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Seit Beginn meines Studiums beschäftige ich mich mit Japans religiöser Landschaft, was dazu geführt hat, dass ich nach dem Abschluss des Bakkalaureatsstudiums Japanologie an die Religionswissenschaft gewechselt habe. Mein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Buddhismus und der indigen-japanischen Religion (wie auch immer man diese konzeptionieren mag).
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Seit Beginn meines Studiums beschäftige ich mich mit Japans religiöser Landschaft, was dazu geführt hat, dass ich nach dem Abschluss des Bakkalaureatsstudiums Japanologie an die Religionswissenschaft gewechselt habe. Mein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Buddhismus und der indigen-japanischen Religion (wie auch immer man diese konzeptionieren mag). Die Themengebiete meines Interesses umschließen dabei:  
Ich schreibe gerade an einer Diplomarbeit zum Thema Transformationprozess in der buddhistischen Ikonographie, den ich anhand der Figur des Bishamon-ten 毘沙門天 zu beforschen versuche. Daher besteht zwischen meinen Forschungsinteresse und dem SE „Kamigraphie“ ein gewisser Konsens. Im Rahmen dieses Seminars möchte ich mich mit '''Bishamon-ten''' befassen.
 
 
 
 
 
Weitere Themengebiete meines Interesses:  
 
 
* Religiöser Nationalismus (allem Voran jener des Dritten Reiches und der japanische ''kokka shintō'' 国家神道)
 
* Religiöser Nationalismus (allem Voran jener des Dritten Reiches und der japanische ''kokka shintō'' 国家神道)
 
* Konzeption von Tod und Jenseits in den Religionen
 
* Konzeption von Tod und Jenseits in den Religionen
 
* japanische Rachegeister (''onryō'' 怨霊)  
 
* japanische Rachegeister (''onryō'' 怨霊)  
 
* und buddhistische Ikonographie im Allgemeinen.
 
