Und die einheimischen Götter? Kami-Kulte am antiken Kaiserhof

< Geschichte
Version vom 10. März 2019, 15:15 Uhr von Bescheid (Kommentar | Beiträge)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Und die einheimischen Götter? Kami-Kulte am antiken Kaiserhof

Im sechsten und siebenten Jahr­hundert sah sich Japan gegen­über China in einer Situation, die sich viele Jahr­hunderte später in der Be­gegnung mit dem Westen wieder­holen sollte: Man wurde sich zu­neh­mend einer militärisch und techno­logisch über­legenen Macht be­wusst, die die ter­ritoriale Ei­gen­ständig­keit des Landes bedrohte. Schon damals wählte Japan den Weg der frei­willigen An­passung, um sich mit den Mitteln des Gegners gegen eine Fremd­herr­schaft zu wehren. Die Über­nahme des chi­ne­sischen Staats­wesens war Aus­druck dieser Stra­tegie.

Blauer Drache (Seiryū) // Wandmalerei, ryū (Farbe). Wahrscheinlich 7.Jh.; Takamatsu-zuka, Präf. Nara // Bild © Asuka Museum (letzter Zugriff: 2016/9/18) // Bei diesem Drachen (ryū) handelt es sich um ein chinesisches Emblem des Ostens. Das Bild stammt aus einem Hügelgrab (kofun) der Asuka-Zeit (7. Jh.), dem Takamatsu-zuka. Dass chinesische Embleme in dieser Zeit in Grabkammern festgehalten wurden, verdeutlicht den Einfluss der chinesischen Kosmologie und des daoistischen Polarstern-Glaubens im Japan der Asuka-Zeit.
Chinesischer Drache des Ostens

Die Sini­sierung des Staates erreichte einen ersten Höhe­punkt in der Zeit nach 662. Damals war der wichtigste Ver­bün­dete Japans auf dem Kontinent, das koreanische Reich BaekjeBaekje 百濟/백제 Ehemaliges Königreich in Korea, das sich zu seiner Blütezeit im 5. Jh. über die gesamte Westküste Südkoreas erstreckte; 660 vom benachbarten Silla erobert FruehzeitEinfuehrung des Buddhismus, unter Mithilfe TangTang chin. Herrschaftsdynastie, 618–907 FruehzeitHeian ZeitSaichoBuddhismus... mehr-Chinas vom Nach­bar­reich Silla ein­ge­nommen worden. Japan unter­nahm im Jahr 662 einen groß­angelegten Versuch, Baekje militärisch zu Hilfe zu kommen, wurde jedoch ver­nich­tend geschlagen und musste fürchten, selbst Objekt von chinesisch-koreanischen Be­gehr­lich­keiten zu werden. Als Reaktion auf diese Vor­gänge wurden die Häfen dicht gemacht und die Tribut-Zahlungen, die Japan bis da­hin regel­mäßig an die chi­ne­sische Tang-Dynastie ent­richtet hatte, ein­ge­stellt.

Zugleich trieb man die Zen­trali­sierung von Staat und Ver­waltung nach chinesischem Muster un­ver­mindert voran. Eine Schlüssel­figur dieser Ent­wicklung stellt Tenmu TennōTenmu Tennō 天武天皇 631?–686; 40. japanischer Kaiser; (r. 673–686) Schreinanlage IseOkuninushiFruehzeitNara... mehr dar. Wie bereits erwähnt, wurde die Um­struktu­rierung des Staats­wesens nach chi­ne­sischem Muster unter seiner Herr­schaft end­gültig voll­zogen (siehe Kap. Frühzeit). Unter Tenmu bürgerte sich der chinesisch an­mutende Titel TennōTennō 天皇 jap. „Kaiser“-Titel, wtl. Herrscher des Himmels OpfergabenEn no GyojaOkuninushiYasukuniGeschichte... mehr (Himmels-Herrscher) für den japanischen Herrscher ein, auch der Landesname Nihon/NipponNihon/Nippon 日本 Japan; wtl. Sonnenursprungs[land] — wtl. Sonnenursprungsland, also Land im Osten [Chinas] — ersetzte das alte YamatoYamato 大和/倭 Kernland der Tennō-Dynastie in Zentraljapan (Präfektur Nara); archaischer Name für Japan OkuninushiHimikoEbisuGoetter der Erde... mehr.

