Shaka Nyorai, der historische Buddha

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Bernhard Scheid, „Shaka Nyorai, der historische Buddha.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 5.10.2016). URL: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Ikonographie/Shaka?oldid=67351
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Das Leben des Buddha

Siddhartha verlässt erstmals den Königspalast

Nyorai

Siddhartha, der historische Buddha (auch Shakyamuni; jap. Shaka Nyorai), verlässt erstmals seine Geburtsstätte, den Königspalast, um die legändären Vier Ausfahrten zu machen.

Shaka Nyorai Shaka Nyorai 釈迦如来 jap. Name des Buddha Shakyamunisiehe auch→ Grundbegriffe/Buddhismus→ Ikonographie/Mudra→ Geschichte/Honji suijaku→ Geschichte/Nichiren , der Be­grün­der der bud­dhis­ti­schen Lehre, lebte etwa um 500 vor un­se­rer Zeit­rech­nung in Nord­-In­dien, wo er als Prinz ei­nes der da­mals zahl­rei­chen König­reiche zur Welt kam. Laut der bud­dhis­ti­schen Über­liefe­rung wies er alle ade­ligen Privi­legien und allen Be­sitz von sich, nach­dem er als jun­ger Mann erst­mals mit den Lei­den der Mensch­heit (Alter, Krank­heit und Tod) kon­fron­tiert wurde, und such­te zu­nächst sein Heil in stren­ger As­kese. Sein Ziel war dabei, sich vom „Ver­haftet­sein“ an das Dies­seits (Samsara संसार Saṃsāra (skt., m.) „Beständiger Fluss“, Kreislauf der Wieder­gebur­ten, Diesseits; jap. Rinne 輪廻siehe auch →  Buddhismus Lehre → Mythen/Jenseits→ Geschichte/Honji suijaku→ Ikonographie/Heilige/16 Arhats ) zu lösen. Spä­ter sah er aber auch in der As­kese eine Art des Ver­haftet­sein und strebte nach dem „Mittleren Weg“ zwi­schen Ver­zicht und Be­geh­ren, um sich mö­glichst nicht in ir­di­schen Leiden­schaf­ten zu ver­stricken. Da­rauf­hin er­fuhr er die Er­leuch­tung und zog fort­an als Buddha बुद्ध Buddha (skt., m.) „Der Erleuchtete“; jap. butsu (hotoke) 仏 oder Budda 仏陀siehe auch→ Grundbegriffe/Buddhismus→ Grundbegriffe/Buddhismus Lehre→ Bauten/Bekannte Tempel→ Grundbegriffe/Buddhismus Lehre/Vier Wahrheiten→ Ikonographie → mehr (Erleuchteter) mit einer Schar von Jün­gern pre­di­gend durch die ver­schie­denen Reiche im Nor­den In­diens. Im 80. Lebens­jahr ver­schied der Bud­dha und trat dabei direkt ins Nirvana निर्वाण Nirvāṇa (skt., n.) „Erloschen, ausgelöscht“, Ort der Erlösung von allem Leid; jap. Nehan 涅槃siehe auch →  Buddhismus Lehre → Ikonographie→ Bauten/Tempel/Tempeltore→ Alltag/Totenriten→ Ikonographie/Amida → mehr ein.

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Buddha Shakyamuni (Shaka Nyorai)

Skulptur, nyorai (Holz). 9. Jh.; „Nationalschatz“; im Besitz des Shigon-Tempels Murō-ji bei Nara
Bildquelle: Wakasa Haikai, (Blog) [Scan aus Nara no furudera to butsuzō, Mitsui Memorial Museum, 2010]. (Letzter Zugriff: 2016/1)

Eine Skulptur des Shaka Nyorai (skt. Shakyamuni) im Lotos-Sitz mit der für ihn typischen mudra „Fürchtet euch nicht“ — semui-in, segan-in.

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Buddha Shakyamuni (Shaka Nyorai)

Skulptur, nyorai (Holz, vergoldet). Späte Heian-Zeit, 12. Jh.; Höhe: 88,5 cm
Bild © Museum of Fine Arts, Boston (Denman Waldo Ross Collection). (Letzter Zugriff: 2016/8)

Der historische Buddha Shaka Nyorai (skt. Shakyamuni) mit der für ihn typischen mudra „Fürchtet euch nicht“ — semui-in, segan-in.

