Horror-Klassiker aus der Edo-Zeit

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Bernhard Scheid, „Horror-Klassiker aus der Edo-Zeit.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 21.9.2016). URL: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Mythen/Geister/Kaidan?oldid=67262

In der Edo Edo 江戸 Sitz der Tokugawa Shōgune, 1600–1867 (= Edo-Zeit); heute: Tōkyōsiehe auch Geschichtsperioden → Grundbegriffe/Buddhismus→ Bauten/Bekannte Tempel→ Grundbegriffe/Shinto→ Grundbegriffe/Stereotype/Herrigels Zen→ Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya → mehr -Zeit gab es ein Gesell­schafts­spiel namens „Hundert Geschichten“ (Hyaku monogatari Hyaku monogatari 百物語 „Hundert Geschichten“; Edo-zeitliches Gesellschaftsspiel bei dem man sich 100 Gruselgeschichten erzählte), bei dem man sich gegen­seitig Grusel­ge­schich­ten erzählte. Grusel­geschich­ten (kaidan kaidan 怪談 Gespenstergeschichtesiehe auch Geister ) dienten nach japanischer Auffassung vor allem in heißen Sommer­nächten der „Abkühlung“, weil sie den Zuhörern wohlige Schauer über den Rücken jagten. Der Grusel­effekt bei den Hundert Geschichten wurde dadurch gesteigert, dass nach jeder Geschichte eine Lampe gelöscht wurde, bis die ganze Gesell­schaft im Dunkeln saß. Man munkelte, dass dann tat­sächlich ein Geist erschei­nen würde.

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Beginn einer Runde Geistergeschichten

Farbholzschnitt (Papier, Farbe) von Kawanabe Kyōsai; aus Kyōsai hyakki gadan („Kyōsais Bildgeschichten von hundert Geistern“), 1889
Bild © Nichibunken. (Letzter Zugriff: 2016/8)

Eine Runde wohlig schauernder Zuhörer schart sich um den Erzähler von „Hundert Geschichten“ (Hyaku monogatari).

. 1 Beginn einer Runde Geistergeschichten (hyaku monogatari)

„Hundert Geschich­ten“ ist auch der Titel einer Serie von „Ge­spens­ter­portaits“, in denen der be­rühmte ukiyo-e-Künstler Katsushika Hokusai Katsushika Hokusai 葛飾 北斎 1760–1849; Maler und Zeichner. Bekanntester Verteter des Ukiyoe-Farbholzschnittssiehe auch→ Alltag/Pilgerschaft→ Ikonographie/Gluecksgoetter/Daikoku→ Ikonographie/Gluecksgoetter/Hotei→ Mythen/Imaginaere Tiere→ Mythen/Hoellen/Hoellenbilder → mehr (1760–1849) die be­kann­testen Grusel­motive seiner Zeit festhielt. Da die Serie nur aus fünf Bildern besteht, ist der Titel wohl eine Anspie­lung auf das gleich­namige Gesell­schafts­spiel und diente eben­falls zur Erzeu­gung von Gänse­haut in heißen Sommer­nächten. Wie der Vergleich mit anderen „Bildern der fließenden Welt“ (ukiyo-e ukiyo-e 浮世絵 „Bilder der fließenden Welt“, populäre Farbholzschnitte der Edo-Zeitsiehe auch→ Ikonographie→ Bauten/Bekannte Tempel/Asakusa→ Alltag/Pilgerschaft→ Alltag/Matsuri/Phalluskulte→ Mythen/Geister → mehr ) zeigt, waren die dar­ge­stell­ten Geister zur da­ma­ligen Zeit weithin bekannt, sodass Hokusai eine An­deu­tung genügte, um dem Be­trach­ter ihre Ge­schichte in Erin­nerung zu rufen.

Diese Geschichten wiederum stammen zumeist aus dem Kabuki Kabuki 歌舞伎 „Gesang- und Tanzkunst“; Anfang des 17. Jhd. aus Musik, Schauspiel und Tanz entwickeltes Theater-Genresiehe auch→ Mythen/Geister→ Mythen/Verwandlungskuenstler/Kitsune→ Geschichte/Kamakura/Verwuenschungen -Theater. Fast immer geht es dabei um Liebe, Eifer­sucht und Mord, die letzt­lich dazu führen, dass eine Person nach dem Tod nicht zur Ruhe kommt und sich in einen Rache­geist ver­wandelt. Inso­ferne werden in den Ge­schich­ten und Bildern auch religiöse Vor­stel­lun­gen trans­por­tiert, auf die im fol­gen­den näher ein­ge­gan­gen werden soll.

Hokusais Gespensterserie

Okiku, das Tellergespenst

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Okiku, das Tellergespenst

Farbholzschnitt (nishiki-e), yūrei (Papier, Farbe) von Katsushika Hokusai (1760–1849); aus der Serie Hyaku monogatari (Hundert Geschichten), 1831–32
Bildquelle: Museum of fine Art Boston. (Letzter Zugriff: 2016/8)

Der Rauch, der dem Mund der Okiku entweicht, soll wohl das Zählen der Teller symbolisieren. Okiku ist nämlich auch als Geist beständig auf der Suche nach einem Teller, den ihr Herr in der bösen Absicht versteckt hat, sie bei der Herrin anzuschwärzen. Jede Nacht entsteigt sie dem Brunnen, in dem sie schlussendlich ertränkt wurde, um die Teller noch einmal nachzuzählen.

. 2 Tellergespenst Okiku
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. 3Okiku von Hiroshige

Tellergespenst Okiku

Farbholzschnitt, yūrei von Utagawa Hiroshige (1797–1858)
Bildquelle: Questo piccolo grande BANZAI. (Letzter Zugriff: 2016/8)

Hier beschwert sich Okiku bei einem Geschirrhändler, dass ihr Teller zerbrochen ist. Karikierende Zeichnung.

Okiku ist eine Magd, die ihrem Herrn die Liebe verweigert und darauf­hin von ihm in einen Brunnen ge­stürzt wird. Der Vor­wand für seine Tat: Sie habe einen Teller ent­wendet, den er in Wirk­lich­keit selbst ver­steckte. Daher ihre Er­scheinung als Teller zählendes bzw. teller­förmiges Gespenst. Sie zählt dabei immer nur bis neun und bricht dann ab, um neuerlich bei eins zu beginnen. Dem Spuk wird durch einen Exorzisten ein Ende bereitet, der im richtigen Moment „zehn“ ruft.

Die tragische Geschichte der Okiku existierte wahr­schein­lich schon vor Beginn der Edo-Zeit. 1741 wurde sie unter dem Titel Banchō sarayashiki (Das Tellerhaus in Banchō) für die Bühne adaptiert. Zahlreiche Varianten verlegten die Geschichte u.a. in die Burg Himeji und inter­pre­tierten das Liebes­ver­hältnis zwischen Magd und Herren auf unter­schied­liche Weise. Immer blieben jedoch der Brunnen und die Teller zentrale Bestand­teile der Geschichte. In scherz­hafter Weise wird das Motiv auch auf einem Bild von Utagawa Hiroshige Utagawa Hiroshige 歌川 広重 1797–1858; einer der stilbildenden Meister des japanischen ukiyo-e-Farbholzschnitts Ende der Edo-Zeit dargestellt (Abb. re.).

