Ōjin Tennō

Aus Kamigraphie
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Historische Persönlichkeit
Name Ōjin Tennō 応神天皇
Lebenszeit geb. in Umi (Fukuoka), gest. in Karushima no Toyoakira (Nara)
Titel Tennō 天皇
Sonstige Namen Homuda Wake
Verwandtschaft 4. Sohn des Chūai Tennō 仲哀天皇
Funktion, Amt 15. Tennō, reg. 270-310
15 Ōjin-Tennō.jpg

Ōjin Tennō 応神天皇 ist der 4. Sohn des Chūai Tennō 仲哀天皇 (149-200), der noch vor dessen Geburt stirbt. Chūais Tod ist den Mythen zufolge dadurch verschuldet, dass er ein Orakel in Frage stellt, wonach es im Westen ein Land voller Schätze gäbe (Korea), welches er erobern sollte. Nach seinem Tod wird seine Frau Jingū Kōgō 神功皇后 (169-269) vom Orakel ausersehen, das Land zu erobern. Außerdem erfährt sie, dass sie in ihrem Bauch den neuen Herrscher über dieses Land trägt und dass dies alles auf ausdrücklichen Wunsch von Amaterasu 天照 und drei weiteren Gottheiten geschieht, die zur Azumi Familie gehören. Diese Familie hat wahrscheinlich eine größere Rolle bei den Korea-Expeditionen im 4. Jahrhundert gespielt (Philippi 1968, S. 257-260).

Geburt

Um die Geburt Ōjins bis zur vollständigen Eroberung Koreas zu verzögern, band sich seine Mutter Steine um ihre Hüften. Als sie nach drei langen Jahren siegreich nach Kyūshū zurückkehrte, gebar sie endlich ihren Sohn. Der Geburtsort lautet Umi (Geburt) und die Steine, die sie sich um die Hüften band, befinden sich im Dorf Ito in Kyūshū. Die unglaubliche Geschichte mit den Steinen lässt Philippi (1968, S. 264) vermuten, dass Chūai wohl nicht der biologische Vater Ōjins war.

Bei Ōjins Geburt wuchs Fleisch an seinem Arm in Form eines homuda (schützendes Armband für Bogenschützen). Nach den kriegerischen Erfolgen seiner Mutter, wurde dies als gutes Omen gedeutet und deshalb wurde er Homuda 誉田 genannt. Schon als Kind war er sehr intelligent und weitblickend und mit 3 Jahren wurde er als Thronfolger seiner Mutter ausersehen (Aston 1896, S. 254).

Göttliche Erfahrung

Nach ihrer Rückkehr aus Korea und der anschließenden Geburt Ōjins war sich Jingū nicht sicher, wie die Lage im Land war, und versteckte Ōjin deshalb auf einem Begräbnisboot. Was sich als sehr hellsichtig herausstellte, weil sie kurz darauf von ihrem Stiefohn, einem Sohn des verstorbenen Chūai Tennō, der schon länger gegen die Herrschaft von Jingū rebellierte, angegriffen wurde. Sein Angriff misslang jedoch und er starb.

In der Folge wird Ōjin von Takeshiuchi no sukune, einem Angehörigen des Gerichtshofes von Yamato 大和, der laut Nihon shoki 日本書紀 240 Jahre lang unter 5 Kaisern diente, aufgefordert, eine rituelle Reinigung durchzuführen. Eine eher mysteriöse Legende berichtet, dass sie in Tsunoga (heute Tsuruga-shi, Fukui-ken) einen Palast errichteten. In einem Traum sieht Takeshiuchi die Gottheit Isasa, die darum bittet, den Namen des Kronprinzen annehmen zu dürfen. Zu diesem Zweck soll Takeshiuchi den Kronprinzen am nächsten Morgen zum Strand schicken, wo die Gottheit in der Zwischenzeit alles vorbereitet. Als Ōjin dort ankommt, ist der Strand übersät mit toten Delphinen. Seither wird die Gottheit unter dem Namen Miketsu-ō-kami (Gott der erlauchten Speisen) verehrt (Philippi 1968, S. 266-269).

Im Nihon shoki tauschen beide ihre Namen und Ōjin heißt ab da Homuda-wake no Mikoto 誉田別尊 (Aston 1956, S. 255).

Leben

Wie die meisten vormodernen Kaiser hatte auch Ōjin zahlreiche Haupt- und Nebenfrauen, mit denen er etwa 20 Söhne und Töchter zeugte. Das könnte erklären, wieso während seiner Herrschaft nicht allzu viel passiert ist. Ōjin gilt auch als eher säkularer Herrscher, weil in den beiden Chroniken nur wenig Verweise auf seine göttliche Herkunft gemacht werden und er sich mehr mit weltlichen Dingen wie, Jagden, Liebesaffären, Trinkgelagen u.ä. beschäftigte. Bei anderen Herrschern hingegen werden viele Legenden über deren göttliche Abstammung gesponnen (Hall, 1993, S. 127).

Zu den Lebzeiten von Ōjin ist auch der chinesische Gelehrte Wang In aus dem koreanischen Reich Paekche nach Japan gekommen. Vor seiner Ankunft hat es in Japan keine Schulen, wie auch keine offizielle Aufzeichnungen gegeben. Wang In wurde zu einem Ahnen der sogenannten Fumi no Obito, d.h. „Schriftgelehrten“ (Aston 1956, S. 262-263) und es lässt sich vermuten, dass seine Ankunft das Beginn der Schrift in Japan markiert. Aston verweist jedoch auf das angegebene Jahr seiner Ankunft (285 u.Z.) nicht stimmen kann und diese 120 Jahre später verlagert werden muss (405 u.Z.), also zur Regierungszeit des Richū Tennō.