Buddha Shakyamuni, predigend

Shaka Nyo­rai ist in Japan eine ge­läu­fige Be­zeich­nung für den his­to­ri­schen Bud­dha. Shaka Shaka 釈迦 Buddha Shakyamuni, der historische Buddha; auch Shaka Nyoraisiehe auch→ Bauten/Tempel→ Bauten/Bekannte Schreine/Kasuga→ Geschichte/Amidismus→ Geschichte/Fruehzeit/Einfuehrung des Buddhismus ist die Kurzform seines Sans­krit­na­mens Shakyamuni शाक्यमुनि Śākyamuni (skt., m.) „Der Weise des Shakya-Klans“, Gautama Siddhartha; jap. Shaka 釈迦 oder Shakamuni 釈迦牟尼siehe auch →  Buddhas Leben → Grundbegriffe/Buddhismus→ Bauten/Tempel→ Alltag/Yamabushi/En no Gyoja→ Ikonographie/Amida → mehr („Der Weise des Shakya-Hauses“), Nyorai (skt. Tathagata तथागत Tathāgata (skt., m.) „Der so Gekommene“, Ehrentitel eines Buddhas; jap. Nyorai 如来siehe auch →  Ikonographie ) ist, wie be­reits er­wähnt, ein wei­terer Bud­dha­titel. Die Sta­tuen aus der Früh­zeit des japa­nischen Bud­dhis­mus stellen Bud­dha Shakya­muni häufig dar (vgl. die berühmte Shaka Triade, Shaka sanzon Shaka sanzon 釈迦三尊 Dreiergruppe bestehend aus Buddha Śākyamuni (jap. Shaka Nyorai), flankiert von zwei Begleitern (meist etwas kleiner dargestellte Bodhisattvas)siehe auch Tempel , des Hōryū-ji Hōryū-ji 法隆寺 Tempel in Ikaruga bei Nara, gegr. 607; wtl. „Tempel des prosperierenden [Buddha]-Gesetzes“siehe auch Tempel → Bauten/Tempel/Tempeltore→ Ikonographie/Kannon→ Ikonographie/Waechtergoetter/Nio→ Geschichte/Fruehzeit → mehr ), schon in der Nara Nara 奈良 Hauptstadt und Sitz des Tennō, 710–784 (= Nara-Zeit); ehemals: Heijō-kyōsiehe auch Nara → Bauten/Bekannte Tempel→ Bauten/Tempel→ Bauten/Tempel/Tempeltore→ Bauten/Ise Izumo→ Bauten/Bekannte Schreine/Itsukushima → mehr -Zeit wurde er aller­dings von den be­reits ge­nann­ten Nyo­rais, Amida Amida 阿弥陀 Buddha Amitabha; Hauptbuddha der Schulen des Reinen Landes (Jōdo-shū bzw. Jōdo Shinshū)siehe auch Amida → Grundbegriffe/Buddhismus Lehre→ Bauten/Tempel→ Bauten/Bekannte Schreine/Nikko→ Ikonographie/Mandala→ Alltag/Jahr → mehr und Dainichi Dainichi 大日 Buddha Vairocana, der „kosmische Buddha“; wtl. „Großes Licht“ oder „Große Sonne“siehe auch Dainichi → Bauten/Tempel/Stupa , aber auch von Yakushi Nyorai Yakushi Nyorai 薬師如来 Buddha der Medizin; skt. Bhaisajyagurusiehe auch Ikonographie → Bauten/Tempel→ Bauten/Bekannte Schreine/Nikko→ Ikonographie/Waechtergoetter→ Ikonographie/Dainichi/Daibutsu → mehr , dem „Hei­len­den Bud­dha“, an Be­deu­tung über­flügelt. Dank der an­hal­ten­den Be­deu­tung des Lotos Sutra सूत्र sūtra (skt., n.) „Faden“, Lehr­rede des Buddha, kanoni­sche Schrift; jap. kyō 経 oder kyōten 経典siehe auch →  Sutra → Grundbegriffe/Buddhismus→ Grundbegriffe/Buddhismus Lehre→ Bauten/Tempel→ Alltag/Gluecksbringer→ Bauten/Bekannte Schreine/Fushimi → mehr , in dem Bud­dha Sha­kya­muni die zen­trale Rolle zu­kommt, blieb er vor allem für die Tendai Tendai-shū 天台宗 Tendai-Schule, chin. Tiantaisiehe auch Dainichi → Bauten/Bekannte Tempel→ Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya→ Bauten/Bekannte Schreine/Tenjin→ Bauten/Bekannte Schreine/Nikko→ Alltag/Yamabushi → mehr - und Nichiren Nichiren-shū 日蓮宗 Nichiren Schule; Sammelnamen für den Nichiren Buddhismus, aber auch Namen einer bestimmten Schule innerhalb des heutigen Nichiren Buddhismus; nicht zu verwechseln mit der 1912 gegr. Nichiren Shōshūsiehe auch Nichiren → Alltag/Moenche→ Geschichte/Zen→ Geschichte/Terauke -Schulen aber den­noch wichtig.