Auf den ersten Blick mag all das wie ein Zu­geständ­nis an China er­scheinen. Doch zu­gleich präsen­tierte sich Japan dadurch als eine dem chi­ne­sischen Kaiser­reich eben­bürtige Macht mit einem eben­bürtigen Kaiser, der ebenso wie dieser als Sohn des Himmels angesprochen wurde. In diesem Sinne legte Tenmu auch den Grund­stein für die Nieder­schrift der mytho-histo­rischen Landes­chroniken, die später in Gestalt von KojikiKojiki 古事記 „Aufzeichnung alter Begebenheiten“; älteste jap. Chronik (712) ItsukushimaIse IzumoIzumo SchreinToriiOkuninushi... mehr (712) und Nihon shokiNihon shoki 日本書紀 Zweitältestes Schriftwerk und erste offizielle Reichschronik Japans (720) ItsukushimaIse IzumoIzumo SchreinToriiBishamon-ten... mehr (720) voll­endet wurden. Auch der Bud­dhis­mus erfuhr unter Tenmu Tennō Unter­stützung, während zugleich der Schrein der Sonnen­gott­heit AmaterasuAmaterasu 天照 Sonnengottheit; Ahnherrin des Tennō-Geschlechts PilgerschaftNeue ReligionenKamikaze in IseIse 伊勢 vormoderne Provinz (heute Präfektur Mie); Kurzbezeichnung für die Schreinanlage von Ise (Ise Jingū) KamidanaPilgerschaftBautenHachimanKasuga... mehr als wichtigster Ahnen­schrein des Tennō-Hauses fest­gelegt und ent­sprechend gefördert wurde.

Das siebente Jahrhundert war somit wahr­scheinlich von einer ähnlichen Dynamik und Wider­sprüch­lich­keit geprägt wie die MeijiMeiji 明治 posthumer Name von Kaiser Mutsuhito; nach ihm wird auch die Meiji-Zeit (1868–1912) benannt FamilieGorintoJahrKamidanaMatsuri... mehr-Zeit des modernen Japan: Rasanter Wechsel ging mit dem Fest­halten an alten Traditionen bzw. mit der Erfindung neuer „alter Traditionen“ Hand in Hand (s. Staatsshintō). Aus dieser Situation heraus ist es wohl auch ver­ständlich, wie ein eigen­ständiges, auf die ein­heimi­schen Götter gerichtetes Hof­zere­moniell fest­gelegt werden konnte, das sowohl zahl­reiche Elemente des chine­sischen Staats- und Kaiser­kults in sich auf­nahm, als auch breiten Raum für den Bud­dhis­mus frei ließ.

Das Götteramt

Das Hof­zeremo­niell unter Tenmu ist vor allem insofern be­merkens­wert, als es einer eigenen Be­hörde unter­stellt war, die als einziges Regie­rungs­amt nicht auf einem chi­ne­sischen Vor­bild beruhte: Das Götter­amt, Jingi-kanJingi-kan 神祇官 Götteramt, wtl. Amt für Götter des Himmels und der Erde Shinto MittelalterStaatsshintoShinbutsu bunriYuiitsu shinto myobo yoshu (wtl. „Behörde für Götter des Himmels und der Erde“).