Oiwa, der Lampiongeist

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Lampiongespenst Oiwa

Farbholzschnitt (nishiki-e), yūrei (Papier, Farbe) von Katsushika Hokusai (1760–1849); aus der Serie Hyaku monogatari (Hundert Geschichten), 1830; 25,5 x 18,5 cm
Bild © Rijksmuseum, Amsterdam (AK-MAK-930). (Letzter Zugriff: 2016/9/18)

Im zerschlissenen Lampion eines Friedhofs erscheint der Totengeist (yūrei) der ruchlos ermordeten Oiwa.

. 4 Lampiongeist Oiwa
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. 5Oiwa von Kuniyoshi

Lampiongespenst Oiwa

Farbholzschnitt, yūrei von Utagawa Kuniyoshi. 1836
Bildquelle: Lyon Collection. (Letzter Zugriff: 2016/9/5)

Oiwa ist eben aus dem Lampion getreten und trägt ihr ungeborenes Kind mit sich, das hier die Züge des Jizō Bosatsu angenommen hat. Kuniyoshi betont in dieser Version ganz besonders Oiwas durch Gift entstelltes Gesicht mit dem einen hervorquellenden Auge. Das Bild entstand anlässlich einer Kabuki-Aufführung 1836 mit Onoe Kikugorō III in der Rolle der Oiwa.

Oiwa wird von Iemon, ihrem grau­sa­men Ehe­mann, be­trogen und ver­giftet, sodass sie eines qual­vollen Todes stirbt. Sie er­scheint je­doch als Geist wieder und zwar mit ihrem durch Gift ent­stell­ten Gesicht. Dieses zeigt sich dem Iemon nicht nur in einem zer­schlis­se­nen Fried­hofs­lam­pion, wie bei Hokusai, son­dern auch an­stelle seiner neuen Ehe­frau. Als Iemon den Geist ver­nich­ten will, tötet er stattdessen seine frisch­ver­mähl­te Braut, um der­ent­wil­len er den Mord an Oiwa voll­führt hat.

Auch Utagawa Kuniyoshi Utagawa Kuniyoshi 歌川 国芳 1798–1861; Maler und Zeichner. Bekannter Verteter des ukiyo-e-Farbholzschnittssiehe auch Junishi → Mythen/Imaginaere Tiere/Komainu→ Mythen/Verwandlungskuenstler/Kitsune→ Geschichte/Zen/Bodhidharma→ Ikonographie/Heilige/16 Arhats bringt in seiner Darstellung der Oiwa (Abb. re.) den Lampion ins Spiel. An Stelle von Hokusais sub­ti­lem Spiel von Ein­bil­dung (Gesicht) und Reali­tät (zer­schlis­sener Lam­pion) geht es Kuni­yoshi mehr um die schau­rigen Grusel­ef­fekte der Erzäh­lung. Ins­beson­dere betont er das vom Gift ent­stellte Gesicht der Oiwa.

Oiwa ist heute einer der bekann­testen Rache­geister des Kabuki-Theaters. Die Ge­schich­te wurde erst­mals 1825 in einem Stück namens Yotsuya kaidan auf die Bühne ge­bracht und ist seither in immer neuen Ver­sio­nen dra­ma­tisiert bzw. für das Kino adap­tiert worden.

Kohada Koheiji, der nächtliche Rächer

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Totengeist des Kohada Koheiji

Farbholzschnitt (nishiki-e), yūrei (Papier, Farbe) von Katsushika Hokusai (1760–1849); aus der Serie Hyaku monogatari (Hundert Geschichten), 1831–32; 26,5 x 19 cm
Bildquelle: Museum of Fine Art, Boston. (Letzter Zugriff: 2016/9/6)
William Sturgis Bigelow Collection

Das Gespenst des ermordeten Kohada Koheiji grinst über den Rand eines Moskitonetzes.

. 6 Totengeist des Kohada Koheiji

Schwache Frauen, die sich gegen Unter­drückung und Aus­beu­tung nur weh­ren kön­nen, in­dem sie sich nach ihrem Tod in Rache­geister ver­wan­deln, stehen ein­deu­tig im Zen­trum ja­pani­scher Ge­spens­ter­ge­schich­ten. Es gibt je­doch auch ein paar männ­liche Ver­tre­ter die­ses Typs. Einer da­von ist Kohada Koheiji, der als tra­gi­scher Held in einer Ge­schich­te des Autors und Malers Santō Kyōden Santō Kyōden 山東 京伝 1761–1816; Edo-zeitlicher Schriftsteller und Malersiehe auch→ Alltag/Yamabushi/Itako erst­mals im Jahr 1803 auf­tauch­te und bald auch auf der Kabuki Bühne zu sehen war: Koheiji wird von seiner Frau und seinem Neben­buhler er­mor­det, rückt ihnen aber des Nachts als Rache­geist zu Leibe und treibt sie in den Wahn­sinn. Auf Hoku­sais Bild grinst er gerade über den Rand des Mos­kito­netzes.

Asa­kura Tōgo

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Der Totengeist des Asakura Tōgo (Asakura Tōgo no bōrei)

Farbholzschnitt, yūrei (Papier, Farbe) von Utagawa Kuniyoshi (1797–1861). 1851; 36,5 x 24,8 cm
Bildquelle: The British Museum. (Letzter Zugriff: 2016/9/19)

Das Bild zeigt den Kabuki-Schauspieler Ichikawa Kodanji IV in der Rolle des Totengeist (yūrei) Asakura Tōgo, im Stück Higashiyama sakura zoshi. In dieser Darstellung ist die, für japanische Gespenster typische, schlaffe Handhaltung ganz besonders gut zu erkennen.

. 9 Asa­kura Tōgo

Der von Kuniyoshi portraitierte Toten­geist des Asa­kura Tōgo (Abb. re.) ist ein weiteres Beispiel eines bekannten männ­lichen Rachegeists. Tōgo war einst ein Dorf­vor­steher, der sich der aus­beu­teri­schen Be­steue­rung seines Lan­des­her­ren wider­setzte, dafür brutal hin­ge­rich­tet wurde, in der Folge aber als Rache­geist wiederkehrte und den Lan­des­her­ren mit seiner Fami­lie in Wahn­sinn und Tod trieb. Die Geschichte beruht auf einer historischen Begebenheit, wobei der Dorfvorsteher in Wirklichkeit Kiura Sōgorō hieß und 1653 hingerichtet worden sein soll.1

Hannya, die lachende Menschenfresserin

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Lachende Hannya (Warai hannya)

Farbholzschnitt, oni (Papier, Farbe) von Katsushika Hokusai (1760–1849); aus der Serie Hyaku monogatari („Hundert Geschichten“), 1831–32
Bild © Tokyo National Museum. (Letzter Zugriff: 2016/9/19)

Portrait einer menschenfressenden Dämonin (hannya), die eben einen Säugling verspeist.

. 10 Lachende hannya
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. 11 Hannya Maske

Gehörnte Hannya

Maske, oni (Holz, Lack). Edo-Zeit; Höhe: 24,2 cm
Bild © The British Museum. (Letzter Zugriff: 2016/9/19)

Standard-Maske im für „wahnsinnige Frauen“ (hannya).

