Zeitalter der Götter, Teil 2 Die Götter der Erde

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Zeitalter der Götter, Teil 2 Die Götter der Erde

Die Begriffe Götter des Himmels und Götter der Erde (ama-tsu-kamiama-tsu-kami 天津神 Götter des Himmels OkuninushiEbisu, bzw. kuni-tsu-kamikuni-tsu-kami 国津神 Götter der Erde Okuninushi) spielten zur Zeit der schrift­lichen Fixierung der Mythen (um 700) offenbar eine wichtige Rolle. Im All­gemei­nen vers­tehen die frühen Chroni­ken darunter einer­seits die gött­lichen Vor­fahren des TennōTennō 天皇 jap. „Kaiser“-Titel, wtl. Herrscher des Himmels OpfergabenEn no GyojaOkuninushiYasukuniGeschichte... mehr und seiner un­mittel­baren Vasal­len, die im Himmel (Takama no haraTakama no Hara/ Takamagahara 高天原 wtl. „Die himmlischen Gefilde“, mythol. Bez. für das Reich der Himmlischen Götter EbisuGoetter des Himmels) residieren, ande­rer­seits die gött­lichen Vor­fahren der meisten ande­ren terri­toria­len Klans der Frühzeit. Die Mythen von den Göttern der Erde schildern (und begrün­den), wie die Hierar­chie zwischen diesen Gruppen zu­stande kommt, und be­handeln damit letzlich nichts anderes als das Zu­stande­kommen des frühen japa­ni­schen Staates und der ihn regierenden Eliten.1

Susanoo und Ōkuninushi

Nachdem AmaterasuAmaterasu 天照 Sonnengottheit; Ahnherrin des Tennō-Geschlechts KamidanaItsukushimaIse IzumoIzumo SchreinSchreinanlage Ise... mehr dank des Zu­sam­men­wir­kens der gesam­ten Götter­schar wieder aus ihrer Höhle heraus­ge­lockt wor­den ist, wird SusanooSusanoo 須佐之男 mytholog. Gottheit; Trickster-Gott, Sturmgott, Mondgott MatsuriItsukushimaShimenawaOkuninushiOpfer... mehr einer Reihe von Strafen und Foltern unter­wor­fen und schließ­lich end­gül­tig in die Unter­welt ver­bannt. Als er­zie­heri­sche Maß­nahme hat die Ver­ban­nung offen­sicht­lich Erfolg. Auf dem Weg in die Unter­welt kommt Susanoo auch auf die Erde (genauer: in das Land IzumoIzumo 出雲 alter Namen der Präfektur Shimane in West-Japan; auch kurz für Izumo Taisha Izumo SchreinSchreinanlage IseOkuninushiImaginaere Tiere... mehr) und nimmt dort, ganz der Trickster-Definition von Mircea Eliade fol­gend, die Rolle eines Kultur­heroen an. So rettet er etwa ein Mädchen vor der acht­köp­figen Schlan­ge Yamata no OrochiYamata no Orochi 八岐大蛇 Mythologische Schlange (Drache) mit acht Köpfen; wtl. „achtfach gegabelte Schlange“; wird von Susanoo besiegt RegenmachenTricksterUzumeImaginaere Tiere... mehr, welche die Men­schen terro­risiert. Diese Heldentat ist bis heute die bekannteste Einzelepisode des Susanoo-Zyklus geblieben. Der Mythos erwähnt aber auch, dass aus seinen Haaren nütz­liche Bäume ent­stehen, und bringt ihn außer­dem mit der Er­fin­dung des SakeSake Reiswein FamilieOpfergabenOkuninushiEbisu... mehr in Ver­bindung. Schließ­lich verfasst Susanoo anlässlich seiner Heirat ein Gedicht in der klassischen 31-Silben Form.2 Da dies das erste in den Mythen erwähnte Gedicht ist, wird Susanoo — ganz gegen seine ansonsten unge­stüme Natur — auch häufig als Begründer der japa­nischen Dicht­kunst darge­stellt.

Mit dem geretteten Mädchen, der Prinzessin Kushinada-himeKushinada-hime 奇稲田姫 Ehefrau Susanoos, Mutter bzw. Ahnin Ōkuninushis , zeugt Susanoo eine neue Herr­scher­dynas­tie auf Erden. Die Ge­schich­ten dieser Nach­kom­men sind vor allem im KojikiKojiki 古事記 „Aufzeichnung alter Begebenheiten“; älteste jap. Chronik (712) ItsukushimaIse IzumoIzumo SchreinToriiOkuninushi... mehr zu finden. Vieles deutet darauf­hin, dass sie einem eige­nen Mythen­kreis ent­stam­men und in den Erzäh­lungen rund um die Sonnen­gott­heit ur­sprüng­lich gar nicht vor­kamen. Denn in gewis­ser Weise wird die Welt durch diese Nach­kommen des Susanoo ein wei­teres Mal neu ge­schaf­fen. Die Haupt­götter dieser Episode werden vor allem im Großschrein von IzumoIzumo Taisha 出雲大社 Großschrein von Izumo (Präfektur Shimane) verehrt und sind auch in den Mythen eng mit dieser Region nord­westlich von Kyōto verbunden. Man kann daher an­nehmen, dass die Izumo-Kultur ur­sprüng­lich über einen eigenen Sagen­kreis verfügte, der in Kojiki und Nihon shokiNihon shoki 日本書紀 Zweitältestes Schriftwerk und erste offizielle Reichschronik Japans (720) ItsukushimaIse IzumoIzumo SchreinToriiBishamon-ten... mehr nur not­dürftig mit dem Amaterasu-Sagen­kreis ver­bunden wurde. Susanoo stellt sozu­sagen das Binde­glied zwischen diesen Erzäh­lungen dar.

