Religion in JapanBautenBekannte Schreine

Kasuga Taisha: Der Schrein der Zehntausend Laternen

Wechseln zu: Navigation, Suche
Kasuga Taisha Der Schrein der Zehntausend Laternen
Kasuga7.jpg
Bronzelaternen (tsuta-mon) — © Salvador Busquets Artigas, flickr 2008. Bronzelaternen (tōrō) mit Familienwappen in der Form eines Wilden-Wein-Blattes
1 Laternen an den Schreingebäuden

Der KasugaKasuga Taisha 春日大社 Kasuga Schrein, Nara; ehemals Ahnenschrein der Fujiwara; Schrein ist der be­kann­teste und repräsen­tativste Schrein der alten Haupt­stadt NaraNara 奈良 Hauptstadt und Sitz des Tennō, 710–784 (= Nara-Zeit); auch: Heijō-kyō; . Den meisten Touristen bleiben vor allem zwei Ein­drücke aus Kasuga in Erin­nerung: die zahmen Hirsche, die sich zwischen Kasuga und den be­nach­barten Tempeln Kōfuku-jiKōfuku-ji 興福寺 Tempel des Hossō-Buddhismus; einer der Sieben Großen Tempel von Nara; und TōdaijiTōdaiji 東大寺 Tempel des Großen Buddha von Nara; wtl. Großer Ost-Tempel; tummeln, und die viel­gestalt­igen Laternen, die die Wege und Gebäude der Schrein­anlage säumen. Der Schrein ist aber auch aufgrund seiner his­tori­schen Ver­bindung zu den FujiwaraFujiwara 藤原 mächtigste Adelsfamilie im jap. Altertum; , dem mächtigsten Adels­haus des ja­panischen Altertums, von besonderem Interesse.

Laternen

Fehler im Ausdruck: Unerwarteter Operator <px
Laternen — © Bohuslav Kotal, flickr 2008. Die Laternen (tōrō) sind in Seitengängen des Schreins aufgehängt.
Fehler im Ausdruck: Unerwarteter Operator <px
Schreinlaternen — © Rómulo Rejón, flickr 2008. Die gold-glänzenden Laternen (tōrō) sind neueren Datums.
Ältere und neuere Laternen
Fehler im Ausdruck: Unerwarteter Operator <px
Kasuga-Laternen — © Matthias Scommoda, 2004, über Internet Archive. Metallene Laternen (tōrō) des Kasuga Taisha
Fehler im Ausdruck: Unerwarteter Operator <px
Laternen — © Mark Boucher, flickr 2005. Die Laterne (tōrō) im Vordergrund hat ein Datum eingeschrieben: Enpō 4
Ähnliche Grundform, individuelle Details
Fehler im Ausdruck: Unerwarteter Operator <px
Laterne — © Yamada Ryoko, flickr 2005. Der Hirsch als Symbol des Schreins ist auch auf vielen Laternen (tōrō) zu finden.
6 Hirschmotiv
Fehler im Ausdruck: Unerwarteter Operator <px
Laterne — © Owen Murray, flickr 2007. Die Grundform ist gleich, doch jede Laterne (tōrō) ist ein Einzelstück.
7 Widmungstext
Kasuga dark.jpg
Laterne aus dem Jahr Kanbun 6 — © Bohuslav Kotal, flickr 2008. Viele Laternen (tōrō) haben einen Text in das Muster eingebaut, der Namen des Spenders und Datum der Spende enthält.
8 Laterne mit Widmung aus der Edo-Zeit
Fehler im Ausdruck: Unerwarteter Operator <px
Laterne — © Perrin Lindelauf, flickr 2005. Beleuchtete Kasuga-Laterne (tōrō)
Fehler im Ausdruck: Unerwarteter Operator <px
Kasuga-Laterne — © curls&dom, flickr 2005. Kasuga-Laterne (tōrō) mit Chrysanthemen Motiv
Erleuchtete Laternen
Fehler im Ausdruck: Unerwarteter Operator <px
Unbeleuchtete Laternen — © Roy Chan, flickr 2008. Unbeleuchtete Kasuga-Steinlaternen (tōrō)
Fehler im Ausdruck: Unerwarteter Operator <px
Steinlaternen (ishi tōrō) — © Ron Reznick, 2004. Steinlaternen (ishi tōrō) des Kasuga Taisha
Steinlaternen an den Zugangswegen
Fehler im Ausdruck: Unerwarteter Operator <px
Steinlaternen — © Salvador Busquets Artigas, flickr 2008. Reh zwischen den Steinlaternen (tōrō) des Kasuga Taisha.
13 Kasuga-Reh
Fehler im Ausdruck: Unerwarteter Operator <px
Steinlaternen . Als Vorbereitung für das Laternenfest werden die Steinlaternen (tōrō) mit Papier verklebt.
14 Laternenpflege