Gängige Sujets der Shaka-Darstellung

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Shakyamuni bei seiner Geburt (Tanjōbutsu)

Statue, nyorai (Bronze). Nara-Zeit, 8. Jh.; Tōdaiji, Nara; Höhe: 47cm
Bild © Foundation J.-E. Berger. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Diese Statue des Buddha Shaka Nyorai (skt. Shakyamuni) fungiert in einem Ritual, das zu Ehren von Buddhas Geburt traditionellerweise am achten Tag des Vierten Monats abgehalten wird. Dem Nihon shoki zufolge fand ein derartige Zeremonie in Japan erstmals im Jahr 606 statt.

Geburt des Buddha

Shaka Nyo­rai ist auf Sta­tuen meist mit er­hobe­ner rech­ter Hand (Mudrā मुद्रा mudrā (skt., f.) „Siegel“, Gebetsgeste; jap. inzō 印相siehe auch →  Mudra → Grundbegriffe/Buddhismus Lehre→ Ikonographie→ Ikonographie/Amida→ Ikonographie/Dainichi → mehr mit der Be­deu­tung „Fürchtet Euch nicht“, semui-in semui-in 施無畏印 Mudra der Furchtlosigkeitsiehe auch Mudra ) und herab­hän­gen­der linker Hand mit nach außen ge­rich­teter Hand­fläche (Mudrā der „Schwur­er­fül­lung“, segan-in segan-in 施願印 Mudra der Schwurerfüllungsiehe auch Mudra ) ab­ge­bil­det. Als solcher wehrt er Ge­fah­ren ab und erfüllt die Bit­ten der Gläu­bigen. Die Mudrā des Rad­dreh­ens ist in Japan an Shaka-Sta­tuen kaum zu sehen, obwohl es in sym­bo­li­schem Bezug zu seiner ersten Predigt (=In Gang setzen des Rades des bud­dhis­tischen Dharma धर्म Dharma (skt., m.) Gesetz (des Universums), Lehre (des Buddha); jap. Hō 法siehe auch →  Buddhismus Lehre → Ikonographie→ Ikonographie/Mudra→ Ikonographie/Dainichi→ Ikonographie/Myoo → mehr ) steht. Aber auch die Kom­bi­na­tion Semui-in/segan-in passt zum Akt des Pre­di­gens.

Eine in­te­res­san­te Figur, die bei an­de­ren Nyo­rais nicht vor­kommt, ist die Dar­stel­lung Sha­kya­munis bei sei­ner Geburt. Der Legende zu­fol­ge soll er ja gleich nach der Ent­bin­dung sieben Schritte getan und dann ver­kün­det haben, dass er der Herr der Welt sei und dies seine letzte Wieder­geburt.