Der Hauptheld des Izumo Sagen­kreises heißt aller­dings nicht Susanoo, sondern ŌkuninushiŌkuninushi 大国主 mythol. Gottheit; wtl. Großer Meister des Landes Bekannte TempelIse IzumoIzumo SchreinOkuninushiGluecksgoetter... mehr — der „Große Landesherr“. Er ist der Sohn des Susanoo (nach einer anderen Version ein Ab­kömm­ling in der fünften oder sechsten Generation) und muss — selbst eine Art Trickster-Gott­heit — erst eine Reihe von Qualen und De­müti­gungen durch­stehen, bevor er schließ­lich Herr des Landes wird und zu­sam­men mit einer weiteren Schöpfer­gott­heit, dem winzigen SukunabikonaSukunabikona 少名毘古那 winzige Gottheit, Gefährte oder alter ego von Ōkuninushi, auch: Sukunahikona OkuninushiGluecksgoetterEbisu, die Erde in ihren nun­meh­rigen Zustand bringt. Wie auf der Sidepage zu Ōkuni­nushi genauer be­schrieben, steht Ōkuni­nushi stell­ver­tre­tend für eine ganze Reihe von Terri­torial­gott­heiten, die noch in den späteren Er­zählungen einzelner Tennō immer wieder auf­tauchen und die Ge­schicke des Landes maß­geblich mit­gestalten.

Die Entmachtung des Ōkuninushi

Die Verbindung zwischen den Mythen der „Himmlischen Götter“ und den Erzählungen von Ōkuni­nushis Gestal­tung der Welt stellt die Episode von Ōkuninushis Ent­machtung dar. Es ist die Geschichte einer Kolo­nisa­tion, die den Chroniken zufolge lediglich mit sanfter Gewalt durch­geführt wird: Zunächst entsenden die Himmli­schen Götter Boten aus ihren eigenen Reihen, die Ōkuninushi über­zeugen sollen, dass es das Beste für ihn sei, den Nach­kommen der Sonnen­gottheit kampf­los die Herr­schaft zu über­lassen. Ōkuni­nushi gelingt es zwar, die ersten Boten von ihrer Mission abzu­bringen, indem er sie mit Luxus über­häuft und zum Bleiben überredet, doch schließ­lich sendet der Himmel seine bewähr­testen Haudegen, TakemikazuchiTakemikazuchi 建御雷 Mythologischer Schwertgott (wtl. Gewittergott); Ahnengottheit der Fujiwara; u.a. in den Schreinen Kashima und Kasuga verehrt KasugaOkuninushiWind und DonnerNamazu-e und FutsunushiFutsunushi 経津主 Mythologischer Schwertgott KasugaOkuninushi. (Die beiden sind aus Feuer und Schwert her­vor­ge­gan­gen und zwar in genau jener Epi­sode, als Götter­vater IzanagiIzanagi 伊耶那岐/伊奘諾 Göttervater; auch Izanaki (ki hier männliche Endung) Hadaka matsuriOkuninushiGluecksgoetterEbisuMythen... mehr das Feuer­kind in Stücke schlug, das den Tod der Götter­mutter IzanamiIzanami 伊耶那美/伊奘冉 Göttermutter, Göttin der Unterwelt (mi hier weibliche Endung) OkuninushiGluecksgoetterEbisuWind und DonnerMythen... mehr ver­ur­sacht hatte.) Als diese beiden „Feuer-Schwert-Götter“ dem Ōkuni­nushi ihre Schwert­künste demon­strieren, ist er schließ­lich bereit ab­zu­dan­ken und zieht sich an einen myste­riösen Ort (die Unterwelt?) zurück. Statt ihm soll nun NinigiNinigi 瓊瓊杵 mytholog. Gottheit, Enkel Amaterasus ItsukushimaSchreinanlage IseOkuninushiShinto-Goetter... mehr, der Enkel der Sonnen­gott­heit, die Welt (bzw. Japan) regieren.