Die meisten Neben­gebäude des Schreins sind mit un­zähligen metallenen Laternen (tōrōtōrō 灯篭 Laterne, meist Stein oder Metall; ) versehen, während entlang der Zu­gangs­wege eine noch größere Anzahl von Stein­laternen aufgestellt sind. Diese Laternen des Kasuga Schreins sind Spenden von Gläubigen, die sich über die Jahr­hunderte ange­sammelt haben. Nur zweimal im Jahr, zum Fest der Tag- und Nacht­gleiche (setsubunsetsubun 節分 „Trennung der Jahreszeiten“; trad. letzter Tag einer der vier Jahreszeiten; heute meist letzter Tag des Winters (3. Februar); ) im Frühling und zur Zeit des Bon-Festes im August, werden alle Laternen an­ge­zün­det.

Hauptgebäude

Kasuga.jpg
Kasuga Schrein — © Tabi Photo, 2011/12/4. Eingang zum innersten Bereich des Kasuga Schreins, normalerweise für die Öffentlichkeit gesperrt.
15 Der imposante Eingang zum inneren Schreinbereich

Der pracht­volle Haupt­eingang des Schreins steht in merk­würdigem Kontrast zur eher be­scheiden wirkenden vier­fachen Haupt­halle, wo die vier Ahnen­götter der Adels­familie Fujiwara ein­ge­schreint sind. Dieses Haupt­gebäude ist von mehreren Neben­gebäuden so dicht umgeben, dass man es als normaler Besucher gar nicht zu Gesicht bekommt.

Kasuga honden.jpg
Kasuga Haupthallen . Die vier aneinander gefügten Schreingebäude für die Hauptgötter des Kasuga Taisha. Sie bilden den Grundtyp des sogenannten Kasuga-Stils, der in zahlreichen klein dimensionierten Schreinbauten Anwendung findet.
16 Die vierfache Haupthalle (honden)

Schreingeschichte

Kasuga hirschmandala.jpg
Die Kasuga-Götter verlassen den Kashima Schrein (Kashima tatsu shineizu) — © Nara National Museum. Auf den Hirschen sind die Götter von Kashima und Katori zu sehen, die sich von der östlichen Kantō-Region auf den Weg zum Kasuga Schrein in Nara machen. Unter ihnen sind zwei Angehörige der Fujiwara Familie zu sehen, welche die Götter begleiteten und in Nara zu Priestern des Kasuga Schreins wurden. Die Legende erzählt genau genommen nur davon, dass Takemikazuchi, der Gott von Kashima, in den Jahren 766–68 auf diese Weise nach Nara übersiedelte, doch da der Kashima Schrein in der Nähe des Katori Schreins liegt und dessen Gottheit Futsunushi auch zu den Göttern des Kasuga Schreins zählt, war es für die mittelalterlichen Künstler offenbar logisch, dass sie die Reise gemeinsam antraten.
17 Kasuga Gottheiten