Das Götter­amt stand ur­sprünglich dem obersten Re­gie­rungs­amt (Daijō-kanDaijō-kan 太政官 oberstes Regierungsamt der Nara- und Heian-Zeit ) gleich­wertig gegen­über und war damit rang­mäßig höher als die so­genannten „Acht Ministerien“, in denen die wesent­lichen politischen Ver­waltungs­auf­gaben des Landes be­handelt wurden. Den sakralen und zere­moni­ellen Auf­gaben wurde somit ein beson­derer Platz in der Hier­archie staat­licher An­gelegen­heiten ein­geräumt. Das Götteramt wurde anfangs von Priestern der Familie NakatomiNakatomi 中臣 Adelsgeschlecht der Antike KasugaEinfuehrung des Buddhismus dominiert, die offenbar schon seit langem Spezialisten für rituelle Angelegenheiten waren. Das Daijōkan wiederum lag zumeist in Händen der Fujiwara, einer Zweigfamilie der Nakatomi. Sieht man sich jedoch die Ränge der jeweiligen Beamten an, er­kennt man, dass der Status der Nakatomi niedriger war als der ihrer „welt­lichen“ Fujiwara-Verwandten. Auch waren die weltlichen Behörden mit mehr tat­sächlicher Macht­befugnis aus­ge­stattet. Diese Ambi­valenz bleibt im Grunde auch in späterer Zeit für die Be­handlung alles „Shintōistischen“ charak­teris­tisch: Den kamikami Gottheit; im engeren Sinne einheimische oder lokale japanische Gottheit, Schreingottheit (s. jinja), Gottheit des Shintō AlltagAhnenkultGluecksbringerKamidanaMatsuri... mehr steht zwar immer der ehren­vollste Platz zu, die tatsächliche Macht geht aber von anderen Instanzen aus.

Das Götter­amt regelte die wichtigsten rituellen An­gelegen­heiten bei Hof und be­zog auch die ujigamiujigami 氏神 Altertum: Klangottheit; heute: lokale Schutzgottheit KamidanaPraehistorie der wichtigsten Adels­familien in seinen Auf­gaben­bereich ein. Zu­gleich oblag ihm die Ab­haltung von jahres­zeit­lichen Festen, die wieder­um von chi­ne­sischen Vor­bildern ge­prägt waren. Obwohl das Götter­amt selbst also eine ja­pa­nische Erfindung ist, muss man sich das von ihm prak­tizierte Ritual­system als Mischung von ein­heimischen und chi­ne­sischen Elementen vorstellen.

Da das Götter­amt als Ver­waltungs­behörde und nicht als eigene religiöse Körper­schaft an­ge­sehen wurde, wurden seine Auf­gaben in Ge­setzes­texten ge­regelt. Das genaueste Bild ver­mitteln die „Gesetzlichen Be­stimmungen aus der Ära Engi“ (EngishikiEngishiki 延喜式 „Bestimmungen der Engi Ära“; Gesetzeswerk mit zahlreichen religionspol. Bestimmungen, v.a. zum Schreinzeremoniell, aus dem 10. Jh. PhalluskulteNikkoOkuninushiTauben), die Mitte des zehnten Jahr­hunderts in Kraft traten. Die Engishiki legen u.a. das Personal des Götter­amts genau fest, ent­halten detaillierte Angaben zu den jahres­zeit­lichen Riten, die zum Teil unter Führung des Tennō abzu­halten sind, und listen schließ­lich über 3000 Schreine im ganzen Land auf, die mit dem Kaiser­hof durch Aus­tausch von Opfer­gaben in Ver­bindung stehen. Sie be­schäf­tigen sich dabei in erster Linie mit formalen Details (Art und Anzahl der Opfer­gaben bei be­stimmten Anlässen, Art und Dauer der Askese bei der Vor­bereitung eines Ritus, etc.). Trotz ihrer über­ragenden Bedeutung als Quelle des antiken höfischen kami-Kults deutet manches darauf­hin, dass die Engishiki eine Ideal­vor­stellung des höfischen Zere­monial­wesens dar­stellen, die in der Praxis nie voll­kommen er­reicht wurde. Besonders die landes­weite Kommu­nikation mit Schreinen, die stets mit dem Geben und Nehmen von Opfer­gaben verknüpft war, stellte eine ge­waltige logistische Heraus­forde­rung dar. Daher kon­zentrierte sich der Hof in der späten HeianHeian 平安 alter Name Kyōtos, eig. Heian-kyō 平安京, „Stadt des Friedens“; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit) ShichigosanJahrMatsuriMoencheOpfergaben... mehr-Zeit auf einige wenige Groß-Schreine und über­ließ die Pflege aller anderen Schreine den lokalen Provinz­verwaltungen.

