Nikkō, das spirituelle Zentrum des Tokugawa Shōgunats

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Bernhard Scheid, „Nikkō, das spirituelle Zentrum des Tokugawa Shōgunats.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 17.7.2017). URL: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Bauten/Bekannte_Schreine/Nikko?oldid=68021
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Schreindächer

Schreindach (Holz, Bronze, Kupfer), Detail. Frühe Edo-Zeit, 17. Jh.; Tōshō-gū Schrein, Nikkō
Bild © Ron Reznick, 2004. (Letzter Zugriff: 2016/8)

Detail der Dachkonstruktionen des Tōshō-gū Schreins, Nikkō. Im Vordergrund das „chinesische Tor“. Das Dach dahinter gehört zur Haupthalle. In diesem Architekturstil aus der frühen Edo-Zeit gibt es zwischen buddhistischen Tempeln und shintōistischen Schreinen kaum einen erkennbaren Unterschied.

. 1 Dacharchitektur in Nikkō

Der Tempel-Schrein Komplex von Nikkō Nikkō 日光 Tempel-Schreinanlage im Norden der Kantō-Ebene, Präf. Tochigi; beherbergt u.a. den Tōshō-gū Schreinsiehe auch→ Grundbegriffe/Shinto→ Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya→ Bauten/Ise Izumo/Schreinanlage Ise→ Bauten/Bekannte Schreine→ Ikonographie/Shinto-Goetter → mehr im Norden der Kantō-Region wurde schon in der Heian Heian 平安 alter Name Kyōtos, eig. Heian-kyō 平安京, „Stadt des Friedens“; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit)siehe auch Heian Zeit → Bauten/Bekannte Tempel→ Grundbegriffe/Shinto→ Ikonographie→ Bauten/Tempel/Pagoden→ Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya → mehr -Zeit (8.–12. Jh.) als heiliger Ort verehrt. Zu landes­weiter Bedeutung stieg der Ort aller­dings erst auf, als das Mausoleum des ersten Tokugawa Shōguns Shōgun 将軍 Shōgun; Titel der Militärherrscher aus dem Kriegeradelsiehe auch Kamakura → Ikonographie/Dainichi/Daibutsu→ Mythen/Goetter der Erde/Okuninushi→ Geschichte/Honji suijaku→ Geschichte/Zen → mehr , Tokugawa Ieyasu Tokugawa Ieyasu 徳川家康 1543–1616; 1. Tokugawa Shōgun; Reichseinigersiehe auch Reichseinigung → Bauten/Bekannte Tempel→ Grundbegriffe/Shinto→ Bauten/Bekannte Tempel/Asakusa→ Bauten/Bekannte Schreine → mehr , hierher verlegt wurde. Nikkō wurde damit das spirituelle Zentrum der Tokugawa-Dynastie, die Japan über zwei­ein­halb Jahr­hunderte (von 1600–1867) regierte, und ist zugleich das re­prä­sen­ta­tivste archi­tek­to­nische Beispiel für den shōgunalen Herr­scher­kult der Edo Edo 江戸 Sitz der Tokugawa Shōgune, 1600–1867 (= Edo-Zeit); heute: Tōkyōsiehe auch Geschichtsperioden → Grundbegriffe/Buddhismus→ Bauten/Bekannte Tempel→ Grundbegriffe/Shinto→ Grundbegriffe/Stereotype/Herrigels Zen→ Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya → mehr -Zeit. Die Anlage wurde 1999 als UNESCO Kultur­erbe aus­ge­zeich­net.

Religiöse Anlage

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Illustration der Berge von Nikkō (Nikkō oyama no ezu)

Farbholzschnitt (Farbe) von Ueyama Yahei (Verleger). 1800; 41 x 29 cm
Bild © Japanese Historical Maps. (Letzter Zugriff: 2013/7)

Das weitläufige Heiligtum von Nikkō auf einem Plan aus dem Jahr 1800, der die wichtigsten, auch heute noch bestehenden Teile der Anlage wiedergibt. Im rechten unteren Teil die „heilige Brücke“ (Shinkyō), der Haupteingang des Schreins. Der von Mauern eingefasste Hauptschrein Tōshō-gū befindet sich rechts der Bildmitte. Sein Eingang ist durch Pagode und torii gekennzeichnet, oberhalb davon Yōmei-mon und Haupthalle. Rechts davon der Tempel Rinnō-ji, links (ebenfalls ummauert) der Taiyū-in, das Mausoleum des dritten Shōguns Iemitsu. Die Gebäude im linken Bildteil repräsentieren weitere Schrein- und Tempelbauten, einschließlich der berühmten Kegon Wasserfälle und des Chūzen-ji Sees, die einen halben Tagesmarsch vom Hauptschrein entfernt liegen. Tatsächlich wird das ganze Ensemble jedoch seit alters her als ein einziger „Tempel-Schrein Komplex“ angesehen.

. 2 Plan der Gesamtanlage von Nikkō aus dem Jahr 1800

Der obige Plan aus der späten Edo-Zeit zeigt die wich­tigs­ten religiösen Gebäude von Nikkō, die auch heute noch mehr oder weniger unverändert dort zu finden sind. Den pro­mi­nen­tes­ten Platz hält dabei der Tōshō-gū Tōshō-gū 東照宮 Tōshō Schrein, Mausoleum des Tokugawa Ieyasu in Nikkō, Präf. Tochigisiehe auch→ Grundbegriffe/Shinto→ Bauten/Bekannte Schreine→ Karte inne, wo Ieyasu als Gott verehrt wird. Er ist auf dem Plan als ummauerter Teil­bereich rechts der Bildmitte zu erkennen. In dieser Form entstand die Anlage erst zwanzig Jahre nach Ieyasus Tod, 1634–1635 unter seinem Enkel Iemitsu Tokugawa Iemitsu 徳川家光 3. Tokugawa Shōgun (1604–1651), r. 1623–1651siehe auch→ Bauten/Bekannte Schreine , der sich eben­falls am gleichen Ort ein Mau­so­leum (Taiyū-in Taiyū-in 大猷院 Mausoleum des 3. Tokugawa Shōguns, Iemitsu, err. 1652–53, der um­mau­er­te Bereich links des Tōshō-gū) errichten ließ.

Der Plan zeigt jedoch auch eine Anzahl weiterer Tempel- und Schreinbauten, die einem alten Pilgerzentrum angehören, das sich vom heutigen Zentrum der Anlage bis zum zwanzig Kilometer entfernten Chūzenji-See (Abb. oben, links) mit seinen ein­drucks­vollen Wasser­fällen erstreckt. Auf dem Plan sind die Ent­fer­nun­gen zwischen den einzelnen Teil­anlagen natürlich stark verkürzt dargestellt. Mit heutigen tech­ni­schen Mitteln ist ihre Be­sich­ti­gung zwar an einem Tag zu schaffen, es empfehlen sich aber mindestens zwei Tage, wenn man sowohl dem Haupt­schrein als auch den umge­benden Natur­sehens­würdig­keiten die gebührende Auf­merk­samkeit zukom­men lassen möchte.

Das gesamte Heiligtum von Nikkō wird im Norden durch hohe Berge begrenzt. Drei dieser Berge bilden so etwas wie eine Familie bestehend aus Vater (Nantai-san), Mutter (Nyoho-san) und Kind (Tarō-san), die zugleich als die Haupt­gott­hei­ten des Futarasan Futarasan Jinja 二荒山神社 ursp. Schrein des Tempel-Schrein Komplexes von Nikkō (Tochigi-ken)siehe auch→ Karte Schreins angesehen werden. Dieser Schrein wird bereits in den Engishiki Engishiki 延喜式 „Bestimmungen der Engi Ära“; Gesetzeswerk mit zahlreichen religionspol. Bestimmungen, v.a. zum Schreinzeremoniell, aus dem 10. Jh.siehe auch Kami Kulte → Alltag/Matsuri/Phalluskulte→ Mythen/Goetter der Erde/Okuninushi→ Mythen/Symboltiere/Tauben aus dem zehnten Jahr­hun­dert als Haupt­schrein der alten Provinz Shimotsuke (heute Tochigi-ken) aus­ge­wie­sen und repräsentiert das ur­sprüng­liche Heiligtum von Nikkō.1 Die ältesten Schreine und Tempel der Anlage leiten sich jedoch historisch noch weiter zurück, nämlich auf einen buddhistischen Mönch der Nara Nara 奈良 Hauptstadt und Sitz des Tennō, 710–784 (= Nara-Zeit); ehemals: Heijō-kyōsiehe auch Nara → Bauten/Bekannte Tempel→ Bauten/Tempel→ Bauten/Tempel/Tempeltore→ Bauten/Ise Izumo→ Bauten/Bekannte Schreine/Itsukushima → mehr -Zeit namens Shōdō (735–817). Er soll in der Kantō-Region mehrere namhafte Tempel ge­grün­det haben. In der Ent­stehungs­geschichte von Nikkō sind also Bud­dhis­mus und ein­hei­mische Berg­götter bereits aufs Engste miteinander verbunden. Folgerichtig wurde Nikkō im japanischen Mittel­alter zu einem Zentrum des syn­kre­tis­tischen Berg­kults Shugendō Shugendō 修験道 gemischt-rel. Bergkult, Orden der yamabushisiehe auch Yamabushi → Mythen/Tengu→ Ikonographie/Heilige→ Geschichte/Staatsshinto/Shinbutsu bunri .

