Benutzer:Sas

Aus Kamigraphie
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Sarah-Allegra Schönberger


Seit Beginn meines Studiums beschäftige ich mich mit Japans religiöser Landschaft, was dazu geführt hat, dass ich nach dem Abschluss des Bakkalaureatsstudiums Japanologie an die Religionswissenschaft gewechselt habe. Mein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Buddhismus und der indigen-japanischen Religion (wie auch immer man diese konzeptionieren mag). Die Themengebiete meines Interesses umschließen dabei:

  • Religiöser Nationalismus (allem Voran jener des Dritten Reiches und der japanische kokka shintō 国家神道)
  • Konzeption von Tod und Jenseits in den Religionen
  • japanische Rachegeister (onryō 怨霊)
  • und buddhistische Ikonographie im Allgemeinen.

Ich schreibe gerade an einer Diplomarbeit zum Thema Transformationprozess in der buddhistischen Ikonographie, den ich anhand der Figur des Bishamon-ten 毘沙門天 zu beforschen versuche. Daher besteht zwischen meinen Forschungsinteresse und dem SE „Kamigraphie“ ein gewisser Konsens. Im Rahmen dieses Seminars möchte ich mich mit Bishamon-ten befassen. Da ich mich in diesem Seminar nur Bishamons Entwicklung innerhalb des japanischen Pantheons widmen kann, möchte ich im Folgenden diese Seite hier auch nutzen, um einige Ergebnisse meiner (noch nicht eingereichten) Diplomarbeit Kriegsglück und Reichtum. Zur ikonographischen Transformation Bishamon-tens. Indien – Japan. zu präsentieren, die sich mit Bishamons Transformation vor seiner Aufnahme in Japan beschäftigen.


Bishamon-ten

Bishamon-ten 毘沙門天 gilt in Japan als eine Schutzgottheit des Buddhismus, dharmapāla [1]. Er ist der Anführer der shitennō 四天王 [2], der Vier großen Himmelskönige, hat als solcher die Schutzherrschaft über den Norden inne und ist der Herrscher der Yakṣas [3] (薬叉, 夜叉). Zudem gilt er als Schutzherr der Nation (Tobatsu Bishamon 兜跋毘沙門天) und Krieger und Mitglied der Sieben Glücksgötter 七福神. Bishamon-ten gehört, wie das Suffix -ten 天 bereits ausdrückt, zur Gruppe der Devas (jap. Tenbu 天部) , in der jene Göttergestalten des Buddhismus zusammengefasst sind, die sich bis ins vedische Pantheon zurückverfolgen lassen. Der Buddhismus übernahm sie bei seiner Entstehung zumeist als Schutzgötter in sein Pantheon. Bishamon, der das Ergebnis eines Jahrhunderte andauernden Transformations- und Überlieferungsprozesses ist, findet seine Wurzeln in der Hindu-Gottheit Kubera. Doch auch Kubera hatte bereits innerhalb der vedisch-brahmanischen Religion eine lange Evolution hinter sich, bis er in seiner voll ausgestalteten Rolle eines Schutzherren des Nordens und des Reichtums in den Buddhismus integriert wurde.