Tabus gegen den Buddhismus

Etwas rätsel­haft ist, dass der höfische Bud­dhis­mus in den Engishiki weit­gehend ausge­blendet ist. Im Gegensatz dazu sind nicht nur die Chro­niken der einzelnen Schreine bereits in der Heian-Zeit voll von bud­dhis­tischen Bezügen, auch in der Hof­aristo­kratie selbst greift die Praxis des bud­dhis­tischen Laien­mönchs­stands (nyūdōnyūdō 入道 buddhistischer Laienmönch Moenche; meist ver­bunden mit dem Rück­tritt von öffent­lichen Ämtern) mehr und mehr um sich. Ende der Heian-Zeit macht sich diese Praxis selbst unter zurück­ge­tretenen Kaisern breit, ja es kommt sogar zur berühmten Schatten­regierung der „Kloster­kaiser“ (inseiinsei 院政 Regierung der „Klosterkaiser“ (späte Heian-Zeit) Kitsune). Dagegen ist es aus­geschlossen, dass ein am­tie­render Tennō in den Mönchs­stand eintritt. Ohne jegliche theo­logische Be­grün­dung existiert somit eine deutliche Trenn­wand zwischen dem höfischen kami-Kult und dem bud­dhis­tischen Klerus.

Ehrerbietung vor dem Inneren Schrein // Schreinhalle, torii (Holz); Naikū, Ise Jingū, Mie-ken // Bild © Bernhard Scheid, 2013 // Der Ise Schrein kurz nach der Schrein­verlegungs­zeremonie, Oktober 2013. Vor einem knallneuen torii verneigen sich zwei festlich gekleidete Damen unter Anleitung eines Priesters. Eine Masse von Schaulustigen, zu denen auch der Fotograf gehört, befindet sich hinter einem Zaun, der nur für prominente Gäste geöffnet wird. Vom eigentlichen Hauptgebäude ist lediglich ein kleines Stück Dach zu sehen, die Architektur entspricht jedoch dem überdachten Tor hinter dem torii. Rechts im Hintergrund ist noch die spiegelbildlich errichtete alte Anlage zu sehen, die in Kürze abgerissen wird, bis das Areal nach zwanzig Jahren für einen weiteren Neuaufbau genutzt wird.
Hauptschrein von Ise

Am stärksten ist diese Tendenz im Ise SchreinIse Jingū 伊勢神宮 kaiserlicher Ahnenschrein (wtl. Götterpalast) von Ise, Präfektur Mie Ise IzumoSchreinanlage IseTaubenNara... mehr ausgeprägt. So sind z.B. in den Engishiki mehrere bud­dhis­tische Begriffe genannt, die in Ise nicht ver­wendet werden dürfen. Stattdessen hat man sich bestimmter Tabu­worte zu bedienen, etwa: „Lang­haar“ für Mönch, „gefärbtes Papier“ für sutrasūtra सूत्र „Faden“, Lehrrede des Buddha, kanonische Schrift, jap. kyō 経 oder kyōten 経典 GluecksbringerFushimiTempelAmidismusFruehzeit... mehr, „Schindel­dach“ für Tempel (andere ähn­liche Tabu­worte beziehen sich auf Krank­heit, Tod und Fleisch­konsum). Auch gibt es das rätsel­hafte Gebot, beim Be­treten des Ise Schreins „den Atem des Bud­dhis­mus zu bedecken“, und bud­dhis­tische Mönche können den Schrein nur mit Schwierig­keiten besuchen. Ähnliche Gebote ver­breiten sich auch in einigen wenigen anderen, dem Hof nahe stehenden, Schreinen. Es scheint somit, dass inner­halb des Zere­monial­wesens, dessen Zentrum das Götter­amt dar­stellte, der Ein­fluss des Bud­dhis­mus bewusst negiert wurde.