Eingangsbereich

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. 3 Pagode

Pagode Nikkō

Pagode, gojūtō (Holz). Errichtet 1650, zerstört 1815, wiedererrichtet 1818; Tōshō-gū, Nikkō, Tochigi-ken; Höhe: 31,8 m
Bild © Mike Murrill, flickr 2007. (Letzter Zugriff: 2016/9/18)

Diese besonders schlanke fünfgeschoßige Pagode (gojū-tō) befindet sich auf dem Gelände des Tōshō-gū Schreins (!) in Nikkō.

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Götterbrücke (Shinkyō)

Brücke (Lackiertes Holz, Stein); Länge 28 m, Höhe: ca. 10 m
Bild © Nipponisimo, 2008. (Letzter Zugriff: 2016/9/18)

Die „Götterbrücke“ markiert den Hauptzugang zur Anlage von Nikkō. Sie soll erstmals 808 errichtet worden sein. Ihre heutige Gestalt erhielt sie im Zuge des Ausbaus der Gesamtanlage unter Iemitsu, 1636. Nach einer Zerstörung im Jahr 1902 wurde sie 1904 nach alten Plänen neu aufgebaut, die letzte Generalsanierung erfolgte 2006. Die Brücke gehört offiziell zum Futarasan Schrein, dem ältesten Teilschrein der Anlage. (Quelle: Tochigi-ken no toboku isan)

. 4 Götterbrücke (Shinkyō)
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Torii in Nikkō

Schreintor, torii (Stein). 1618; Schreinanlage von Nikkō, Tochigi-ken; 9,2 x 13,2 m

Torii in der Schreinanlage von Nikkō.

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Nikkō, torii und Pagode

Photographie (Schwarzweiß Foto). Spätes 19. Jh.
Bild © New York Public Library. (Letzter Zugriff: 2016/9/18)

Torii und Pagode () des Tōshō-gū aus einer weniger touristischen Zeit (frühe Meiji-Zeit).

. 5 . 6 Das Stein-torii von Nikkō

Um die Anlage zu betreten, muss man den Fluss Daiyagawa überqueren, der die süd­liche Grenze des Areals dar­stellt. Die elegante „Götterbrücke“ markiert den Haupt­zu­gang (auf dem obigen Plan rechts unten). Zur Gänze mit zinnober­rotem Lack bedeckt, diente sie seit jeher lediglich für ze­re­mo­nielle Zwecke oder den höchsten Adel, während ge­wöhn­liche Unter­tanen, so sie überhaupt das Privileg erhielten, den Schrein zu besuchen, eine wenige Meter flussabwärts gelegene Brücke benützten, die heute durch eine schnöde Auto­brücke ersetzt worden ist. Jenseits der beiden Brücken liegt die Haupt­anlage des Tempel-Schrein Komplexes auf einem terrassenförmig gestalteten Hang. Die prächtigen Gebäude befinden sich — wie etwa auch auf Berg Kōya Kōya-san 高野山 Klosterberg südl. von Nara; sprituelles Zentrum des Shingon Buddhismussiehe auch Berg Koya → Bauten/Bekannte Tempel→ Bauten/Tempel/Tempeltore→ Alltag/Pilgerschaft→ Alltag/Friedhof → mehr — in einem hohen Zedern­wald, der sie dem Blick von außen entzieht und mit einem mystischen Flair umgibt. Diese Zedern (sugi sugi  Japanische Zeder) wurden allerdings erst anlässlich der Errichtung der shōgunalen Mausoleen, also Anfang des sieb­zehn­ten Jahr­hun­derts, gepflanzt.

Das Yōmei-mon

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Der Aufstieg zur Anlage

Farbholzschnitt (Papier, Farbe) von Yoshida Tōshi. 1940; 17 x 24 cm
Bild © Online Archive of California. (Letzter Zugriff: 2016/9/18)
Ruth and Sherman Lee Institute for Japanese Art

Aufgang zur Schreinanlage von Nikkō, welche man durch das Yōmei-mon betritt.

. 7 Der Aufstieg zum Yōmei-mon, dem Eingang zur inneren Anlage

Das Tor zum zentralen Teil der Anlage, das Yōmei-mon Yōmei-mon 陽明門 „Tor der Sonnenklarheit“; ursprünglich Name des östlichen Tores im Kaiserpalast von Kyōto, später auch in Nikkō errichtet, durfte früher nur von hoch­ran­gigen Mit­glie­dern des Adels durch­schrit­ten werden. Doch selbst wenn man als gewöhn­licher Sterb­licher nur bis hier her ge­langte, bot das Tor mit seinen zahl­losen Schnit­ze­reien Anlass, einen ganzen Tag lang selbst­ver­ges­sen in Be­trach­tung seines opulenten Dekors vor ihm zu verweilen — so jedenfalls die Begründung für einen seiner Bei­na­men: Higurashi-mon („Das Tor, wo man den ganzen Tag zubringt“). Die Grund­form dieses Tores erinnert stark an buddhis­tische Tempeltore, doch weichen viele Details von der bud­dhis­tischen Stan­dard­iko­nographie ab.

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Tor der Sonnenklarheit (Yōmei-mon)

Schreintor. Edo-Zeit, 1636; „Nationalschatz“
Bild © Matsui Fumio/TOKYO VIEWS, flickr 2010. (Letzter Zugriff: 2016/8)

Das Yōmei-mon, das bekannteste und am reichsten dekorierte Bauwerk in der Anlage in Nikkō (vordere Ansicht).

. 8 Yōmei-mon (vordere Ansicht)
Einer der „Nationalschätze“ in der Anlage von Nikkō

Zunächst fallen ungewöhnlich viele legendäre Tiere ins Auge: Drachen, Löwen (oder viel­leicht eher komainu komainu 狛犬 wtl. „Korea-Hund“, auch „Löwenhund“; Wächterfigur vor religiösen Gebäudensiehe auch Komainu → Bauten/Schreine→ Ikonographie/Waechtergoetter/Nio→ Mythen/Imaginaere Tiere→ Mythen/Verwandlungskuenstler → mehr -artige Mischun­gen von Löwe und Hund), kirin-Drachen­pferde,2 und Ele­fanten (oder genauer: baku baku Baku, elefantenartiges legendäres Tier, das Träume frisst; auch:Tapirsiehe auch Imaginaere Tiere , die sowohl Rüssel als auch Klauen besit­zen und als Beschüt­zer vor bösen Träumen gelten). Diesen Tieren wird allge­mein eine Schutz­funk­tion vor bösen Geistern zuge­spro­chen, weshalb sie auch anderswo Tempel und Schreine zieren, doch in so großer Zahl wie am Yōmei-mon findet man diese tierischen Beschützer ansonsten kaum. Darüber hinaus gibt es aber auch mensch­liche Figu­ren: Neben Kon­fuzius im Kreise seiner Schü­ler sind z.B. die vier ele­ganten Vergnü­gun­gen des Ge­lehr­ten (kinkishoga kinkishoga 琴棋書画 die Vier Eleganten Zerstreuungen des klassischen chinesischen Gelehrten: Laute, Brettspiel (Go), Kalligraphie, Malerei.) dar­gestellt: Lauten­spiel (koto koto Mit 13 Saiten bespannte Wölbbrettzither; aus China übernommenes Instrument der klassischen höfischen Musik Japans), Brett­spiel (Go), Kalli­graphie und Male­rei. Diese aus­geprägt chine­sische Motiv­wahl ist eines der neuar­tigen Ele­mente aus der Entste­hungs­zeit des Yōmei-mon, die man auf älte­ren religiö­sen Ge­bäu­den nicht findet. Man bemühte sich offenbar bewusst, Al­ter­na­tiven zur meditative Ruhe der Buddhas einerseits und der respekt­ein­flößen­den Kraft der zornvollen Mantra-Könige andererseits in die religiöse Ikono­graphie aufzunehmen. Zu dieser Abkehr von traditionellen Motiven passt es auch, dass die übli­chen bud­dhis­tischen Tor­wäch­ter (niō niō 仁王 Wächterfigur, Torwächtersiehe auch Nio → Bauten/Tempel→ Ikonographie→ Bauten/Tempel/Tempeltore→ Ikonographie/Waechtergoetter → mehr ) im Yōmei-mon durch realis­tische Darstel­lungen von japa­nischen Bo­gen­schüt­zen ersetzt sind.

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Yōmei-mon

Schreintor
Bild © Ron Reznick. (Letzter Zugriff: 2016/8)

Drachenmotive im Gebälk des Yōmei-mon

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Wächterfigur

Statue (Holz, Farbe); Tōshō-gū, Nikkō

Einer von zwei anonymen Wächterfiguren, welche das Yōmei-mon, den Eingang zu Ieyasus Mausoleum bewachen.