Seiten

Bilder Kubera

Bilder Bishamon-ten


Quellen

  • Armbruster, Gisela (1959): Das Shigisan Engi Emaki. Ein japanisches Rollbild aus dem 12. Jahrhundert. Hamburg: Ges. für Natur- und Völkerkunde Ostasiens.
  • Bakshi, Dwijendra Nath (1979): Hindu Divinities in Japanese Buddhist Pantheon. A Comparative Study. Calcutta: Benten Publications.
  • Bender, Ross (1979): „The Hachiman Cult and the Dokyo Incident”, Monumenta Nipponica 34/2, 125-153.
  • Bowring, Richard (2005): The religious Traditions of Japan. 500 - 1600. Cambridge: Cambridge Univ. Press.
  • Brown, Delmer M. (2010): "JHTI. Japanese Historical Text Initiative”, University of California, Berkeley
  • Casal, Ugo A. (1958). Die sieben Glücksgötter: Shichifukujin. Wiesbaden: Otto Harrassowitz Kommissionsverlag.
  • Chaudhuri, Sarjo Kumar (2003). Hindu gods and goddess in Japan. Neu Dehli: Vedams eBooks.
  • Deshpande, N. A. (1988): The Padma-purāṇa. Volume One. Delhi: Motilal Banarsidass.
  • Deshpande, N. A. (1989): The Padma-purāṇa. Volume Two. Delhi: Motilal Banarsidass.
  • Deshpande, N. A. (1990b): The Padma-purāṇa. Volume Four. Delhi: Motilal Banarsidass.
  • De Visser, M. W. (1935): Ancient Buddhism in Japan. Sūtras and Ceremonies in Use in the seventh and eighth Centuries A.D. and their History in later Times. Volume Two. Leiden:Brill.
  • Chaudhuri, Saroj Kumar (2003): Hindu Gods and Goddesses in Japan. Neu Delhi: Vedams.
  • e-Kokuho  e-国宝 (Datenbank-Projekt, National Institutes for Cultural Heritage 国立文化財機構).
    „Nationale Kulturschätze“ und „Wichtige Kulturelle Artefakte“ aus vier staatlichen Museen Japans.
  • Fitzgerald, James L. (1975): The Mahābhārata Volume Two. The Book of the Assembly Hall. The Book of the Forest. Chicago: Univ. of Chicago Press.
  • Frank, Bernard (1991): Musée National des Arts Asiatiques Guimet. Le Panthéon Bouddhique au Japon. Collections d'Emile Guimet. Paris: Réunion des Musées Nationaux.
  • Frédéric, Louis (1995): Buddhism. Paris: Flammarion.
  • Gangadharan, Natesa (Üb.) (1984): The Agni-purāṇa. Part One. Delhi: Motilal Banarsidass.
  • Ganguli, Kisari Mohan (1883-1896): "The Mahabharata", Sacred Texts. (27. 8. 2011)
  • Griffith, Ralph T.H. (1895-96): "The Hymns of the Atharvaveda", Sacred Texts. (24. 8. 2011)
  • Iyer, S. Venkitasubramonia (1985a): The Varāha-purāṇa. Part One. Delhi: Motilal Banarsidass.
  • JAANUS - Japanese Architecture and Art Net Users System (Akademische HP/ Online-Enzyklopädie, Dr. Mary Neighbour Parent, seit 1982).
    Vor allem auf traditionelle japanische Architektur, aber auch Kunst spezialisiert.
  • A to Z Photo Dictionary of Japanese Culture and Art (Online-Enzyklopädie, Mark Schumacher, seit 1995).
    Reich illustriertes Lexikon japanischer religiöser Gestalten.
  • JHTI (Japanese Historical Text Initiative) (Datenbank-Projekt, University of California, Berkeley, seit 2001).
    Enthält einige wichtige klassische Texte sowohl in Japanisch als auch in Englisch, in beiden Sprachen durchsuchbar. Teilweise ist ein Zugang erforderlich.
  • Johnson, William J. (2005): Mahābhārata Book Three. The Forest Volume Four. New York: New York University Press.
  • Knott, Kim (1998): Hinduism. A Very Short Introduction. Oxford: Oxford University Press.
  • Matsuo, Kenji (2007): A History of Japanese Buddhism. Folkestone: Global Oriental.
  • Michaels, Axel (1998): Der Hinduismus. Geschichte und Gegenwart. München: C.H. Beck Verlag.
  • Murashige, Yasushi 村重 寧 (1991): Shigisan Engi to Kokawadera Engi 信貴山縁起と粉河寺縁起. Tōkyō: Shibundō 至文堂.
  • Religion in Japan - Ein Web-Handbuch (Bernhard Scheid, seit 2001).
    Behandelt sowohl Buddhismus als auch Shinto.
  • Satapathy, Chaturbhuja (2002): Kubera. Origin and Development. New Delhi: Classical Publications.
  • Shastri, Hari Prasad (1985a): The Ramayana of Valmiki. Volume Three. Yuddha Kanda. Uttara Kanda. London: Shanti Sadan.
  • Shastri, Jagdish Lal (1986): The Brahma-purāṇa. Volume Four. Delhi: Motilal Banarsidass.
  • Tagare, Ganesh Vasudeo (1983): The Brahmāṇḍa-purāṇa. Part Two. Delhi: Motilal Banarsidass.
  • Tagare, Ganesh Vasudeo (1996): The Skanda-purāṇa. Volume Ten. Delhi: Motilal Banarsidass.
  • Tagare, Ganesh Vasudeo (1997): The Skanda-purāṇa. Volume Thirteen. Delhi: Motilal Banarsidass.
  • Thakur, Upendra (1992): India and Japan. A Study in Interaction during 5th Cent. - 14th Cent. A.D. Neu Delhi: Abhinav Publications.
  • Watters, Thomas (1961): On Yuan Chwang's Travels in India. A.D. 629-645. Delhi: Munshiram Manoharlal. (1. Auflage 1904)


Anmerkungen

  1. Als Dharmapāla, „Dharmaschützer“ werden jene aus prä-buddhistischer Zeit stammende Gottheiten bezeichnet, die von Buddha bekehrt wurden und den Schutz der buddhistischen Lehre versprachen.
  2. Die Shitennō sind eine Gruppe von vier Figuren, die jeweils die Schutzherrschaft einer Himmelsrichtung übernehmen und den buddhistischen Dharma bewahren. Im Osten herrscht Jikoku-ten 持國天, Zōchō-ten 增長天 im Süden, Kōkomu-ten 廣目天 im Westen und Tamon-ten im Norden.
  3. Die Yakṣas sind ein dämonisches, jedoch nicht zwangsmäßg übelwollendes Volk der vedischen und brahmanischen Religion, die der Buddhismus in niederen Rängen in sein Pantheon übernahm