Hannya hannya 般若 „Weisheit“, abgeleitet von skt. prajna; auch: Hannya-Maske (Dämonin) sind gehörnte Dämo­innen, die eine wich­tige Rolle in den Ge­spens­ter­stücken des Nō Thea­ters spielen. Der Name Hannya soll auf den Schöpfer der ent­spre­chen­den Maske im Nō zurück­gehen. Ironi­scher­weise entlieh dieser Meister seinen Namen einem durchaus positiven Begriff: hannya leitet sich von Sanskrit prajna her und bedeutet soviel wie „Weisheit“.2

Hokusais Motiv der lachen­den Hannya, die offen­bar drauf und dran ist, einen Säug­ling zu ver­spei­sen, soll sich von einer Le­gen­de aus Naga­saki her­lei­ten. Der Ver­zehr von Men­schen ist je­doch ganz all­ge­mein eine Vor­liebe der japa­ni­schen oni oni Dämon, „Teufel“; in sino-japanischer Aussprache (ki) ein allgemeiner Ausdruck für Geistersiehe auch Oni und Kappa → Alltag/Jahr→ Ikonographie/Waechtergoetter/Wind und Donner→ Ikonographie/Gluecksgoetter/Daikoku→ Mythen/Geister→ Mythen/Imaginaere Tiere → mehr (Dämo­nen), zu denen auch die Han­nya-Figu­ren zu rech­nen sind.

Die Dämonin des Rajō-mon

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Hannya-Dämonin

Farbholzschnitt, oni (Papier, Farbe) von Utagawa Kuniyoshi (1797–1861). Ca. 1825; 38,1 x 25,8 cm
Bild © Freer / Sackler, The Smithonian Museums of Asian Art. (Letzter Zugriff: 2016/9/19)
The Anne van Biema Collection

Der wackere Watanabe Tsuna wird heimtückisch von hinten attackiert, kann der Dämonin (hannya) aber mit dem Schwert einen Arm abtrennen.

. 12 Hannya von Kuniyoshi

Am häufigsten findet man die Hannya-Figur in den Illustra­tionen eines klas­si­schen Ge­spens­tes aus der Heian Heian 平安 alter Name Kyōtos, eig. Heian-kyō 平安京, „Stadt des Friedens“; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit)siehe auch Heian Zeit → Bauten/Bekannte Tempel→ Grundbegriffe/Shinto→ Ikonographie→ Bauten/Tempel/Pagoden→ Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya → mehr -Zeit: der Dämo­nin Ibaraki aus dem Rajō-mon. Das Rajō-mon (auch Rashō-mon) war eines der Stadt­tore Kyōtos. Die Dämo­nin fand aus­ge­rechnet in den geräu­migen Ober­ge­schoßen dieses Gebäu­des ihren Unter­schlupf und machte von hier aus die Stadt un­sicher. Der un­­er­­schroc­k­ene Krieger Wata­­nabe Tsuna stellt sich ihr im Kampf, doch es gelingt ihm ledig­lich, ihr mit dem Schwert einen Arm ab­zu­hacken (den sie schluss­end­lich wieder in ihren Besitz bringt). Die Attacke der Dämo­nin und Tsunas geis­tes­gegen­wärtiger Schwert­hieb sind ein be­liebtes ukiyo-e-Motiv. Meist ver­lieh man dabei der Dämonin das Gesicht einer Hannya-Maske (s. Kuniyoshis Abb. re.).

Die Schlange, Sinnbild obsessiver Liebe

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Obsession (shūnen)

Farbholzschnitt (Papier, Farbe) von Katsushika Hokusai (1790–1849). Edo-Zeit; aus der Serie Hyaku monogatari (Hundert Geschichten)]], 1831–1832; 25,9 x 18,4 cm
Bild © Museum of Fine Arts, Moston. (Letzter Zugriff: 2016/9/6)

Eine Schlange (hebi) windet sich um ein Totentäfelchen (ihai). Die Stoffmuster wiederholen die Muster der Schlangenhaut.

. 13 „Obsession“ (shūnen)
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. 14 Schlangen-Gürtel

Schlangen-Gürtel (jatai)

Buchillustration von Toriyama Sekien. 1780; aus Konjaku hyakki shūi
Bildquelle: Wikimedia Commons (jap.). (Letzter Zugriff: 2016/8)

Illustration der Redensart: "Wer mit obi (Gürtel) schläft, träumt von Schlangen."

Das letzte Bild in Hokusais Serie wirkt auf den ersten Blick fried­lich, ist aber voller un­heim­licher An­spie­lungen. Zu­nächst illus­triert das Bild eine offen­bar gän­gige Rede­wen­dung, näm­lich „Wer mit obi obi Gürtel, der zum Kimono oder zur Kampfsportbekleidung getragen wird schläft, träumt von Schlangen“. (Siehe ne­ben­ste­hende Il­lustra­tion des Ge­spens­ter­for­schers Tori­yama Sekien Toriyama Sekien 鳥山石燕 1712–1788; Künstler und Gelehrter; vor allem bekannt für seine illustrierten Gespenster-Enzyklopädiensiehe auch Geister → Mythen/Oni und Kappa .) Auch in Hokusais Bild ver­schmilzt das Muster der Schlan­gen­haut mit den Kleiderstoffen, durch die sie hin­durch­kriecht. Ähliche Effekte, in denen das Gewand einer Frau in ein Schlangenmuster übergeht, sind auf fast allen Dar­stel­lungen von Schlan­gen­geistern aus der Edo-Zeit zu finden.

Hokusais Bild trägt den Titel „Obses­sion“ (shūnen shūnen 執念 Rachsucht, Groll, Obsession), denn Schlangen gelten nach einem ver­brei­teten Glauben als Sinn­bild der Eifer­sucht oder der ob­ses­siven Umkehr von Liebe in Hass. Seit dem Alter­tum herr­schte in Japan die Auf­fas­sung, dass ins­be­son­dere eifer­süch­tige Frauen, die aus ent­täusch­ter Liebe ster­ben, als Schlan­gen wie­der­ge­boren werden würden.

Auf Hokusais Bild ist zwar kein Mann zu sehen, wohl aber das To­ten­tä­fel­chen (ihai ihai 位牌 Ahnentäfelchensiehe auch Ahnenkult → Alltag/Totenriten→ Alltag/Totenriten/Sogiya→ Alltag/Friedhof→ Mythen/Jenseits/Totenreich ) eines Mannes. Auch die Schale mit Duft­wasser und buddhistischem svastika स्वस्तिक svastika (skt., m.) „Swastika“, indisches Glückssymbol; in Japan buddhistisches Symbol, meist linksgewinkelt (im Gegensatz zum „Hakenkreuz“); jap. man-ji gehört zu den Toten­riten am bud­dhis­tischen Haus­altar (butsudan butsudan 仏壇 buddh. Hausaltarsiehe auch Ahnenkult → Grundbegriffe→ Alltag/Jahr→ Alltag/Totenriten→ Alltag/Kamidana ).3 Es ist also jemand gestor­ben. Viel­leicht waren auch die Ge­wänder, durch die sie sich windet, in einer früheren Existenz ihre eigenen. In diesem Fall mag es gut sein, dass die Schlange der eifer­süch­tige Rache­geist einer an gebro­che­nem Herzen ver­stor­benen Ehefrau ist, die ihren un­treuen Mann nun ihrer­seits in den Tod getrie­ben hat.