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Schnitzwerk des Yōmei-mon

Zwei Go-Spieler, Schnitzwerk des Yōmei-mon in der Schreinanlage von Nikkō

Yōmei-mon, Details (zum Vergrößern anklicken)

Der Tōshō-gū ist somit ein an­schau­liches Bei­spiel für das In­einander­greifen religiöser Richtungen in Japan, wobei in diesem Fall zur üblichen Verbindung ein­hei­mischer und bud­dhis­tischer Gott­heiten noch die als Heilige verehrten Weisen aus der chi­ne­sischen My­tho­lo­gie hinzukommen. Die Viel­zahl an religiösen Bezügen findet ihre Ent­sprechung in einer besonders ornament- und figuren­reichen Schrein­architektur, die nicht nur am Yōmei-mon, sondern beispielsweise auch am „chinesischen Tor“ (Kara-mon), das zum innersten Bereich der Anlage führt, deutlich zum Aus­druck kommt.

Dämonenabwehr und die Furcht vor der Perfektion

Abgesehen von den bis ins kleinste Detail aus­gear­bei­teten figu­rati­ven Moti­ven enthält das Yōmei-mon noch eine wei­tere Be­son­der­heit, die nur Ein­ge­weih­ten ins Auge fällt: es han­delt sich um eine der zwölf weiß be­mal­ten Trä­ger­säu­len, die mit der glei­chen orna­men­talen Struk­tur (einem stili­sierten Affen­ge­sicht) wie alle ande­ren Säu­len ver­ziert ist, aber um 180 Grad verdreht; die Säule ist also quasi auf den Kopf gestellt. Dies ist nicht etwa ein Ver­se­hen, son­dern ver­dankt sich einem be­son­deren Tabu, von dem man schon in den mit­telal­ter­lichen „Auf­zeich­nun­gen aus Muße­stun­den“ (Tsurezuregusa Tsurezuregusa 徒然草 „Aufzeichnungen aus Mußestunden“; Gedanken und Anekdoten von Yoshida Kenkō, verfasst ca. 1330–1332siehe auch Kamakura , Abschnitt 82) erfährt: Dort heißt es, dass ein allzu per­fek­tes Eben­maß Unglück brächte. Und genau aus diesem Grund habe man in den kai­ser­lichen Paläs­ten stets darauf geach­tet, auf jeden Fall ein Detail unvoll­endet zu lassen. Der umgedrehte Pfeiler des Yōmei-mon ist also gemäß dieser Vor­stel­lung ein — zwei­fel­los per­fekt aus­gear­bei­tetes — Anti-Per­fek­tions­ele­ment. Im übrigen schei­nen umge­dreht auf­gestellte Baum­stämme auch im Volks­glau­ben der Geister­ab­wehr gedient zu haben. Die be­son­dere Säule des Yōmei-mon trägt daher auch die Be­zeich­nung „umge­drehte Dämo­nen­abwehr-Säule“ (mayoke no sakabashira mayoke no sakabashira 魔除けの逆柱 „umgedrehte Dämonenabwehr-Säule“ des Yōmei-mon im Tōshō-gū Schrein, Nikkōsiehe auch→ Ikonographie/Gluecksgoetter/Ebisu ).

Affen und Katzen

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Die Drei Weisen Affen, Nikkō

Halbrelief, saru (Holz). 17. Jh.; Tōshō-gū in Nikkō, Tochigi-ken
Bild © Ron Reznick, 2004. (Letzter Zugriff: 2016/9)

Die Drei Weisen Affen (saru), welche ihren Ursprung im kōshin-Glauben haben, sind die vielleicht berühmteste Figurengruppe innerhalb der reich ornamentierten Anlage des Tōshō-gū Schreins. Sie befinden sich an einem Nebengebäude, das einstmals als Stall diente, denn angeblich sollen Affen gut für die Gesundheit von Pferden sein. Die Affen repräsentieren das Prinzip „Nicht sehen, nicht hören, nicht reden“ (mizaru, iwazaru, kikazaru).

. 11 Die Drei Affen in Nikkō

Innerhalb der reichen Schni­tze­rei­en des Tōshō-gū stechen einzelne Tiere heraus, die direkt aus dem Alltag heraus­gegriffen zu sein scheinen und wahrscheinlich aus diesem Grund besonders populär sind. Hier sind als erstes die Drei Weisen Affen zu erwähnen. Sie befinden sich an einem Nebengebäude, das als Stall konzipiert ist. Ihre Be­deu­tung erklärt sich aus volks­tüm­lichen Vor­stel­lun­gen von der besonderen Wirkung von Affen auf Pferde und dem sogenannten kōshin kōshin 庚申 Kalendereinheit; Kombination von Metall und Affe im 60er Zyklussiehe auch Drei Affen -Glauben (siehe dazu Kapitel Mythen, Drei Affen).

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Die schlafende Katze (nemuri neko)

Skulptur (Holz, bemalt) von Hidari Jingorō, Detail. Edo-Zeit, 17. Jh.
Bild © Ron Reznick, 2004. (Letzter Zugriff: 2016/9)

Die Skulptur befindet sich direkt über dem Aufgang zur eigentlichen Grabanlage des in Nikkō verehrten Shōgun Tokugawa Ieyasu. Obwohl eher klein und leicht zu übersehen, zählt sie zusammen mit den Drei Affen zu den populärsten Schitzwerken des Schreins. Die Statue wird dem legendenumwobenen Künstler Hidari Jingorō zugeschrieben. Es heißt, Jingorō habe mit dieser Darstellung auf den verschlagenen Charakter des Shōguns anspielen wollen, der sich gleich einer Katze gern schlafend stellte, obwohl er alles um sich sehr wohl mitbekam.

. 12 Die Schlafende Katze

Beinahe ebenso bekannt ist die Schlafende Katze (jap. maneki neko maneki neko 招き猫 winkende Katze, Winkekatze; Glücksbringer, besonders für geschäftlichen Erfolgsiehe auch Gluecksbringer → Mythen/Verwandlungskuenstler→ Mythen/Symboltiere ), die sich über dem Eingang zu Ieyasus buddhis­tischem Grab befindet. Die Statue wird dem legen­den­um­wobenen Künstler Hidari Jingorō Hidari Jingorō 左甚五郎 Meisterbildhauer der frühen Edo-Zeit, der Statuen zum Leben erwecken konnte (höchstwahrscheinlich fiktive Gestalt)siehe auch→ Mythen/Imaginaere Tiere/Komainu zuge­schrieben. Es heißt, Jingorō habe mit dieser Darstel­lung auf den ver­schla­genen Charak­ter des Shōguns anspie­len wollen, der sich gleich einer Katze gerne schlafend stellte, obwohl er alles um sich herum sehr wohl wahr­nahm.

Kara-mon, Haupthalle und Innerer Schrein

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Schreindächer

Schreindach (Holz, Bronze, Kupfer), Detail. Frühe Edo-Zeit, 17. Jh.; Tōshō-gū Schrein, Nikkō
Bild © Ron Reznick, 2004. (Letzter Zugriff: 2016/8)

Detail der Dachkonstruktionen des Tōshō-gū Schreins, Nikkō. Im Vordergrund das „chinesische Tor“. Das Dach dahinter gehört zur Haupthalle. In diesem Architekturstil aus der frühen Edo-Zeit gibt es zwischen buddhistischen Tempeln und shintōistischen Schreinen kaum einen erkennbaren Unterschied.

. 13 Kara-mon, 21. Jh
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Nikkō, Kara-mon

Photographie. Meiji-Zeit, 19. Jh.
Bild © Museum für Angewandte Kunst (MAK), Wien. (Letzter Zugriff: 2016/10/3)

Das „Chinesische Tor“ (Karamon) des Tōshō-gū Schreins, Nikkō. Foto eines unbekannten Meisters aus dem 19. Jh.

. 14 Kara-mon, 19. Jh

Vom Yōmei-mon führt der Weg durch die Anlage weiter bergauf, bis man endlich zur Haupthalle gelangt. Diese wird durch ein weiteres prächtiges Tor, das Kara-mon (Chinesisches Tor) geschützt. Das Kara-mon ist kleiner als das Yōmei-mon, aber mindestens ebenso reich dekoriert. Beide Tore zählen eindeutig zu den prächtigsten und elaboriertesten Elementen der Anlage. Der Schrein selbst ist im Gongen-Stil gehalten (s.u.), in dem Bethalle und Schreinhalle zu einem Baukomplex verschmelzen. Hinter und oberhalb der Haupthalle befindet sich der „Innere Schrein“ (Okusha) mit der Grabanlage Ieyasus.

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Kara-mon und Haupthalle

Schreinhalle
Bild © Ron Reznick, 2008. (Letzter Zugriff: 2016/8)

Die Haupthalle besteht im Grunde aus zwei Teilen, einem vorderen, der zugänglich ist und einem hinteren, unzugänglichen, wo sich das Hauptheiligtum (shintai) des Schreins befindet. Dieses Arrangement ist typisch für den sogenannten gongen-Stil.