In dieser Episode zeichnet sich ein politischer Gegensatz zwischen einem Herrscher­ge­schlecht in der Gegend des Izumo Schreins (wo Susanoo und Ōkuninushi verehrt werden) und dem Tennō-Geschlecht ab. Die Erzählung trägt deutlich pro­pagan­distische Züge, indem sie den Anschluss Izumos an das „Reich der Himmlischen Götter“ als frei­wil­ligen Herr­schafts­verzicht einer Lokal­dynastie darstellt und all­fällige Gewalt­anwen­dungen fast voll­kommen übergeht. Nur am Rande ist davon die Rede, dass einige auf­müp­fige Götter im Gefolge des Ōkuni­nushi bestraft werden mussten. Ein mehr­fach wieder­holter Stehsatz lautet, dass Bäume und Gräser, die zur Zeit Ōkuni­nushis vor­laut durch­ein­ander­quasselten, nun endlich zum Schweigen gebracht wurden. Trotz­dem deutet sich an, dass die Ent­mach­tung Ōkuni­nushis nicht ganz ohne Wider­stand erfolgte. Wie der weitere Verlauf der Erzählung ausführt, ist die Etablie­rung der Sonnen­dynastie auch mit Ninigi noch lange nicht abge­schlos­sen. (Siehe dazu auch den Essay zu Ōkuninushi.)

Die Dynastie des „Himmlischen Enkelsohns“

Ninigi, der Himmlische Enkel­sohn, wählt als Ort seines Abstiegs interes­santer­weise weder Izumo, noch die zentral­japanische YamatoYamato 大和/倭 Kernland der Tennō-Dynastie in Zentraljapan (Präfektur Nara); archaischer Name für Japan OkuninushiKami KulteHimikoEbisu... mehr Region, sondern das von zahl­reichen Vulkanen zerklüftete Hochland TakachihoTakachiho 高千穂 Hochland im heutigen Kyūshū, wo der Himmelsenkel Ninigi herabgestiegen sein soll im Zentrum der Insel Kyūshū. Auf diese Weise bezieht die mythische Erzählung von der Staats­gründung Japans eine weitere Groß­landschaft mit ein, nämlich Kyūshū, das seit alters her eine Brücke zwischen der Hauptinsel Honshū und der koreanischen Halbinsel bildet.

Sarutahiko // Zeichnung, kami (Tusche, Farbe). Meiji-Zeit // // Finster blickt Sarutahiko der barbusigen Ame no Uzume entgegen.
. 2 Sarutahiko

Der ideologische Charakter der Ninigi-Episode äußert sich meines Er­achtens u.a. darin, dass seine Figur merk­würdig flach und farb­los bleibt. Er scheint zu­nächst nicht viel­mehr als eine Mario­net­te sei­ner Groß­mu­tter väter­licher­seits, Ama­terasu, zu sein, die ihm den Auftrag gibt, in ihrem Na­men die Erde zu be­herr­schen. Doch auch in die­sem Punkt exis­tie­ren abwei­chen­de Vari­an­ten, in denen der Herr­schafts­auftrag von Ninigis Groß­vater müt­ter­licher­seits, TakamimusubiTakamimusubi 高御産巣日神 einer der „drei Kami der Schöpfung“, Himmelsgottheit , aus­geht.

Die ein­zigen Gestal­ten, die bei Ninigis Abstieg augen­fällig in Er­schei­nung treten, sind ein lang­nasi­ger Berg­gott namens SarutahikoSarutahiko 猿田彦 Mythologische Gottheit in tengu-ähnlicher Gestalt Schreinanlage IseUzumeSymboltiereTengu... mehr, eine Art tengutengu 天狗 wtl. Himmelshund; vogelartiger oder geflügelter Kobold, meist in den Bergen PhalluskulteYamabushiBishamon-tenShinto Mittelalter... mehr, der den himm­lischen Göt­tern mit zwei­fel­haf­ten Droh­ge­bär­den ent­gegen tritt, und die be­reits er­wähnte tem­pera­ment­volle Ame no UzumeAme no Uzume 天鈿女/天宇受賣 mythologische Gottheit, Ahnherrin des Theaters SchreinpriesterSchreinanlage IseGluecksgoetterGoetter des Himmels... mehr. Diese Ahn­herrin des ja­pani­schen Thea­ters ent­blößt ein wei­teres Mal ihre Brüste und drängt damit den un­heim­lichen Saruta­hiko in die Defen­sive, sodass er sich bereit er­klärt, Ninigi sicher zur Erde zu ge­leiten. Ame no Uzume und Saruta­hiko werden schließ­lich ein Paar.

Ninigis Gestalt nimmt erst Konturen an, als er auf der Erde nach einer Braut Ausschau hält. Er findet sie schließ­lich in der Gestalt der Prin­zessin Baum­blüte (Konohana Sakuya-himeKonohana Sakuya-hime 許乃波奈佐久夜比賣 Prinzessin der aufblühenden Baumblüten; Ehefrau des Ninigi; später auch als Gottheit des Berges Fuji angesehen. ), der Tochter eines lokalen Berg­gottes. Da er ihre ältere Schwester, Prinzessin Felsen­lang, verschmäht, wird ihm prophe­zeiht, dass seine Nach­kommen (die Menschen) nur das kurze leben einer Baum­blüte und nicht das lange Leben eines Fel­sens haben werden. Prin­zessin Baum­blüte wiede­rum bringt drei Söhne zur Welt, die myste­riöser­weise nach ein­tägiger Schwan­ger­schaft zur Welt kommen. Die Geschich­te dieser Nach­kom­men eröffnet ein weiteres mytho­logi­sches Kapitel, das geo­graphisch in Kyūshū an­ge­siedelt ist und mit den vor­her­ge­gangen Erzäh­lungen kaum etwas gemein hat.

