Rezension Scholz 1991

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Rezensiertes Werk:

Scholz, Stanca (1991). Aspekte des mittelalterlichen Synkretismus im Bild des Tenman Tenjin im Nō. Stuttgart: Franz Steiner Verlag. (Rezension.)


Die Autorin

Stanca Scholz, Vorsitzende der Japanologie an der Universität Trier in Deutschland, legte den Schwerpunkt ihrer Forschungstätigkeiten auf japanische Literatur und Theater, speziell 能. Das erste Kapitel ihrer Dissertation Aspekte des mittelalterlichen Synkretismus im Bild des Tenman Tenjin im Nō, worüber diese Rezension handeln wird, beschäftigt sich mit dem Tenjin-Kult, der auf den verstorbenen Poeten, Gelehrten und Politiker Sugawara Michizane 菅原道真(845-903) zurückzuführen ist.

Inhalt

Der erste Teil dieses Kapitels beschreibt den biografischen Werdegang Michizanes. Als Sohn einer Gelehrtenfamilie aus dem kleinen bzw. mittleren Adel, welchen das im siebten Jahrhundert eingeführte ritsuryō-System 律令 einen Aufstieg in politische Ämter ermöglichte, strebte Michizane nach konfuzianischem Wissen und politischer Macht. Mit 18 Jahren beginnt er das Studium der Literatur, in welchem er erste Berührung mit dem Beamtenapparat des damaligen Heian-Reiches erfährt. Nachdem er den Doktortitel abgelegt hat, beginnt seine politische Karriere indem er verschiedene Ämter, wie das Ministerium für Inneres (nakatsukasashō 中務省), das Heeresministerium (rikugunshō 陸軍省) und das Bevölkerungsministeriums (minbushō 民部省) durchläuft und endet 899 mit der Ernennung zum Minister zur Rechten (udaijin 右大臣). Durch die Besetzung wichtiger Ämter mit Familienangehörigen und Verschwägerungen mit dem Kaiserhaus, baut er seine politische Macht fortwährend aus, lenkt dadurch aber auch den Hass des Fujiwara Klans auf sich. Durch eine Intrige, worin der Fujiwara Klan Michizane vorwirft er wolle den damaligen Kaiser stürzen, wird dieser ins Exil verbannt und stirbt dort im Alter von 59 Jahren.

Angriff des Donnergottes auf den Kaiserpalast

Die in den Jahrzehnten nachfolgenden Seuchen und Naturkatastrophen wurden auf die Rache Sugawara Michizanes zurückgeführt, der dadurch zu einer der mächtigsten Rachegeister (onryō 怨霊) der damaligen Heian-Zeit (heianjidai 平安時代) wurde. Der zweite Teil des ersten Kapitels beschäftigt sich daher mit onryō (Zorngeist) bzw. der eher abgeschwächten Form goryō 御霊 (erlauchter Totengeist). Wobei sich Scholz hier hauptsächlich dem onryō Michizane und dessen Racheakte widmet. Dabei wird anschaulich beschrieben, wie die direkten Mitwirkenden der Intrige aber auch Nachfahren dieser oft grausam dahingerafft werden. Hier wird auch erstmals die Rolle Michizanes als Donnergott beschrieben, wobei die Szene in der Karai Tenjin 火雷天神 (Himmlischer Feuer-Donnergott) einen Blitz auf den Kaiserpalast wirft und Mitglieder des Fujiwara Klans darin umkommen zum Mittelpunkt auch nachfolgender Tenjin-Erzählungen wird.

Anhand von zwei Orakeln beschreibt Scholz weiter den Beginn des entstehenden Tenjin-Kultes. In der ersten der beiden Erzählungen empfängt eine Frau (vermutlich eine Schamanin) die Worte des Geistes Michizanes, der sich darin als „Tenjin“ bezeichnet. Während das zweite Orakel, vom siebenjährigen Sohn eines Priesters empfangen, die Insignien Kitano Tenjins 北野天神 Macht und seine Diener beschreibt. Scholz zeigt hier auch die Veränderung des Rachegeistes Michizane zur Beschützergottheit Kitano Tenjin, der skurrilerweise zum Beschützer des Fujiwara Klans wurde.

Abgeschlossen wird das Kapitel „Der Tenjin Kult“ indem die Autorin auf wichtige Literatur aus dem Mittelalter, dass sich mit der Tenjin-Legende auseinandersetzt, näher eingeht. Hier spricht sie einerseits die übermittelden Anekdoten von Ōe no Masafusa 大江 匡房 an, der sich auch kritisch mit der Gottheit auseinandergesetzt hatte. Zu einer der wichtigsten Übermittlungen der Tenjin-Legenden zählt aber Kitano Tenjin engi 北野天神縁起 (Erzählungsgeschichte der Gottheit von Kitano), die auch als Illustrationen in Bildrollen (emaki 絵巻) oftmals dargestellt wurde.