Komainu-Portraits

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Bernhard Scheid, „Komainu-Portraits.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 21.9.2016). URL: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Mythen/Imaginaere_Tiere/Komainu?oldid=67219
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Komainu

Statue, komainu (Stein) von Kobayashi Kazuhira, Detail. 1961; Shō Hachiman Jinja, Ishikawa-gun, Fukushima
Bild © komainu.net, 2004. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Skultpur eines komainu.

Komainu von Kobayashi Kazuhira, 1961

Komainu komainu 狛犬 wtl. „Korea-Hund“, auch „Löwenhund“; Wächterfigur vor religiösen Gebäudensiehe auch→ Bauten/Schreine→ Bauten/Bekannte Schreine/Nikko→ Ikonographie/Waechtergoetter/Nio→ Mythen/Imaginaere Tiere→ Mythen/Verwandlungskuenstler → mehr lassen sich sich auf den Löwen zurück­führen, der seinen Weg als herr­schaft­liches Symbol­tier vom Vorderen Orient über Indien nach Ost­asien fand. Da er dort aller­dings nicht heimisch ist, wurde er zu einem legendären Tier und zum Gegen­stand zahl­reicher ikonographischer Variationen. Wie bei vielen einst­mals exotischen Wesen, die durch den Bud­dhis­mus in Ostasien bekannt wurden, lässt sich auch bei den komainu die Tendenz fest­stellen, dass sie mit zu­nehmender Ver­traut­heit ihre ge­fähr­lichen Züge verlieren und von den Künstlern statt­dessen — freiwillig oder un­frei­willig — mit einer gewissen Komik ausge­stattet werden.

Klassische Vorbilder

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Schrein mit Komainu

Querbildrolle, komainu (Papier, Farbe), Detail. Kamakura-Zeit; „Besonderes Kulturgut“; Wakasahiko Jinja, Obama, Fukui-ken; 31,3 x 1407 cm
Bild © Kyoto National Museum, AK262. (Letzter Zugriff: 2015/11/15)

Detail aus der illustrierten Legende des Wakasa Ichinomiya Schreins aus der Kamakura-Zeit. Darstellung eines Schreingebäudes der damaligen Zeit sowie eines Priesters. Die komainu haben offenbar einen höheren Status als in den meisten modernen Schreinen. Sie sind aus Holz, bemalt und zum Schutz vor der Witterung auf der Veranda des Schreins unterhalb des Daches aufgestellt. Ähnliche Arrangements findet man heute noch im Hie Taisha.

Komainu, 13. Jh.
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Komainu

Hängerollbild, komainu, Detail. Muromachi-Zeit, 14. Jh.; 94,9 x 40,6 cm
Bild © Metropolitan Museum of Art, New York. (Letzter Zugriff: 2016/9/19)

Details aus einem Mandala, das vier einheimische Schutzgottheiten des Klosterbergs Kōya darstellt. Hier ist deutlich zu erkennen, dass es im Mittelalter zwei leicht unterschiedliche komainu-Varianten gab, mit Horn und ohne Horn.

Gemalte komainu, 14. Jh.
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Komainu

Komainu, karashishi; Ninna-ji, Kyoto
Bildquelle: 663highland, Wikimedia Commons (jap.), 2010

Hier sind die beiden Tiere noch deutlich in einen „Korea-Hund“ (komainu, mit Horn und geschlossenem Maul) und einen „China-Löwen“ (karajishi, mit Mähne und offenem Maul) unterschieden.

Komainu des Ninna-ji, Kyōto, 17. Jh.

Ältere Exemplare, wie z.B. die Abbil­dungen oben, lassen sich noch deutlich in einen „Korea-Hund“ (komainu, mit Horn und geschlos­senem Maul) und einen „China-Löwen“ (karajishi karajishi 唐獅子 wtl. „China-Löwe“, auch „Löwenhund“; Wächterfigur vor religiösen Gebäuden; Synonym für komainu; auch karashishisiehe auch→ Mythen/Imaginaere Tiere — manchmal auch schlicht als shishi shishi 獅子 Löwe, auch „Löwenhund“; Wächterfigur vor religiösen Gebäudensiehe auch→ Mythen/Imaginaere Tiere bezeichnet — mit Mähne und offenem Maul) unter­scheiden.

