Mythen/Verwandlungskuenstler

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Tiergötter und Götterboten, Teil 2 Verwandlungskünstler

Obwohl die Achtung vor Tieren in Japan durch traditio­nelle religiöse Vor­stel­lun­gen ge­för­dert wird, gibt es auch ambi­va­lente oder nega­tive Ge­fühle ge­gen­über ver­ehrten Tieren. Respekt mischt sich mit Furcht. Tiere, die mit Gott­hei­ten in Ver­bin­dung stehen, besit­zen näm­lich meist magi­sche Fähig­kei­ten, auch jene Exem­plare, die nicht gerade als Boten oder Inkar­na­tio­nen einer Gott­heit fun­gie­ren. Mitun­ter nützen sie diese Fähig­kei­ten nach eige­nem Gut­dün­ken aus, was für die Menschen meist negative Folgen hat. Ins­be­son­dere Füchse und tanuki tanuki Tanuki; Marderhundsiehe auch→ Alltag/Gluecksbringer→ Mythen/Tengu→ Mythen/Verwandlungskuenstler/Tanuki→ Geschichte/Shinto Mittelalter→ Mythen/Symboltiere/Namazu-e , aber auch Katzen und Schlangen werden daher für alle mög­li­chen He­xe­reien verant­wort­lich ge­macht und haben etwas aus­ge­spro­chen Unheim­liches. Gespens­ter­glaube und religi­öse Ikono­graphie liegen also be­son­ders bei der Vereh­rung von Tieren sehr nahe bei einander.

Füchse

Kitsune koson.jpg
kitsune-Motive

Fuchs (kitsune)

Farbholzschnitt (mokuhan), kitsune (Papier, Farbe) von Ohara Koson (1877–1945). Ca. 1910; 37 x 19 cm
Bildquelle: The Art of Japan. (Letzter Zugriff: 2016/9/19)

Die tanzende Bewegung auf zwei Beinen und das Blatt auf seinem Kopf zeigen an, dass der Fuchs (kitsune) im Begriff ist, menschliche Gestalt anzunehmen.

Füchse (kitsune kitsune Fuchssiehe auch→ Bauten/Bekannte Schreine→ Bauten/Bekannte Schreine/Fushimi→ Mythen/Verwandlungskuenstler/Kitsune→ Mythen/Symboltiere/Namazu-e ) sind zusam­men mit den unten be­spro­chenen tanuki die großen Ver­wandlungs­künst­ler in der japani­schen Tier- und Sagen­welt. Dem japa­nischen Volks­glau­ben zu­folge ist jeder Fuchs mit magi­schen Fähig­kei­ten aus­ge­stat­tet. Diese Zau­ber­kraft akkumu­liert sich mit den Jahren. Die ältes­ten Füchse sind dem­nach die zau­ber­kräf­tigsten. Darüber hinaus erkennt man zau­ber­kräf­tige Füchse an der Anzahl ihrer Schwänze, die (ähnlich wie die dan dan „Stufe“, „Rang“; Bezeichnung der Fortgeschrittenen- bzw. Meistergrade in den Kampfsportarten, Budō-Grade in Judo, oder Karate) auf bis zu neun an­stei­gen können. Solche mehr­schwän­zigen Füchse können sich jeder­zeit in Men­schen ver­wan­deln oder aber Besitz vom Geist eines Menschen er­grei­fen und stehen mit allen mög­lichen Formen von Be­ses­sen­heit, Exor­zis­mus, etc. in Ver­bin­dung. Vor allem Frauen sind für Fuchs­zau­ber an­fäl­lig, während sich Füchse um­ge­kehrt meist in schöne Frauen ver­wandeln.

Inari Füchse

Toyokawa kitsune.jpg
Füchse des Toyokawa Inari Tempels

Füchse (kitsune)

Statuen (Stein); Toyokawa Inari Tempel (!), Präfektur Aichi
Bild © takmagar, flickr 2006. (Letzter Zugriff: 2016/9/19)

Die Fuchsstatuen (kitsune) sind individuelle Opfergaben (sonaemono) von Gläubigen (ähnlich wie z.B. die zahllosen torii des Fushimi Inari Schreins).