Bergglück und Meerglück

Hiko Hohodemi auf dem Rückweg an Land // Querbildrolle, emakimono (Papier, bemalt), Detail. Muromachi- oder Edo-Zeit; aus Kamiyo monogatari (Geschichten aus der Götterzeit) // Bild © Ekkyō suru e-monogatari. (Ausstellungskatalog, Univ. Nagoya.) Nishio-shi: Iwase Bunko, 2016, S. 2. (letzter Zugriff: 2017/3/23) // Hiko Hohodemi auf einem Krokodil-artigen Meeresungeheuer (wani), in Begleitung des Meeresgottes Watatsumi und seiner Töchter. Watatsumi hält den wieder gefundenen Angelhaken in der Hand, während seine Töchter die magischen Flutsenke- und Fluthebe-Juwelen mit sich tragen.
. 3 Hiko Hohodemi (16.–17. Jh.)

Die Geschichte der nächsten Generation nach Ninigi beginnt mit einer Art Kain-und-Abel Geschichte von der Kon­kurrenz zweier Brüder (der dritte Sohn Ninigis fällt unter den Tisch). Der positive Held dieser Episode ist Hiko HohodemiHiko Hohodemi 彦火火出見 auch Hoori; mythologischer Vorfahre der Tennō Dynastie und Held des Mythos von Bergglück und Meerglück Imaginaere Tiere, eigent­lich ein Jäger, der dazu bestimmt ist in den Bergen zu jagen und einen Bogen (das „Bergglück“, yama no sachi) als per­sön­lichen Schatz besitzt. Sein älte­rer Bruder besitzt statt­dessen einen Angel­haken („Meerglück“, umi no sachi). Er ist also Fischer und sein Terri­torium ist das Meer. Einmal be­schließen die beiden ihre Schätze zu tauschen, doch der Angel­haken geht Hiko Hohodemi beim Fischen verloren. Sein älterer Bruder möchte ihn aber auf jeden Fall zurück­haben und stürzt den jün­geren in Ver­zweif­lung. Mit Hilfe eines alten Mannes gelangt Hohodemi aber schließ­lich zum Palast des Mee­res­königs WatatsumiWatatsumi 綿津見/海神 Gott oder König des Meeres, oft in Drachengestalt imaginiert , der am Grunde des Meeres resi­diert. Der Meeres­könig erweist sich als sehr freund­lich und hilft, den Angel­haken zu finden. Im Zuge dessen vermählt sich Hohodemi mit seiner Tochter Toyotama-himeToyotama-hime 豊玉姫 „Prinzessin Juwelenreich“; Tochter des Meereskönigs und Frau des Hiko Hohodemi . Als es Zeit wird, zu seinem Bruder zurück­zu­kehren, erhält Hohodemi von seinem Schwieger­vater noch das Fluthebe- und das Flutsenke-Juwel, als Rück­ver­siche­rung für mögliche Konflikte. Tatsäch­lich gibt sich der Bruder nicht mit der Rück­gabe des Angel­hakens zufrie­den und möchte allein über die Erde herrschen, doch mithilfe der Juwelen kann Hiko Hohodemi ihn besiegen und wird damit seiner­seits zum alleini­gen Herr­scher. Sein Palast befindet sich nach wie vor in Takachiho auf Kyūshū, wo sein Großvater Ninigi vom Himmel herab­ge­stiegen war.

Die wahre Gestalt der Toyotama-hime (Toyotama-hime no hontai) // Buchillustration von Katsushika Hokusai (1760–1849). Edo-Zeit; aus Ehon sakigake (Bilderbuch der Vorreiter), 1836 // Bild © The British Museum (letzter Zugriff: 2016/9/19) // Toyotama-hime, die Tochter des Drachenkönigs, gebiert in ihrer wahren Gestalt einen Sohn. Der Vater, Hikohohodemi wirft einen verbotenen Blick in die Gebärhütte. Dies wird die Drachenfrau veranlassen, ins Meer zurückzukehren. Der lebhafte Knabe, der den Bauch der Drachenmutter wie eine schwere Decke von sich stemmt, hat den komplizierten Namen Hiko-nagisa-takeugaya-fukiaezu. Er wird später seine Tante, ebenfalls eine Drachenfrau heiraten und mit ihr den ersten Tennō, Jinmu, zeugen.
. 4 Toyotama-himes Verwandlung