Der Kasuga Schrein ist mit dem Auf­stieg der FujiwaraFujiwara 藤原 mächtigste Adelsfamilie im jap. Altertum; -Dynastie verbunden, deren Ahnherr, Nakatomi no KamatariNakatomi no Kamatari 中臣鎌足 614–669; Staatsmann und Ahnherr der Fujiwara; (614—669), einer der bedeu­tendsten Staats­männer des siebten Jahr­hun­derts war. Er half im Zuge der sog. Taika-ReformTaika no Kaishin 大化改新 „Reformen des großen Wandels“; politischer Umschwung unter Kaiser Kōtoku im Jahre 646; Zentralisierung des Landes und Sinisierung des Staatssystems; dabei mit, das gesamte Land als Eigen­tum des Staates (bzw. des Tennō) zu definieren und die ehe­maligen Regional­fürsten zu Staats­beamten umzu­funktio­nieren. Zum Dank erhielt er „Privat­land“ (das also nicht dem Tennō gehörte) in der fernen Provinz Hitachi (im Osten des heutigen Tōkyō). Um diesen Deal zu besiegeln, war offen­bar die Mit­hilfe der Götter not­wendig. Die beiden himm­lischen Hau­degen TakemikazuchiTakemikazuchi 建御雷 Mythologischer Schwertgott (wtl. Gewittergott); Ahnengottheit der Fujiwara; u.a. in den Schreinen Kashima und Kasuga verehrt; und FutsunushiFutsunushi 経津主 Mythologischer Schwertgott; , die schon bei der Kolonisation Izumos tat­kräftig mit­ge­holfen hatten, erhielten wahr­schein­lich zur Zeit des Kamatari in Hitachi zwei große Schreine.

Als dann im achten Jahr­hundert die neue Haupt­stadt NaraNara 奈良 Hauptstadt und Sitz des Tennō, 710–784 (= Nara-Zeit); auch: Heijō-kyō; (Heijō-kyōHeijō-kyō 平城京 urspr. Name der Stadt Nara; wtl. Stadt der Friedensburg; ) ge­gründet wurde, er­richte­ten die Fujiwara am Ost­rand der Stadt, am Fuße des Berges Mikasa, den Kasuga Schrein, der laut Schrein­legende im Jahr 768 gegründet wurde, wahr­schein­lich aber schon länger als Kult­stätte der Fujiwara fungierte.1 Anlass für die Schrein­grün­dung war der Legende zufolge, dass Takemikazuchi, der Haupt­gott des Kasuga Schreins, auf einem Hirsch in die neue Haupt­stadt geritten kam und hier unter­gebracht werden musste.2 In späteren Darstel­lungen wird diese Reise von Takemi­kazuchi und Futsu­nushi gemein­sam unter­nom­men, doch die ur­sprüng­liche Fas­sung der Legende macht deutlich, dass Takemi­kazuchi als letzter zu dem Ensemble der vier Haupt­götter von Kasuga stieß.

Man nimmt an, dass sich die Fujiwara durch diese Gott­heit von den NakatomiNakatomi 中臣 Adelsgeschlecht der Antike; abheben wollten, also von ihrem Stamm­haus, mit dem sie aller­dings weiterhin die Ahnen­gott­heit Ame no KoyaneAme no Koyane 天児屋/天児屋根 mytholog. Gottheit; Ahnengottheit der Fujiwara; und seine Gefähr­tin HimegamiHimegami 比売神 wtl. „göttliche Gemahlin oder Tochter“; oft anonymes weibl. Gegenstück zu einer männl. Schreingottheit; (oder Hime-no-kami) teilten. Ameno­koyane erfüllt in den Mythen vor allem rituelle Auf­gaben und auch die Nakatomi waren in erster Linie Ritua­listen bei Hof. Mit den beiden Schwert­gott­heiten aus dem fernen Hitachi im En­semble der Ahnen­gott­heiten suchten die Fujiwara offen­bar die Legiti­mation für neue Befug­nisse, also eine politisch aktive Rolle, die sie in der Folge auch erfolg­reich vertei­digten.

Der Schrein war von Anfang an eng mit dem bud­dhis­tischen Tempel Kōfuku-jiKōfuku-ji 興福寺 Tempel des Hossō-Buddhismus; einer der Sieben Großen Tempel von Nara; verwoben, der bereits 720, also zehn Jahre nach Grün­dung der Haupt­stadt Nara errich­tet worden war. Auch der Kōfuku-ji diente den Fujiwara als Fami­lien­tempel. Mit der Errich­tung des Kasuga Schreins entstand ein Kult­komplex, inner­halb dessen der Tempel für das Seelen­heil und die Begräb­nisse der jeweiligen lebende Fujiwara zu­ständig war, während der Schrein sich um die Ahnen oder Schutzgötter des Familien­klans kümmerte.

