Rezension Quejada 1998

Aus Kamigraphie
Version vom 11. Oktober 2012, 01:20 Uhr von Marie-Therese Goiser (Diskussion | Beiträge)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Rezensiertes Werk:

Quejada, Ellen (1998). Phallic whorship in Japan: Celebrating the phallus. Ann Arbor: UMI. (UMI Kopie einer unveröffentlichten Magisterarbeit, Rezension.)


Phallus des hōnen matsuri

Die von Ellen Quejada eingereichte Arbeit zur Erlangung des Magistergrades trägt den Titel Phallic Worship in Japan: Celebrating the Phallus und beschäftigt sich auf neunzig A4-Seiten mit dem Phalluskult in Japan. Sie wurde 1998 eingereicht und auch als UMI-Kopie einer größeren Leserschaft zugänglich gemacht. Sie läßt sich grob in folgende drei Teile spalten:

  • 1) Phallusobjekte und ihr Kult im historischen Überblick
  • 2) Der Phalluskult in frühen japanischen Texten
  • 3) Beispiele von Phalli und ihre Feste in ganz Japan

Im Laufe der Arbeit wird der Leser also über die möglichen Ursprünge der Phallusobjekte, ihren möglichen Gebrauch in früheren Zeiten, ihren tatsächlichen späteren Gebrauch, verschiedene Darstellungsformen und einen Teil ihrer Feste informiert.

Inhalt

Prähistorische Phallusgegenstände oder sekibo 石棒 (ältere Bezeichungen sind raitsui 雷鎚 oder raichin 雷碪) lassen sich bereits Mitte der Jomon-Zeit (ca. 3600 v. Chr. Bis 2500 v. Chr.) in Japan finden und bekamen im Laufe der Zeit verschiedene Funktionen zugewiesen, wie etwa das Verleihen von Fruchtbarkeit oder das Stiften einer Ehe. Ihr Kult verschmolz aber auch mit der Verehrung der dōsojin (Quejada 1998: 1-4). Die Bedeutung der sekibo hing dabei jeweils von der „Kultur“ ab, in der sie hergestellt wurden. In der Yamanashi Präfektur wurden sie zum Beispiel als Grabsteine verwendet (Quejada 1998: 14).

Es gibt verschiedene Arten der sekibo, z.B. sekibo mit einer Eichel an jedem Ende oder sekibo ohne jegliche Eichel (Quejada 1998: 6). Deswegen gibt es auch verschiedene Deutungsversuche, wie etwa, daß die sekibo Waffen waren (Quejada 1998: 16), daß sie zum Dreschen von Korn eingesetzt wurden (Quejada 1998: 23), oder daß sie als Symbole für unverständliche Naturvorgänge dienten (Quejada 1998: 18). Hierbei ist von Bedeutung, daß nicht der Phallus an sich verehrt wurde, sondern das, was er repäsentierte: die Natur (Quejada 1998: 19).

Es mag von Bedeutung sein, daß die sekibo zuerst in einer Zeit auftraten, in der die Bevölkerung Japans seßhaft wurde, und das Leben als Jäger und Sammler zugunsten eines Lebens als Bauer aufgegeben wurde (Quejada 1998: 7).

Es gibt eine Besonderheit in der Funktionalität der Phalli: Jene Kultusobjekte, die ohne das Zutun des Menschen entstanden sind, dienen speziellen menschlichen Bedürfnissen (wie etwa Fruchtbarkeit, leichte Niederkunft, etc.), während künstlich erschaffene Phalli landwirtschaftlichen Bedürfnissen dienen (Quejada 1998: 83f).

Die Phallussymbolik findet sich auch in den beiden ältesten uns erhaltenen japanischen Textsammlungen, dem Kojiki (712 n. Chr.) und dem Nihongi (720 n. Chr.), da Forscher den Himmelsspeer, mit dem das Götterpaar Izanami und Izanagi die erste Insel erschaffen haben sollen, als Phallus deuten (Quejada 1998: 7). Auch der Stein, mit dem sich Izanagi vor der Verfolgung seiner verstorbenen Frau in der Unterwelt schützt, kann als Phallussymbol gedeutet werden Quejada 1998: 28).

Auch die dōsojin 道祖神 können in der gleichen Funktion auftreten. Sie werden als kami verehrt und an Straßen aufgestellt, um den Reisenden Schutz zu gewähren, aber auch, um das Böse daran zu hindern, in Orte einzudringen (Quejada 1998: 31f).

An dieser Stelle sei erwähnt, daß die Mythen dem Herrscherhaus dazu dienten, seine „göttliche“ Herkunft und seinen Machtanspruch zu legitimieren Quejada 1998: 39).

Die Bedeutung des Phallus im Zusammenhang mit Landwirtschaft ist zuerst im Kogoshui (807 n. Chr.) schriftlich festgehalten, als dem Mythos nach der Gott der Reisernte Mitoshi no kami die von ihm gesandte Heuschreckenplage erst nach verschiedenen Opfergaben, unter denen sich ein Phallussymbol befinden sollte, beendete (Quejada 1998: 29f).

In der Arbeit vorkommende Feste sind unter anderen:

  • Goryosai
  • Sagicho
  • Tsuburosashi matsuri
  • Henoko matsuri

Kritik

Die vorliegende Arbeit ist wegen ihres Versuches, so viele Informationen wie möglich zu präsentieren, sehr interessant und vor allem auch informativ. An wenigen Stellen verliert sich aber der rote Faden, und auch die Auswahlkriterien der Autorin gehen nicht immer aus dem Text selbst hervor. Besonders bei ihrer Präsentation der diversen Phalli wäre dies wünschenswert gewesen. Ein großer Wehrmutstropfen ist auch die Qualität der Bilder, die allerdings wohl nur in der UMI-Kopie (die von einem Mikrofilm hergestellt wird) so schlecht sein dürfte. Leider ist nur ein Bruchteil des darin vorkommenden Bildmaterials noch zu erkennen, obwohl die 31 Bilder den Text sehr bereichern würden. Weiters würden sie uns vielleicht auch Aufschluß darüber geben, wieso die Autorin die beschriebenen Phalli für ihre Arbeit ausgewählt hat.

Ich würde diese Magisterarbeit all jenen empfehlen, die sich über den Phalluskult in Japan informieren wollen. Es dürften aber auch all jene Freude daran haben, die sich allgemein für Fruchtbarkeitskulte interessieren. Allerdings ist sie ihrer Länge wegen nicht als kurze oder gar oberflächliche Einführung zu gebrauchen. Die Arbeit stellt mit ihrem Detailreichtum und den gesammelten Theorien zum Thema einen wichtigen Beitrag zur westlichen Forschung in diesem Bereich dar, der scheinbar noch vernachläßigt wird.