. 15 Das Hauptgebäude des Schreins
Zeremonienhalle (haiden) und Haupthalle (honden) sind baulich verbunden.
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Das „chinesische Tor“ und die Haupthalle des Schreins

Handkolorierte Photographie von Kusakabe Kinbei. 1890
Bild © New York Public Library. (Letzter Zugriff: 2016/8)

Die Haupthalle des Tōshō-gū und das „chinesische Tor“, welches seinen Namen den zahlreichen Motiven aus der chinesischen Mythologie verdankt, die in den Schnitzereien des Gebälks dargestellt sind.

. 16 Haupthalle und Kara-mon (1890)
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Dachschindeln, Nikkō

Schreindach, Detail
Bild © Mike Murril, 2007. (Letzter Zugriff: 2016/9/18)

Die Schindeln der Schreinanlage von Nikkō sind alle mit dem Familienwappen der Tokugawa (drei Malvenblätter, mitsuba aoi) ausgestattet.

. 17 Tokugawa-Wappen auf Schindeln

Der vergöttlichte Shōgun

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Tokugawa Ieyasu

Hängerollbild (Tusche, Farbe, auf Seide). Edo-Zeit, Anfang 17. Jh.; Sakai City Museum; 57 x 48 cm
Bild © Money L. Hickman(1996). Japan's Golden Age: Momoyama. New Haven und London: Yale University Press, S. 77.

Offizielles Portrait von Tokugawa Ieyasu in schwarzer Hofbeamtenrobe (sokutai). Im Hintergrund sind Schreinbauten angedeutet, die möglicherweise den Tōshō-gū darstellen und auf die Deifizierung des Shōguns hinweisen sollen.

. 18 Tokugawa Ieyasu

Der offizielle Name des Hauptschreins, Tōshō-gū Tōshō-gū 東照宮 Tōshō Schrein, Mausoleum des Tokugawa Ieyasu in Nikkō, Präf. Tochigisiehe auch→ Grundbegriffe/Shinto→ Bauten/Bekannte Schreine→ Karte , bedeutet wörtlich „Palast des Er­leuchters des Ostens“. Damit ist Tokugawa Ieyasu gemeint oder genauer seine zum kami kami japanische Gottheitsiehe auch Shinto → Grundbegriffe/Buddhismus Lehre→ Bauten/Schreine→ Grundbegriffe/Weltbild→ Ikonographie→ Alltag/Omairi → mehr erhobene post­hume Existenz, die als „Gottheit, die den Osten erleuchtet“ (Tōshō Daigongen Tōshō Daigongen 東照大権現 wtl. „Große göttl. Manifestation, die den Osten erleuchtet“; Götternamen des Tokugawa Ieyasusiehe auch→ Geschichte/Reichseinigung ) in Nikkō verehrt wird. Wahrscheinlich imaginierte sich sich der Shōgun bereits zu Lebzeiten als zukünftige Schutzgottheit seiner Dynastie, doch wurden sowohl sein Gottes­name als auch der Ort seines Mausoleums erst nach seinem Tod festgelegt. Dieser Entscheidung ging ein erbitterter Streit seiner engsten religiösen Berater voraus, in dem sich schließlich der buddhistische Tendai Tendai-shū 天台宗 Tendai-Schule, chin. Tiantaisiehe auch Dainichi → Bauten/Bekannte Tempel→ Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya→ Bauten/Bekannte Schreine/Tenjin→ Alltag/Yamabushi → mehr -Abt Tenkai Tenkai 天海 1536?–1634; Abt und Reformer des Tendai Buddhismus, religiöser Berater des Tokugawa Shōgunats; auch: Nankōbō Tenkai; Jigen Daishisiehe auch Gluecksgoetter → Texte/Yuiitsu shinto myobo yoshu durchsetzte. Obwohl der Tōshō-gū heute dem Shintō zu­gerechnet wird, war es also ein hochrangiger buddhistischer Mönch, der bei der Vergött­lichung Ieyasus Regie führte.3

Dass der Tōshō-gū Elemente wie eine fünf­stöckige Pagode oder eine bud­dhis­tische Halle für den Me­dizin­buddha Yakushi Nyorai Yakushi Nyorai 薬師如来 Buddha der Medizin; skt. Bhaisajyagurusiehe auch Ikonographie → Bauten/Tempel→ Ikonographie/Shaka→ Ikonographie/Waechtergoetter→ Ikonographie/Dainichi/Daibutsu → mehr enthält, ist angesichts seiner im Grunde bud­dhis­tischen Kon­zep­tion nicht weiter verwunderlich. Be­mer­kens­wert ist jedoch die Tatsache, dass es hier streng genommen zwei unter­schied­liche An­dachts­stätten für Tokugawa Ieyasu gibt, ganz so, als ob sich seine Toten­seele in einen bud­dhis­tischen und einen shintōistischen Teil aufgespaltet hätte. Zum einen wird Ieyasu im Haupt­schrein des Tōshō-gū als kami verehrt, zum anderen be­her­bergt das Areal aber auch ein Grab­mal des Ieyasu, das der Form nach bud­dhis­tisch ist. Dieses befindet sich hinter und oberhalb des Schreins und wird als Innerer Schrein (Okusha) bezeichnet. Das zentrale Element dieses Inneren Schreins bildet ein bud­dhisti­scher Grabstupa स्तूप stūpa (skt., m.) „Hügel“, Grabmonument; jap. 塔 oder sotoba 卒塔婆siehe auch →  Stupa → Bauten/Tempel→ Bauten/Tempel/Pagoden→ Alltag/Friedhof→ Alltag/Friedhof/Gorinto → mehr . Obwohl die Quellenlage nicht über jeden Zweifel erhaben ist, deutet alles darauf hin, dass die eigent­lichen Dei­fizierungs­zere­monien für Ieyasu hier statt­fanden und dass auch seine sterb­lichen Über­reste hier bestattet sind.4

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Bronzenes Tor (inuki-mon)

Tempeltor (Bronze)
Bild © Ron Reznick, 2004. (Letzter Zugriff: 2016/8)

Bronzenes Tor zum Grab des Tokugawa Ieyasu, oberhalb der Hauthalle des Schreins

. 19 Buddhistische Grabstätte
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Grabmal des Tokugawa Ieyasu

Grabstupa (Bronze). 1683
Bild © Ron Reznick, 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Das Grabmal ist nicht identisch mit dem Hauptschreingebäude, in dem Ieyasu als „Gottheit, die den Osten erleuchtet“ verehrt wird. Es befindet sich hangaufwärts der Schreingebäude und ähnelt einer buddhistischen Pagode im tahōtō-Stil.

. 20 Grabstupa Ieyasus

Gongen-sama

Die vergöttlichte Form des Ieyasu erhielt von Tenkai den Götter­titel Gongen Gongen 権現 buddh. Titel für kami; wtl. „vorläufige Erscheinung“siehe auch Honji suijaku → Geschichte/Staatsshinto/Shinbutsu bunri , wtl. „verwandelte Erscheinung“. Die Be­zeich­nung stammt aus dem Bud­dhis­mus und impli­ziert, dass der be­tref­fende kami eigent­lich ein Buddha बुद्ध Buddha (skt., m.) „Der Erleuchtete“; jap. butsu (hotoke) 仏 oder Budda 仏陀siehe auch →  Shaka → Grundbegriffe/Buddhismus→ Grundbegriffe/Buddhismus Lehre→ Bauten/Bekannte Tempel→ Grundbegriffe/Buddhismus Lehre/Vier Wahrheiten→ Ikonographie → mehr ist bzw. auf eine bud­dhis­tische Urform (honji honji 本地 (buddhistische) Urform (eines kami); s.a. suijakusiehe auch Shinto-Götter → Bauten/Bekannte Schreine/Kasuga→ Ikonographie/Shinto-Goetter→ Geschichte/Honji suijaku→ Geschichte/Shinto Mittelalter → mehr ) zurück­ge­führt werden kann (s. honji suijaku Konzeption). 5

Gongen war in vormoderner Zeit ein geläufiger Titel für Schrein­gottheiten, ins­beson­dere im Fall von Schreinen, die mit dem Tendai-Buddhis­mus in Bezie­hung standen. Spricht man allerdings von „dem Gongen“ in der Einzahl, so ist damit Tokugawa Ieyasu gemeint, der volks­tümlich „Gongen-sama Gongen-sama 権現様 volkstüml. Bezeichnung für den 1. Tokugawa Shōgun, Ieyasu, der als Tōshō Dai-Gongen vergöttlicht wurde“ genannt wurde. Daher trägt auch der Archi­tektur-Stil von Ieyasus Mauso­leum in Nikkō die Bezeich­nung „Gongen-Stil“ (gongen-zukuri gongen-zukuri 権現造 Architekturstil des Tōshō Schreins, abgeleitet von Tōshō Dai-Gongen, dem vergöttlichten Tokugawa Ieyasusiehe auch→ Bauten/Bekannte Schreine/Tenjin , s.u.), obwohl auch andere, ältere Schreine6 diesem Stil zuge­ordnet werden.