* und buddhistische Ikonographie im Allgemeinen.
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Ich schreibe gerade an einer Diplomarbeit zum Thema Transformationprozess in der buddhistischen Ikonographie, den ich anhand der Figur des Bishamon-ten 毘沙門天 zu beforschen versuche. Daher besteht zwischen meinen Forschungsinteresse und dem SE „Kamigraphie“ ein gewisser Konsens. Im Rahmen dieses Seminars möchte ich mich mit '''Bishamon-ten''' befassen.
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Da ich mich in diesem Seminar nur Bishamons Entwicklung innerhalb des japanischen Pantheons widmen kann, möchte ich im Folgenden diese Seite hier auch nutzen, um einige Ergebnisse meiner Diplomarbeit ''Kriegsglück und Reichtum. Zur ikonographischen Transformation Bishamon-tens. Indien – Japan.'' zu präsentieren, die sich mit Bishamons Transformation vor seiner Aufnahme in Japan beschäftigen.
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== '''Der japanische Bishamon''' ==
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[[Tamon-ten|Bishamon-ten]] 毘沙門天 gilt in Japan als eine Schutzgottheit des Buddhismus, ''dharmapāla''. Er ist der Anführer der ''shitennō'' 四天王, der Vier großen Himmelskönige, hat als solcher die Schutzherrschaft über den Norden inne und ist der Herrscher der Yakṣas (薬叉, 夜叉). Zudem gilt er als Schutzherr der Nation (Tobatsu Bishamon 兜跋毘沙門天) und Krieger und Mitglied der Sieben Glückgötter 七福神.
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Bishamon-ten gehört, wie das Suffix ''-ten'' 天 bereits ausdrückt, zur Gruppe der Devas (jap. ''[[-ten(bu)|Tenbu]]'' 天部) , in der jene Göttergestalten des Buddhismus zusammengefasst sind, die sich bis ins vedische Pantheon zurückverfolgen lassen. Der Buddhismus übernahm sie bei seiner Entstehung zumeist als Schutzgötter in sein Pantheon. Bishamon, der das Ergebnis eines Jahrhunderte andauernden Transformations- und Überlieferungsprozesses ist, findet seine Wurzeln in der Hindu-Gottheit Kubera. Doch auch Kubera hatte bereits innerhalb der vedisch-brahmanischen Religion eine lange Evolution hinter sich, bis er in seiner voll ausgestalteten Rolle eines Schutzherren des Nordens und des Reichtums in den Buddhismus integriert wurde.
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== Kubera ==
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Kubera ist eine Figur der vedisch-brahmanischen Religion, die als Schutzherr der Reichtümer und der (nördlichen) Himmelsrichtung sowie als Herrscher der Rakṣas und Yakṣas <ref> Zwei vedisch-mythologische Dämonenvölker. </ref> gilt. Zum ersten Mal wird Kubera im ''Atharvaveda'', einer wahrscheinlich um 1000 v. Chr. zusammengestellten und bis ins Jahr 200 v. Chr. mündlich tradierten Schrift, erwähnt (''Atharvaveda'' 8.10.28) <ref> Griffith 1895-96:353. </ref>. In der Folgezeit werfen zahlreiche Schriften der ''śruti''-Literatur <ref> Die ''śruti''-Literatur enthält Texte, die als göttlich, ewig vorhanden und von Weisen „gehört“, aufgefasst und auf 1500 bis 300 v. Chr. datiert werden. Ihren Kern bilden die vedischen Sammlungen. </ref> verschiedene Konzeptionen und Eigenschaften Kuberas auf, jedoch noch in bruchstückhafter und desorientierter Form, die erst in der späteren „epischen“-Phase in eine ausgearbeitete „Biographie“ der Gottheit zusammengeführt werden. Dennoch sind bereits in den frühen Referenzen zu Kubera zwei Entwicklungen auszumachen: Kuberas spätere Rolle als Reichtumsgott, ''lokapāḷa'' <ref> Als ''lokapāḷa'' oder ''dikpāḷa'' werden die Schutzherren der Himmelsrichtungen bezeichnet. </ref> des Nordens und Herr der Rakṣas und Yakṣas wird bereits angedeutet, womit ein gradueller Anstieg seiner Popularität einhergeht.
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'''Kubera in den Epen und Purāṇas'''