Es kommt aller­dings zu einem Zerwürfnis zwischen Hohodemi und seiner Frau, der Meeres­prin­zes­sin, und zwar aus fol­gendem Grund: Sie ist schwanger und er­richtet vor der Geburt ihres gemein­samen Kindes not­dürftig eine Gebär­hütte aus Kormoran­federn. Sie befiehlt ihrem Mann, keines­falls einen Blick in die Hütte zu werfen, doch Hohodemi übertritt das Verbot und erblickt seine Gefähr­tin in Gestalt eines Meeres­un­geheuers (waniwani Meeresungeheuer; Krokodil; Hai OkuninushiImaginaere Tiere), die sie wäh­rend der Geburt ange­nommen hat. Prinzessin Toyotama fühlt sich beschämt, begibt sich wieder zurück ins Meer und ver­sperrt zugleich die Grenze zwischen Wasser und Land.3 Ihre jüngere Schwester, Tamayori-himeTamayori-hime 玉依姫 Meeresgottheit; Tochter des Meereskönigs Watatsumi , kümmert sich jedoch um das zurück gelassene Kind und wird schließ­lich von seiner Amme zu seiner Frau. Der jüngste Sohn dieses Paares wird der erste offizielle „Kaiser“ Japans.

Jinmu Tennō

Jinmu Tennō // Farbholzschnitt (Papier, Farbe) von Tsukioka Yoshitoshi (1839–1892). Meiji-Zeit, Feb. 1880; aus der Serie Dainippon meishō kagami („Spiegel der Helden des Großreichs Japan“), Nr. 37 // Bild © Tokyo Archive, Tōkyō Shiritsu Toshokan (letzter Zugriff: 2017/3) // Die hier dargestellte Szene ist dem Nihon shoki entnommen. Dort heißt es, dass eine Schlacht gegen Ende von Jinmus Eroberungsfeldzug zugunsten dieses ersten Kaisers entschieden wurde, als sich ein goldener Raubvogel (kinshi 金鵄, eine Art Milan oder Weihe, jap. tobi) auf Jinmus Bogen niederließ und die Feinde derart blendete, dass sie unfähig waren, Widerstand zu leisten. Diese Episode wurde in der Meiji-Zeit zum Anlass genommen, den höchsten militärischen Orden nach diesem goldenen Milan zu benennen. 1873 wurde außerdem im Gedenken an Jinmu ein Reichsgründungstag (Kigensetsu) als neuer nationaler Feiertag (11. Februar) festgesetzt. Yoshitoshis Jinmu zeigt gewisse Ähnlichkeiten mit dem damaligen Kaiser Meiji. Zweifellos versuchte der Künstler im Einklang mit dem Geist seiner Zeit, eine Beziehung zwischen dieser heldenhaften Vorzeit und dem neuen Regime unter Meiji Tennō herzustellen.
. 5 Jinmu Tennō
Jinmu Tennōs Eroberungsfeldzug // Digitale Graphik. 2013 // Bildquelle: Andreas Pichler, Kamigraphie (letzter Zugriff: 2017/3/23) // Die einzelnen Stationen des mehrjährigen Eroberungsfeldzugs von Jinmu Tennō von Takachiho in Kyūshū nach Kashihara, seiner Residenz in Yamato, auf der Grundlage von Kojiki und Nihon shoki. Das Interessante an dieser Schilderung sind weniger die Informationen aus grauer Vorzeit (inwieweit der Feldzug auf historischen Tatsachen beruht ist völlig offen), sondern die Tatsache, dass man sich Jinmu in erster Linie als Seefahrer vorstellte. Dies legt nahe, dass sich Herrscher in der japanischen Frühgeschichte wohl tatsächlich bevorzugt per Schiff von einer Provinz zur nächsten begaben, weil der Landweg noch nicht entsprechend ausgebaut war.
Jinmus Feldzug

Ein Urenkel Ninigis und zugleich Urenkel des Drachen/ Meeres­gottes ist Jinmu TennōJinmu Tennō 神武天皇 wtl. „göttlicher Krieger“; gemäß den japanischen Mythen der erste menschliche Herrscher (Tennō) Japans OkuninushiDainihonshiStaatsshintoKyoiku chokugo... mehr, der offiziell als erster mensch­licher Herr­scher des Sonnen­geschlechts und daher als der erste Tennō ge­handelt wird. Worin er sich kon­kret von den Göt­tern unter­scheidet, geht allerdings aus den mythischen Erzäh­lungen nicht hervor. Jinmu Tennō steht aber auch inso­fern an der Schwelle von Mythos und Ge­schichte, als er als sieg­reicher An­führer eines histo­risch bis zu einem gewis­sen Grad nach­voll­zieh­baren Feld­zugs ge­schildert wird. Von Kyūshū aus erobert er die zentral­japa­nischen Provinzen der Kansai Region, die mit den spä­teren Haupt­städ­ten NaraNara 奈良 Hauptstadt und Sitz des Tennō, 710–784 (= Nara-Zeit); ehemals: Heijō-kyō EmaYamabushiBautenHachimanItsukushima... mehr und Kyōto zum Aus­gangs­punkt eines zentra­lisier­ten landes­weiten Staats­gebildes werden. Es ist dieser Feld­zug, von dem die Tennō-Dynastie ihren Macht­an­spruch über ganz Japan ableitet.