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Löwen-Paar

Statuen, shishi (Sandstein) von Yi Xingmo (1160?–1260), Detail. Kamakura-Zeit, um 1200; „Nationalschatz“; Tōdaiji, Nara; Sitzhöhe: 1,6m
Bild © Rosenfield 2011, S. 122, New York
Chinesische Löwen des Tōdaiji, um 1200

Diese beiden Löwen stammen von chinesi­schen Stein­metzen, die Ende des 12. Jahrhunderts beim Wiederaufbau des Tōdaiji Tōdaiji 東大寺 Tempel des Großen Buddha von Nara; wtl. Großer Ost-Tempelsiehe auch Bekannte Tempel → Bauten/Tempel/Tempeltore→ Bauten/Bekannte Schreine→ Bauten/Bekannte Schreine/Kasuga→ Alltag/Totenriten/Sogiya→ Ikonographie/Dainichi → mehr eingesetzt wurden, und sind offen­sichtlich vom damaligen chinesi­schen Löwenstil geprägt. Sie wirken zugleich archaischer und macht­voller als die meisten japanischen komainu und gehorchen nicht dem A-Un Schema, riefen aber offenbar in Japan einen eigenen Typ von komainu hervor, der etwa auch im Yasukuni Schrein Yasukuni Jinja 靖国神社 Yasukuni Schrein, Tōkyōsiehe auch Yasukuni → Bauten/Schreine/Torii→ Bauten/Ise Izumo/Schreinanlage Ise→ Alltag/Yamabushi/Itako→ Geschichte/Staatsshinto → mehr in Tōkyō oder beim Kiyomizu Tempel Kiyomizu-dera 清水寺 Tempel in Kyōtosiehe auch Bekannte Tempel → Ikonographie/Kannon→ Ikonographie/Gluecksgoetter/Daikoku→ Karte in Kyōto zu finden ist.

Edo-zeitlicher Standard

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Komainu (A-Form)

Wandtafel, komainu (Farbe auf Holz, Vergoldung) von Kano Tsunenobu (1636–1713). Edo-Zeit, 18. Jh.; Zōjō-ji, Shiba (Tōkyō); ca. 2 x 2m
Bild © Museum Angewandter Kunst (MAK), Wien

Komainu mit geöffnetem Maul (A-Form; A-gyō). Das Bild stammt aus dem Tempel Zōjō-ji in Tōkyō, einem Familientempel der Tokugawa. Teile der Anlage wurden in der Meiji-Zeit geschliffen. Der Sammler Heinrich von Siebold erwarb Teile des Gebäudes und brachte sie Ende des 19. Jh.s nach Wien.

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Komainu (UN-Form)

Wandtafel, komainu (Farbe auf Holz, Vergoldung) von Kano Tsunenobu (1636–1713). Edo-Zeit, um 1710; ca. 2 x 2m
Bild © Museum Angewandter Kunst (MAK), Wien. (Letzter Zugriff: 2014/3)

Komainu mit geschlossenem Maul (UN-Form; UN-gyō). Das Bild stammt aus dem Tempel Zōjō-ji in Tōkyō, einem Familientempel der Tokugawa. Teile der Anlage wurden in der Meiji-Zeit geschliffen. Der Sammler Heinrich von Siebold erwarb Teile des Gebäudes und brachte sie Ende des 19. Jh.s nach Wien.

Komainu aus einem Familientempel der Tokugawa
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Lebendige Löwenhunde

Lebendige Löwenhunde (Hidari Jingoro)

Farbholzschnitt, komainu (Papier, Farbe) von Utagawa Kuniyoshi; aus der Serie Chūkō meiyō kijin den (Wundersame Ruhmestaten der Loyalität und Pietät), 1845–1846; 36,4 x 24,9 cm
Bild © The British Museum. (Letzter Zugriff: 2019/9/19)

Der legendenumwobene Bildhauer Hidari Jingorō (Bildmitte) ist unter anderem als Schöpfer der „schlafenden Katze“ im Tōshō-gū in Nikkō bekannt. Seine geschnitzten Fabelwesen sollen so lebensecht gewesen sein, dass sie sogar Verbrecher, die es auf die Tochter des Fürsten abgesehen hatten, attackieren konnten. Auf Kuniyoshis Bild ist einer der Löwenhunde (komainu) mit Horn, der andere ohne dargestellt, was wohl als klassischen Form angesehen werden kann.