Kiyo-hime

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Dōjō-ji engi emaki

Querbildrolle (Papier, Farbe) von Tosa Mitsushige, Detail. Um 1400
Bildquelle: Wikimedia Commons (jap.). (Letzter Zugriff: 2016/8)

Die in eine Schlange verwandelte Kiyo-hime bringt die Glocke, unter der sich ihr Liebhaber versteckt, zum Glühen.
Es handelt sich um eine illustrierte Chronik des Tempels Dōjō-ji, wo sich die Geschichte im Jahr 928 abgespielt haben soll.

. 15 Kiyohime (um 1400)
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Die Schlangenfrau Kiyo-hime

Farbholzschnitt (nishiki-e) (Papier, Farbe) von Utagawa Kuniyoshi (1797–1861). Um 1845
Bild © The Kuniyoshi Project, Boston. (Letzter Zugriff: 2016/9/18)

Kiyo-hime, die sich zur Hälfte in eine Schlange verwandelt hat, windet sich um eine Tempelglocke, unter der ihr ehemaliger Geliebter Zuflucht vor ihrer Rache gesucht hat.

. 16 Kiyohime von Kuniyoshi (1845)

Hokusais Schlangenbild erinnerte Zeitgenossen sicher auch an die Legende der Kiyo-hime Kiyo-hime 清姫 Heldin einer berühmten Legende aus der Heian-Zeit (10. Jh.); Sinnbild rasender Eifersuchtsiehe auch→ Mythen/Imaginaere Tiere , die u.a. auch von Kuni­yoshi illus­triert wurde. Kiyo-hime hat ein Ver­hältnis mit einem jungen Pilger­mönch. Als dieser sich seiner reli­giösen Gelübde be­sinnt und sie ver­las­sen will, ver­folgt sie ihn und ver­wan­delt sich dabei, ge­trieben von ihrer Eifer­sucht, in eine Schlange. Schluss­end­lich ver­steckt sich der Mönch unter einer Tempel­glocke, doch die Schlange windet sich um die Glocke und ent­wickelt eine der­artige Hitze, dass der Mönch darin zu Tode kommt.

Die Legende stammt aus dem japani­schen Altertum und findet sich unter anderem in den „Ge­schich­ten aus alter und neuer Zeit“ (Konjaku monogatari Konjaku monogatari 今昔物語 „Geschichten aus alter und neuer Zeit“ (12. Jh.); umfangreiche Sammlung von Geschichten und Anekdoten, meist aus einem buddhistischen Kontextsiehe auch Kamakura → Grundbegriffe/Shinto/Jindo→ Mythen/Geister→ Mythen/Tengu→ Mythen/Verwandlungskuenstler/Tanuki → mehr ), wurde aber auch im Nō und im Kabuki-Theater auf­gegriffen.

Meiji-Epigonen

Tsukioka Yoshitoshi

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Okiku

Farbholzschnitt, yūrei (Papier, Farbe) von Tsukioka Yoshitoshi; aus der Serie Shinkei sanjūroku kaisen („Neue Sammlung von 36 Geistern“), 1889–92; 23,5 x 36,2 cm
Bildquelle: Wikimedia Commons. (Letzter Zugriff: 2016/8)

Der Geist der Okiku wirkt hier im Gegensatz zu andern Totengeistern nicht furchteinflößend, sondern zart und traurig.

. 17 Okiku
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Die Pfingstrosenlaterne (botandōrō)

Farbholzschnitt, yūrei (Papier, Farbe) von Tsukioka Yoshitoshi. Meiji-Zeit; aus der Serie Shinkei sanjūroku kaisen („Neue Sammlung von 36 Geistern“), 1889–92; 23,5 x 36,2 cm
Bildquelle: Wikimedia Commons. (Letzter Zugriff: 2016/8)

In der hier dargestellten Geschichte geht es um eine verführerische Geisterfrau, die einen verwitweten Samurai in ein erotisches Liebesverhältnis verstrickt. Jede Nacht erscheint sie in Begleitung ihrer Dienerin mit einer Laterne in Form einer Pfingstrose (Päonie, jap. botan). Als der Samurai entdeckt, dass seine Geliebte ein Totengeist (yūrei) ist, beendet er die Beziehung mithilfe religiöser Spezialisten, wird aber rückfällig und endet selbst im Grab. Herkunft und Motivation der Geisterfrau bleiben in dieser Geschichte im Dunkeln. Die Erzählung stammt von Asai Ryōi (1612–1691) und erschien erstmals 1666. Sie basiert auf einer chinesischen Vorlage.

. 18 Pfingstrosen-Laterne

Tsukioka Yoshitoshi Tsukioka Yoshitoshi 月岡芳年 1839–1892; Maler, Ukiyoe-Küstler (1839–1892) wird oft als der letzte ukiyo-e-Meister apostrophiert. Gegen Ende seines Lebens schuf er eine Serie von Geister­bildern, die heute zu seinen be­kann­testen Werken zählen. Während sich viele ukiyo-e Yoshi­toshis durch beson­ders dras­tisch zur Schau ge­stellte „sex-and-crime“ Szenen aus­zeichnen, rückt er in dieser Serie Figuren in dem Mittelpunkt, die ruhig und gefasst wirken und meist gar nicht un­mittel­bar als Geister zu erken­nen sind. Kennt man aber den Hinter­grund ihrer Ge­schich­ten, prägen sich Yoshi­toshis Geister um so nach­haltiger ein.

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Kobayakawa Hideaki und der Totengeist des Ōtani Yoshitsugu

Farbholzschnitt, yūrei (Papier, Farbe) von Tsukioka Yoshitoshi, 1868
Bildquelle: Antique Art Morimiya. (Letzter Zugriff: 2016/8/31)

Hideaki (1577–1602) kämpfte in der Schicksalsschlacht von Sekigahara (1600) anfangs gegen Tokugawa Ieyasu, lief aber zu ihm über. Sein Verrat trug entscheidend zum Sieg Ieyasus bei und wurde reich belohnt. Während der Schlacht fiel er seinem ehemaligen Verbündeten Yoshitsugu (1559–1600) in den Rücken. Dieser fiel in der Schlacht. Später soll er Hideaki als Totengeist (yūrei) jede Nacht aufgesucht und so das frühe Ende des letzteren herbeigeführt haben.

. 19 Totengeist
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Die Dämonin des Rashō-mon

Farbholzschnitt, oni (Papier, Farbe) von Tsukioka Yoshitoshi; aus der Serie Shinkei sanjūroku kaisen („Neue Sammlung von 36 Geistern“), 1889–92; 23,5 x 36,2 cm
Bildquelle: Rijksmuseum, Amsterdam (RP-P-1983-393). (Letzter Zugriff: 2016/9/18)

Die Dämonin (hannya) ist hocherfreut, denn es ist ihr gelungen, ihren abgehackten Arm wieder zu erbeuten. Die komplexe Legende dieser Dämonin, die im Südtor der Stadt Kyōto haust, findet sich bereits in der Heian-zeitlichen Sammlung Konjaku monogatari-shū.

