Mudras — Symbolische Handzeichen

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Bernhard Scheid, „Mudras — Symbolische Handzeichen.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 21.9.2016). URL: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Ikonographie/Mudra?oldid=67281
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An'i-in

Statue, nyorai (Holz, vergoldet), Detail

Mudra des Yakushi Nyorai.

Eine mudra मुद्रा mudrā (skt., f.) „Siegel“, Gebetsgeste; jap. inzō 印相siehe auch→ Grundbegriffe/Buddhismus Lehre→ Ikonographie→ Ikonographie/Amida→ Ikonographie/Dainichi→ Ikonographie/Shaka → mehr (jap. inzō inzō 印相 Handzeichen, skt. Mudrā oder -in) ist ein Hand­zei­chen oder eine Geste mit kon­kre­ter sym­boli­scher Be­deu­tung. Zu­meist ver­weist eine mudra auf eine be­stim­mte Tätig­keit eines Buddha बुद्ध Buddha (skt., m.) „Der Erleuchtete“; jap. butsu (hotoke) 仏 oder Budda 仏陀siehe auch →  Shaka → Grundbegriffe/Buddhismus→ Grundbegriffe/Buddhismus Lehre→ Bauten/Bekannte Tempel→ Grundbegriffe/Buddhismus Lehre/Vier Wahrheiten→ Ikonographie → mehr (Predigt, Meditation, etc.). In der bud­dhis­tischen Plastik unter­stützen mudras die Aus­sage­kraft einer Figur und sind ein oft we­sent­liches Merk­mal, um Bud­dha­sta­tuen ikono­gra­phisch zu unter­schei­den. Doch nicht nur Sta­tuen formen mudras, auch Mönche und Gläubige ver­wenden sie im tä­gli­chen Ritual oder Gebet. Selbst die all­täg­liche Geste des Hände­fal­tens gilt als eine mudra (gasshō-in gasshō-in 合掌印 Mudrā des Händefaltens). Be­son­ders be­deu­tsam sind mudras im eso­teri­schen Bud­dhis­mus (mikkyō mikkyō 密教 esoterischer Buddhismus, Tantrismus; wtl. geheime Lehre; Gegenstück zu kengyōsiehe auch Buddhismus Lehre → Grundbegriffe/Buddhismus→ Ikonographie/Mandala→ Ikonographie/Myoo/Fudo→ Ikonographie/Myoo/Vajrapani → mehr ), wo sie meist in Kom­bina­tion mit spe­ziel­len Gebets­formeln (mantra मन्त्र mantra (skt., n.) Gebets­formel; jap. shingon 真言siehe auch →  Buddhismus Lehre → Ikonographie→ Ikonographie/Myoo→ Ikonographie/Waechtergoetter→ Ikonographie/Gluecksgoetter → mehr ) an be­stim­mte bud­dhis­tische Ge­stal­ten ge­rich­tet werden, um einen kon­kreten Nutzen zu er­zielen.

Bekannte mudras

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Mudra der Furcht­losig­keit und der Er­füllung, semui-in semui-in 施無畏印 Mudra der Furchtlosigkeitsiehe auch→ Ikonographie/Shaka , segan-in segan-in 施願印 Mudra der Schwurerfüllungsiehe auch→ Ikonographie/Shaka .

Die Rechte wehrt Böses ab/be­schützt Gutes, die Linke gibt, was er­beten wurde; typische Geste des his­tori­schen Buddha, Shaka Nyorai Shaka Nyorai 釈迦如来 jap. Name des Buddha Shakyamunisiehe auch Shaka → Grundbegriffe/Buddhismus→ Geschichte/Honji suijaku→ Geschichte/Nichiren .

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Buddha Shakyamuni (Shaka Nyorai)

Skulptur, nyorai (Holz, vergoldet). Späte Heian-Zeit, 12. Jh.; Höhe: 88,5 cm
Bild © Museum of Fine Arts, Boston (Denman Waldo Ross Collection). (Letzter Zugriff: 2016/8)

Der historische Buddha Shaka Nyorai (skt. Shakyamuni) mit der für ihn typischen mudra „Fürchtet euch nicht“ — semui-in, segan-in.