Das buddhistische Nikkō

Taiyū-in und Rinnō-ji

  ryugu_nikko.jpg

Drachenpalast-Tor (Ryūgū no mon)

Schreintor (Stein, Holz, Metall). Frühe Edo-Zeit, 17. Jh.; Taiyū-in, Nikkō

Der offizielle Namen dieses Tores (ryūgū-mon) ist dem Heian-zeitlichen Kaiserpalast entlehnt und lautet Kōka-mon 皇嘉門, „Tor des kaiserlichen Ruhms“. Architektonisch orientiert sich das Tor jedoch an Vorbildern aus der chinesischen Ming-Dynastie. Es ist Teil des Mausoleums von Tokugawa Iemitsu (1604–1651), dem 3. Tokugawa-Shōgun. Dieses Mausoleum befindet sich neben dem Tōshō-gū in Nikkō. Unter Iemitsu wurde die gesamte Anlage prachtvoll ausgebaut und erhielt ihre heutige Gestalt.

. 21 Das Drachenpalast-Tor des Taiyū-in, Eingang zum Grab des Iemitsu

Ieyasus Enkel Iemitsu, dem dritten Tokugawa-Shōgun, ist es wohl zu ver­dan­ken, dass Nikkō in der heute bekannten Opu­lenz ausgebaut wurde. Doch dachte er dabei nicht nur an den verehrten Großvater, sondern auch an sich selbst, indem er auch für sich ein Mau­so­leum errichten ließ, das gemäß seinem post­humen Namen Taiyū-in Taiyū-in 大猷院 Mausoleum des 3. Tokugawa Shōguns, Iemitsu, err. 1652–53 benannt wurde. Iemitsus sterbliche Überreste sind gemäß eigenem tes­ta­men­ta­ri­schen Wunsch hier beigesetzt, eine Ehre, die keinem späteren Tokugawa-Shōgun mehr widerfahren sollte.

Strukturell ist der Taiyū-in sehr ähnlich wie der Hauptschrein Tōshō-gū gestaltet, allerdings etwas kleiner. Dafür wirken die Bauten sti­lis­tisch ge­schlossener und mindestens ebenso luxuriös ornamentiert.7 Die Gebäudebezeichnung -in -in Suffix für Institutionen, z.B. buddhistischer Tempelsiehe auch Tempel verrät, dass es sich streng genommen um ein bud­dhist­isches Heiligtum handelt, und tatsächlich gilt Iemitsu auch nicht als kami-Gottheit. Aus per­sön­lichen Hin­ter­lassenschaften Iemitsus ist jedoch bekannt, dass er sich sehr wohl als zweiten Gongen, also als zweite Ahnen­gott­heit der Tokugawa erachtete, wobei er seinen Vater bewusst aus­klammerte. In der sti­lis­tischen Ähn­lich­keit zwischen Tōshō-gū und Taiyū-in lässt sich also der unerfüllte Wunsch Iemitsus erkennen, neben seinem Großvater als Ahnen­gott­heit der Dynastie verehrt zu werden.

Nach der Meiji-zeitlichen „Trennung von kami und Buddhas“ (shinbutsu bunri shinbutsu bunri 神仏分離 Trennung von kami und Buddhas; meist bezogen auf die frühe Meiji-Zeitsiehe auch shinbutsu bunri → Bauten/Bekannte Tempel/Asakusa→ Geschichte/Staatsshinto→ Bauten/Bekannte Schreine/Hachiman→ Geschichte/Staatsshinto/Shinbutsu bunri ) wurde der Taiyū-in offiziell ein Teil des bud­dhis­tischen Tempels Rinnō-ji Rinnō-ji 輪王寺 buddh. Tempel in der rel. Anlage von Nikkōsiehe auch→ Karte , der sich un­mittel­bar neben dem Tōshō-gū befindet. Er gehört dem Tendai Tendai-shū 天台宗 Tendai-Schule, chin. Tiantaisiehe auch Dainichi → Bauten/Bekannte Tempel→ Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya→ Bauten/Bekannte Schreine/Tenjin→ Alltag/Yamabushi → mehr Bud­dhis­mus an und war in der Edo-Zeit das eigentliche Macht­zentrum der Anlage, wo sämtliche Schrein­an­gelegen­heiten überwacht und geregelt wurden. Selbst­ver­ständ­lich geht dieses Arrangement auf den erwähnten Tendai-Abt Tenkai zurück.

Auch der Rinnō-ji verfügt über eine prächtige Halle, in der eine Dreier­gruppe von zur Gänze ver­gol­de­ten, über acht Meter hohen Buddha­statuen zu bewundern ist. Diese Statuen unterhalten wiederum eine intime Beziehung zum ältesten Schrein der Anlage, dem Futarasan. Die Figuren­gruppe besteht aus Buddha Amida Amida 阿弥陀 Buddha Amitabha; Hauptbuddha der Schulen des Reinen Landes (Jōdo-shū bzw. Jōdo Shinshū)siehe auch Amida → Grundbegriffe/Buddhismus Lehre→ Bauten/Tempel→ Ikonographie/Mandala→ Alltag/Jahr → mehr , flankiert von Bodhisattva Kannon in zwei unter­schied­lichen Er­schei­nungs­for­men, Senju Kannon Senju Kannon 千手観音 Kannon mit den Tausend Händensiehe auch Kannon und Batō Kannon Batō Kannon 馬頭観音 Kannon mit dem Pferdekopf, eine zornvolle Manifestation Kannonssiehe auch Bato Kannon → Ikonographie/Kannon→ Ikonographie/Myoo→ Mythen/Symboltiere/Drei Affen . Laut der er­wähn­ten honji suijaku honji suijaku 本地垂迹 wtl. Grundform und herabgelassene Spur; Theorie der Angleichung von kami und Buddhassiehe auch Honji Suijaku → Grundbegriffe/Shinto/Jindo→ Geschichte/Heian Zeit→ Geschichte/Shinto Mittelalter→ Texte/Yuiitsu shinto myobo yoshu Erklärung sind dies die Ur­buddhas des Futarasan Schreins, der ja ebenfalls drei Berge oder Berg­gott­hei­ten verehrt.

Zweigschreine des Tōshō-gū

Nikkō verfügt zwar über kein so weit verzweigtes Netz von Filialen wie andere bekannte Schreine, denn die Tokugawa setzten eher auf Exklusivität als auf Po­pu­larität. Dennoch errichteten sie in ihren wichtigsten Residenzstädten Zweigstellen von Ieyasus Mau­so­leum, die zum Großteil bis heute bestehen. Auch mit dem Tendai-Bud­dhis­mus assoziierte Schreine errichteten Zweigschreine des Tōshō-gū auf ihrem Gelände. Außerdem erhielt jeder ver­stor­bene Shōgun eine eigene Gedenk­stätte, die alternierend in zwei bud­dhis­tischen Tempeln in Edo errichtet wurden.

Kan’ei-ji und Tōshō-gū in Edo

Der wichtigste Zweig­schrein des Tōshō-gū befand sich während der Edo-Zeit am Rande der Residenzstadt Edo, im Stadt­teil Ueno auf dem Gelände des heu­tigen Ueno-Parks in Tōkyō. Auch hier handelte es sich um einen Tempel-Schrein Komplex, der einer kami-Gottheit diente, aber von einem bud­dhis­tischen Tempel geleitet wurde. Der Tempel in Edo hieß Kan’ei-ji Kan’ei-ji 寛永寺 Tendai-Tempel in Tōkyō; in der Edo-Zeit Zentrum des Tendai Buddhismus in der Kantō Region, gegr. 1625 (Kan’ei 2)siehe auch→ Karte und war ein weiteres Geisteskind Tenkais.8 Er galt als Tendai-Haupt­tem­pel der Kantō-Region und stand daher hierarchisch über dem Rinnō-ji in Nikkō. Der Ahnenkult der Shōgune befand sich somit auch in Edo in den Händen des Tendai Bud­dhis­mus. Umgekehrt erfuhr der Tendai Bud­dhis­mus durch sein Mo­no­pol dieses Kultes eine Renaissance, im Zuge derer sich sein Schwerpunkt vom traditionellen Zentrum bei Kyōto, dem Berg Hiei Hiei-zan 比叡山 Klosterberg Hiei bei Kyōto, traditionelles Zentrum des Tendai Buddhismussiehe auch Bekannte Tempel → Ikonographie/Jizo/Osorezan→ Mythen/Tengu→ Mythen/Symboltiere→ Geschichte/Saicho → mehr , nach Edo in den Kan'ei-ji verlegte. Der Tōshō-gū Schrein in Edo war allerdings weniger be­deut­sam als jener in Nikkō, doch konnten manche Ze­re­monien für den Ahnen­gott der Tokugawa auch hier erledigt werden.

  zojoji.jpg

Tokugawa Mausoleum, Zōjō-ji

Photographie (handkoloriertes Foto) von Kusakabe Kinbei (1841–1934). Meiji-Zeit, spätes 19. Jh.; Shiba Tempel (Zōjō-ji), Tōkyō
Bildquelle: Okinawa Soba, (flickr). (Letzter Zugriff: 2016/9/18)

Eingang eines Tokugawa Mausoleums des Shiba Tempels (Zōjō-ji), Tōkyō. Die gesamte Tempelanlage wurde im 2. Weltkrieg zerstört. Das dargestellte Tor ist das Chokugaku-mon (Tor mit kaiserlicher Aufschrift) und führte zum Yūshō-in Mausoleum des siebten Tokugawa Shōguns, Ietsugu. Deutlich erkennbar ist das Familienwappen der Tokugawa an den roten Balken und an den Dachschindeln.
Bemerkenswert ist die Gestalt rechts, in einer unterwürfigen Verehrungsgeste, die man heute in Japan nicht mehr sieht. Höchst wahrscheinlich war es gewöhnlichen Untertanen verwehrt, sich dem Heiligtum weiter als bis zu diesen Treppen anzunähern. Der Betende könnte ein Diener des Photographen sein, jedenfalls trägt er traditionelle Kleidung und Haartracht. Gänzlich unbeeindruckt von der Inbrunst des Betenden ist außerdem ein junger Mönch zu sehen, wahrscheinlich ein Mönch des Zōjō-ji, der dem Jōdo Buddhismus angehört. Er war wohl vom Tempel dafür abgestellt, die photographische Aufnahme zu überwachen.