Ein zen­tra­les Motiv von bild­li­chen Dar­stel­lun­gen des Shaka Nyo­rai ist sein Ab­leben, be­zieh­ungs­weise der Ein­tritt des his­to­ri­schen Bud­dha ins Nir­vana. Er wird dabei in ent­spann­ter, lie­gen­der Stel­lung im Kreise sei­ner Schüler und zahl­reicher himm­li­scher Wesen gezeigt. Die ent­spann­te Hal­tung und die fried­li­chen Ge­sichts­züge beim Ein­tritt des To­des waren und sind für ja­pa­ni­sche Bud­dhis­ten ein wich­tiger In­di­kator, ob der Ver­stor­bene Ein­gang ins Nir­vana, bzw. ins Para­dies (gokuraku gokuraku 極楽 Paradies; identisch mit dem Reinen Land ( jōdo)siehe auch Paradiese → Mythen/Jenseits→ Geschichte/Heian Zeit ) ge­fun­den hat oder nicht. Auch in den Bio­gra­phien be­deu­ten­der Mönche wird dieser As­pekt stets be­rück­sich­tigt. Bud­dha Sha­kya­muni soll sich übri­gens zum Ster­ben mit dem Kopf nach Nor­den nieder­gelegt haben, daher werden in Japan noch heute die Ver­stor­benen auf diese Weise auf­ge­bahrt (Bestattung).

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Eintritt des Buddha ins Nirvana

Hängerollbild, nehanzu (Seide). Heian-Zeit, 1086; „Nationalschatz“; im Besitz des Kongōbu-ji, Berg Kōya; 267,6 x 271.2 cm ×108 cm
Bild © Kongōbu-ji „Butsu nehanzu“. Kokuhō no bi (National treasures of Japan) #20 (2010), S. 4–5.

Standardisierte Darstellung vom Ableben des hist. Buddha (skt. Shakyamuni): Umgeben von Bodhisattvas, Schülern, Gottheiten und Tieren haucht der Buddha in einem Hain von Shala-Bäumen sein irdisches Leben aus, um ins Nirvana einzutreten. Traditionellen Vorstellungen gemäß überragt er alle anderen an Körpergröße, hat auch im Alter von achtzig Jahren ein ewig jugendliches Aussehen und eine goldene Haut. Darstellungen dieser Art wurden für buddhistische Feiern zu Buddhas Todestag (15. 2.) angefertigt. Das vorliegende Bild ist das älteste und berühmteste Beispiel dieses Genres in Japan.

Tod des Shaka (Butsu nehanzu, Heian Zeit)
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Buddhas 32 Merkmale

Fuß einer Statue des Yakushi Nyorai

Statue, nyorai (Bronze), Detail. Nara-Zeit; Yakushi-ji, Nara; Höhe: 254,7 cm

Die Figuren, die sich auf der Sohle des Yakushi Nyorai abzeichnen, entsprechen dem Merkmal 2 eines Buddhas.

Mit­unter gibt es auch Dar­stel­lungen des zum Ske­lett ab­gema­ger­ten Sha­kya­muni wäh­rend seiner as­ke­ti­schen Übun­gen (obwohl er diesen Weg ja später widerrufen hat).

In der bud­dhis­ti­schen Ikono­graphie ent­stand im Lauf der Jahr­hun­der­te ein präziser For­men­kanon, was das Aus­sehen eines Bud­dha betraf. Dem­zu­folge hatte der his­tori­sche Bud­dha ebenso wie alle Bud­dhas vor und nach ihm sein ganzes Leben das Aus­sehen eines jungen Man­nes, der die 32 Merkmale eines Bud­dha besaß. Nach man­chen Su­tren soll er zu­dem kör­per­lich weit größer als ge­wöhn­liche Sterb­liche ge­we­sen sein. Die über­dimen­sionalen Dar­stel­lungen von Bud­dhas (Daibutsu Daibutsu 大仏 Großer Buddha; monumentale Buddha Statuesiehe auch Daibutsu → Bauten/Bekannte Tempel→ Bauten/Tempel/Pagoden→ Ikonographie/Amida→ Ikonographie/Dainichi → mehr ) sind daher nicht als sym­boli­scher Aus­druck seiner Größe sondern als (im Be­wusst­sein des Künst­lers) rea­lis­tische Ab­bil­dun­gen an­zu­sehen.

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