Mudra tenborinin.gif


Mudra des Dharma धर्म Dharma (skt., m.) Gesetz (des Universums), Lehre (des Buddha); jap. Hō 法siehe auch →  Buddhismus Lehre → Ikonographie→ Ikonographie/Dainichi→ Ikonographie/Shaka→ Ikonographie/Myoo → mehr -Rad-Drehens, tenbōrin-in tenbōrin-in 転法輪印 Mudrā des Dharma-Rad-Drehens; Symbol für eine Predigt

Geste des Pre­digens. Sym­boli­siert die erste Lehr­rede des histori­schen Buddha (= Ingangsetzen des „Rads der Lehre“). In Japan dennoch meist eine kenn­zeich­nen­de Geste des Amida Amida 阿弥陀 Buddha Amitabha; Hauptbuddha der Schulen des Reinen Landes (Jōdo-shū bzw. Jōdo Shinshū)siehe auch Amida → Grundbegriffe/Buddhismus Lehre→ Bauten/Tempel→ Bauten/Bekannte Schreine/Nikko→ Ikonographie/Mandala→ Alltag/Jahr → mehr Buddha.

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Mudrā des predigenden Amida

Wandgemälde, nyorai; Hōryū-ji, Präfektur Nara

Mudra des Dharma-Rad-Drehens, tenbōrin-in, des Amida Buddha.

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Meditations-mudra, jōin jōin 定印 Mudrā der Meditationsiehe auch→ Ikonographie/Amida→ Ikonographie/Dainichi

Beide Hände im Schoß ge­faltet (hier mit der für Amida typischen Stellung der Zeigefinger). Typisch für Amida und den Dai­nichi der Mutter­schoß­welt (Taizōkai mandara Taizōkai mandara 胎蔵界曼陀羅 Mutterschoß-Welt-Mandala; Mandala des Dainichisiehe auch Mandala → Ikonographie/Mandala/Ryogai Mandara ).

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Kamakura Daibutsu

Statue, daibutsu (Bronze), Detail. 1252?; Höhe: 11 m
Bild © Jenny Huang, flickr 2006. (Letzter Zugriff: 2016/9/5)

Die mudra der Mediation (jōin) mit den für Amida (skt. Amitabha) charakteristischen abgewinkelten Zeigefingern. Die „Schwimmhaut“ zwischen Daumen und Zeigefinger ist kein künstlerischer Missgriff, sondern entspricht den 32 Merkmalen eines Buddha.

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Weisheitsfaust-mudra chiken-in chiken-in 智拳印 Mudrā der Weisheitsfaustsiehe auch→ Ikonographie/Dainichi

Geste des Dainichi Nyorai der Vajra वज्र vajra (skt., m.) „Donnerkeil“, Ritualinstrument und Symbol des tantristischen/esoterischen Buddhismus; jap. kongō 金剛siehe auch →  Vajrapani → Grundbegriffe/Buddhismus→ Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya→ Ikonographie/Mandala→ Alltag/Yamabushi/En no Gyoja → mehr -Welt (Kongōkai mandara Kongōkai mandara 金剛界曼陀羅 Vajra-Welt-Mandala, Diamant-Welt-Mandala, Mandala des Dainichisiehe auch Mandala ) Mandala.

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Weisheitsfaust-Mudrā (chiken-in)

Statue, nyorai (Holz, vergoldet) von Unkei (1150–1223), Detail; „Nationalschatz“; Enjō-ji, Präfektur Nara

Geste des Dainichi Nyorai im Kongōkai-Mandala. Gesamtbild.

Gosanze mudra.gif


Abwehr von Unheil, gōzanze-in gōzanze-in 降三世印 Mudrā des zornvollen Gōzanze Myōō

Geste des Gōzanze Myōō Gōzanze Myōō 降三世明王 skt. Trailokyavijaya, einer der Fünf Großen Myōōsiehe auch Myoo → Ikonographie/Myoo/Vajrapani→ Sandkiste2 , einer Schutz­gott­heit des eso­teri­schen Bud­dhis­mus.

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Mudrā des Gōsanze Myōō

Statue, myōō. 12. Jh.; Myōtsū-ji, Obama-shi, Präfektur Fukui
Bild © Wakasa Obama dejitaru bunkazai. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Gōzanze Myōō — skt. Trailokyavijaya, der „Bezwinger der Drei Welten“ — ist eine Erscheinungsform des Vajrapani, der im esoterischen Buddhismus zumeist als zornvolle Gottheit dargestellt wird. Hier mit der mudra gōzanze-in.

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