Die Blütezeit des Schreins fällt in die HeianHeian 平安 auch Heian-kyō 平安京, „Stadt des Friedens“; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit); -Zeit, als die Fujiwara als erbliche Regenten des Tennō die gesamte politi­sche Macht des Hofes mono­polisier­ten. Auch der einstmals wichtigste Tempel des Landes, der in un­mittel­barer Nach­bar­schaft gele­gene TōdaijiTōdaiji 東大寺 Tempel des Großen Buddha von Nara; wtl. Großer Ost-Tempel; geriet damals unter den Ein­fluss des Kōfuku-ji–Kasuga Kom­plexes bzw. wurde in den Gesamt­kom­plex zu integriert. Ende der Heian-Zeit mussten die Fujiwara ihre domi­nierende poli­tische Stel­lung an die neu aufge­stie­genen Krieger­dynas­tien der TairaTaira Kriegerfamilie, die im 12. Jh. um die pol. Vorherrschaft in Japan kämpfte; und der MinamotoMinamoto Kriegerfamilie, die 1185 eine neue Herrschaftsdynastie begründete: Kamakura Shōgunat, 1185–1333; abgeben. Dies be­deutete auch für den Kasuga Schrein, dass er sich neue Gönner suchen musste und nicht mehr ex­klusiv von den Fujiwara genutzt wurde. Die Er­rich­tung eines fünften Haupt­schreins mit dem Namen Wakamiya (Junger oder neuer Schrein) im Jahr 1135 kann als sicht­bares Zeichen dieses struk­turel­len Wandels ange­sehen werden.3

Trotz des Bedeutungsverlustes von Kaiserhof und Fujiwara blieben Kasuga und Kōfuku-ji bis in die Edo-Zeit die reli­giösen Stützen der alten Aristo­kratie. Diese wiede­rum be­wahrte ihre inter­ne Hierar­chie, der zufolge die Fujiwara die wich­tigste Familie des Hofes dar­stell­ten, auch im Zuge ihres lang­samen Nieder­gangs. Als Reprä­sentant des höfischen Adels zählte der Kasuga Schrein während des japani­schen Mittel­alters zusam­men mit IseIse 伊勢 vormoderne Provinz (heute Präfektur Mie); Kurzbezeichnung für die Schreinanlage von Ise (Ise Jingū); (stell­ver­tretend für den Tennō) und HachimanHachiman 八幡 Shintō-Gottheit, Ahnengottheit des Tennō und des Kriegeradels; auch „Yawata“ ausgesprochen; (stell­ver­tretend für den Krieger­adel) zu den drei be­deu­tend­sten Schreinen Japans.

Kasuga Mandalas

Fehler im Ausdruck: Unerwarteter Operator <px
Kasuga Hirsch Mandala — © Nara National Museum. Schrein-Mandala des Kasuga Taisha, der hier lediglich durch einen Hirsch, das Botentier der Kasuga-Götter, repräsentiert ist. Aus dem Sattel des Hirsches wächst ein Baum, dessen Zweige die fünf Hauptschreingötter verkörpern.
18 Hirsch-Mandala
Fehler im Ausdruck: Unerwarteter Operator <px
Mandala des Kasuga Schreins — Bildquelle: Blätter zur japanischen Geschichte und Religion, Niels Gülberg, 2009. Schreine von Kasuga Taisha mit den fünf Hauptgöttern in buddhistischer Gestalt (honji). Im Vordergrund steht die Pagoden des Kōfuku-ji.
19 Miya-Mandala