. 20 Hannya
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. 21 Kiyo-hime

Kiyo-hime entsteigt dem Fluss

Farbholzschnitt (nishiki-e) (Papier, Farbe) von Tsukioka Yoshitoshi. 1865
Bild © National Diet Library, Tōkyō. (Letzter Zugriff: 2016/8)

Die Schlangenfrau Kiyo-hime entsteigt dem Fluss Hidakagawa. Das Motiv findet sich fast identisch in der Serie „36 Geister“ (1889–92), aber die frühere Fassung gefällt mir persönlich besser, vor allem wegen der Haarsträhne, in die sich die von Eifersucht besessene Kiyo-hime verbeißt. Diese Haarsträhne findet man auch auf einem Holzschnitt Kuniyoshis zu diesem Motiv.

Auch Yoshitoshi illustriert Motive, die schon bei Hokusai und seinen Zeit­genos­sen zu finden sind. Alle vor­der­gründig-ge­spens­tischen Ele­mente fehlen hier aller­dings: Okiku, das Teller­ge­spenst (Abb. 17), steigt ohne Teller aus ihrem Brunnen und erregt Mitleid, nicht Furcht. Die Frau mit der Päo­nien­la­terne (18) wird mit den Augen ihres Lieb­habers be­trach­tet, der nicht er­kennt, dass sie ein Geist ist. Die Ver­wand­lung der Schlan­gen­frau Kiyo-hime (21) deutet sich ledig­lich durch die merk­würdige Sil­houette der Figur und durch das Muster des Kimonos an. Das Ver­hält­nis zwi­schen Toten­geist und Krieger (19) scheint auf einer lang er­prob­ten Routine zu beruhen. Einzig die Dämonin des Rashō-mon (20) bringt Bewe­gung in Spiel. Sie hat eben ihren ab­ge­hack­ten Arm wieder erbeu­tet. Aber auch in ihrem Ge­sicht deuten sich die Züge der Hannya-Maske nur schwach an.

In diesem neuen Realis­mus, der eine gewisse Roman­tisie­rung der weiblichen Rache­geister ermög­licht, nimmt Yoshitoshi Ent­wick­lungen des „Neuen Kabuki-Theaters“ der Meiji-Zeit vorweg. Unter dem Einfluss west­licher Theater­stoffe ver­suchte man auch hier, die alten Geschich­ten psycho­logisch einfühl­sam und mit einer roman­tischen Note versehen neu zu erzählen.

Kawanabe Kyōsai

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Totengeist (Yūreizu)

Hängerollbild, yūrei von Kawanabe Kyōsai. 1883
Bildquelle: Muian. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Bild eines Totengeistes, der dem Bild eines Totengeistes entsteigt.

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Totengeist (Yūrei)

Hängerollbild, yūrei (Seide, Farbe) von Kawanabe Kyōsai (1831–1889). 1870
Bildquelle: Muian. (Letzter Zugriff: 2011/6)

Das Motiv des Rachegeists (onryō), der sich in den Haaren eines abgetrennten Kopfes festgebissen hat, findet sich auch im Zusammenhang mit Kohada Koheiji (s. Hokusai). Das Kabukistück Iroiri otogi zoshi erzählt, dass Koheiji schlussendlich seine Frau zu Tode brachte und ihren Kopf mit sich trug. Kyōsai gönnt seinem Totengeist (yūrei) allerdings keinen Triumph: in seiner Besessenheit ist der Geist nicht mehr im Stande zu erkennen, dass er das Ziel seiner Rache bereits erreicht hat.

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Totengeist (Yūrei)

Hängerollbild, yūrei (Seide, Farbe) von Kawanabe Kyōsai (1831–1889). 1871; 106,8 x 37,7 cm
Bild © The British Museum. (Letzter Zugriff: 2016/8)

In manischer Verzweiflung fasst sich diese weibliche Rachefigur (yūrei) selbst ins Haar, während sie den Kopf ihres Opfers an den Haaren mit sich führt.

. 22. 23. 24
Kyōsais rächende Totengeister

Kawanabe Kyōsai Kawanabe Kyōsai 河鍋 暁斎 1831–1889; Künstler und Karikaturist Ende Edo-, Anfang Meiji-Zeit (1831–1889), von dem auch das Bild am Seiten­anfang stammt, fertigte meh­rere Por­traits von un­heim­lichen Toten­geistern (yūrei yūrei 幽霊 Totengeistsiehe auch Geister → Alltag/Ahnenkult ) an, ohne konkret an­zu­geben, auf welche Geschich­ten sich seine Dar­stel­lungen bezogen. Die Motive lassen sich zwar auf Vorlagen aus der Edo-Zeit zurück führen, doch scheint es Kyosai nicht um die Geschichten zu gehen, aus denen sie entstammen. In beinahe psycho­ana­lyti­scher Weise betont er stattdessen die ob­ses­siven psychi­schen Kräfte, die sich in den Toten­geistern ver­körpern.

Von Kaidan zu J-Horror

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Onibaba

Film von Shindō Kaneto. 1965
Bild © Cinema Strikes Back. (Letzter Zugriff: 2011/11/18)

Die Titelheldin Onibaba (die dämonische Alte) mit einer hannya-Maske, von der sie sich nicht mehr befreien kann.

. 25 Onibaba

Die Edo-Zeit gilt allgemein als eine Blütezeit des Horror­genres, sowohl auf liter­ari­schem als auch auf bild­neri­schem Gebiet. Beson­ders im neun­zehnten Jahr­hundert scheint die Be­geiste­rung für das Über­sinn­liche einen Höhe­punkt erfahren zu haben. Wie die Ab­bil­dungen in diesem Abschnitt zeigen, haben viele der heute noch be­kannten Gespenster­geschich­ten (kaidan kaidan 怪談 Gespenstergeschichtesiehe auch Geister ) ihre Wurzeln in dieser Zeit.

Geister­ge­schich­ten und -dar­stel­lungen erfreuten sich in der aus­gehen­den Edo-Zeit unter anderem deshalb großer Be­liebt­heit, weil eine zu­neh­mend strengere Zensur fast alle anderen gegen­warts­bezo­genen Themen unter­sagte. Allein die Welt des Über­sinn­lichen — ob sie nun für real gehalten wurde oder nicht — galt als poli­tisch un­ver­dächtig und wurde daher zu­nehmend als Projek­tions­fläche für die Dar­stel­lung aller mög­lichen ge­sell­schaft­lichen Miss­stände heran­gezogen. In der Meiji Meiji 明治 posthumer Name von Kaiser Mutsuhito; nach ihm wird auch die Meiji-Zeit (1868–1912) benanntsiehe auch Geschichtsperioden → Grundbegriffe/Shinto→ Grundbegriffe/Shinto/Jindo→ Bauten/Bekannte Schreine/Tenjin→ Bauten/Bekannte Schreine/Nikko→ Alltag/Jahr → mehr -Zeit verlor die Welt der Geister und Fabel­wesen ihre politische Brisanz und erhielt stattdessen einen nostal­gischen Touch. Kawa­nabe Kyōsai oder Tsukioka Yoshi­toshi griffen u.a. auch das Horror-Genre der Edo-Zeit auf und adaptierten es für die neue Zeit. Zugleich führten sie zu einer letzten Blüte.