. 22 Mausoleum der Tokugawa im Zōjō-ji, Tōkyō (19. Jh.)

Der Kan’ei-ji Tōshō-gū Komplex wurde während der Kämpfe von 1867–68, die schließlich zur Absetzung des Shōgunats und zur so­ge­nannten Meiji-Restauration Meiji Ishin 明治維新 Meiji Restauration, wtl. Meiji-Erneuerung, umfasst den politischen Umsturz 1867–68 und die nachfolgende Konsolidierung Japans als moderner Nationalstaatsiehe auch Staatsshinto → Bauten/Ise Izumo/Schreinanlage Ise→ Bauten/Bekannte Schreine/Fushimi→ Ikonographie/Gluecksgoetter/Benzaiten (1868) führten, zum Kriegsschau­platz und dabei weit­gehend zerstört. Als Inbegriff der verhassten Tokugawa-Dynastie wurde der Kan’ei-ji in der Meiji Meiji 明治 posthumer Name von Kaiser Mutsuhito; nach ihm wird auch die Meiji-Zeit (1868–1912) benanntsiehe auch Geschichtsperioden → Grundbegriffe/Shinto→ Grundbegriffe/Shinto/Jindo→ Bauten/Bekannte Schreine/Tenjin→ Alltag/Jahr → mehr -Zeit nur noch in be­schei­de­nem Maßstab wieder errichtet. Der Tōshō-gū überdauerte die Kriegswirren allerdings ver­hält­nis­mäßig un­be­scha­det und ist noch heute im Ueno Park zu besichtigen. Ähnliche Gebäude, die al­ler­dings heute ebenfalls zerstört sind, befanden sich im Zōjō-ji Zōjō-ji 増上寺 Jōdo-Tempel in Tōkyō, einst Ahnentempel der Tokugawa, gegr. 1393siehe auch→ Karte , dem Zweiten Ahnentempel der Tokugawa im Süden der Burg von Edo.

Kunō-zan

Toshogu skizze.jpg
. 23 Gongen-Stil

Skizze des Tōshō-gū

Schreinhalle

Skizze des Nikkō Tōshō-gū, ein Beispiel für den gongen-Stil. Frontseitig ist nur die Zeremonienhalle (haiden, li.) zu sehen, manchmal sind die hinteren Gebäudeteile auch durch Zäune oder Mauern den Blicken entzigen. Der Zugang zur Haupthalle (honden, re.) ist nur über die Zeremonienhalle möglich und der Öffentlichkeit grundsätzlich verwehrt. Dazwischen befindet sich ein kurzer Korridor, der ishi no ma oder ai no ma genannt wird. Häufig liegt die Bodenhöhe des Korridors tiefer als die der Zeremonienhalle, während die Bodenhöhe der Haupthalle am höchsten liegt. Die Höhenunterschiede reflektieren den religiöse Status des jeweiligen Gebäudeteils.

Berg Kunō liegt in unmittelbarer Nähe von Ieyasus Residenz und Sterbeort Sunpu in der heutigen Stadt Shizuoka. Unmittelbar nach seinem Tod wurde Ieyasu zunächst hier beigesetzt, bevor Nikkō als endgültiger Ort seiner Apotheose feststand. Obwohl damals von Tōshō-gū noch keine Rede war, wurde später auch hier ein Zweigschrein des Tōshō-gū errichtet.

An diesem Schrein lässt sich der Gongen-Stil, in dem die Tōshō-gū Schreine üblicherweise errichtet sind, besonders gut erkennen. Es handelt sich dabei um eine Verbindung von Zeremonienhalle und Haupthalle zu einem einzigen Gebäude unter einer sehr komplexen Dachkonstruktion, in der sich die parallelen Giebeldächer der zwei Hallen mit einem quer dazu verlaufenden Giebeldach schneiden. Von oben gesehen ähnelt das Ganze einem Andreas­kreuz. Zu­sätz­liche Vor­dächer erhöhen die Komplexität der Konstruktion.

 Kunozan.jpg

Kunō-zan Tōshō-gū

Schreinhalle, gongen-zukuri. Edo-Zeit, 17. Jh.; „Nationalschatz“; Shizuoka
Bild © Eric Foto, Nov. 2011. (Letzter Zugriff: 2016/9/18)

Tōshō-gū an jenem Ort, an dem Tokugawa Ieyasu ursprünglich bestattet wurde. Die heutige Form des Schreins stammt wahrscheinlich aus den 1640er Jahren. 1645 erhielt der Schrein den Namen Tōshō-gū. Die Struktur des Gebäudes richtet sich nach dem Tōshō-gū in Nikkō, einige Details weichen aber natürlich ab.

. 24 Kunō-zan Tōshō-gū

Berg Kōya

Wie viele mächtige Kriegs­herren der Sengoku-Zeit Sengoku Jidai 戦国時代 Zeit der kämpfenden Länder, 1467–1568siehe auch Reichseinigung → Ikonographie/Dainichi/Daibutsu→ Geschichte/Terauke→ Geschichtsperioden→ Ikonographie/Gluecksgoetter/Bishamonten unter­hielten auch die Vor­fah­ren der Tokugawa einen Familien­tempel auf dem heiligen Berg Kōya Kōya-san 高野山 Klosterberg südl. von Nara; sprituelles Zentrum des Shingon Buddhismussiehe auch Berg Koya → Bauten/Bekannte Tempel→ Bauten/Tempel/Tempeltore→ Alltag/Pilgerschaft→ Alltag/Friedhof → mehr . Dieser wurde in der Edo-Zeit prächtig aus­ge­baut und ist heute noch dort zu besichtigen.

  Tokugawa_koyasan.jpg

Familientempel der Tokugawa

Tempelhalle; Oku-no-in, Berg Kōya
Bild © Lonely Trip, 2007. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Die wichtigsten Familien der Edo-Zeit errichteten eigene Familientempel innerhalb der Friedhofsanlage des Kōya-san, allen voran die Tokugawa. Interessanterweise findet sich vor diesem buddhistischen Bauwerk ein torii.

. 25 Familientempel der Tokugawa auf Berg Kōya

Verweise

Fußnoten

  1. Der Name Nikkō selbst entstand wahrscheinlich aus dem Namen Futara 二荒, der in onyomi-Lesung auch nikkō aus­ge­spro­chen werden kann. Der eigentliche Sinn von Futara wiederum ist unklar, leitet sich aber möglicherweise von Fudaraku Fudaraku 補陀落 paradisische Insel des Kannon (Avalokiteshvara), abgeleitet von skt. Potalakasiehe auch Kannon → Bauten/Schreine/Torii→ Alltag/Opfergaben/Blut- und Selbstopfer , dem Reinen Land des Bodhisattva Kannon Kannon 観音 auch Kanzeon 観世音, wtl. der den Klang der Welt erhört; skt. Avalokiteśvara; chin. Guanyin; als Bodhisattva des Mitleids bekanntsiehe auch Kannon → Bauten/Bekannte Tempel→ Bauten/Bekannte Tempel/Asakusa→ Bauten/Schreine/Torii→ Alltag/Pilgerschaft→ Bauten/Bekannte Schreine/Fushimi → mehr ab. Diese Art „stiller Post“ ist bei Orts- und Eigen­namen in Japan nichts Ungewöhnliches.
  2. Kirin (chin. qilin) sind in China all­ge­gen­wärtig, während sie in Japan nur durch das gleich­namige Bier zu allge­mei­ner Be­kannt­heit gelangt sind.
  3. Tenkais Haupt­kon­tra­hent war ebenfalls ein bud­dhis­tischer Mönch, der Zen-Abt Sūden (1569–1633), der u.a. federführend an Ieyasus Christen­verfol­gungs­politik beteiligt war. Siehe dazu u.a. Scheid 2003.
  4. Sugahara 1996, S. 77–78.
  5. Im Fall des Tōshō-gū wird der „Medizin-Buddha“ Yakushi Nyorai Yakushi Nyorai 薬師如来 Buddha der Medizin; skt. Bhaisajyagurusiehe auch Ikonographie → Bauten/Tempel→ Ikonographie/Shaka→ Ikonographie/Waechtergoetter→ Ikonographie/Dainichi/Daibutsu → mehr als Urform von Ieyasus Ver­gött­lichung an­ge­sehen. Unter­halb der Haupt­ge­bäude des Schreins befin­det sich daher eine bud­dhis­tische „Halle der Urform“ (Honji-dō), die Yakushi geweiht ist. Sie ist vor allem für das Decken­ge­mälde des „brüllenden Drachens“ (naki-ryū) bekannt.
  6. Vgl. den Ōsaki Hachiman-gū Ōsaki Hachiman-gū 大崎八幡宮 Ōsaki Hachiman Schrein in Sendai, Nord-Honshūsiehe auch Hachiman → Karte , ein Zweigschrein des Hachiman.
  7. Die Haupthalle des Taiyū-in ist eines von acht Gebäuden in Nikkō, die die Auszeichnung „Nationalschatz“ (kokuhō) erhalten haben.
  8. Der Tempel wurde 1625 gegründet. Zu dieser Zeit war Tenkai ein enger Berater von Ieyasus Sohn und Nachfolger, dem zweiten Tokugawa-Shōgun Hidetada.