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Um 200 v.Chr. begann mit dem Rückgang und der Umgestaltung der vedischen Religion (1750 – 500 v.Chr.) durch Inkorporation volkstümlicher Glaubensauffassungen die Periode des klassischen Hinduismus (200 v. Chr. – 1100 n. Chr.). Dieser Vorgang wird besonders in den mannigfaltigen Ausgestaltungen des vedischen Pantheons ersichtlich, in dem die vedischen Götter in ihrer Bedeutung zunehmend von neuen Gottheiten verdrängt werden und schlägt sich auch in den beiden Nationalepen Indiens, Mahābhārata und Rāmāyaṇa <ref> Die Verfassungszeit des ''Mahābhārata'' geht auf die Periode zwischen 540 und 300 v. Chr. zurück, jene des ''Rāmāyaṇa'' des Valmiki auf das 1. vorchristliche Jahrhundert. </ref> nieder. Von dieser Veränderung der Religion profitierte auch Kubera (vgl. Michaels 2002; Satapathy 2002:93-94): In den Epen und ''Purāṇas'' <ref> Die ''Purāṇas'' gelten als bedeutendste Quelle der hinduistischen Mythologie und wurden zwischen 300 und 900 n. Chr. verfasst. </ref> werden die in den älteren Schriften erwähnten Konzepte und Merkmale Kuberas erstmals in ein System gebracht.
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Sowohl ''Mahābhārata'' als auch ''Rāmāyaṇa'' bezeichnen Kubera als Abkömmling Brahmās, des höchsten indischen Gottes und beschreiben seinen Werdegang. Bis auf wenige Ausnahmen und Variationen halten sich die inhaltlichen Hauptstränge der beiden Werke eng aneinander und sollen hier kurz in einer allgemeinen Zusammenfassung wiedergegeben werden: Als Sohn des tugendhaften Asketen Viśravas erhält Kubera bei seiner Geburt den Namen Vaiśravaṇa: „Since the child resembles Vishravas, he shall be known as Vaishravana“ (''Rāmāyaṇa'' 7.3) <ref>  Shastri 1985a:380. </ref>. Vaiśravaṇa zieht sich in angemessenem Alter zurück und nachdem er 1000 Jahre Askese geübt hatte, heißt es im Mahābhārata „[…] pleased with Vaishrávana, his father gave him immortality, lordship of wealth, protectorship of a quarter, friendship with Ishána <ref> Śiva </ref>, a son, Nala-kúbara, and the royal seat and dwelling place of Lanka, full of troops of demons; he also gave a vehicle called Púshpaka […] which would go anywhere he wished, and the lordship of the yakshas, and sovereignty over kings” (''Mahābhārata'' 3.274) <ref>  Johnson 2005:33. </ref>.
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Auch die Purāṇas, die zwar unzählige Ausschmückungen des Kubera-Mythos umfassen, halten sich weitgehend am Hauptstrang der Epen: Kubera ist weiterhin Brahmā zugeordnet, der ihm seine Rolle zuteilt (z.B. ''Agni Purāṇa'' 1.11.2 <ref> Gangadharan 1984:24. </ref>; ''Brahma Purāṇa'' 4.27.4.7 <ref> Shastri 1986:856. </ref>; ''Brahmāṇḍa Purāṇa'' 2.3.8.38-40 <ref> Tagare 1983:480. </ref>; ''Padma Purāṇa'' 5.6.16-29 <ref> Deshpande 1990b:1663-1664. </ref>).
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'''Kubera, der Herr der Reichtümer und nördlichen Himmelsrichtung'''
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Die Schutzherren der Himmelsrichtungen scheinen bereits in der vedischen Literatur auf und werden als ''dikpāḷa'' oder ''lokapāḷa'' bezeichnet. Schon in den frühen Schriften wird Kubera dem Norden oder Nordwesten zugeordnet. Das ''Rāmāyaṇa'' lässt uns darüber im Dunkeln, welcher Himmelsrichtung er zugeteilt wird, im ''Mahābhārata'' und den ''Purāṇas'' ist es der Norden (z.B. ''Brahma Purāṇa'' 4.27.2 <ref> Shastri 1986:856. </ref>; ''Mahābhārata'' 5.102 <ref> Ganguli 1883-1896:208. </ref>; ''Padma Purāṇa'' 1.21.199b-200 <ref> Deshpande 1988:306. </ref>; ''Skanda Purāṇa'' 13.82.23-35 <ref> Tagare 1997:309. </ref>).
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Ist Kubera bereits in frühen Schriften mit Reichtum assoziiert, so wird er in den Epen von Brahmā explizit zum Herren der Reichtümer und Schätze erhoben (''Mahābhārata'' 3.274 <ref> Johnson 2005:33. </ref>; ''Padma Purāṇa'' 2.34.83 <ref> Deshpande 1989:432. </ref>; ''Rāmāyaṇa'' 7.3 <ref> Shastri 1985a:380-381.</ref>) und viele weitere Textstellen weisen auf diese Rolle Kuberas hin, indem sie ihn als Herren der Schätze (''Mahābhārata'' 3.152 <ref> Fitzgerald 1975:511. </ref>; ''Padma Purāṇa'' 2.41.15-16 <ref> Deshpande 1989:533. </ref>), Schatzmeister der Götter (''Varāha Purāṇa'' 1.30.4-5) <ref> Iyer 1985a:101. </ref> oder als Spender von Reichtümern (''Skanda Purāṇa'' 10.13. 164 <ref> Tagare 1996:137. </ref>) betiteln. Kubera ist von goldener Hautfarbe (''Mahābhārata'' 3.42) <ref> Fitzgerald 1975:304. </ref> und seine Residenzen sind goldene Städte. Zudem herrscht eine gewisse Übereinstimmung zwischen Kuberas Rolle als Schutzgottheit des Reichtums und ''lokapāḷa'' der nördlichen Himmelsrichtung, gilt der Norden in der vedischen Mythologie als Region des Goldes und der Reichtümer (''Mahābhārata'' 3.141) <ref> Ganguli 1883-1896:292.</ref>.