Obwohl die ukiyo-e nicht mehr ihr bevorzugtes visuelles Medium sind, leben die Motive, die wir ausgehend von Hokusais fünf Gespensterportraits auf dieser Seite untersucht haben, nach wie vor im kollektiven Gedächtnis Japans weiter. Heute werden sie vor allem in japa­ni­schen Hor­ror­filmen und Mangas visualisiert. Besonders in den Figuren der rach­süchtigen Frauen­geister lassen sich die Spuren der Edo-Zeit noch heute erkennen.4

  kaidan.jpg

Kaidan

Film (Plakat) von Nakata Hideo. 2007

Filmplakat des Films „Kaidan“

. 26 Kaidan
  sadako_ringu.jpg

Geist der Samara (Sadako)

Filmszene, yūrei; aus The Ring, 2002

Adaptierte amerikanische Fassung des Films Ringu von Nakata Hideo, 1998. Dieser wiederum orientiert sich an der Gestalt der Okiku, die in den Brunnen geworfen wurde.

. 27 Ring
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Kuchisake

Film, oni von Hashiguchi Takaaki. 2007

Kuchisake onna (die Frau mit dem Schlitzmund), eine moderne Version der Hannya.

. 28 Kuchisake
  kayako_juon.jpg

Geist der Kayako

Filmszene, yūrei von Shimizu Takashi; aus The Grudge, 2003
Bild © Ju-on-the-grudge-Wikia, Wiki. (Letzter Zugriff: 2016/8)

Totengeist (yūrei) der Kayako, dargestellt von Fuji Takako. Die Handlung enthält gewisse Ähnlichkeiten mit der Geschichte der Oiwa, von deren Edo-zeitlicher Darstellung auch die Betonung des einen hervorquellenden Auges inspiriert sein dürfte.

. 29 Juon

Verweise

Fußnoten

  1. Abgesehen von der Darstellung als Rache­geist, erfreut sich auch eine zu Herzen gehende Szene, in der Tōgo/Sōgorō Abschied von seiner Familie nimmt, um in den sicheren Tod zu ziehen, großer Beliebtheit im ukiyo-e-Genre. Die verschie­denen Namen der Figur waren wohl ein Mittel, der Zensur zu entgehen, da der Fall ein hohes aufrührerisches Potential besaß.
  2. Vgl. Hannya shingyō Hannya shingyō 般若心経 „Herz Sutra der vollkommenen Weisheit“siehe auch Sutra → Ikonographie/Shaka/Buddhas Leben→ Texte/Sutra/Hannya shingyo , das Herz Sutra.
  3. Auch das Blatt in der Duft­wasser­schale ist Teil der rituellen Opfergabe. Es handelt sich um ein Blatt des japanischen Sternanis (shikimi), einer giftigen Pflanze, die allerdings schon seit Kūkai Kūkai 空海 774–835, Gründer des Shingon Buddhismus; Eigennamen Saeki Mao, Ehrennamen Kōbō Daishisiehe auch Kukai → Bauten/Bekannte Tempel→ Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya→ Bauten/Bekannte Schreine→ Bauten/Bekannte Schreine/Fushimi→ Ikonographie/Mandala → mehr als Opfergabe für Verstorbene dient.
  4. Den Hinweis auf die vielen Über­ein­stim­mungen zwischen Edo-zeit­lichen Grusel­ge­schich­ten und dem modernen J-Horror verdanke ich einer Semi­nar­ar­beit von Sarah-Allegra Schön­berger, Studen­tin der Japa­no­logie an der Uni­ver­sität Wien (Som­mer­semes­ter 2009). Die Litera­tur­an­gaben dieser Seite ent­stam­men eben­falls ihrer Arbeit.

Bilderläuterungen

  1. Kyosai hyakki gadan.jpg

    Beginn einer Runde Geistergeschichten

    Farbholzschnitt (Papier, Farbe) von Kawanabe Kyōsai; aus Kyōsai hyakki gadan („Kyōsais Bildgeschichten von hundert Geistern“), 1889
    Bild © Nichibunken. (Letzter Zugriff: 2016/8)

    Eine Runde wohlig schauernder Zuhörer schart sich um den Erzähler von „Hundert Geschichten“ (Hyaku monogatari).

  2. Hokusai okiku.jpg

    Okiku, das Tellergespenst

    Farbholzschnitt (nishiki-e), yūrei (Papier, Farbe) von Katsushika Hokusai (1760–1849); aus der Serie Hyaku monogatari (Hundert Geschichten), 1831–32
    Bildquelle: Museum of fine Art Boston. (Letzter Zugriff: 2016/8)

    Der Rauch, der dem Mund der Okiku entweicht, soll wohl das Zählen der Teller symbolisieren. Okiku ist nämlich auch als Geist beständig auf der Suche nach einem Teller, den ihr Herr in der bösen Absicht versteckt hat, sie bei der Herrin anzuschwärzen. Jede Nacht entsteigt sie dem Brunnen, in dem sie schlussendlich ertränkt wurde, um die Teller noch einmal nachzuzählen.

  3. Hiroshige okiku.jpg

    Tellergespenst Okiku

    Farbholzschnitt, yūrei von Utagawa Hiroshige (1797–1858)
    Bildquelle: Questo piccolo grande BANZAI. (Letzter Zugriff: 2016/8)

    Hier beschwert sich Okiku bei einem Geschirrhändler, dass ihr Teller zerbrochen ist. Karikierende Zeichnung.

  4. Hokusai oiwa.jpg

    Lampiongespenst Oiwa

    Farbholzschnitt (nishiki-e), yūrei (Papier, Farbe) von Katsushika Hokusai (1760–1849); aus der Serie Hyaku monogatari (Hundert Geschichten), 1830; 25,5 x 18,5 cm
    Bild © Rijksmuseum, Amsterdam (AK-MAK-930). (Letzter Zugriff: 2016/9/18)

    Im zerschlissenen Lampion eines Friedhofs erscheint der Totengeist (yūrei) der ruchlos ermordeten Oiwa.

  5. Oiwa kuniyoshi.jpg

    Lampiongespenst Oiwa

    Farbholzschnitt, yūrei von Utagawa Kuniyoshi. 1836
    Bildquelle: Lyon Collection. (Letzter Zugriff: 2016/9/5)

    Oiwa ist eben aus dem Lampion getreten und trägt ihr ungeborenes Kind mit sich, das hier die Züge des Jizō Bosatsu angenommen hat. Kuniyoshi betont in dieser Version ganz besonders Oiwas durch Gift entstelltes Gesicht mit dem einen hervorquellenden Auge. Das Bild entstand anlässlich einer Kabuki-Aufführung 1836 mit Onoe Kikugorō III in der Rolle der Oiwa.

