen der Ansicht, dass dies die exakte Wiedergabe der wahren Natur eines Buddhas sei. Die Statue besteht (wie die meisten aus dieser Zeit) aus mehreren Holzblöcken, die innen ausgehöhlt wurden (yosegi-Technik). Die Außenseite ist mit einer dicken, mit Hanf verstärkten Lackschicht imprägniert, wodurch die Figur eine beinahe metallische Oberfläche erhält. Jōchō, der diese Statue anfertigte, gilt auch als jener Bildhauer, der die yosegi-Technik perfektionierte und damit die Grundlagen der Kei-Schule schuf. Die Vergoldung wurde 1955 erneuert.

Amida Statue des Byōdō-in, eines Tempels südlich von Kyōto, 1053

Die obige Ab­bil­dun­gen zeigt eine der be­rühm­testen Amida-Figuren aus der HeianHeian 平安 alter Name Kyōtos, eig. Heian-kyō 平安京, „Stadt des Friedens“; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit) ShichigosanJahrMatsuriMoencheOpfergaben... mehr-Zeit. Amida ist hier in seiner häu­figsten ikono­graph­ischen Form, im Medita­tions­sitz mit Medita­tions-Mudrāmudrā मुद्रा „Siegel“, Gebetsgeste, jap. inzō 印相 KukaiShinto MittelalterBuddhismus LehreIkonographie... mehr (jōinjōin 定印 Mudrā der Meditation DainichiMudra) zu sehen. Auch der bekannte Große Buddha (DaibutsuDaibutsu 大仏 Großer Buddha; monumentale Buddha Statue HachimanBekannte TempelPagodenBishamon-tenDaibutsu Statuen... mehr) in Kama­kura stellt Amida in dieser Stel­lung dar. Wenn man eine Bud­dha­figur in sitzender Stel­lung mit der auf diesen Bildern erkenn­baren, typischen Hand­haltung (inkl. abgewinkelter Zeige­finger) sieht, kann man davon aus­gehen, dass es sich um Amida handelt. Es muss jedoch nicht jeder Amida sitzen. Er kann auch stehend dar­gestellt werden und ist dann meist von zwei kleineren Figuren flankiert, den BodhisattvasBodhisattva बोधिसत्त्व „Erleuchtetes Wesen“, jap. bosatsu 菩薩 ShichigosanPhalluskulteMoencheBekannte SchreineKasuga... mehr SeishiSeishi Bosatsu 勢至菩薩 Bodhisattva Mahasthamaprapta; Begleiter Amidas IkonographieKannonParadiese und KannonKannon 観音 auch Kanzeon 観世音, wtl. der den Klang der Welt erhört; skt. Avalokiteśvara; chin. Guanyin; als Bodhisattva des Mitleids bekannt PhalluskulteFushimiKasugaNikkoBekannte Tempel... mehr.

Amidas Versprechungen

Ähnlich wie Shakya­muni war Amida der Legende nach zu­nächst ein Prinz, der dem Thron ent­sagte, um Mönch zu werden. Auf der Suche nach Er­leuch­tung tat er 48 Schwüre, die sein Mit­gefühl mit anderen Lebe­wesen ver­deutlich­ten. Einer der be­deu­tends­ten dieser Schwüre besagt, dass er selbst die Er­leuch­tung zurück­weisen wolle, wenn er nicht kraft seiner Erleuchtung die Macht erlangen sollte, Gläubige, die im Augen­blick ihres Todes seines Namen gedenken würden, in sein Reines Land zu holen. Durch eigene Meditation erlangte der Prinz schließlich die Er­leuch­tung und damit verbunden die Herr­schaft über sein Reines Land. Wer nach dem Tod dorthin „hinüber­geboren“ wird, dem ist die endgültige Erleuchtung sicher, auch wenn das Reine Land nur eine Vor­stufe des Nirvana darstellt.

Nach Ansicht des Amida Bud­dhis­mus gibt es lediglich eine Bedingung, um ins Reine Land „hin­über­geboren“ zu werden, nämlich den aufrichtigen Glauben an Amidas Gnade, der sich in der Anrufung seines Namens kundtut. Aus diesem Grund sprechen Amidas Anhänger das sog. nenbutsunenbutsu 念仏 Anrufung des Namens von Buddha Amida, Gebetsformel der Amida-Anhänger MoencheAmidismusNichirenZen... mehr, eine schlichte Gebets­formel bestehend aus den Worten „Namu Amida Butsu“. Sie hoffen, dadurch Amidas Schwur zu genügen und in sein Reines Land zu gelangen.

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„Amida Nyorai und sein Reines Land.“ In: Bernhard Scheid (Hg.), Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 6.2.2019). URL: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Ikonographie/Amida?oldid=72213