Die mittelalterliche Anlage des Kasuga Schreins und die Vor­stel­lun­gen, die man sich von seinen Göt­tern machte, lassen sich an­hand so­ge­nann­ter Schrein-Mandalasmaṇḍala (skt.) मण्डल „Kreis“ (jap. mandara 曼荼羅), schematische Darstellung der kosmischen Ordnung; rekon­struie­ren, von denen gerade in diesem Fall beson­ders viele und viel­fäl­tige Exemp­lare an­gefer­tigt wurden. Kasuga Man­dalas exis­tieren in ver­schie­denen Ver­sio­nen, die frü­hesten stam­men aus der KamakuraKamakura 鎌倉 Stadt im Süden der Kantō Ebene, Sitz des Minamoto Shōgunats 1185–1333 (= Kamakura-Zeit); -Zeit. Wie er­wähnt war der Schrein damals ge­zwun­gen, nach neuen Unter­stüt­zern zu suchen und tat dies, indem er die Ver­eh­rung seiner Götter mit der Ver­eh­rung der ent­spre­chen­den honji Buddhas gleich­setzte und sie in Form vom Man­dalas populari­sierte. Ein solcher Über­gang vom Ahnen­kult zur kami-Ver­eh­rung im Dienst des Bud­dhis­mus ist aller­dings kein ver­einzel­tes Phäno­men, sondern lässt sich bereits in der Heian-Zeit häufig feststellen.

Kasugamandala 1.jpg
Kasuga mandara© Victor Harris, Shintō (Tōkyō: Seikandō bunko, 2001), S. 167.. Darstellung der Götter des Kasuga Schreins in kami-Form (suijaku), unterste Reihe, und darüber in Buddha-Form (honji). Die oberste Gottheit (ganz oben) wurde offenbar zwei Buddha-Gestalten, Shaka (re.) und Kannon (li.) zugeordnet.
20 Kasuga Mandara (Detail), 14. Jh.
Kasugamandala 4.jpg
Kasuga mandara© Victor Harris, Shintō (Tōkyō: Seikandō bunko, 2001), S. 167.. Schreinmandala (mandara) des Kasuga Taisha.
21 Kasuga Mandara, Gesamtansicht

Das oben abgebildete Beispiel zeigt die Haupt- und Neben­götter des Schreins in Nara zusam­men mit den ihnen ent­sprech­enden Ur-Buddhas. Die ver­gleichs­weise realis­tischen Figuren reprä­sentieren die Er­schei­nungs­formen einer Gott­heit als kami (suijakusuijaku 垂迹 wtl. kami-Spur (eines Buddha); buddh. Bezeichnung für → kami; ), die da­rüber schwe­benden BuddhaBuddha (skt.) बुद्ध „Der Erleuchtete“ (jap. butsu (hotoke) 仏 oder Budda 仏陀); -Figuren sind die jewei­ligen buddhis­tischen Urformen (honjihonji 本地 (buddhistische) Urform (eines kami); s.a. suijaku; ). Die Haupt­gott­heit des Schreins ist in der obers­ten Reihe zu er­kennen. Sie ist hier ledig­lich als „Erster Schrein“ (Ichi-no-miya) aus­ge­wiesen, ihr Eigen­name (Take­mi­kazuchiTakemikazuchi 建御雷 Mythologischer Schwertgott (wtl. Gewittergott); Ahnengottheit der Fujiwara; u.a. in den Schreinen Kashima und Kasuga verehrt; ) wird nicht ge­nannt. Die Figur „Erster Schrein“ wird von zwei honji Buddhas flankiert, nämlich ShakaShaka 釈迦 Buddha Shakyamuni, der historische Buddha; auch Shaka Nyorai; und KannonKannon 観音 auch Kanzeon 観世音, wtl. der den Klang der Welt erhört; skt. Avalokiteśvara; chin. Guanyin; als Bodhisattva des Mitleids bekannt; . Direkt darun­ter — von der Mitte nach außen in ab­nehmen­der Rang­folge — erkennt man die Götter der wei­teren Teil­schreine von Kasuga (inklu­sive diver­ser Neben­schreine), jeweils mit den zu­stän­digen Buddhas oder BodhisattvasBodhisattva (skt.) बोधिसत्त्व „Erleuchtetes Wesen“ (jap. bosatsu 菩薩); darüber.