Der Feldzug selbst ist allerdings mit einer Reihe von magisch-spiri­tuellen Begeg­nun­gen gespickt. Jinmu begegnet u.a. einem Bär, der ihn ver­zaubert, und der drei­beinigen Sonnen­krähe YatagarasuYatagarasu 八咫烏 wtl. Achthand-Krähe; wird jedoch als dreibeinig dargestellt und entspricht einem chinesischen Sonnensymbol; mythologische Gottheit, die v.a. in Kumano verehrt wird , die ihm den richtigen Weg weist. Seine himm­lischen Groß­eltern mischen in seinen Schlachten mit, während irdi­sche Gott­heiten sich ihm wider­setzen. Schließ­lich erobert Jinmu das Yamato-Becken (die heutige Präfektur Nara), errichtet dort den Palast von Kashihara und ehelicht eine Tochter des Gottes ŌmononushiŌmononushi 大物主 Gottheit des Schreins von [Ō]Miwa Bekannte SchreineSchreinanlage IseOkuninushi, der im nahe gelegenen Ōmiwa JinjaŌmiwa Jinja 大神神社 Ōmiwa Schrein, auch Miwa Schrein, nahe Nara; einer der ältesten Schreine Japans Shinto-Goetter verehrt wird. Ōmononushi wird im Kojiki mit ŌkuninushiŌkuninushi 大国主 mythol. Gottheit; wtl. Großer Meister des Landes Bekannte TempelIse IzumoIzumo SchreinOkuninushiGluecksgoetter... mehr identi­fiziert (s. Sidepage), also jener Gottheit aus Izumo, die eigentlich schon Genera­tionen zuvor zu­gunsten des Ninigi auf ihren Macht­anspruch verzichtete.

Zeitalter der menschlichen Herrscher

Mit Jinmu Tennō endet das Zeitalter der Götter. In den beiden ältesten Chroniken Kojiki und Nihonshoki folgt nun eine Chrono­logie der nach­folgen­den Tennō, die immer stärker die Züge einer histo­rio­graphi­schen Auf­zeich­nung an­nimmt. Dennoch ist heute offen­kun­dig, dass die Re­kon­struk­tion der Tennō-Genea­logie ein Werk des sieben­ten und achten Jahr­hun­derts ist und trotz einiger histo­risch ernst zu nehmen­der Details auch viele nach­trägliche Geschichts­mani­pula­tionen be­inhal­tet. Neben trocken-sach­lichen Auf­zäh­lungen von Namen und Daten ent­halten auch die Chroni­ken der spä­teren Tennō viele mytho­logi­sche Epi­soden.

Die viel­leicht inte­res­san­teste Erzählung der Tennō-Dynastie handelt vom Erobe­rungs­feldzug der Kaiserin Jingū KōgōJingū Kōgō 神功皇后 mytholog. Herrscherin; Witwe des 14. Tennō, Chūai, und Mutter des Ōjin Tennō TaubenDainihonshiPraehistorieHimikoShinto-Goetter... mehr nach Korea. Nachdem sie für die Dauer der Schlacht ihre Schwan­ger­schaft hinaus­gezögert hat, bringt die Kaiserin schließ­lich einen Sohn zur Welt, den späte­ren Ōjin TennōŌjin Tennō 応神天皇 auch Homuda Wake 誉田別; mytholog. Herrscher, offiziell der 15. Tennō; trad. Lebensdaten: 200–310, r. 270–310 HachimanTaubenHonji suijakuShinto-Goetter, der sich in einem ande­ren Sagen­kreis als der Gott HachimanHachiman 八幡 Shintō-Gottheit, Ahnengottheit des Tennō und des Kriegeradels; auch „Yawata“ ausgesprochen Bekannte SchreineHachimanKasugaDaibutsu StatuenTauben... mehr rein­karniert und neben Ama­terasu zum wichtig­sten Ahnen­gott des Tennō-Hauses avan­ciert.

Mythologische Motive in Märchen und Legenden

Urashima tr2.gif

Neben den hier geschilderten „offiziellen Mythen“ gibt es noch eine Vielzahl von Märchen und Legenden, die ebenfalls mythische Züge tragen und in zahl­rei­chen Varianten erzählt werden. Am bekann­testen ist vielleicht die Geschichte von Urashima TarōUrashima Tarō 浦島太郎 Held einer berühmten Sage; heiratet eine Meeresprinzessin, verbringt mit ihr drei Jahre im Meerespalast, kehrt nach Hause zurück und stellt fest, dass nicht drei, sondern dreihundert Jahre seit seinem Fortgang vergangen sind. EbisuSymboltiere, dem Fischer, der eine Schild­kröte rettet, die sich als Tochter des Meeres- oder Drachen­königs entpuppt. Die beiden verlieben sich und heiraten im Palast des Meeres, doch schließlich packt Urashima das Heimweh und er will zurück in sein Heimat­dorf. Dort an­ge­kommen stellt er fest, dass während seines Auf­ent­halts im Meeres­palast viele hundert Jahre vergangen sind. Als er in seiner Ver­zweiflung das Schatz­käst­chen öffnet, das ihm seine Frau mit­ge­geben hat, verliert er auch noch die Gabe der ewigen Jugend und stirbt.