Warum diese Tren­nung? Es mag sein, dass der latente Wider­stand gegen den Bud­dhis­mus, der hier zu er­kennen ist, mit einem Fest­halten der Hof­aristo­kratie an ihren ange­stammten Erb­rechten zu tun hat, die trotz der „merito­kratischen“ Hie­rarchie des chi­ne­sischen Beamten­staates nie gänzlich abge­schafft wurden. In der Tat waren staat­liche Beamten­prüfungen wie sie das chi­ne­sische Modell vorsieht, nur kurz im NaraNara 奈良 Hauptstadt und Sitz des Tennō, 710–784 (= Nara-Zeit); ehemals: Heijō-kyō EmaYamabushiBautenHachimanItsukushima... mehr-zeitlichen Japan üblich und verloren gegen­über den erb­lichen Privilegien einzelner Adels­häuser bald wieder an Bedeutung. Diese Erb­rechte werden nun aber gerade vom Bud­dhis­mus nicht ideo­logisch unter­stützt. Daher pflegte der Adel neben dem Bud­dhis­mus auch den Kult der eigenen ujigami-Schreine weiter.

Die ujigami — und vielleicht die japanischen kami überhaupt — schufen eine Möglich­keit, im an sich perfekt ge­ordneten Welt­system der Karma-Theorie ein Schlupf­loch zu finden. Man konnte bei­spiels­weise, wenn kein karmischerKarma कर्म „Tat“, auch „konsequente Folge“; moralische Bilanz der gesetzten Handlungen, jap. Gō 業 OpfergabenPilgerschaftStupaHeian ZeitHonji suijaku... mehr bzw. moralischer Nutzen an einer be­stimmten Handlungs­weise zu er­kennen war, göttliche Tabu-Regeln geltend machen. Der anti-sys­tema­tische Charakter der alten kami-Religion kam zweifel­los der Aufrecht­er­haltung bestimmter Son­der­rechte oder Privi­legien entgegen.

Der Bud­dhis­mus hin­ge­gen pflegte in seinen Klöstern eine Art Merito­kratie. Trotz aller historischen Ver­flech­tungen mit den einzelnen Adels­familien waren seine Grund­dogmen daher nicht auf den Schutz welt­licher Einzel­interessen ausgerichtet. Unter Berufung auf das mönchische Ideal der Besitz­losigkeit oder auf die Un­beständig­keit aller welt­lichen Güter konnten irdische Besitz­rechte daher stets von Grund auf ange­zweifelt werden. Dass dies in der Praxis auch der Fall war, wird spätestens Ende der Heian-Zeit aus diversen bud­dhis­tischen Anek­doten (setsuwasetsuwa 説話 Lehrerzählung, didaktische Anekdote; meist von buddh. Mönchen in Form umfangreicher Sammlungen kompiliert OpferRegenmachenHeian ZeitZogaKamakura... mehr) deutlich. Dies ist aus meiner Sicht ein wesent­licher Punkt, wenn man nach Er­klärungen sucht, warum nach einem an­fäng­lichen Höhen­flug des staat­lich sub­ventio­nierten Bud­dhis­mus eine ver­haltene, aber doch deut­liche Gegen­bewegung spätestens seit dem Beginn der Heian-Zeit zu erkennen ist.

Vielleicht gab aber auch die erwähnte Affäre des bud­dhis­tischen Usurpators DōkyōDōkyō 道鏡 ?–772; Nara-zeitl. Mönch; buddhistischer Staatsmann (siehe Kap. Nara) den Aus­schlag, dass ein gewisser Bereich des hö­fischen Zere­moni­ells, ein­schließ­lich der Riten des Tennō, vom Ein­fluss des Bud­dhis­mus fern­gehalten wurde. Jeden­falls erfolgte diese Ab­grenzung im wesent­lichen in Form von Tabu-Regeln. Bereits in der späten Heian-Zeit, als das bud­dhis­tische Welt­bild im allge­meinen Bewusst­sein der Japaner zur Selbst­ver­ständ­lich­keit geworden war, tat man sich schwer, den Sinn dieser Tabus zu ver­stehen, und suchte nach spitz­findigen Deutungen. Nichts­desto­weniger be­hielten sie auch in der bud­dhis­tisch domi­nierten Zeit des japanischen Mittel­alters stets ein gewisses Maß an Gültigkeit.

Ikonographie 
Diese Seite zitieren
„Und die einheimischen Götter? Kami-Kulte am antiken Kaiserhof.“ In: Bernhard Scheid (Hg.), Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 10.3.2019). URL: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Geschichte/Kami_Kulte?oldid=72820