In der Religion haben Füchse eine besondere Funk­tion im Zu­sam­men­hang mit der Gott­heit Inari Inari 稲荷 Reisgottheit, häufig von Fuchswächtern bewachtsiehe auch Fushimi → Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya→ Bauten/Bekannte Schreine→ Ikonographie/Shinto-Goetter→ Mythen/Imaginaere Tiere → mehr . Wie schon er­wähnt stellen Inari Schreine eine der zahlen­mäßig größ­ten Grup­pen von Shintō-Schrei­nen dar (ca. 30.000 in ganz Japan), aller­dings handelt es sich meist um kleine bis mit­tel­große Schreine. Sie sind leicht daran zu er­ken­nen, dass sie von zwei weißen Füch­sen „be­wacht“ werden, ähnlich wie andere Schreine komainu komainu 狛犬 wtl. „Korea-Hund“, auch „Löwenhund“; Wächterfigur vor religiösen Gebäudensiehe auch Komainu → Bauten/Schreine→ Bauten/Bekannte Schreine/Nikko→ Ikonographie/Waechtergoetter/Nio→ Mythen/Imaginaere Tiere → mehr als Wäch­ter haben. Man nennt diese Füchse auch myōbu myōbu 命婦 Hofdame; auch: Fuchswächter, wtl. „Hof­damen“. Auch die Gott­heit Inari, eigent­lich eine Reis­gott­heit, zeigt sich gern als Fuchs, wenn sie nicht die Gestalt einer jungen Frau an­nimmt. In den Ur­sprungs­le­gen­den des Fushimi Inari Fushimi Inari Taisha 伏見稲荷大社 Großschrein der Gottheit Inari in Fushimi, im Süden Kyōtossiehe auch Fushimi → Alltag/Opfergaben→ Bauten/Schreine/Torii→ Bauten/Bekannte Schreine→ Karte Schreins hin­gegen erscheint die Gott­heit als alter Mann, der dem Mönch Kūkai Kūkai 空海 774–835, Gründer des Shingon Buddhismus; Eigennamen Saeki Mao, Ehrennamen Kōbō Daishisiehe auch Kukai → Bauten/Bekannte Tempel→ Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya→ Bauten/Bekannte Schreine→ Bauten/Bekannte Schreine/Fushimi→ Ikonographie/Mandala → mehr seine Dienste als Schutz­herr des neu gegrün­de­ten Tem­pels Tōji Tōji 東寺 Ost-Tempel in Kyōto, eig. Kyōō Gokoku-ji (Tempel des Königs der Lehre zum Schutz des Landes)siehe auch Myoo → Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya→ Bauten/Bekannte Schreine/Fushimi→ Geschichte/Honji suijaku→ Ikonographie/Gluecksgoetter/Bishamonten → mehr in Kyōto anbie­tet. Der Zu­sam­men­hang zwischen der Inari Gottheit, dem Fuchs und dem Reis, sowie der Wech­sel­gestalt von junger Frau und altem Mann ist nach wie vor etwas rät­sel­haft. Fuchs­glaube und Reis­gott waren wohl ur­sprüng­lich zweier­lei, haben sich im Lauf der japa­nischen Reli­gions­geschichte aber gegen­sei­tig ver­stärkt und sind zu einer Einheit verschmol­zen.

Tanuki

Tanuki13.jpg
Tanuki-Bilder

Tanuki-Portrait

Statue, tanuki (Keramik, bemalt), Detail
Bild © H. Minagawa, 2001. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Niedlicher tanuki, wie er sich im heutigen Japan als Standarddarstellung eingebürgert hat.