Bilderläuterungen

  1. Nikko karamon.jpg

    Schreindächer

    Schreindach (Holz, Bronze, Kupfer), Detail. Frühe Edo-Zeit, 17. Jh.; Tōshō-gū Schrein, Nikkō
    Bild © Ron Reznick, 2004. (Letzter Zugriff: 2016/8)

    Detail der Dachkonstruktionen des Tōshō-gū Schreins, Nikkō. Im Vordergrund das „chinesische Tor“. Das Dach dahinter gehört zur Haupthalle. In diesem Architekturstil aus der frühen Edo-Zeit gibt es zwischen buddhistischen Tempeln und shintōistischen Schreinen kaum einen erkennbaren Unterschied.

  2. Nikko plan.jpg

    Illustration der Berge von Nikkō (Nikkō oyama no ezu)

    Farbholzschnitt (Farbe) von Ueyama Yahei (Verleger). 1800; 41 x 29 cm
    Bild © Japanese Historical Maps. (Letzter Zugriff: 2013/7)

    Das weitläufige Heiligtum von Nikkō auf einem Plan aus dem Jahr 1800, der die wichtigsten, auch heute noch bestehenden Teile der Anlage wiedergibt. Im rechten unteren Teil die „heilige Brücke“ (Shinkyō), der Haupteingang des Schreins. Der von Mauern eingefasste Hauptschrein Tōshō-gū befindet sich rechts der Bildmitte. Sein Eingang ist durch Pagode und torii gekennzeichnet, oberhalb davon Yōmei-mon und Haupthalle. Rechts davon der Tempel Rinnō-ji, links (ebenfalls ummauert) der Taiyū-in, das Mausoleum des dritten Shōguns Iemitsu. Die Gebäude im linken Bildteil repräsentieren weitere Schrein- und Tempelbauten, einschließlich der berühmten Kegon Wasserfälle und des Chūzen-ji Sees, die einen halben Tagesmarsch vom Hauptschrein entfernt liegen. Tatsächlich wird das ganze Ensemble jedoch seit alters her als ein einziger „Tempel-Schrein Komplex“ angesehen.

  3. Pagode nikko.jpg

    Pagode Nikkō

    Pagode, gojūtō (Holz). Errichtet 1650, zerstört 1815, wiedererrichtet 1818; Tōshō-gū, Nikkō, Tochigi-ken; Höhe: 31,8 m
    Bild © Mike Murrill, flickr 2007. (Letzter Zugriff: 2016/9/18)

    Diese besonders schlanke fünfgeschoßige Pagode (gojū-tō) befindet sich auf dem Gelände des Tōshō-gū Schreins (!) in Nikkō.

  4. Shinkyo nikko.jpg

    Götterbrücke (Shinkyō)

    Brücke (Lackiertes Holz, Stein); Länge 28 m, Höhe: ca. 10 m
    Bild © Nipponisimo, 2008. (Letzter Zugriff: 2016/9/18)

    Die „Götterbrücke“ markiert den Hauptzugang zur Anlage von Nikkō. Sie soll erstmals 808 errichtet worden sein. Ihre heutige Gestalt erhielt sie im Zuge des Ausbaus der Gesamtanlage unter Iemitsu, 1636. Nach einer Zerstörung im Jahr 1902 wurde sie 1904 nach alten Plänen neu aufgebaut, die letzte Generalsanierung erfolgte 2006. Die Brücke gehört offiziell zum Futarasan Schrein, dem ältesten Teilschrein der Anlage. (Quelle: Tochigi-ken no toboku isan)

  5. Torii nikko.jpg

    Torii in Nikkō

    Schreintor, torii (Stein). 1618; Schreinanlage von Nikkō, Tochigi-ken; 9,2 x 13,2 m

    Torii in der Schreinanlage von Nikkō.

  6. Nikko torii meiji.jpg

    Nikkō, torii und Pagode

    Photographie (Schwarzweiß Foto). Spätes 19. Jh.
    Bild © New York Public Library. (Letzter Zugriff: 2016/9/18)

    Torii und Pagode () des Tōshō-gū aus einer weniger touristischen Zeit (frühe Meiji-Zeit).

  7. Nikko 1940.jpg

    Der Aufstieg zur Anlage

    Farbholzschnitt (Papier, Farbe) von Yoshida Tōshi. 1940; 17 x 24 cm
    Bild © Online Archive of California. (Letzter Zugriff: 2016/9/18)
    Ruth and Sherman Lee Institute for Japanese Art

    Aufgang zur Schreinanlage von Nikkō, welche man durch das Yōmei-mon betritt.

  8. Yomeimon vorne.jpg

    Tor der Sonnenklarheit (Yōmei-mon)

    Schreintor. Edo-Zeit, 1636; „Nationalschatz“
    Bild © Matsui Fumio/TOKYO VIEWS, flickr 2010. (Letzter Zugriff: 2016/8)

    Das Yōmei-mon, das bekannteste und am reichsten dekorierte Bauwerk in der Anlage in Nikkō (vordere Ansicht).

  9. Sakabashira nikko.jpg

    Umgedrehter Dämonen-Abwehr-Pfeiler (mayoke no sakabashira)

    Bild © Minkara, 2010. (Letzter Zugriff: 2016/8)

    Der Pfeiler (mayoke no sakabashira) befindet sich am rückwärtigen Teil des Yōmei-mon. Bei genauem Hinsehen erkennt man, dass das Muster des mittleren Pfeilers im Vergleich zu den anderen Pfeilern um 180 Grad gedreht ist.

  10. Sakabashira.jpg

    Umgedrehter Baumstamm (sakabashira)

    Buchillustration von Toriyama Sekien. 1776; aus Gazu hyakki yakkō II (Gespensterhandbuch)
    Bild © Ryugoku University Library (jap.). (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Aus dem umgedrehten Baum (mayoke no sakabashira) entweichen Geister.

  11. Affen nikko.jpg

    Die Drei Weisen Affen, Nikkō

    Halbrelief, saru (Holz). 17. Jh.; Tōshō-gū in Nikkō, Tochigi-ken
    Bild © Ron Reznick, 2004. (Letzter Zugriff: 2016/9)

    Die Drei Weisen Affen (saru), welche ihren Ursprung im kōshin-Glauben haben, sind die vielleicht berühmteste Figurengruppe innerhalb der reich ornamentierten Anlage des Tōshō-gū Schreins. Sie befinden sich an einem Nebengebäude, das einstmals als Stall diente, denn angeblich sollen Affen gut für die Gesundheit von Pferden sein. Die Affen repräsentieren das Prinzip „Nicht sehen, nicht hören, nicht reden“ (mizaru, iwazaru, kikazaru).

  12. Nemuri neko.jpg

    Die schlafende Katze (nemuri neko)

    Skulptur (Holz, bemalt) von Hidari Jingorō, Detail. Edo-Zeit, 17. Jh.
    Bild © Ron Reznick, 2004. (Letzter Zugriff: 2016/9)

    Die Skulptur befindet sich direkt über dem Aufgang zur eigentlichen Grabanlage des in Nikkō verehrten Shōgun Tokugawa Ieyasu. Obwohl eher klein und leicht zu übersehen, zählt sie zusammen mit den Drei Affen zu den populärsten Schitzwerken des Schreins. Die Statue wird dem legendenumwobenen Künstler Hidari Jingorō zugeschrieben. Es heißt, Jingorō habe mit dieser Darstellung auf den verschlagenen Charakter des Shōguns anspielen wollen, der sich gleich einer Katze gern schlafend stellte, obwohl er alles um sich sehr wohl mitbekam.

