Kriegerische Geister

Religion-in-Japan > Mythen > Jenseits > Ashura
Wechseln zu: Navigation, Suche
Diese Seite zitieren:
Bernhard Scheid, „Kriegerische Geister.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 25.9.2015). URL: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Mythen/Jenseits/Ashura?oldid=59889
 ashura1.jpg

König Asura (Ashura-ō)

Statue, ashura (Trockenlack). Nara-Zeit, 734; „Nationalschatz“; im Besitz des Kōfuku-ji, Nara; Höhe: 153 cm
Bild © J-Blog. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Obwohl im Grunde ein kriegerischer Geist, wurde Ashura vor allem in der Frühzeit des japanischen Buddhismus auch als Beschützer des Buddhismus verehrt und tritt als solcher in einer Gruppe von acht oder achtundzwanzig anderen Beschützergeistern auf. Neben Ashura zählen dazu auch der Vogelmensch Garuda/ Karura aruda

oder die Gottheiten von Wind und Donner. }}
 ashura2.jpg

König Asura (ashura-ō)

Statue, ashura (Trockenlack), Detail. Nara-Zeit; „Nationalschatz“; Kōfuku-ji, Nara
Bild © Butsuzō maniacs. (Letzter Zugriff: 2016/8)

Darstellung des König Ashura

Ashura aus der Nara-Zeit (734) im Eigentum des Kōfuku-ji, Nara.

Die Welt der kriege­rischen Geister (skt. asura असुर asura (skt., m.) kämpfende Geister, eine von sechs Formen der Wiedergeburt; jap. ashura 阿修羅siehe auch→ Ikonographie/Myoo/Vajrapani→ Sandkiste2 , jap. ashura ashura 阿修羅 kämpfende Geister, eine von sechs Formen der Wiedergeburt; skt. asurasiehe auch→ Ikonographie/Myoo/Vajrapani→ Mythen/Jenseits→ Sandkiste2 ) stammt aus dem indischen Erbe des Buddhismus. Die indischen Asuras sind eigent­lich eine Dynastie himm­lischer Wesen, die von den Devas देव deva (skt., m.) „Gottheit“, oberste Klasse indischer Götter; jap. ten 天 oder tenbu 天部siehe auch →  Ikonographie → Grundbegriffe/Buddhismus→ Ikonographie/Myoo→ Ikonographie/Waechtergoetter→ Ikonographie/Gluecksgoetter→ Ikonographie/Gluecksgoetter/Benzaiten → mehr , den bekannteren Göttern Indiens, namentlich vom kriege­rischen Indra इन्द्र Indra (skt., m.) hohe indische Gottheit, vergleichbar mit Zeus/Jupiter; jap. Taishaku-ten 帝釋天siehe auch →  Vajrapani → Mythen/Symboltiere/Drei Affen→ Ikonographie/Gluecksgoetter/Bishamonten→ Sandkiste2 (Taishaku-ten Taishaku-ten 帝釈天 skt. Indra, eine der wichtigsten Gottheiten der indischen Mythologie. In Japan meist mit Brahma (jap. Bonten) in einem Atemzug genanntsiehe auch→ Mythen/Symboltiere/Drei Affen ), zurück­gedrängt wurden. Sie sind insofern mit den griechi­schen Titanen ver­gleich­bar. Tat­säch­lich dürften die jeweiligen Mythen ge­mein­same Ursprünge haben. Wie die Titanen stellten die Asuras eine Ge­fahr für die regierende Götter­dynastie dar und wurden daher in eine un­zu­gäng­liche Welt am Fuße des Weltenbergs Sumeru सुमेरु Sumeru (skt., m.) Weltenberg des indisch-buddhistischen Universums; auch: Meru; jap. Shumi-sen 須弥山siehe auch →  Astrologie → Texte/Jinno shotoki verbannt.

Als fixer Bestandteil des indischen Pantheons wurden die Asuras auch in den Buddhismus mit auf­ge­nommen. Die konventionelle bud­dhis­tische Erklärung besagt, es handle sich um Ge­stalten, die von starken ag­gres­siven Impulsen be­herrscht sind. Im ost­asiatischen Kontext gelten sie als Krieger­geister, die hier­archisch unter den Menschen stehen, obwohl es sich um göttliche Wesen handelt. Sie kommen aller­dings kaum je in Er­zählungen vor und sind auch sonst von keiner besonderen Relevanz im ja­pa­nischen Buddhismus. Nur auf späteren bildlichen Darstellungen werden die ashura in der Gestalt japanischer Samurai dargestellt.

Besonders in der Frühzeit des japanischen Buddhismus wurde Ashura-ō (König Asura) aber auch als Beschützer des Dharma धर्म Dharma (skt., m.) Gesetz (des Universums), Lehre (des Buddha); jap. Hō 法siehe auch →  Buddhismus Lehre → Ikonographie→ Ikonographie/Mudra→ Ikonographie/Dainichi→ Ikonographie/Shaka→ Ikonographie/Myoo → mehr angesehen und als dreiköpfige, sechs­armige Figur dargestellt. Das beein­druckendste Beispiel stammt aus der Nara Nara 奈良 Hauptstadt und Sitz des Tennō, 710–784 (= Nara-Zeit); ehemals: Heijō-kyōsiehe auch Nara → Bauten/Bekannte Tempel→ Bauten/Tempel→ Bauten/Tempel/Tempeltore→ Bauten/Ise Izumo→ Bauten/Bekannte Schreine/Itsukushima → mehr -Zeit (Abb. oben). Bis auf die über­langen Arme ähnelt diese androgyne Figur einem Bodhisattva बोधिसत्त्व Bodhisattva (skt., m.) „Erleuchtetes Wesen“; jap. bosatsu 菩薩siehe auch →  Buddhismus Lehre → Bauten/Tempel→ Ikonographie→ Bauten/Tempel/Pagoden→ Ikonographie/Kannon→ Bauten/Bekannte Schreine → mehr und evoziert keiner­lei kriegerische Assozia­tionen.

ashura
Die Welt der Ashura
Kumano kanshin jukkai mandara (Detail)
Rollbild, Edo-Zeit, 17. Jh. (s. Höllen)
Mythen/Jenseits (zurück zum Hauptartikel)
Ikonographie