Tanuki tanuki Tanuki; Marderhundsiehe auch→ Alltag/Gluecksbringer→ Mythen/Tengu→ Mythen/Verwandlungskuenstler/Tanuki→ Geschichte/Shinto Mittelalter→ Mythen/Symboltiere/Namazu-e sind in Japan weit verbrei­tete Tiere, in Europa aber kaum zu finden. Man be­zeich­net sie auch als Mar­der­hunde. Sie sind nach japanischer Auf­fas­sung ähn­lich begabt wie die Füchse. Wäh­rend die Füchse aber ele­gant und schlau oder gar heim­tückisch agie­ren, sind die tanuki eher derbe, drauf­gän­ge­rische Gesel­len. Auch sie können den Menschen das Leben ziem­lich schwer machen, aber alles in allem schei­nen sie eher gut­mütig zu sein. Manchmal sieht man über­le­bens­große tanuki-Figu­ren vor Restau­rants oder Geschäf­ten stehen. Meist haben sie eine Flasche Sake Sake Reisweinsiehe auch Opfergaben → Alltag/Familie→ Mythen/Goetter der Erde→ Mythen/Goetter der Erde/Okuninushi→ Mythen/Symboltiere/Namazu-e → mehr in der Hand und ani­mie­ren, ähn­lich wie die Winkende Katze (maneki neko maneki neko 招き猫 winkende Katze, Winkekatze; Glücksbringer, besonders für geschäftlichen Erfolgsiehe auch Gluecksbringer → Bauten/Bekannte Schreine/Nikko→ Mythen/Symboltiere ), zum Mittrin­ken. In der ande­ren Hand haben sie einen mysteriö­sen Zettel. Es ist ein Schuld­schein, den der tanuki im Aus­tausch für Sake aus­stellt, den er aller­dings nie bezahlt. Im Gegen­satz zu den Füch­sen sind die tanuki typi­scher­weise männ­li­chen Ge­schlechts (obwohl es auch weib­liche gibt). Eines ihrer Cha­rak­teristika sind denn auch ihre über­großen Hoden (natür­lich ein Glücks­sym­bol). Wenn sie wütend werden, können sie diese Hoden auch als Schlag­waf­fen ver­wen­den. Ihr Stroh­hut kenn­zeich­net die tanuki als Reisende bzw. als Vaga­bunden.

Tanuki in der Populärkultur

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Tanuki-Anime

Pom Poko (Heisei tanuki gassen ponpoko)

Filmplakat von Takahata Isao. 1994

Film aus dem Hause Ghibli mit tanuki in den Hauptrollen.

Der Zeichen­trick­film Heisei tanuki gassen ponpoko („Die Schlacht der tanuki in der Ära Heisei“, 1994; dt. Filmtitel „Pom Poko“) von Isao Takahata — einem Mitarbeiter des be­kann­ten Miyazaki Hayao Miyazaki Hayao 宮崎駿 *1941; Regisseur, Autor und Zeichner von Manga und Anime wie Nausicaä, Totoro oder Chihiro im Zauberland — stellt die tanuki in den Mittelpunkt einer Geschichte, in der es letztlich um Tier- und Artenschutz geht. Hier lernt man anhand von tanuki und kitsune auch viel über das japa­nische Geister- und Gespens­ter­pantheon.

Tanukimario.jpg

Super Mario

Super Mario im tanuki-Outfit

Auch die popu­läre Video­spiel-Figur Mario kann sich in einen tanuki ver­wandeln. Mario benutzt dazu ein einfaches Baumblatt. Auch in älteren Dar­stellun­gen findet man tanuki und Füchse mit einem Blatt in der Hand oder auf dem Kopf. Es ist nach traditio­neller Vorstellung ihr Zauber­mittel um sich zu ver­wan­deln. Bei ein wenig komi­schen oder un­heim­li­chen Menschen sollte man daher immer nach einem Blatt Aus­schau halten — ent­deckt man eines an ihnen, dann sind es wahr­schein­lich ver­wan­delte tanuki.

Dachse?

Tanuki werden oft fälsch­lich als Dachse oder Wasch­bären ge­deu­tet, daher wählt man auch gerne „Dachs“ als Über­set­zungs­wort. Tanuki sehen aber nicht nur ganz anders aus als hei­mische Dachse, sie zählen auch zoo­logisch zur Familie der Hunde. Im Unter­schied zum Hund können sie aller­dings nicht bellen.

Ikonographie
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„Verwandlungskuenstler.“ In: Bernhard Scheid (Hg.), Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 3.9.2018). URL: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Mythen/Verwandlungskuenstler?oldid=70867