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== Kubera im Pāli-Kanon ==
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Kubera-Vaiśravaṇa wird unter dem Namen Kuvera-Vessavaṇa als Schutzgottheit des buddhistischen Dharma, ''dharmapāla'', in das buddhistische Pantheon integriert. Im Pāli-Kanon erscheint er als einer der Vier Großen Götterkönige, ''Cātummahārājikā devā'', dem buddhistischen Äquivalent der ''lokapāḷa'', und regiert über den Norden. Zudem ist er der Herrscher der Yakkhas (Pāli für Yakṣa).
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== '''Quellen''' ==
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* Deshpande, N. A. (1988): ''The Padma-purāṇa. Volume One.'' Delhi: Motilal Banarsidass.
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* Deshpande, N. A. (1989): ''The Padma-purāṇa. Volume Two.'' Delhi: Motilal Banarsidass.
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* Deshpande, N. A. (1990b): ''The Padma-purāṇa. Volume Four.'' Delhi: Motilal Banarsidass.
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* Fitzgerald, James L. (1975): ''The Mahābhārata Volume Two. The Book of the Assembly Hall. The Book of the Forest.'' Chicago: Univ. of Chicago Press.
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* Gangadharan, Natesa (Üb.) (1984): ''The Agni-purāṇa. Part One.'' Delhi: Motilal Banarsidass.
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* Ganguli, Kisari Mohan (1883-1896): "The Mahabharata", ''Sacred Texts'' | http://www.sacred-texts.com/hin/maha/index.htm  (27. 8. 2011)
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* Griffith, Ralph T.H. (1895-96): „The Hymns of the Atharvaveda‖, Sacred Texts.
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http://www.sacred-texts.com/hin/av/index.htm (24. 8. 2011)
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* Iyer, S. Venkitasubramonia (1985a): ''The Varāha-purāṇa. Part One.'' Delhi: Motilal Banarsidass.
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* Johnson, William J. (2005): ''Mahābhārata Book Three. The Forest Volume Four.'' New York: New York University Press.
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* Knott, Kim (1998): ''Hinduism. A Very Short Introduction.'' Oxford: Oxford University Press.
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* Michaels, Axel (1998): ''Der Hinduismus. Geschichte und Gegenwart.'' München: C.H. Beck Verlag.
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* Satapathy, Chaturbhuja (2002): ''Kubera. Origin and Development.'' New Delhi: Classical Publications.
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* Shastri, Hari Prasad (1985a): ''The Ramayana of Valmiki. Volume Three. Yuddha Kanda. Uttara Kanda.'' London: Shanti Sadan.
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* Shastri, Jagdish Lal (1986): ''The Brahma-purāṇa. Volume Four.'' Delhi: Motilal Banarsidass.
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* Tagare, Ganesh Vasudeo (1983): ''The Brahmāṇḍa-purāṇa. Part Two.'' Delhi: Motilal Banarsidass.
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* Tagare, Ganesh Vasudeo (1996): ''The Skanda-purāṇa. Volume Ten.'' Delhi: Motilal Banarsidass.
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* Tagare, Ganesh Vasudeo (1997): ''The Skanda-purāṇa. Volume Thirteen.'' Delhi: Motilal Banarsidass.
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<references />