  13. Nikko karamon.jpg

    Schreindächer

    Schreindach (Holz, Bronze, Kupfer), Detail. Frühe Edo-Zeit, 17. Jh.; Tōshō-gū Schrein, Nikkō
    Bild © Ron Reznick, 2004. (Letzter Zugriff: 2016/8)

    Detail der Dachkonstruktionen des Tōshō-gū Schreins, Nikkō. Im Vordergrund das „chinesische Tor“. Das Dach dahinter gehört zur Haupthalle. In diesem Architekturstil aus der frühen Edo-Zeit gibt es zwischen buddhistischen Tempeln und shintōistischen Schreinen kaum einen erkennbaren Unterschied.

  14. Karamon 19jh.jpg

    Nikkō, Kara-mon

    Photographie. Meiji-Zeit, 19. Jh.
    Bild © Museum für Angewandte Kunst (MAK), Wien. (Letzter Zugriff: 2016/10/3)

    Das „Chinesische Tor“ (Karamon) des Tōshō-gū Schreins, Nikkō. Foto eines unbekannten Meisters aus dem 19. Jh.

  15. Toshogu haiden.jpg

    Kara-mon und Haupthalle

    Schreinhalle
    Bild © Ron Reznick, 2008. (Letzter Zugriff: 2016/8)

    Die Haupthalle besteht im Grunde aus zwei Teilen, einem vorderen, der zugänglich ist und einem hinteren, unzugänglichen, wo sich das Hauptheiligtum (shintai) des Schreins befindet. Dieses Arrangement ist typisch für den sogenannten gongen-Stil.

  16. Nikko 1890.jpg

    Das „chinesische Tor“ und die Haupthalle des Schreins

    Handkolorierte Photographie von Kusakabe Kinbei. 1890
    Bild © New York Public Library. (Letzter Zugriff: 2016/8)

    Die Haupthalle des Tōshō-gū und das „chinesische Tor“, welches seinen Namen den zahlreichen Motiven aus der chinesischen Mythologie verdankt, die in den Schnitzereien des Gebälks dargestellt sind.

  17. Dach nikko.jpg

    Dachschindeln, Nikkō

    Schreindach, Detail
    Bild © Mike Murril, 2007. (Letzter Zugriff: 2016/9/18)

    Die Schindeln der Schreinanlage von Nikkō sind alle mit dem Familienwappen der Tokugawa (drei Malvenblätter, mitsuba aoi) ausgestattet.

  18. Ieyasu.jpg

    Tokugawa Ieyasu

    Hängerollbild (Tusche, Farbe, auf Seide). Edo-Zeit, Anfang 17. Jh.; Sakai City Museum; 57 x 48 cm
    Bild © Money L. Hickman(1996). Japan's Golden Age: Momoyama. New Haven und London: Yale University Press, S. 77.

    Offizielles Portrait von Tokugawa Ieyasu in schwarzer Hofbeamtenrobe (sokutai). Im Hintergrund sind Schreinbauten angedeutet, die möglicherweise den Tōshō-gū darstellen und auf die Deifizierung des Shōguns hinweisen sollen.

  19. Inukimon nikko.jpg

    Bronzenes Tor (inuki-mon)

    Tempeltor (Bronze)
    Bild © Ron Reznick, 2004. (Letzter Zugriff: 2016/8)

    Bronzenes Tor zum Grab des Tokugawa Ieyasu, oberhalb der Hauthalle des Schreins

  20. Hoto ieyasu nikko.jpg

    Grabmal des Tokugawa Ieyasu

    Grabstupa (Bronze). 1683
    Bild © Ron Reznick, 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Das Grabmal ist nicht identisch mit dem Hauptschreingebäude, in dem Ieyasu als „Gottheit, die den Osten erleuchtet“ verehrt wird. Es befindet sich hangaufwärts der Schreingebäude und ähnelt einer buddhistischen Pagode im tahōtō-Stil.

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    Drachenpalast-Tor (Ryūgū no mon)

    Schreintor (Stein, Holz, Metall). Frühe Edo-Zeit, 17. Jh.; Taiyū-in, Nikkō

    Der offizielle Namen dieses Tores (ryūgū-mon) ist dem Heian-zeitlichen Kaiserpalast entlehnt und lautet Kōka-mon 皇嘉門, „Tor des kaiserlichen Ruhms“. Architektonisch orientiert sich das Tor jedoch an Vorbildern aus der chinesischen Ming-Dynastie. Es ist Teil des Mausoleums von Tokugawa Iemitsu (1604–1651), dem 3. Tokugawa-Shōgun. Dieses Mausoleum befindet sich neben dem Tōshō-gū in Nikkō. Unter Iemitsu wurde die gesamte Anlage prachtvoll ausgebaut und erhielt ihre heutige Gestalt.

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    Tokugawa Mausoleum, Zōjō-ji

    Photographie (handkoloriertes Foto) von Kusakabe Kinbei (1841–1934). Meiji-Zeit, spätes 19. Jh.; Shiba Tempel (Zōjō-ji), Tōkyō
    Bildquelle: Okinawa Soba, (flickr). (Letzter Zugriff: 2016/9/18)

    Eingang eines Tokugawa Mausoleums des Shiba Tempels (Zōjō-ji), Tōkyō. Die gesamte Tempelanlage wurde im 2. Weltkrieg zerstört. Das dargestellte Tor ist das Chokugaku-mon (Tor mit kaiserlicher Aufschrift) und führte zum Yūshō-in Mausoleum des siebten Tokugawa Shōguns, Ietsugu. Deutlich erkennbar ist das Familienwappen der Tokugawa an den roten Balken und an den Dachschindeln.
    Bemerkenswert ist die Gestalt rechts, in einer unterwürfigen Verehrungsgeste, die man heute in Japan nicht mehr sieht. Höchst wahrscheinlich war es gewöhnlichen Untertanen verwehrt, sich dem Heiligtum weiter als bis zu diesen Treppen anzunähern. Der Betende könnte ein Diener des Photographen sein, jedenfalls trägt er traditionelle Kleidung und Haartracht. Gänzlich unbeeindruckt von der Inbrunst des Betenden ist außerdem ein junger Mönch zu sehen, wahrscheinlich ein Mönch des Zōjō-ji, der dem Jōdo Buddhismus angehört. Er war wohl vom Tempel dafür abgestellt, die photographische Aufnahme zu überwachen.

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    Skizze des Tōshō-gū

    Schreinhalle

    Skizze des Nikkō Tōshō-gū, ein Beispiel für den gongen-Stil. Frontseitig ist nur die Zeremonienhalle (haiden, li.) zu sehen, manchmal sind die hinteren Gebäudeteile auch durch Zäune oder Mauern den Blicken entzigen. Der Zugang zur Haupthalle (honden, re.) ist nur über die Zeremonienhalle möglich und der Öffentlichkeit grundsätzlich verwehrt. Dazwischen befindet sich ein kurzer Korridor, der ishi no ma oder ai no ma genannt wird. Häufig liegt die Bodenhöhe des Korridors tiefer als die der Zeremonienhalle, während die Bodenhöhe der Haupthalle am höchsten liegt. Die Höhenunterschiede reflektieren den religiöse Status des jeweiligen Gebäudeteils.

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    Kunō-zan Tōshō-gū

    Schreinhalle, gongen-zukuri. Edo-Zeit, 17. Jh.; „Nationalschatz“; Shizuoka
    Bild © Eric Foto, Nov. 2011. (Letzter Zugriff: 2016/9/18)

    Tōshō-gū an jenem Ort, an dem Tokugawa Ieyasu ursprünglich bestattet wurde. Die heutige Form des Schreins stammt wahrscheinlich aus den 1640er Jahren. 1645 erhielt der Schrein den Namen Tōshō-gū. Die Struktur des Gebäudes richtet sich nach dem Tōshō-gū in Nikkō, einige Details weichen aber natürlich ab.

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    Familientempel der Tokugawa

    Tempelhalle; Oku-no-in, Berg Kōya
    Bild © Lonely Trip, 2007. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Die wichtigsten Familien der Edo-Zeit errichteten eigene Familientempel innerhalb der Friedhofsanlage des Kōya-san, allen voran die Tokugawa. Interessanterweise findet sich vor diesem buddhistischen Bauwerk ein torii.

Links und Literatur

Bernhard Scheid 2003
Schlachtenlärm in den Gefilden der kami: Shintoistische Vergöttlichung im Fadenkreuz weltlicher und geistlicher Machtpolitik.“ In: Hannelore Eisenhofer-Halim (Hg.), Wandel zwischen den Welten: Festschrift für Johannes Laube. Frankfurt/Main: Lang 2003, S. 619–45.
Sugahara Shinkai 1996
The Distinctive Features of Sannō Ichijitsu Shinto.“ Japanese Journal of Religious Studies 23:1–2 (1996), S. 61–84. [Übersetzung aus dem Japanischen, Bernhard Scheid.]
  • Nikko, Ron Reznicks Foto-Rundgang durch Nikkō enthält die schönsten Nikkō-Impressionen, die im Internet zu finden sind.
  • Gongen-zukuri, Eintrag in JAANUS (Japanese Architecture and Art Net Users System)
Letzte Überprüfung der Linkadressen: Sept. 2016
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Ikonographie