Westliche Astrologie im vormodernen Japan

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Westliche Astrologie im vormodernen Japan
Die zwölf Tierkreiszeichen des Westens.
Tierkreiszeichen. Edo-Zeit; aus Butsuzō zui
Bild © Ehime University Library. (Letzter Zugriff: 2016/8)
Suzuka bunko.

Abbildung der westlichten Tierkreiszeichen in der Bildenzyklopädie Butsuzō zui aus der Edo-Zeit.

. 1 Die zwölf westlichen Tierkreiszeichen
Darstellung aus der Edo-Zeit

In der EdoEdo 江戸 Hauptstadt der Tokugawa-Shōgune, heute: Tōkyō; auch: Zeit der Tokugawa-Dynastie, 1600–1867 (= Edo-Zeit); ShichigosanMatsuriPhalluskulteMoencheWuerdentraeger... mehr-zeitlichen bud­dhis­tischen Bild­enzy­klopädie Butsuzō zuiButsuzō zui 仏像図彙 buddh. Bildenzyklopädie von Tosa Hidenobu, 1783. Arhats findet man neben zahl­reichen anderen Dar­stel­lungen auch die oben ab­ge­bildeten zwölf Figuren, die hier als „Zwölf Paläste“ (jūni-kyūjūni-kyū 十二宮 wtl. „Zwölf Paläste“; traditionelle jap. Bezeichnung für die 12 Sternzeichen der westl. Astrologie ) be­zeichnet werden. Ab­ge­sehen von den in­di­vi­duellen Be­zeich­nungen ist keine nähere Er­läuterung dieser Figuren angebracht, sie finden sich aller­dings in einem Ab­schnitt, der den Sternen ge­wid­met ist. Tat­sächlich er­kennt man ohne große Mühe Ähn­lich­keiten dieser Figuren mit den im Westen be­kannten astro­logischen Tier­kreis­zeichen. Dies lässt darauf schließen, dass die Astro­logie der klas­sischen euro­päischen Antike auch im japanischen Buddhismus nicht ganz unbekannt war.

Karazu 火羅図.
Hängerollbild, kakemono, Detail; Museum des Tōji Tempels, Kyōtō
Bild © Tōji no mikkyō zuzō (Bildwerke des Tōji Tempels; Ausstellungskatalog), 1999, Abb. 12.

Abgebildet sind die 12 Tierkreiszeichen (jūni shi) und die „Neun Planeten“ (kuyōsei), die kleinen Figuren im inneren Bereich stellen die chinesischen Sternbilder dar. In der Mitte befindet sich Bodhisattva.

. 2 Sternbilder der Heian-Zeit

Obiges Beispiel stammt aus einem astro­logischen Lehr­buch der späten HeianHeian 平安 alter Name Kyōtos, eig. Heian-kyō 平安京, „Stadt des Friedens“; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit) ShichigosanJahrMatsuriMoencheOpfergaben... mehr-Zeit (12. Jh.). Die Zeich­nung ist ähnlich einem mandalamaṇḍala मण्डल „Kreis“, schematische Darstellung der kosmischen Ordnung, jap. mandara 曼荼羅 KasugaStupaVajrapaniShotoku TaishiKukai... mehr (jap. mandaramandara 曼荼羅 Repräsentation eines religiösen Kosmos; japanische Aussprache von skt. mandala MandalaShinto-Goetter) in diverse kon­zentrische Bereiche gegliedert, die jeweils auf be­stimmte Er­schei­nungen am Sternen­himmel Bezug nehmen. In einem schmalen Band, dem von außen ge­sehen zweiten Rahmen, lassen sich wieder die zwölf Stern­zeichen er­kennen. In der rechten unteren Ecke be­ginnend sind dies (gegen den Uhrzeiger):

Fisch, Widder, Stier, Zwillinge (hier ein Ehepaar), Krebs, Löwe, Jung­frau(en), Waage, Skorpion, Schütze (Bogen), Steinbock (makaramakara मकर „Meeresungeheuer“, meist eine Kombination von Fisch und Landtier; entspricht in der Astrologie dem Zeichen des Steinbocks, jap. makera 摩竭羅 oder shachi Imaginaere Tiere), und Wasser­mann (Krug).