Urashima Tarō // Farbholzschnitt (Papier, Farbe) von Utagawa Hiroshige (1797–1858). Edo-Zeit, um 1850; aus der Serie Honchō nenreki zue (Illustrierte Chronologie Japans); 22,2 x 34,7 cm // Bild © The British Museum (letzter Zugriff: 2017/6/22) // Geschichte des Urashima Tarō, illustriert von Utagawa Hiroshige. Der Künstler folgt hier der frühesten Fassung der Legende im Nihon shoki und interpretiert den Meerespalast, zu dem Urashima geführt wird, als Hōrai (auch tokoyo no kuni), die Insel der ewigen Jugend. Der eigentliche Bildtitel lautet daher: „Die Schildkröte geleitet den Jüngling nach Hōrai“ (kame rō wo tomonaite Horai ni hairu). Dem Nihon shoki entsprechend wird die Begebenheit auf das Jahr 22 der Regierung des Yūryaku Tennō (478 u.Z.) datiert. Die entsprechende Legende von seinem Verschwinden für dreihundert Jahre, die er selbst nur als drei Jahre erlebte, ist im letzten Textabschnitt des Farbholzschnitts festgehalten.
. 6 Urashima und die Meeresprinzessin

Dem Drachen­könig am Grunde des Meeres begegnet man also bereits in den ältesten Mythen. Dieses Motiv ist in ganz Asien ver­breitet und auch in buddhis­tischen Legenden präsent. Aus diesen gemein­sa­men Motiven in Mythen und Legenden lässt sich ermessen, wie groß die Einflüsse des Fest­lands auf die japanische Kultur schon vor der Über­nahme der chinesi­schen Schrift­kultur gewesen sein müssen (s.a. Drachenbilder).

Verweise

Fußnoten

  1. Die Unterscheidung in Götter des Himmels und Götter der Erde ist wahrscheinlich chinesischen Ursprungs (vgl. den Begriff jingijingi 神祇 wtl. Götter/Geister des Himmels und der Erde, chin. shenqi; in Japan zumeist Synonym von kami Jindo und Shinto), bekam aber in den japanischen Mythen eine spezielle Bedeutung. Obwohl die Begriffe ama-tsu-kami und kuni-tsu-kami nicht immer konsequent in diesem Sinne gebraucht werden, scheint ihr eigentlicher Sinn — wie bereits Wilhelm Gundert festgestellt hat — in der Unterscheidung von „erobernden“ und „zu unterwerfenden“ Dynastien gelegen zu haben. (S. Gundert 1935, S. 12.)
  2. Als Einweihung des Palastes in Izumo, in dem sich Susanoo vorübergehend zusammen mit der geretteten Prinzessin niederlassen wird, stimmt er dem KojikiKojiki 古事記 „Aufzeichnung alter Begebenheiten“; älteste jap. Chronik (712) zufolge folgendes Lied an:
    Yakumo tatsu/ Izumo yaegaki/ tsuma-gomi ni//
    yaegaki tsukuru/ sono yaegaki o
    Achtfach umwölkt/ Izumos achtfacher Zaun/ Zur Wohnstatt der Gattin//
    Mach ich den achtfachen Zaun./ Ja, diesen achtfachen Zaun! (S.a. Florenz 1919, S. 45.)
  3. Diese Episode besitzt auffällige strukturelle Parallelen zur Trennung zwischen IzanamiIzanami 伊耶那美/伊奘冉 Göttermutter, Göttin der Unterwelt (mi hier weibliche Endung) RegenmachenTrickster und IzanagiIzanagi 伊耶那岐/伊奘諾 Göttervater; auch Izanaki (ki hier männliche Endung) Shinto-GoetterTrickster.