Die obigen Beispiele zeigen zwei sehr schön erhaltene Löwen­hunde des Hofmalers Kanō Tsunenobu Kanō Tsunenobu 狩野 常信 1636–1713; Künstler der Kanō-Schule aus der mittleren Edo-Zeit (um 1710). Wie man sieht, gehören diese beiden Tiere der gleichen Spezies an, besitzen kein Horn und unter­scheiden sich lediglich durch ihre Gestik, die Farbe der Mähne und vor allem die Öffnung des Mauls. Auf einem Holz­schnitt von Utagawa Kuniyoshi Utagawa Kuniyoshi 歌川 国芳 1798–1861; Maler und Zeichner. Bekannter Verteter des ukiyo-e-Farbholzschnittssiehe auch Junishi → Mythen/Geister/Kaidan→ Mythen/Verwandlungskuenstler/Kitsune→ Geschichte/Zen/Bodhidharma→ Ikonographie/Heilige/16 Arhats (1797–1861) sind ganz ähnliche Exemplare zu erkennen. (Kuniyoshis stellt allerdings ein Exemplar noch mit Horn dar.) Sie wurden der Legende nach vom Meister­bild­hauer Hidari Jingorō Hidari Jingorō 左甚五郎 Meisterbildhauer der frühen Edo-Zeit, der Statuen zum Leben erwecken konnte (höchstwahrscheinlich fiktive Gestalt)siehe auch Nikko so lebensecht gestaltet, dass sie tatsächlich Räuber in die Flucht schlagen konnten (und sich in diesem Sinne eher wie Hunde als Löwen verhielten).

Humorvolle komainu

Die folgenden Beispiele entstammen zum Großteil einer umfang­reichen Sammlung von komainu-Bildern von Takuki Yoshimitsu. Takuki hebt vor allem die humorvollen Züge der japani­schen Löwen­hunde hervor.

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Komainu

Statue, komainu (Stein) von Komatsu Nobutaka. Meiji-Zeit, 1892; Tenmangū, Nishishirakawa-gun, Fukushima
Bild © komainu.net, 2004. (Letzter Zugriff: 2016/9/18)

Statue eines komainu.

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Komainu

Statue, komainu (Stein) von Komatsu Nobutaka. Meiji-Zeit, 1771; Kumano Jinja, Hachiōji, Tokyo
Bild © komainu.net, 2005. (Letzter Zugriff: 2016/9/19)

Besonders der komainu mit dem offenen Maul erinnert erstaunlich stark an den ehemaligen österreichischen Bundeskanzler Alfred Gusenbauer.

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Komainu-Paar

Statue, komainu (Stein). Datiert 1840; Totowaki Jinja, Fukushima-ken
Bild © komainu.net, 2003. (Letzter Zugriff: 2016/9/19)

Zwei sehr unterschiedliche komainu-Exemplare. Der A-gyō, mit aufgestellten Ohren, erinnert frappant an den ehemaligen Chef der österreichischen Grünen, Van der Bellen. Hier nicht zu sehen: Diese beiden komainu folgen einem in China üblichen Schema, bei dem das „Männchen“ (A-gyō) einen Ball und das Weibchen (UN-gyō) ein Junges unter den Pranken hält.

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Plattkopf

Statue, komainu (Stein). Datiert 1892; Hachiman-gū, Goshogawara-shi, Präfektur Aomori
Bild © komainu.net, 1997. (Letzter Zugriff: 2016/8)

Plattköpfige komainu. Stellvertretend für andere Politiker... (keine Photomontage).

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Melodramatische komainu mit Glupschaugen

Statue, komainu (Stein). Datiert 1567; Noda Jinja, Oyama-shi, Präfektur Tochigi
Bild © you1gran'pa, photozou 2008. (Letzter Zugriff: 2019/9/19)

Ein korpulentes, melodramatisches Paar komainu von beträchtlichem Alter. Am Podest findet sich angeblich die Datierung Tenshō 天正 4 (1567). Oder heißt es doch Taishō 大正 4 (1915)?