Die prominenteren Figuren, die jeweils mit Kreisen um­geben sind, stellen die „Neun Planeten“ (jap. kuyōseikuyōsei 九曜星 Neun Planeten (Sonne, Mond, Mars, Merkur, Jupiter, Venus, Saturn und die sog. „Mondknoten“, also die astronomischen Punkte, an denen eine Mondfinsternis eintreten kann); skt Navagraha ) dar, die kleinen Figuren im inner­sten Bereich re­prä­sen­tieren die 28 „Stationen“ (shuku oder suku), also die chi­ne­sischen Stern­bilder. In der Mitte ist Manjushri (jap. Monju BosatsuMonju Bosatsu 文殊菩薩 Bodhisattva Manjushri; Schüler des historischen Buddha Tempel), BodhisattvaBodhisattva बोधिसत्त्व „Erleuchtetes Wesen“, jap. bosatsu 菩薩 ShichigosanPhalluskulteMoencheBekannte SchreineKasuga... mehr der Weis­heit, auf seinem Löwen zu sehen, da­runter der Planet Saturn (jap. DoyōseiDoyōsei 土曜星 wtl. Erdplanet, Saturn ). Während die chi­ne­sischen Stern­bilder je­weils durch eine mehr oder weniger be­kannte bud­dhis­tische Gestalt re­prä­sen­tiert sind (Saturn etwa hat die Gestalt des Königs der Unter­welt, EnmaEnma 閻魔 skt. Yama; König oder Richter der Unterwelt; auch Enra; meist als Enma-ten oder Enma-ō angesprochen Heian ZeitIkonographieJizoMyooWaechtergoetter... mehr), haben die „west­lichen Stern­zeichen“ ihre hier­zu­lande bekannte Form zum Großteil behalten.

Sternenmandala (Hoshi mandara).
Hängerollbild, nyorai, mandara (Farbe, Tusche auf Seide). Edo-Zeit; 83 x 51,9 cm
Bild © Museum of Fine Arts, Boston. (Letzter Zugriff: 2016/8)
William Sturgis Bigelow Collection.

In der Mitte trohnt Buddha auf dem Weltenberg Shumisen, um den Berg herum sind die Neun Planeten sowie die Sterne des Großen Wagens zu sehen. Außerhalb befinden sich die westlichen Sternzeichen und die chinesischen Sternbilder.

. 3 „Sternen Mandala“ der Edo-Zeit

Diese Abbildung nennt sich Sternen Mandala und zeigt ein ähnliches Schema. In der Mitte sieht man den buddhis­tischen Welten­berg SumeruSumeru सुमेरु Weltenberg des indisch-buddhistischen Universums; auch: Meru, jap. Shumi-sen 須弥山 AshuraJinno shotoki (jap. ShumisenShumisen 須弥山 Buddhistischer Weltenberg; skt. Meru oder Sumeru; ), auf dem BuddhaBuddha बुद्ध „Der Erleuchtete“, jap. butsu (hotoke) 仏 oder Budda 仏陀 AlltagAhnenkultFriedhofGorintoShikoku... mehr mit dem Rad der Lehre in Händen trohnt. Den Sanduhr-förmigen Welten­berg um­gibt ein Ozean (in dessen südlichem Teil die be­kannte Welt einen eigenen Kon­ti­nent namens JambudvipaJambudvīpa जम्बूद्वीप „Rosenapfelland“, in der trad. indischen Kosmologie: Kontinent der irdischen Welt südlich des Weltenbergs Sumeru, jap. Enbudai 閻浮提 , jap. EnbudaiEnbudai 閻浮提 skt. Jambudvipa. Kontinent der irdischen Welt in der trad. indischen Kosmologie. Im Buddhismus Kontinent südlich des Weltenbergs Sumeru , bildet, der hier aber nicht ab­ge­bildet ist). Rund um den Welten­berg scharen sich die Neun Planeten sowie die sieben Sterne des Großen Wagens (hokutohokuto 北斗 Sternbild des Großen Wagens (chin. Nördlicher Schöpflöffel) Himmelskunde). In einem weiteren Kreis finden sich wieder die Stern­zeichen der west­lichen Astro­logie. Im äußersten Bereich sind schließ­lich die 28 chi­ne­sischen Stern­bilder zu sehen.