Bilderläuterungen

  1. Susanoo kyosai.jpg
    Susanoo und die Schlange Yamata no Orochi // Hängerollbild, kami (Seide, Tusche, Farbe) von Kawanabe Kyōsai (1831–1889). Meiji-Zeit, 1887; 100,4 x 29,7 cm // Bild © The British Museum (letzter Zugriff: 2016/8) // Susanoo und Yamata no Orochi. Man muss erst ein wenig suchen, bis man den Kopf der Schlange in der unteren Bildhälfte entdeckt.
  2. Sarutahiko.jpg
    Sarutahiko // Zeichnung, kami (Tusche, Farbe). Meiji-Zeit // // Finster blickt Sarutahiko der barbusigen Ame no Uzume entgegen.
  3. Hikohohodemi.jpg
    Hiko Hohodemi auf dem Rückweg an Land // Querbildrolle, emakimono (Papier, bemalt), Detail. Muromachi- oder Edo-Zeit; aus Kamiyo monogatari (Geschichten aus der Götterzeit) // Bild © Ekkyō suru e-monogatari. (Ausstellungskatalog, Univ. Nagoya.) Nishio-shi: Iwase Bunko, 2016, S. 2. (letzter Zugriff: 2017/3/23) // Hiko Hohodemi auf einem Krokodil-artigen Meeresungeheuer (wani), in Begleitung des Meeresgottes Watatsumi und seiner Töchter. Watatsumi hält den wieder gefundenen Angelhaken in der Hand, während seine Töchter die magischen Flutsenke- und Fluthebe-Juwelen mit sich tragen.
  4. Toyotamahime hokusai.jpg
    Die wahre Gestalt der Toyotama-hime (Toyotama-hime no hontai) // Buchillustration von Katsushika Hokusai (1760–1849). Edo-Zeit; aus Ehon sakigake (Bilderbuch der Vorreiter), 1836 // Bild © The British Museum (letzter Zugriff: 2016/9/19) // Toyotama-hime, die Tochter des Drachenkönigs, gebiert in ihrer wahren Gestalt einen Sohn. Der Vater, Hikohohodemi wirft einen verbotenen Blick in die Gebärhütte. Dies wird die Drachenfrau veranlassen, ins Meer zurückzukehren. Der lebhafte Knabe, der den Bauch der Drachenmutter wie eine schwere Decke von sich stemmt, hat den komplizierten Namen Hiko-nagisa-takeugaya-fukiaezu. Er wird später seine Tante, ebenfalls eine Drachenfrau heiraten und mit ihr den ersten Tennō, Jinmu, zeugen.
  5. Jinmu yoshitoshi.jpg
    Jinmu Tennō // Farbholzschnitt (Papier, Farbe) von Tsukioka Yoshitoshi (1839–1892). Meiji-Zeit, Feb. 1880; aus der Serie Dainippon meishō kagami („Spiegel der Helden des Großreichs Japan“), Nr. 37 // Bild © Tokyo Archive, Tōkyō Shiritsu Toshokan (letzter Zugriff: 2017/3) // Die hier dargestellte Szene ist dem Nihon shoki entnommen. Dort heißt es, dass eine Schlacht gegen Ende von Jinmus Eroberungsfeldzug zugunsten dieses ersten Kaisers entschieden wurde, als sich ein goldener Raubvogel (kinshi 金鵄, eine Art Milan oder Weihe, jap. tobi) auf Jinmus Bogen niederließ und die Feinde derart blendete, dass sie unfähig waren, Widerstand zu leisten. Diese Episode wurde in der Meiji-Zeit zum Anlass genommen, den höchsten militärischen Orden nach diesem goldenen Milan zu benennen. 1873 wurde außerdem im Gedenken an Jinmu ein Reichsgründungstag (Kigensetsu) als neuer nationaler Feiertag (11. Februar) festgesetzt.

    Yoshitoshis Jinmu zeigt gewisse Ähnlichkeiten mit dem damaligen Kaiser Meiji. Zweifellos versuchte der Künstler im Einklang mit dem Geist seiner Zeit, eine Beziehung zwischen dieser heldenhaften Vorzeit und dem neuen Regime unter Meiji Tennō herzustellen.

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    Urashima Tarō // Farbholzschnitt (Papier, Farbe) von Utagawa Hiroshige (1797–1858). Edo-Zeit, um 1850; aus der Serie Honchō nenreki zue (Illustrierte Chronologie Japans); 22,2 x 34,7 cm // Bild © The British Museum (letzter Zugriff: 2017/6/22) // Geschichte des Urashima Tarō, illustriert von Utagawa Hiroshige. Der Künstler folgt hier der frühesten Fassung der Legende im Nihon shoki und interpretiert den Meerespalast, zu dem Urashima geführt wird, als Hōrai (auch tokoyo no kuni), die Insel der ewigen Jugend. Der eigentliche Bildtitel lautet daher: „Die Schildkröte geleitet den Jüngling nach Hōrai“ (kame rō wo tomonaite Horai ni hairu). Dem Nihon shoki entsprechend wird die Begebenheit auf das Jahr 22 der Regierung des Yūryaku Tennō (478 u.Z.) datiert. Die entsprechende Legende von seinem Verschwinden für dreihundert Jahre, die er selbst nur als drei Jahre erlebte, ist im letzten Textabschnitt des Farbholzschnitts festgehalten.

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Letzte Überprüfung der Linkadressen: Sept. 2016

Literatur

Karl Florenz (Ü.) 1919
Die historischen Quellen der Shinto-Religion. Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht 1919. [Übersetzungen von Kojiki und Nihon shoki (in Auszügen) sowie Kogo shūi (ganz).]
Wilhelm Gundert 1935
Japanische Religionsgeschichte: Die Religionen der Japaner und Koreaner in geschichtlichem Abriß dargestellt. Stuttgart: D. Gundert Verlag 1935.
Mori Mizue 2003
„Ancient and Classical Japan: The dawn of Shinto.“ In: Inoue Nobutaka (Hg.), Shinto: A Short History. New York: RoutledgeCurzon 2003, S. 12–62.
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Ikonographie 
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„Zeitalter der Götter, Teil 2 Die Götter der Erde.“ In: Bernhard Scheid (Hg.), Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 7.4.2019). URL: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Mythen/Goetter_der_Erde?oldid=72851