Benutzer:Stefanie Schagginger

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UE Götter und Geister: Beispiele aus der japanischen Literatur (SoSe 2019)

Mein Name ist Stefanie und ich habe im SoSe 2018 meinen BA in Japanologie beendet. Während des Studiums habe ich ein besonderes Interesse für die japanische Kultur, insbesondere Mythologie, Shintō, Folklore und verschiedene Glaubensformen entwickelt. Nach dem Abschluss habe ich das MA Studium Religionswissenschaft für mich entdeckt, das ich nun im zweiten Semester absolviere. Dort beschäftige ich mich zurzeit mit einer Vielzahl an Glaubensrichtungen und Religionen in der ganzen Welt, doch den Fokus lege ich nach wie vor auf Japan. Mein Wunsch ist es, das in der Japanologie erworbene Wissen in das jetzige MA Studium einfließen zu lassen.

Erste Ideen zur Themenwahl

Ich möchte mich gerne mit dem Tanuki in der Japanischen Literatur auseinandersetzen. Dabei könnte ich mir vorstellen, seinen Imagewandel vom gefürchteten Yōkai zum Streiche spielenden Verwandlungskünstler bzw. wie Interaktionen zwischen Mensch und Tanuki ablaufen und sich mit der Zeit verändern näher zu untersuchen. Dabei wäre es sicher auch spannend, die in den Geschichten vorkommenden Motive herauszufiltern und zu analysieren.

Mögliche Quellen: Nihon Shoki, Nihon Ryōiki, Konjaku Monogatari, Uji Shūi Monogatari

Interne Links:

Nihon Shoki - Deutsche Übersetzung: Literatur:Florenz 1901

Themenwahl

Ich habe mich dazu entschieden, meinen Artikel zu Abe no Seimei weiter zu bearbeiten und nach Geschichten zu suchen, in denen Seimei mit diversen Oni in Kontakt tritt und in denen er mit seinen ihm hörigen Shikigami agiert. Als Primärquelle dient mir dazu in erster Linie das Uji Shūi Monogatari, aber ich bin auch schon auf Erzählungen im Konjaku Monogatari und dem Ōkagami gestoßen.

Der erste Geschichtenkomplex um Abe no Seimei: Die setsuwa-Textgruppe

Der Begriff setsuwa 説話 oder setsuwa bungaku 説話文学 bezeichnet eine japanische Gattung kurzer Prosatexte, die in verschiedenen Werken der späten Heian- (784-1185) und Kamakura-Zeit (1185–1333) überliefert sind. Die Protagonisten der Geschichten, die sich meist um ein merkwürdiges, erzählenswertes Ereignis drehen, lassen sich häufig auf historische Personen zurückführen. Gleichzeitig spielen Magie, übernatürliche Vorgänge und anderweltliche Wesen eine wichtige Rolle. Am Schluss erfolgt oft ein Kommentar, der eine Moral anbringt oder eine Lehre aus der Geschichte zieht. Die Herkunft der Erzählungen lässt sich nicht immer klären, denn einige setsuwa sind anonym verfasst , oder die Autorenschaft ist unklar. Für manche wird der Ursprung in mündlicher Überlieferung angenommen, für viele lassen sich schriftliche Prätexte nachweisen. Manchmal gibt es mehrere Varianten einer Geschichte in verschiedenen Sammlungen. Ebenso wie die Umstände der Niederschrift und Kompilation häufig unklar sind, gibt es nur ungenügende Quellen darüber, wie die setsuwa zu ihrer Entstehungszeit rezipiert wurden, wer sie wem erzählte, predigte oder vorlas oder ob sie gelesen wurden und welche Bevölkerungsschichten sie erreichten.

Viele setsuwa sind buddhistischen Inhaltes und dienen wahrscheinlich der Verbreitung der buddhistischen Lehre in Predigten. Sie gehen häufig auf indische oder chinesische Prätexte und Materialien zurück. Andere behandeln vorwiegend säkulare Themen; hier finden sich Wandermönche, buddhistische Priester und onmyōji, die magische Kräfte anwenden. Oft werden die Geschichten mit viel Witz erzählt und es wird nicht immer die Überlegenheit der jeweiligen Lehre herausgestellt. [1]

Etwa ab 1120, gut 100 Jahre nach Seimeis Tod, findet sich in den setsuwa der erste Geschichtenkomplex um Abe no Seimei. Hier werden ihm zum ersten Mal übermenschliche, magische Kräfte zugeschrieben, die sich nicht mehr direkt auf die offiziellen Aufgaben der historischen Person zurückführen lassen. [2] Die Seimei-setsuwa gehören zu den japanischen Geschichten vorwiegend weltlichen Inhalts und ihre Ursprünge sind im Einzelnen nicht geklärt. Neben dem Konjaku monogatari-shū 今昔物語集 erscheint Seimei in den setsuwa-Sammlungen Uji shūi monogatari 宇治拾遺物語, im Kojidan 古事談, im Zoku-Kojidan 続古事談 und im Kokon Chomonshū 古今著聞集. [3]

Die Entdeckung von Seimeis magischen Fähigkeiten: Seimei und sein Lehrer Kamo no Tadayuki

In der ersten Seimei-Geschichte des Konjaku monogatari-shū 今昔物語集 wird Seimeis Verhältnis zu den oni 鬼 aufgegriffen. Als junger Schüler des Kamo no Tadayuki 賀茂忠行 lässt Seimei seine besondere Begabung als onmyōji 陰陽師 erkennen, da er fähig ist, die für andere unsichtbaren oni zu sehen. Die Episode trägt den Titel: Wie Abe no Seimei von Tadayuki seine Kunst erlernte.