Die obigen Darstellungen und die ent­sprech­enden Methoden der bud­dhis­tischen Astro­logie gehen auf einen Text zurück, der in Japan land­läufig als Sukuyō-kyōSukuyō-kyō 宿曜経 Sutra der Sternbilder be­zeich­net wird. Der volle Titel lautet in etwa „sutrasūtra सूत्र „Faden“, Lehrrede des Buddha, kanonische Schrift, jap. kyō 経 oder kyōten 経典 GluecksbringerFushimiTempelAmidismusFruehzeit... mehr der von guten und schlechten Tagen gemäß den Stern­bildern wie sie von Bodhisattva ManjushriMañjuśrī मञ्जुश्री Bodhisattva der Weisheit, jap. Monju 文殊 VajrapaniEnma und diversen Weisen er­klärt wurden.“ Manjushri ist also nicht zufällig auf dem Bild aus der Heian-Zeit ab­geildet. Er wurde offen­bar als der Ent­decker astro­logischer Ge­heim­nisse angesehen.

Der Text selbst stammt von dem großen Übersetzer AmoghavajraAmoghavajra अमोघवज्र 705–774; buddh. Mönch aus Samarkand, Autor und Übersetzer zahlreicher Schriften des esoterischen Buddhismus aus dem Sanskrit ins Chinesische; chin. Bukong Jingang, jap. Fukū Kongō 不空金剛 Bishamon-ten (705–774), der v.a. Texte des eso­terischen Bud­dhis­mus aus dem Sans­krit ins Chi­ne­sische übertrug. In manchen Fällen, so auch in diesem, ist aller­dings unklar, ob tat­sächlich ein ent­sprechendes Sans­krit-Original existierte oder ob es sich nicht um Amoghavajras eigene Schriften handelt. Zu Amoghavajras „Enkel­schülern“ zählte auch KūkaiKūkai 空海 774–835, Gründer des Shingon Buddhismus; Eigennamen Saeki Mao, Ehrennamen Kōbō Daishi FeuergangShikokuBekannte SchreineFushimiBekannte Tempel... mehr, der das Sutra der Stern­bilder in Japan bekannt machte.

Verweise

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Bilderläuterungen

  1. Junigu butsuzozui.jpg
    Die zwölf Tierkreiszeichen des Westens.
    Tierkreiszeichen. Edo-Zeit; aus Butsuzō zui
    Bild © Ehime University Library. (Letzter Zugriff: 2016/8)
    Suzuka bunko.

    Abbildung der westlichten Tierkreiszeichen in der Bildenzyklopädie Butsuzō zui aus der Edo-Zeit.

  2. Shukuyo.jpg
    Karazu 火羅図.
    Hängerollbild, kakemono, Detail; Museum des Tōji Tempels, Kyōtō
    Bild © Tōji no mikkyō zuzō (Bildwerke des Tōji Tempels; Ausstellungskatalog), 1999, Abb. 12.

    Abgebildet sind die 12 Tierkreiszeichen (jūni shi) und die „Neun Planeten“ (kuyōsei), die kleinen Figuren im inneren Bereich stellen die chinesischen Sternbilder dar. In der Mitte befindet sich Bodhisattva.

  3. Hoshi mandara boston.jpg
    Sternenmandala (Hoshi mandara).
    Hängerollbild, nyorai, mandara (Farbe, Tusche auf Seide). Edo-Zeit; 83 x 51,9 cm
    Bild © Museum of Fine Arts, Boston. (Letzter Zugriff: 2016/8)
    William Sturgis Bigelow Collection.

    In der Mitte trohnt Buddha auf dem Weltenberg Shumisen, um den Berg herum sind die Neun Planeten sowie die Sterne des Großen Wagens zu sehen. Außerhalb befinden sich die westlichen Sternzeichen und die chinesischen Sternbilder.

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„Westliche Astrologie im vormodernen Japan.“ In: Bernhard Scheid (Hg.), Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 4.9.2018). URL: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Texte/Himmelskunde/Astrologie?oldid=70892