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Komainu mit Helmkopf

Statue, komainu (Stein); Ninomiya Jinja, Sado, Präfektur Niigata
Bild © komainu.net. (Letzter Zugriff: 2016/8)

Der Stil dieser komainu-Statuen scheint sich auf der Insel Sado einer gewissen Beliebtheit zu erfreuen (s. Jinja tanbō).

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Wölfe oder „Berghunde“ (yamainu)

Statue, komainu (Stein); Mitsumine Jinja, Präfektur Saitama
Bild © Bernhard Scheid, 2007

Wölfe oder „Berghunde“ als komainu

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Yasukuni Komainu

Statue, komainu (Bronze); Yasukuni Schrein, Tokyo
Bild © Ichinohe Shinya, flickr 2007. (Letzter Zugriff: 2019/9/19)

Die Löwenhunde an einem Seiteneingang des übel beleumdeten Yasukuni Schreins verraten möglicherweise mehr über diesen Ort der Kriegshelden-Verehrung als dem Schrein selbst bewusst ist: Sie scheinen sehr von sich eingenommen und blasen sich zu imposanten Figuren auf. Dennoch teilen sie mit den anderen komainu einen (unfreiwillig) komischen Aspekt, der dem heroischen Pathos, das in diesem Schrein gepflegt wird, einen lächerlichen Anstrich verleiht.

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Löwenwächter in China, Korea und Okinawa

Auch in den Nachbar­ländern Japans findet man Löwen als Wächter, oft ebenso humor­voll gestaltet wie die komainu. Während letztere aller­dings fast aus­schließ­lich vor religiösen Gebäuden zu finden sind, bewachen chinesische und koreani­sche Löwen eher weltliche Paläste.

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Koreanischer Löwenhund (haetae)

Statue (Stein). Korea; Gwangwhamun, Seoul
Bild © Andrew Haig, flickr 2011. (Letzter Zugriff: 2016/8)

In Korea bewachen Löwenwächter eher weltliche Paläste, ähneln aber ansonsten ihren japanischen Artgenossen durchaus.

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Koreanischer Löwenhund (haetae)

Statue (Stein)

Auch hier Löwenhunde, die eher drollig als gefährlich wirken.

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Koreanischer Löwenhund (haetae)

Statue (Stein)

Die Zähne koreanischer Haetae haben allerdings eine charakteristische Ausprägung, die man in Japan nicht findet.

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Koreanischer Löwenhund (haetae)

Gyeongbokgung Palast, Seoul
Bild © Vank, 2002

Statue eines koreanischen Löwenhundes.

Koreanische Löwenhunde
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Löwenwächter

Statue (Stein). China; Ayuwang (Ashoka) Tempel in Ningbo, Provinz Zhejiang
Bild © Historical Asian Architecture. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Dieses Beispiel stammt aus China und beweist, dass die Löwenwächter auch dort nicht ohne Komik sind.

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Löwenwächter

Statue (Stein); Wuhou Mausoleum, Chengdu, China
Bild © Stone Lions. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Chinesische Löwen treten zumeist als Paar von Männchen und Weibchen auf, wobei die Weibchen durch ein Junges (unter der Pfote), die Männchen durch einen Ball gekennzeichnet sind.
Dieser Symbolismus ist auch manchmal in rezenten japanischen Beispielen zu finden.

Chinesische Löwenhunde
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Löwenwächter (sīsā)

Statue (Stein); Okinawa

Die Inselgruppe Okinawa im Süden Japans, die ehemals ein unabhängiges Königreich war, besitzt eine eigene Löwen­wächtertradition. Die Löwen heißen hier sīsā und werden auch in privaten Häusern aufgestellt, z.B. auf dem Dach.

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Löwenhunde (siisaa)

Skulptur, shīsā (Keramik); Naminoue-gū, Naha, Okinawa
Bild © I. Hatada, 2009. (Letzter Zugriff: 2016/8)

Die Inselgruppe Okinawa im Süden Japans, die ehemals ein unabhängiges Königreich war, besitzt ebenfalls eine eigene Löwenwächtertradition. Die Löwenhunde, die hier als siisaa (jap. shīsā) bezeichnet werden, wirken lebendiger und kampflustiger als die komainu der Hauptinseln.

Shisa aus Okinawa
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Ikonographie