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Version vom 13. Oktober 2010, 11:34 Uhr von OrochiJR (Kommentar | Beiträge) (Hölle des Maßnehmens)
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Höllenbilder

Hölle des Maßnehmens

datsueba

Die Hölle des Maßnehmens. Abb. aus den Jigoku zōshi, 12. Jh
Bildquelle: e-kokuho (2007/2)

Die „Hölle des Maßnehmens“ ist Betrügern vorbehalten, die mit gefälschten Maßen arbeiten. Die oben dar­ge­stellte Szene beruht auf dem Qishi jing und wurde wahr­schein­lich im zwölften Jahr­hundert von Goshirakawa TennōGo-Shirakawa Tennō 後白河天皇 1127–1192; 77. Kaiser von Japan; (r. 1155–1158); stellte vor allem als Exkaiser im Mönchsstand ein wichtiges politisches Gegengewicht zu den Diktatoren Taira no Kiyomori und Minamoto no Yoritomo dar HungergeisterJinno shotoki in Auftrag gegeben (s.u.).

Hölle des Eisernen Mörsers

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Die „Hölle des Eisernen Mörsers“; Abb. aus den Jigoku zōshi, 12. Jh
Bildquelle: e-kokuho (2007/2)

Eine weitere Szene aus der zuvor gezeigten Höllen-Bildrolle. Die Folterknechte der Hölle zer­mahlen hier Diebe in einem Mörser. In dieser frühen Dar­stellung sind die Folter­knechte noch viel individueller und ge­stalten­reicher als auf späteren Höllenbildern. Auch eine alte Frau (vielleicht DatsuebaDatsueba 奪衣婆 wtl. die Alte, die die Kleider wegnimmt; Dämonin des Totenreichs JenseitsTotenreich?) ist darunter.

Zermalmen, Kochen und Braten

jigoku zoshi

Abb. aus dem Kasuga gongen kenki von Takashina Takakane, 1309.

Das Zermalmen, Kochen und Braten gehört zu den Standard-Folter­methoden der japanischen Höllen­bilder. Auf diesem Bild aus der Kamakura-Zeit sind auch die Höllen-Dämonen bereits so ähnlich dar­ge­stellt wie die in Japan all­seits bekannten onioni Dämon, „Teufel“; in sino-japanischer Aussprache (ki) ein allgemeiner Ausdruck für Geister JahrHorrorklassikerZenDaikokuWind und Donner... mehr, die sich auch außerhalb der Hölle herumtreiben.

ojoyoshu

Abb. aus einer illustrierten Ausgabe von Genshins Ōjōyōshū, Edo-Zeit, 1790.

Die Höllenmotive aus dem Mittelalter wurden auch in der EdoEdo 江戸 Hauptstadt der Tokugawa-Shōgune, heute: Tōkyō; auch: Zeit der Tokugawa-Dynastie, 1600–1867 (= Edo-Zeit); ShichigosanMatsuriPhalluskulteMoencheWuerdentraeger... mehr-Zeit getreulich reproduziert.

Blutteich

jigoku zoshi

Blutteich, Abb. aus den Jigoku zōshi des Tokyo National Museum [2010/9]
Späte Heian-Zeit, 12. Jh

Eine der frühesten Abbildungen des „Blutteichs“ (chi no ikechi no ike 血の池 Blutsee Hoellen), eines Teils der Hölle, der speziell den Frauen vor­be­halten ist. In vielen vulkani­schen Gegenden Japans kann es vorkommen, dass röt­liches Wasser aus dem Felsen kommt. Wo das der Fall ist, findet man zu­meist auch einen „Blutteich“ (s. Osore-zan).

Textquellen

Die meisten japanischen Höllendarstellungen hängen direkt oder indirekt mit einem Werk namens Ōjō yōshūŌjō yōshū 往生要集 „Essentielle [Lehren] der Wiederbgeburt“, 985 von Genshin verfasst Heian ZeitTotenreich („Über die Wieder­geburt im Reinen Land“) zu­sammen. Es wurde 985 von GenshinGenshin 源信 Tendai-Mönch (942–1017); auch bekannt als Eshin; Autor des Ōjō yōshū; Wegbereiter der Jōdo-shū Heian ZeitHoellen, einem Mönch der Tendai-shūTendai-shū 天台宗 Tendai-Schule, chin. Tiantai YamabushiNikkoBekannte TempelBerg KoyaBishamon-ten... mehr verfasst und gilt als einer der einfluss­reichs­ten Texte über buddhis­tische Jenseits­vor­stel­lungen in Japan. Obwohl im Titel das Reine Land des AmidaAmida Nyorai 阿弥陀如来 Amida Buddha; skt. Buddha Amitabha KannonMyoo an­ge­sprochen ist, beginnt der Text mit einer Beschrei­bung der Sechs Bereiche der Wiedergeburt und widmet sich aus­führlich den acht Ab­teilungen der buddhis­tischen Hölle, um im Anschluss daran das Reine Land zu schildern. Die an­schließen­den Kapitel behandeln die Techniken, um im Reinen Land wieder­geboren zu werden, im be­sonderen die Anrufung von Amidas Namen (nenbutsunenbutsu 念仏 Anrufung des Namens von Buddha Amida, Gebetsformel der Amida-Anhänger MoencheAmidismusNichirenZenAmida... mehr). Den stärksten Ein­druck — zumindest in der Ikono­graphie — hinter­ließen aber nicht die im Ōjōyōshū in Aussicht gestell­ten Be­lohnun­gen, sondern die Bestra­fungen in der Hölle.

Die Höllenbeschreibungen des Ōjōyōshū beruhen ihrerseits auf diversen chinesi­schen Werken, u.a. dem Qishi jingQishi jing 起世経 chin. Sutra, jap. Kise-kyō (jap. Kise-kyō), ein Sutra, das bereits um 600 in China be­kannt war. Manche der obigen Ab­bildungen aus dem zwölften Jahrhundert sind Illustra­tionen zu diesem Werk. Man nimmt an, dass sie von Go-Shirakawa TennōGo-Shirakawa Tennō 後白河天皇 1127–1192; 77. Kaiser von Japan; (r. 1155–1158); stellte vor allem als Exkaiser im Mönchsstand ein wichtiges politisches Gegengewicht zu den Diktatoren Taira no Kiyomori und Minamoto no Yoritomo dar HungergeisterJinno shotoki (1127–1192, r. 1155–58) in Auftrag gegeben wurden. Von diesem einfluss­reichen Herrscher aus der Zeit der Kämpfe zwischen Minamoto und Taira (Genpei KriegGenpei Gassen 源平合戦 Krieg zwischen den Minamoto (Gen) und den Taira (Hei, bzw. Pei), 1180–1185 HachimanItsukushimaShimenawaTempeltoreDaibutsu Statuen... mehr) weiß man, dass er eine ganze Reihen von Jenseits-Bildrollen (rokudō-e) herstellen ließ, zu denen auch die Bilder der Hunger­geister (Gaki zōshiGaki zōshi 餓鬼草紙 Illustrierte Querbildrollen der Hungergeister HoellenHungergeister) zählen.

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Ikonographie 
Diese Seite zitieren
„Höllenbilder.“ In: Bernhard Scheid (Hg.), Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 13.10.2010). URL: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Mythen/Hoellen/Hoellenbilder?oldid=17069