Version vom 27. November 2011, 21:16 Uhr

Sarah-Allegra Schönberger


Seit Beginn meines Studiums beschäftige ich mich mit Japans religiöser Landschaft, was dazu geführt hat, dass ich nach dem Abschluss des Bakkalaureatsstudiums Japanologie an die Religionswissenschaft gewechselt habe. Mein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Buddhismus und der indigen-japanischen Religion (wie auch immer man diese konzeptionieren mag). Die Themengebiete meines Interesses umschließen dabei:

  • Religiöser Nationalismus (allem Voran jener des Dritten Reiches und der japanische kokka shintō 国家神道)
  • Konzeption von Tod und Jenseits in den Religionen
  • japanische Rachegeister (onryō 怨霊)
  • und buddhistische Ikonographie im Allgemeinen.

Ich schreibe gerade an einer Diplomarbeit zum Thema Transformationprozess in der buddhistischen Ikonographie, den ich anhand der Figur des Bishamon-ten 毘沙門天 zu beforschen versuche. Daher besteht zwischen meinen Forschungsinteresse und dem SE „Kamigraphie“ ein gewisser Konsens. Im Rahmen dieses Seminars möchte ich mich mit Bishamon-ten befassen. Da ich mich in diesem Seminar nur Bishamons Entwicklung innerhalb des japanischen Pantheons widmen kann, möchte ich im Folgenden diese Seite hier auch nutzen, um einige Ergebnisse meiner Diplomarbeit Kriegsglück und Reichtum. Zur ikonographischen Transformation Bishamon-tens. Indien – Japan. zu präsentieren, die sich mit Bishamons Transformation vor seiner Aufnahme in Japan beschäftigen.


Der japanische Bishamon

Bishamon-ten 毘沙門天 gilt in Japan als eine Schutzgottheit des Buddhismus, dharmapāla. Er ist der Anführer der shitennō 四天王, der Vier großen Himmelskönige, hat als solcher die Schutzherrschaft über den Norden inne und ist der Herrscher der Yakṣas (薬叉, 夜叉). Zudem gilt er als Schutzherr der Nation (Tobatsu Bishamon 兜跋毘沙門天) und Krieger und Mitglied der Sieben Glückgötter 七福神. Bishamon-ten gehört, wie das Suffix -ten 天 bereits ausdrückt, zur Gruppe der Devas (jap. Tenbu 天部) , in der jene Göttergestalten des Buddhismus zusammengefasst sind, die sich bis ins vedische Pantheon zurückverfolgen lassen. Der Buddhismus übernahm sie bei seiner Entstehung zumeist als Schutzgötter in sein Pantheon. Bishamon, der das Ergebnis eines Jahrhunderte andauernden Transformations- und Überlieferungsprozesses ist, findet seine Wurzeln in der Hindu-Gottheit Kubera. Doch auch Kubera hatte bereits innerhalb der vedisch-brahmanischen Religion eine lange Evolution hinter sich, bis er in seiner voll ausgestalteten Rolle eines Schutzherren des Nordens und des Reichtums in den Buddhismus integriert wurde.

Kubera

Kubera ist eine Figur der vedisch-brahmanischen Religion, die als Schutzherr der Reichtümer und der (nördlichen) Himmelsrichtung sowie als Herrscher der Rakṣas und Yakṣas [1] gilt. Zum ersten Mal wird Kubera im Atharvaveda, einer wahrscheinlich um 1000 v. Chr. zusammengestellten und bis ins Jahr 200 v. Chr. mündlich tradierten Schrift, erwähnt (Atharvaveda 8.10.28) [2]. In der Folgezeit werfen zahlreiche Schriften der śruti-Literatur [3] verschiedene Konzeptionen und Eigenschaften Kuberas auf, jedoch noch in bruchstückhafter und desorientierter Form, die erst in der späteren „epischen“-Phase in eine ausgearbeitete „Biographie“ der Gottheit zusammengeführt werden. Dennoch sind bereits in den frühen Referenzen zu Kubera zwei Entwicklungen auszumachen: Kuberas spätere Rolle als Reichtumsgott, lokapāḷa [4] des Nordens und Herr der Rakṣas und Yakṣas wird bereits angedeutet, womit ein gradueller Anstieg seiner Popularität einhergeht.