  6. Hokusai koheiji.jpg

    Totengeist des Kohada Koheiji

    Farbholzschnitt (nishiki-e), yūrei (Papier, Farbe) von Katsushika Hokusai (1760–1849); aus der Serie Hyaku monogatari (Hundert Geschichten), 1831–32; 26,5 x 19 cm
    Bildquelle: Museum of Fine Art, Boston. (Letzter Zugriff: 2016/9/6)
    William Sturgis Bigelow Collection

    Das Gespenst des ermordeten Kohada Koheiji grinst über den Rand eines Moskitonetzes.

  7. Koheiji kuniyoshi.jpg

    Kohada Koheiji

    Hängerollbild, yūrei (Seide, Farbe) von Utagawa Kunitoshi. Meiji-Zeit
    Bildquelle: Pink Tentacle. (Letzter Zugriff: 2016/9)

    Der Totengeist (yūrei) des Koheiji lugt über das Moskitonetz, um seine Frau und seinen Nebenbuhler beim Liebesakt zu stören.

  8. Koheiji toyokuni.jpg

    Totengeist des Kohada Koheiji

    Farbholzschnitt, bakemono (Papier, Farbe) von Utagawa Toyokuni I (1769–1825). 1808
    Bildquelle: The British Museum. (Letzter Zugriff: 2016/9/5)

    Das Bild entstand im Zusammenhang mit der Uraufführung des Kabukistückes Iroiri otogi zōshi, 1808, in dem es um die Ermordung des Kohada Koheiji durch seine seine Frau und deren Liebhaber geht. Das Bild zeigt den Moment der Rache, als der Geist des Koheiji den Kopf seiner Frau in seinen Zähnen hält. Beide Gesichter tragen im übrigen die Züge des Kabuki Schauspielers Onoe Matsusuke I (1744–1815), der offenbar eine Doppelrolle spielte, wie in der Bildinschrift vermerkt ist. In viel düsterer Form taucht das Motiv auch sechzig Jahre später bei Kawanabe Kyosai auf.

  9. Asakura togo kuniyoshi.jpg

    Der Totengeist des Asakura Tōgo (Asakura Tōgo no bōrei)

    Farbholzschnitt, yūrei (Papier, Farbe) von Utagawa Kuniyoshi (1797–1861). 1851; 36,5 x 24,8 cm
    Bildquelle: The British Museum. (Letzter Zugriff: 2016/9/19)

    Das Bild zeigt den Kabuki-Schauspieler Ichikawa Kodanji IV in der Rolle des Totengeist (yūrei) Asakura Tōgo, im Stück Higashiyama sakura zoshi. In dieser Darstellung ist die, für japanische Gespenster typische, schlaffe Handhaltung ganz besonders gut zu erkennen.

  10. Hokusai hannya.jpg

    Lachende Hannya (Warai hannya)

    Farbholzschnitt, oni (Papier, Farbe) von Katsushika Hokusai (1760–1849); aus der Serie Hyaku monogatari („Hundert Geschichten“), 1831–32
    Bild © Tokyo National Museum. (Letzter Zugriff: 2016/9/19)

    Portrait einer menschenfressenden Dämonin (hannya), die eben einen Säugling verspeist.

  11. Hannya.jpg

    Gehörnte Hannya

    Maske, oni (Holz, Lack). Edo-Zeit; Höhe: 24,2 cm
    Bild © The British Museum. (Letzter Zugriff: 2016/9/19)

    Standard-Maske im für „wahnsinnige Frauen“ (hannya).

  12. Rashomon kuniyoshi.jpg

    Hannya-Dämonin

    Farbholzschnitt, oni (Papier, Farbe) von Utagawa Kuniyoshi (1797–1861). Ca. 1825; 38,1 x 25,8 cm
    Bild © Freer / Sackler, The Smithonian Museums of Asian Art. (Letzter Zugriff: 2016/9/19)
    The Anne van Biema Collection

    Der wackere Watanabe Tsuna wird heimtückisch von hinten attackiert, kann der Dämonin (hannya) aber mit dem Schwert einen Arm abtrennen.

  13. Schlange hokusai.jpg

    Obsession (shūnen)

    Farbholzschnitt (Papier, Farbe) von Katsushika Hokusai (1790–1849). Edo-Zeit; aus der Serie Hyaku monogatari (Hundert Geschichten)]], 1831–1832; 25,9 x 18,4 cm
    Bild © Museum of Fine Arts, Moston. (Letzter Zugriff: 2016/9/6)

    Eine Schlange (hebi) windet sich um ein Totentäfelchen (ihai). Die Stoffmuster wiederholen die Muster der Schlangenhaut.

  14. Jatai.jpg

    Schlangen-Gürtel (jatai)

    Buchillustration von Toriyama Sekien. 1780; aus Konjaku hyakki shūi
    Bildquelle: Wikimedia Commons (jap.). (Letzter Zugriff: 2016/8)

    Illustration der Redensart: "Wer mit obi (Gürtel) schläft, träumt von Schlangen."

  15. Dojojiengi.jpg

    Dōjō-ji engi emaki

    Querbildrolle (Papier, Farbe) von Tosa Mitsushige, Detail. Um 1400
    Bildquelle: Wikimedia Commons (jap.). (Letzter Zugriff: 2016/8)

    Die in eine Schlange verwandelte Kiyo-hime bringt die Glocke, unter der sich ihr Liebhaber versteckt, zum Glühen.
    Es handelt sich um eine illustrierte Chronik des Tempels Dōjō-ji, wo sich die Geschichte im Jahr 928 abgespielt haben soll.

  16. Kuniyoshi kiyohime1.jpg

    Die Schlangenfrau Kiyo-hime

    Farbholzschnitt (nishiki-e) (Papier, Farbe) von Utagawa Kuniyoshi (1797–1861). Um 1845
    Bild © The Kuniyoshi Project, Boston. (Letzter Zugriff: 2016/9/18)

    Kiyo-hime, die sich zur Hälfte in eine Schlange verwandelt hat, windet sich um eine Tempelglocke, unter der ihr ehemaliger Geliebter Zuflucht vor ihrer Rache gesucht hat.

  17. Okiku yoshitoshi.jpg

    Okiku

    Farbholzschnitt, yūrei (Papier, Farbe) von Tsukioka Yoshitoshi; aus der Serie Shinkei sanjūroku kaisen („Neue Sammlung von 36 Geistern“), 1889–92; 23,5 x 36,2 cm
    Bildquelle: Wikimedia Commons. (Letzter Zugriff: 2016/8)

    Der Geist der Okiku wirkt hier im Gegensatz zu andern Totengeistern nicht furchteinflößend, sondern zart und traurig.

  18. Botandoro.jpg

    Die Pfingstrosenlaterne (botandōrō)

    Farbholzschnitt, yūrei (Papier, Farbe) von Tsukioka Yoshitoshi. Meiji-Zeit; aus der Serie Shinkei sanjūroku kaisen („Neue Sammlung von 36 Geistern“), 1889–92; 23,5 x 36,2 cm
    Bildquelle: Wikimedia Commons. (Letzter Zugriff: 2016/8)

    In der hier dargestellten Geschichte geht es um eine verführerische Geisterfrau, die einen verwitweten Samurai in ein erotisches Liebesverhältnis verstrickt. Jede Nacht erscheint sie in Begleitung ihrer Dienerin mit einer Laterne in Form einer Pfingstrose (Päonie, jap. botan). Als der Samurai entdeckt, dass seine Geliebte ein Totengeist (yūrei) ist, beendet er die Beziehung mithilfe religiöser Spezialisten, wird aber rückfällig und endet selbst im Grab. Herkunft und Motivation der Geisterfrau bleiben in dieser Geschichte im Dunkeln. Die Erzählung stammt von Asai Ryōi (1612–1691) und erschien erstmals 1666. Sie basiert auf einer chinesischen Vorlage.