Im Mittel­teil des Mandalas nimmt die rea­listische Ab­bil­dung des Kasuga Schreins den promi­nen­tes­ten Platz ein. Zwischen der Götter­welt und dem Schrein erkennt man den heili­gen Berg Mikasa, auf dessen Gipfel, etwas her­aus­ver­größert, ein Hirsch zu sehen ist (s. Detailabb. unten). Er ist Bote (o-tsukaio-tsukai お使い wtl. Bote; auch: Götterbote, häufig in Tiergestalt; ) und Sinn­bild des Kasuga Schreins. Unter­halb der Schrein­anlage, teil­weise von Wolken ver­deckt, ist die Tempel­anlage des Kōfuku-jiKōfuku-ji 興福寺 Tempel des Hossō-Buddhismus; einer der Sieben Großen Tempel von Nara; zu sehen, von dem vor allem die Pagode zu er­ken­nen ist. Der Kōfuku-ji fungierte zwar als eine Art Super­visor des Kasuga Schreins, auf den Man­dalas wird diese Rolle aber unter­schied­lich stark hervor­gehoben.

Logo ebisu 150.png
Religion in JapanInhaltsübersicht

Diese Seite:

„Kasuga Taisha: Der Schrein der Zehntausend Laternen.“ In: Bernhard Scheid, Religion-in-Japan: Ein digitales Handbuch. Universität Wien, seit 2001

Verweise

Verwandte Themen

Fußnoten

  1. Grapard 1992, S. 27–29
  2. Die wichtigsten Auszüge der Legende sind in Grapard 1992, S. 26 in englischer Übersetzung wiedergegeben.
  3. Grapard 1982, S. 11.

Literatur

Allan Grapard 1992
The Protocol of the Gods: A Study of the Kasuga Cult in Japanese History. Berkeley und Los Angeles: University of California Press 1992.
Victor Harris (Hg.) 2001
Shintō: The Sacred Art of Ancient Japan. London: The British Museum 2001.
Inoue Nobutaka 井上 順孝, e.a. (Hg.) 1994
Shintō jiten 神道事典. Tokyo: Kōbundō 1994.
Royall Tyler 1990
The Miracles of the Kasuga Deity. New York: Columbia University Press 1990.
Susan Tyler 1992
The Cult of Kasuga Seen Through Its Art. Ann Arbor: Center for Japanese Studies, University of Michigan 1992.

Bilder

Quellen und Erläuterungen zu den Bildern auf dieser Seite:

  1. ^ 
    Kasuga7.jpg
    Bronzelaternen (tsuta-mon) — © Salvador Busquets Artigas, flickr 2008. Bronzelaternen (tōrō) mit Familienwappen in der Form eines Wilden-Wein-Blattes
  2. ^ 
    Kasuga5.jpg
    Laternen — © Bohuslav Kotal, flickr 2008. Die Laternen (tōrō) sind in Seitengängen des Schreins aufgehängt.
  3. ^ 
    Kasuga2.jpg
    Schreinlaternen — © Rómulo Rejón, flickr 2008. Die gold-glänzenden Laternen (tōrō) sind neueren Datums.
  4. ^ 
    Kasuga1.jpg
    Kasuga-Laternen — © Matthias Scommoda, 2004, über Internet Archive. Metallene Laternen (tōrō) des Kasuga Taisha
  5. ^ 
    Kasuga6.jpg
    Laternen — © Mark Boucher, flickr 2005. Die Laterne (tōrō) im Vordergrund hat ein Datum eingeschrieben: Enpō 4
  6. ^ 
    Kasuga lanterns3.jpg
    Laterne — © Yamada Ryoko, flickr 2005. Der Hirsch als Symbol des Schreins ist auch auf vielen Laternen (tōrō) zu finden.
  7. ^ 
    Kasuga4.jpg
    Laterne — © Owen Murray, flickr 2007. Die Grundform ist gleich, doch jede Laterne (tōrō) ist ein Einzelstück.
  8. ^ 
    Kasuga dark.jpg
    Laterne aus dem Jahr Kanbun 6 — © Bohuslav Kotal, flickr 2008. Viele Laternen (tōrō) haben einen Text in das Muster eingebaut, der Namen des Spenders und Datum der Spende enthält.
  9. ^ 
    Kasuga lanterns1.jpg
    Laterne — © Perrin Lindelauf, flickr 2005. Beleuchtete Kasuga-Laterne (tōrō)
  10. ^ 
    Kasuga lanterns2.jpg
    Kasuga-Laterne — © curls&dom, flickr 2005. Kasuga-Laterne (tōrō) mit Chrysanthemen Motiv
  11. ^ 
    Kasuga3.jpg
    Unbeleuchtete Laternen — © Roy Chan, flickr 2008. Unbeleuchtete Kasuga-Steinlaternen (tōrō)
  1. ^ 
    Kasuga toro.jpg
    Steinlaternen (ishi tōrō) — © Ron Reznick, 2004. Steinlaternen (ishi tōrō) des Kasuga Taisha
  2. ^ 
    Kasuga reh.jpg
    Steinlaternen — © Salvador Busquets Artigas, flickr 2008. Reh zwischen den Steinlaternen (tōrō) des Kasuga Taisha.
  3. ^ 
    Kasuga manto.jpg
    Steinlaternen . Als Vorbereitung für das Laternenfest werden die Steinlaternen (tōrō) mit Papier verklebt.
  4. ^ 
    Kasuga.jpg
    Kasuga Schrein — © Tabi Photo, 2011/12/4. Eingang zum innersten Bereich des Kasuga Schreins, normalerweise für die Öffentlichkeit gesperrt.
  5. ^ 
    Kasuga honden.jpg
    Kasuga Haupthallen . Die vier aneinander gefügten Schreingebäude für die Hauptgötter des Kasuga Taisha. Sie bilden den Grundtyp des sogenannten Kasuga-Stils, der in zahlreichen klein dimensionierten Schreinbauten Anwendung findet.
  6. ^ 
    Kasuga hirschmandala.jpg
    Die Kasuga-Götter verlassen den Kashima Schrein (Kashima tatsu shineizu) — © Nara National Museum. Auf den Hirschen sind die Götter von Kashima und Katori zu sehen, die sich von der östlichen Kantō-Region auf den Weg zum Kasuga Schrein in Nara machen. Unter ihnen sind zwei Angehörige der Fujiwara Familie zu sehen, welche die Götter begleiteten und in Nara zu Priestern des Kasuga Schreins wurden. Die Legende erzählt genau genommen nur davon, dass Takemikazuchi, der Gott von Kashima, in den Jahren 766–68 auf diese Weise nach Nara übersiedelte, doch da der Kashima Schrein in der Nähe des Katori Schreins liegt und dessen Gottheit Futsunushi auch zu den Göttern des Kasuga Schreins zählt, war es für die mittelalterlichen Künstler offenbar logisch, dass sie die Reise gemeinsam antraten.
  7. ^ 
    Kasuga hirsch.jpg
    Kasuga Hirsch Mandala — © Nara National Museum. Schrein-Mandala des Kasuga Taisha, der hier lediglich durch einen Hirsch, das Botentier der Kasuga-Götter, repräsentiert ist. Aus dem Sattel des Hirsches wächst ein Baum, dessen Zweige die fünf Hauptschreingötter verkörpern.
  8. ^ 
    Kasuga miya mandara.jpg
    Mandala des Kasuga Schreins — Bildquelle: Blätter zur japanischen Geschichte und Religion, Niels Gülberg, 2009. Schreine von Kasuga Taisha mit den fünf Hauptgöttern in buddhistischer Gestalt (honji). Im Vordergrund steht die Pagoden des Kōfuku-ji.
  9. ^ 
    Kasugamandala 1.jpg
    Kasuga mandara© Victor Harris, Shintō (Tōkyō: Seikandō bunko, 2001), S. 167.. Darstellung der Götter des Kasuga Schreins in kami-Form (suijaku), unterste Reihe, und darüber in Buddha-Form (honji). Die oberste Gottheit (ganz oben) wurde offenbar zwei Buddha-Gestalten, Shaka (re.) und Kannon (li.) zugeordnet.
  10. ^ 
    Kasugamandala 4.jpg
    Kasuga mandara© Victor Harris, Shintō (Tōkyō: Seikandō bunko, 2001), S. 167.. Schreinmandala (mandara) des Kasuga Taisha.