Kubera in den Epen und Purāṇas

Um 200 v.Chr. begann mit dem Rückgang und der Umgestaltung der vedischen Religion (1750 – 500 v.Chr.) durch Inkorporation volkstümlicher Glaubensauffassungen die Periode des klassischen Hinduismus (200 v. Chr. – 1100 n. Chr.). Dieser Vorgang wird besonders in den mannigfaltigen Ausgestaltungen des vedischen Pantheons ersichtlich, in dem die vedischen Götter in ihrer Bedeutung zunehmend von neuen Gottheiten verdrängt werden und schlägt sich auch in den beiden Nationalepen Indiens, Mahābhārata und Rāmāyaṇa [5] nieder. Von dieser Veränderung der Religion profitierte auch Kubera (vgl. Michaels 2002; Satapathy 2002:93-94): In den Epen und Purāṇas [6] werden die in den älteren Schriften erwähnten Konzepte und Merkmale Kuberas erstmals in ein System gebracht. Sowohl Mahābhārata als auch Rāmāyaṇa bezeichnen Kubera als Abkömmling Brahmās, des höchsten indischen Gottes und beschreiben seinen Werdegang. Bis auf wenige Ausnahmen und Variationen halten sich die inhaltlichen Hauptstränge der beiden Werke eng aneinander und sollen hier kurz in einer allgemeinen Zusammenfassung wiedergegeben werden: Als Sohn des tugendhaften Asketen Viśravas erhält Kubera bei seiner Geburt den Namen Vaiśravaṇa: „Since the child resembles Vishravas, he shall be known as Vaishravana“ (Rāmāyaṇa 7.3) [7]. Vaiśravaṇa zieht sich in angemessenem Alter zurück und nachdem er 1000 Jahre Askese geübt hatte, heißt es im Mahābhārata „[…] pleased with Vaishrávana, his father gave him immortality, lordship of wealth, protectorship of a quarter, friendship with Ishána [8], a son, Nala-kúbara, and the royal seat and dwelling place of Lanka, full of troops of demons; he also gave a vehicle called Púshpaka […] which would go anywhere he wished, and the lordship of the yakshas, and sovereignty over kings” (Mahābhārata 3.274) [9]. Auch die Purāṇas, die zwar unzählige Ausschmückungen des Kubera-Mythos umfassen, halten sich weitgehend am Hauptstrang der Epen: Kubera ist weiterhin Brahmā zugeordnet, der ihm seine Rolle zuteilt (z.B. Agni Purāṇa 1.11.2 [10]; Brahma Purāṇa 4.27.4.7 [11]; Brahmāṇḍa Purāṇa 2.3.8.38-40 [12]; Padma Purāṇa 5.6.16-29 [13]).


Kubera, der Herr der Reichtümer und nördlichen Himmelsrichtung

Die Schutzherren der Himmelsrichtungen scheinen bereits in der vedischen Literatur auf und werden als dikpāḷa oder lokapāḷa bezeichnet. Schon in den frühen Schriften wird Kubera dem Norden oder Nordwesten zugeordnet. Das Rāmāyaṇa lässt uns darüber im Dunkeln, welcher Himmelsrichtung er zugeteilt wird, im Mahābhārata und den Purāṇas ist es der Norden (z.B. Brahma Purāṇa 4.27.2 [14]; Mahābhārata 5.102 [15]; Padma Purāṇa 1.21.199b-200 [16]; Skanda Purāṇa 13.82.23-35 [17]). Ist Kubera bereits in frühen Schriften mit Reichtum assoziiert, so wird er in den Epen von Brahmā explizit zum Herren der Reichtümer und Schätze erhoben (Mahābhārata 3.274 [18]; Padma Purāṇa 2.34.83 [19]; Rāmāyaṇa 7.3 [20]) und viele weitere Textstellen weisen auf diese Rolle Kuberas hin, indem sie ihn als Herren der Schätze (Mahābhārata 3.152 [21]; Padma Purāṇa 2.41.15-16 [22]), Schatzmeister der Götter (Varāha Purāṇa 1.30.4-5) [23] oder als Spender von Reichtümern (Skanda Purāṇa 10.13. 164 [24]) betiteln. Kubera ist von goldener Hautfarbe (Mahābhārata 3.42) [25] und seine Residenzen sind goldene Städte. Zudem herrscht eine gewisse Übereinstimmung zwischen Kuberas Rolle als Schutzgottheit des Reichtums und lokapāḷa der nördlichen Himmelsrichtung, gilt der Norden in der vedischen Mythologie als Region des Goldes und der Reichtümer (Mahābhārata 3.141) [26].

Kubera im Pāli-Kanon

Kubera-Vaiśravaṇa wird unter dem Namen Kuvera-Vessavaṇa als Schutzgottheit des buddhistischen Dharma, dharmapāla, in das buddhistische Pantheon integriert. Im Pāli-Kanon erscheint er als einer der Vier Großen Götterkönige, Cātummahārājikā devā, dem buddhistischen Äquivalent der lokapāḷa, und regiert über den Norden. Zudem ist er der Herrscher der Yakkhas (Pāli für Yakṣa).