Nicht umstritten ist jedoch die Ankunft der koreanischen Immigranten, die in Japan naturalisiert wurden. Konkret geht es um Yuzuki (bzw. Yutsuki), den „Ahnherrn“ der Hada (no) Kimi und seine Nachfolgern (Emigrantenfamilien von Webern aus China) und Achi (no) Omi, Begründer der Aya (no) Atae. Chamberlains Übersetzung von Kojiki gibt diese als „Hada Rulers“ und „Aya Suzerains“ an (Chamberlain 1932, S. 397). Die Darstellung in den Kiki wird von Inbe no Hironari in Kogo Shūi kritisch rezipiert. Er hebt hervor, dass die Zahlen von Immigranten außerordentlich groß gewesen sind und dass diese Einwanderer für Japan auch bedeutend waren. Jedoch wurde von dem Hof diese Bedeutung, wie auch die Existenz ihrer eigenen Schreine, von dem Hof nicht anerkannt (Bentley 2002, S. 84).

Tod

Ōjins Mutter Jingū stirbt im stolzen Alter von 100 Jahren, worauf Ōjin endlich seine Regierung antritt. Laut Kojiki 古事記 handelt es sich um das Jahr 362, laut Nihon shoki ist es das Jahr 270. Als er zum Tennō 天皇 ernannt wird, fragt er zwei seiner Söhne: Welcher ist liebenswürdiger, der ältere oder der jüngere Bruder? Der ältere Bruder antwortet, dass der ältere liebenswürdiger sei, aber der jüngere Bruder Nintoku 仁徳 erkennt die Intention des Vaters und meint diplomatisch: „Der ältere Bruder hat schon viele Höhen und Tiefen erlebt und ist ein Mann geworden, um den man sich nicht sorgen muss, aber beim jüngeren Bruder weiß man nicht, ob er ein Mann wird oder nicht und deshalb ist er zu bemitleiden.“ Auf diese Antwort hin ernennte Ōjin seinen (von Haus aus bevorzugten) jüngeren Sohn Nintoku zu seinem Nachfolger, während der ältere Sohn den undankbaren Posten eines "Herrschers über Berge, Flüsse, Wälder und Moore" erhält. Ōjin stirbt im Alter von 110 Jahren, das Todesjahr im Kojiki lautet 394 und im Nihon shoki 310. Nach seinem Tod kommt es erwartungsgemäß zum Bruderzwist um die Nachfolge, in dem Nintoku siegt, während sein älterer Bruder ums Leben kommt (Phillipi 1968, S. 274-275).

Verbindung zu Hachiman

Der japanische Volks- und Völkerkundler Ishida Eiichiro beschäftigte sich mit Mythologie und entdeckte im Hachiman 八幡 Mythos verschiedene Parallelen mit anderen Mythen der Welt, z.B. den kleinen Helden: ein Junge mit übermenschlichen Kräften taucht in der Welt der Menschen auf und bringt ihnen Glück, die göttliche Mutter des kleinen Helden und eine wunderliche Geburt (Ishida 1964, S. 30-35).

Eine der Ursprungslegenden des Hachiman lautet, dass das 7 jährige Mädchen Ōhirume (in manchen Versionen wird sie als Wiedergeburt von Jingū bezeichnet), eine Tochter des chinesischen Kaisers, im Traum von den Sonnenstrahlen der Gottheit geschwängert wird (Grapard 1986, S. 32).

Die Familie befragt daraufhin einen Astrologen und der sagt, dass sie den zukünftigen Herrscher in ihrem Bauch trägt, aber nicht über China, sondern Japan. Bei seiner Geburt fallen dann acht Banner vom Himmel und daher kommt sein Name Hachiman. Einer anderen Version zufolge wird das Kind einfach ein Jahr nach seiner Geburt gefragt, wie es heißt und er antwortet: "Hachiman" (Grapard 1986, S. 33).

Als Hachiman 4 Jahre alt ist, entscheidet der Kaiser, dass es soweit ist und er schickt seine Tochter und ihren Sohn mit einem Boot Richtung Japan. Durch einen günstigen Wind, den ihnen wahrscheinlich die Götter geschickt haben (Kamikaze 神風), erreichen sie unbeschadet die japanische Küste. In Japan wird Ōhirume buddhistische Nonne und das Kind wird durch seine Wundertaten bekannt als die Gottheit Hachiman (Grapard 1986, S. 34).

Der Verehrung des Hachiman liegt eben jener Glaube an die heilige Mutter und ihren Sohn zugrunde. Dieses Motiv münzte man dann auf Jingū (heilige Mutter) und Ōjin (Sohn) um, die in den beiden Chroniken Kojiki und Nihon shoki ähnliche Funktionen übernehmen. Zudem ist Ōjin ebenfalls durch eine wunderliche Geburt zur Welt gekommen. Dies könnte der Grund sein, wieso Hachiman als seine Wiedergeburt gilt (Ishida 1964, S. 36).

Verweise

Siehe auch

Quellen

  • Grapard, Allen Georges (1986). „Lotus in the mountain, mountain in the lotus: Rokugō kaizan Ninmon Daibosatsu hongi 六郷開山仁聞大菩薩本紀.“ Monumenta Nipponica 41/1, S. 21–50.
  • Hall, John Whitey und Marius B. Jansen, Kanai Madoka und Denis Twitchett (Hg.) (1993). The Cambridge history of Japan. Cambridge: Cambridge University Press.
  • Ishida, Eiichirō (1964). „Mother-son deities.“ History of Religions 4/1, S. 30–52. (Rezension.)
  • Philippi, Donald L. (Ü.) (1969). Kojiki. Tokyo: University of Tokyo Press.




Dieser Artikel wurde ursprünglich für das Schwesterprojekt Hachiman-no-pedia verfasst.