Glossar

Namen und Fachbegriffe auf dieser Seite:

  • Ame no Koyane 天児屋/天児屋根 ^
    mytholog. Gottheit; Ahnengottheit der Fujiwara
  • Bodhisattva (skt.) बोधिसत्त्व ^
    „Erleuchtetes Wesen“ (jap. bosatsu 菩薩)
  • Buddha (skt.) बुद्ध ^
    „Der Erleuchtete“ (jap. butsu (hotoke) 仏 oder Budda 仏陀)
  • Fujiwara 藤原 ^
    mächtigste Adelsfamilie im jap. Altertum
  • Futsunushi 経津主 ^
    Mythologischer Schwertgott
  • Hachiman 八幡 ^
    Shintō-Gottheit, Ahnengottheit des Tennō und des Kriegeradels; auch „Yawata“ ausgesprochen
  • Heian 平安 ^
    auch Heian-kyō 平安京, „Stadt des Friedens“; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit)
  • Heijō-kyō 平城京 ^
    urspr. Name der Stadt Nara; wtl. Stadt der Friedensburg
  • Himegami 比売神 ^
    wtl. „göttliche Gemahlin oder Tochter“; oft anonymes weibl. Gegenstück zu einer männl. Schreingottheit
  • honji 本地 ^
    (buddhistische) Urform (eines kami); s.a. suijaku
  • Ise 伊勢 ^
    vormoderne Provinz (heute Präfektur Mie); Kurzbezeichnung für die Schreinanlage von Ise (Ise Jingū)
  • Kamakura 鎌倉 ^
    Stadt im Süden der Kantō Ebene, Sitz des Minamoto Shōgunats 1185–1333 (= Kamakura-Zeit)
  • Kannon 観音 ^
    auch Kanzeon 観世音, wtl. der den Klang der Welt erhört; skt. Avalokiteśvara; chin. Guanyin; als Bodhisattva des Mitleids bekannt
  • Kasuga Taisha 春日大社 ^
    Kasuga Schrein, Nara; ehemals Ahnenschrein der Fujiwara
  • Kōfuku-ji 興福寺 ^
    Tempel des Hossō-Buddhismus; einer der Sieben Großen Tempel von Nara
  • maṇḍala (skt.) मण्डल ^
    „Kreis“ (jap. mandara 曼荼羅), schematische Darstellung der kosmischen Ordnung
  • Minamoto ^
    Kriegerfamilie, die 1185 eine neue Herrschaftsdynastie begründete: Kamakura Shōgunat, 1185–1333
  • Nakatomi 中臣 ^
    Adelsgeschlecht der Antike
  • Nakatomi no Kamatari 中臣鎌足 ^
    614–669; Staatsmann und Ahnherr der Fujiwara
  • Nara 奈良 ^
    Hauptstadt und Sitz des Tennō, 710–784 (= Nara-Zeit); auch: Heijō-kyō
  • o-tsukai お使い ^
    wtl. Bote; auch: Götterbote, häufig in Tiergestalt
  • setsubun 節分 ^
    „Trennung der Jahreszeiten“; trad. letzter Tag einer der vier Jahreszeiten; heute meist letzter Tag des Winters (3. Februar)
  • Shaka 釈迦 ^
    Buddha Shakyamuni, der historische Buddha; auch Shaka Nyorai
  • suijaku 垂迹 ^
    wtl. kami-Spur (eines Buddha); buddh. Bezeichnung für → kami
  • Taika no Kaishin 大化改新 ^
    „Reformen des großen Wandels“; politischer Umschwung unter Kaiser Kōtoku im Jahre 646; Zentralisierung des Landes und Sinisierung des Staatssystems
  • Taira ^
    Kriegerfamilie, die im 12. Jh. um die pol. Vorherrschaft in Japan kämpfte
  • Takemikazuchi 建御雷 ^
    Mythologischer Schwertgott (wtl. Gewittergott); Ahnengottheit der Fujiwara; u.a. in den Schreinen Kashima und Kasuga verehrt
  • Tōdaiji 東大寺 ^
    Tempel des Großen Buddha von Nara; wtl. Großer Ost-Tempel
  • tōrō 灯篭 ^
    Laterne, meist Stein oder Metall