Quellen

  • Deshpande, N. A. (1988): The Padma-purāṇa. Volume One. Delhi: Motilal Banarsidass.
  • Deshpande, N. A. (1989): The Padma-purāṇa. Volume Two. Delhi: Motilal Banarsidass.
  • Deshpande, N. A. (1990b): The Padma-purāṇa. Volume Four. Delhi: Motilal Banarsidass.
  • Fitzgerald, James L. (1975): The Mahābhārata Volume Two. The Book of the Assembly Hall. The Book of the Forest. Chicago: Univ. of Chicago Press.
  • Gangadharan, Natesa (Üb.) (1984): The Agni-purāṇa. Part One. Delhi: Motilal Banarsidass.
  • Griffith, Ralph T.H. (1895-96): „The Hymns of the Atharvaveda‖, Sacred Texts.

http://www.sacred-texts.com/hin/av/index.htm (24. 8. 2011)

  • Iyer, S. Venkitasubramonia (1985a): The Varāha-purāṇa. Part One. Delhi: Motilal Banarsidass.
  • Johnson, William J. (2005): Mahābhārata Book Three. The Forest Volume Four. New York: New York University Press.
  • Knott, Kim (1998): Hinduism. A Very Short Introduction. Oxford: Oxford University Press.
  • Michaels, Axel (1998): Der Hinduismus. Geschichte und Gegenwart. München: C.H. Beck Verlag.
  • Satapathy, Chaturbhuja (2002): Kubera. Origin and Development. New Delhi: Classical Publications.
  • Shastri, Hari Prasad (1985a): The Ramayana of Valmiki. Volume Three. Yuddha Kanda. Uttara Kanda. London: Shanti Sadan.
  • Shastri, Jagdish Lal (1986): The Brahma-purāṇa. Volume Four. Delhi: Motilal Banarsidass.
  • Tagare, Ganesh Vasudeo (1983): The Brahmāṇḍa-purāṇa. Part Two. Delhi: Motilal Banarsidass.
  • Tagare, Ganesh Vasudeo (1996): The Skanda-purāṇa. Volume Ten. Delhi: Motilal Banarsidass.
  • Tagare, Ganesh Vasudeo (1997): The Skanda-purāṇa. Volume Thirteen. Delhi: Motilal Banarsidass.


  1. Zwei vedisch-mythologische Dämonenvölker.
  2. Griffith 1895-96:353.
  3. Die śruti-Literatur enthält Texte, die als göttlich, ewig vorhanden und von Weisen „gehört“, aufgefasst und auf 1500 bis 300 v. Chr. datiert werden. Ihren Kern bilden die vedischen Sammlungen.
  4. Als lokapāḷa oder dikpāḷa werden die Schutzherren der Himmelsrichtungen bezeichnet.
  5. Die Verfassungszeit des Mahābhārata geht auf die Periode zwischen 540 und 300 v. Chr. zurück, jene des Rāmāyaṇa des Valmiki auf das 1. vorchristliche Jahrhundert.
  6. Die Purāṇas gelten als bedeutendste Quelle der hinduistischen Mythologie und wurden zwischen 300 und 900 n. Chr. verfasst.
  7. Shastri 1985a:380.
  8. Śiva
  9. Johnson 2005:33.
  10. Gangadharan 1984:24.
  11. Shastri 1986:856.
  12. Tagare 1983:480.
  13. Deshpande 1990b:1663-1664.
  14. Shastri 1986:856.
  15. Ganguli 1883-1896:208.
  16. Deshpande 1988:306.
  17. Tagare 1997:309.
  18. Johnson 2005:33.
  19. Deshpande 1989:432.
  20. Shastri 1985a:380-381.
  21. Fitzgerald 1975:511.
  22. Deshpande 1989:533.
  23. Iyer 1985a:101.
  24. Tagare 1996:137.
  25. Fitzgerald 1975:304.
  26. Ganguli 1883-1896:292.