  19. Otani yoshitsugu.jpg

    Kobayakawa Hideaki und der Totengeist des Ōtani Yoshitsugu

    Farbholzschnitt, yūrei (Papier, Farbe) von Tsukioka Yoshitoshi, 1868
    Bildquelle: Antique Art Morimiya. (Letzter Zugriff: 2016/8/31)

    Hideaki (1577–1602) kämpfte in der Schicksalsschlacht von Sekigahara (1600) anfangs gegen Tokugawa Ieyasu, lief aber zu ihm über. Sein Verrat trug entscheidend zum Sieg Ieyasus bei und wurde reich belohnt. Während der Schlacht fiel er seinem ehemaligen Verbündeten Yoshitsugu (1559–1600) in den Rücken. Dieser fiel in der Schlacht. Später soll er Hideaki als Totengeist (yūrei) jede Nacht aufgesucht und so das frühe Ende des letzteren herbeigeführt haben.

  20. Rashomon yoshitoshi.jpg

    Die Dämonin des Rashō-mon

    Farbholzschnitt, oni (Papier, Farbe) von Tsukioka Yoshitoshi; aus der Serie Shinkei sanjūroku kaisen („Neue Sammlung von 36 Geistern“), 1889–92; 23,5 x 36,2 cm
    Bildquelle: Rijksmuseum, Amsterdam (RP-P-1983-393). (Letzter Zugriff: 2016/9/18)

    Die Dämonin (hannya) ist hocherfreut, denn es ist ihr gelungen, ihren abgehackten Arm wieder zu erbeuten. Die komplexe Legende dieser Dämonin, die im Südtor der Stadt Kyōto haust, findet sich bereits in der Heian-zeitlichen Sammlung Konjaku monogatari-shū.

  21. Kiyohime yoshitoshi.jpg

    Kiyo-hime entsteigt dem Fluss

    Farbholzschnitt (nishiki-e) (Papier, Farbe) von Tsukioka Yoshitoshi. 1865
    Bild © National Diet Library, Tōkyō. (Letzter Zugriff: 2016/8)

    Die Schlangenfrau Kiyo-hime entsteigt dem Fluss Hidakagawa. Das Motiv findet sich fast identisch in der Serie „36 Geister“ (1889–92), aber die frühere Fassung gefällt mir persönlich besser, vor allem wegen der Haarsträhne, in die sich die von Eifersucht besessene Kiyo-hime verbeißt. Diese Haarsträhne findet man auch auf einem Holzschnitt Kuniyoshis zu diesem Motiv.

  22. Obake kyosai muian.jpg

    Totengeist (Yūreizu)

    Hängerollbild, yūrei von Kawanabe Kyōsai. 1883
    Bildquelle: Muian. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Bild eines Totengeistes, der dem Bild eines Totengeistes entsteigt.

  23. Kyosai yurei3.jpg

    Totengeist (Yūrei)

    Hängerollbild, yūrei (Seide, Farbe) von Kawanabe Kyōsai (1831–1889). 1870
    Bildquelle: Muian. (Letzter Zugriff: 2011/6)

    Das Motiv des Rachegeists (onryō), der sich in den Haaren eines abgetrennten Kopfes festgebissen hat, findet sich auch im Zusammenhang mit Kohada Koheiji (s. Hokusai). Das Kabukistück Iroiri otogi zoshi erzählt, dass Koheiji schlussendlich seine Frau zu Tode brachte und ihren Kopf mit sich trug. Kyōsai gönnt seinem Totengeist (yūrei) allerdings keinen Triumph: in seiner Besessenheit ist der Geist nicht mehr im Stande zu erkennen, dass er das Ziel seiner Rache bereits erreicht hat.

  24. Yurei kyosai1.jpg

    Totengeist (Yūrei)

    Hängerollbild, yūrei (Seide, Farbe) von Kawanabe Kyōsai (1831–1889). 1871; 106,8 x 37,7 cm
    Bild © The British Museum. (Letzter Zugriff: 2016/8)

    In manischer Verzweiflung fasst sich diese weibliche Rachefigur (yūrei) selbst ins Haar, während sie den Kopf ihres Opfers an den Haaren mit sich führt.

  25. Onibaba.jpg

    Onibaba

    Film von Shindō Kaneto. 1965
    Bild © Cinema Strikes Back. (Letzter Zugriff: 2011/11/18)

    Die Titelheldin Onibaba (die dämonische Alte) mit einer hannya-Maske, von der sie sich nicht mehr befreien kann.

  26. Kaidan.jpg

    Kaidan

    Film (Plakat) von Nakata Hideo. 2007

    Filmplakat des Films „Kaidan“

  27. Sadako ringu.jpg

    Geist der Samara (Sadako)

    Filmszene, yūrei; aus The Ring, 2002

    Adaptierte amerikanische Fassung des Films Ringu von Nakata Hideo, 1998. Dieser wiederum orientiert sich an der Gestalt der Okiku, die in den Brunnen geworfen wurde.

  28. Kuchisake.jpg

    Kuchisake

    Film, oni von Hashiguchi Takaaki. 2007

    Kuchisake onna (die Frau mit dem Schlitzmund), eine moderne Version der Hannya.

  29. Kayako juon.jpg

    Geist der Kayako

    Filmszene, yūrei von Shimizu Takashi; aus The Grudge, 2003
    Bild © Ju-on-the-grudge-Wikia, Wiki. (Letzter Zugriff: 2016/8)

    Totengeist (yūrei) der Kayako, dargestellt von Fuji Takako. Die Handlung enthält gewisse Ähnlichkeiten mit der Geschichte der Oiwa, von deren Edo-zeitlicher Darstellung auch die Betonung des einen hervorquellenden Auges inspiriert sein dürfte.

Links

  • Muian
    Dieser ausgezeichneten japanischen Website entstammen viele Bildbeispiele.
  • Shinkei sanjūrokkaisen (Wikipedia, ja.). Sämtliche Exemplare aus Yoshitoshis Serie „36 Geister“.
Letzte Überprüfung der Linkadressen: Sept. 2016

Literatur

Colette Balmain 2008
Introduction to Japanese Horror Film. Edinburgh: Edinburgh University Press 2008.
Noriko Reider 2000
The Appeal of Kaidan Tales of the Strange.“ Asian Folklore Studies 59 (2000), S. 265–283.
Noriko Reider 2001
The Emergence of Kaidan-shū: The Collection of Tales of the Strange and Mysterious in the Edo Period.“ Asian Folklore Studies 60 (2001), S. 79–99.
Mythen/Geister (zurück zum Hauptartikel)
Ikonographie