Bei einem nächtlichen Ausflug in den Süden der Hauptstadt folgt Seimei dem Wagen mit seinem schlafenden Lehrer, Kamo no Tadayuki.

„Plötzlich sah Seimei, wie furchterregende Dämonen [onidomo 鬼共] von vorn auf ihren Wagen zukamen. Er erschrak und lief zum Wagen, um seinen Herren zu wecken. Als Tadayuki die Dämonen erblickte, die Seimei ihm zeigte, war er sofort hellwach und als er sah, wie sie sich ihnen näherten, wendete er magische Künste an, um sich und seine Begleiter vor den oni zu verbergen. So gelang es ihnen zu entkommen.“

Seit dieser Nacht bevorzugt Tadayuki Seimei vor allen anderen Schülern und lehrt ihn sein ganzes Können, „wie wenn man Wasser aus einer Flasche in ein anderes Gefäß gießt, ohne dass ein Tropfen zurückbleibt“. So wird Seimei ein berühmter onmyōji, den die Mächtigen zu sich rufen.

Komine 1993-1999, S. 411-414

Dies ist die früheste literarische Darstellung einer Begegnung Seimeis mit Dämonen. Seimei zeichnet sich hier durch seine Gabe, die unsichtbaren Wesen sehen zu können, aus. Dämonen oder Geister, die als unsichtbar galten, mit eigenen Augen sehen zu können, wird im Konjaku also als eine besondere Fähigkeit beschrieben, die man normalerweise nach langer Übung erreichte. Sie kommt besonderen onmyōji zu, jedoch nicht Seimei allein. Auch Kamo no Tadayukis Sohn Kamo no Yasunori 賀茂保憲 (917-977) war dazu in der Lage. Dass Seimei wie auch Yasunori diese Gabe bereits als Kinder besaßen, stellt sie im Konjaku als besonders geeignet für die Tätigkeit eines onmyōji dar und wird als Motivation dafür angegeben, dass ihr Lehrer Tadayuki sein Wissen an beide weitergibt. Laut Theile, könnte es sich dabei um eine hyakki yagyō 百鬼夜行, eine „Nächtliche Prozession“ bzw. „Parade der hundert Dämonen“ handeln. [4]

Die Überlegenheit von Seimeis magischen Kräften gegenüber anderen onmyōji

Die zweite Episode verlegt den Schauplatz in die Residenz Seimeis in der Tsuchimikado-ōji 土御門大路 nordöstlich des kaiserlichen Palastes. Im Uji shūi monogatari 宇治拾遺物語 (126) wird sie unter dem Titel: Wie ein Priester Seimei herausforderte wiedergegeben.

Eines Tages erhält Seimei Besuch von einem alten Priester aus der Provinz Harima, begleitet von zwei ungefähr zehnjährigen Knaben. Er sagt, er wolle von Seimei die Künste des Onmyōdō erlernen. Seimei durchschaut ihn jedoch als einen Meister, der bereits in den Künsten bewandert war und ihn herausfordern will und beschließt, ein Spiel mit ihm zu treiben. Er erkennt, dass die beiden Knaben in Wahrheit shikigami, niedere Geisterwesen im Dienst des Meisters, sind und befiehlt ihnen heimlich, zu verschwinden. Dazu „steckte er beide Hände in die Ärmel, verschränkte die Finger und sprach heimlich eine magische Formel. Dann bittet er den Meister, an einem anderen, Glück verheißenden Tag wiederzukommen.

Bald nachdem er gegangen ist, sieht Seimei, wie der Meister aus Harima langsam zurückkommt, als ob er etwas suche. Schließlich bittet er Seimei, ihm seine beiden Begleiter zurückzugeben. Er gesteht, dass Seimei ihn durchschaut hat und über weitaus größere Kräfte verfüge als er selbst:

„Seit alters her ist es nicht schwer, shikigami zu benutzen, aber die shikigami, die ein anderer Mensch benutzt, verschwinden zu lassen, ist mir unmöglich. Das ist sehr bewundernswert. Von nun an will ich dein Schüler sein.“ Und er schrieb gleich seinen Namen auf eine Karte und überreichte sie Seimei.

Mills 1970, S. 339-340

In dieser Geschichte ist Seimeis Überlegenheit eindeutig: Er durchschaut die Absichten des Besuchers sofort und ist ihm auch in magischer Hinsicht überlegen. Durch das Überreichen seiner Namenskarte unterwirft sich der Priester Seimei. Die Provinz Harima wird wiederholt als Herkunftsort von onmyōji genannt. So wird auch erzählt, dass der spätere Erzfeind Seimeis, Dōman Ashiya 道満蘆屋, aus Harima stammt.

Eine weitere Episode, die Seimeis Überlegenheit gegenüber anderen onmyōji sehr gut veranschaulicht, stammt ebenfalls aus dem Uji shūi monogatari (26) und trägt den Titel: Wie Seimei einen Unterkommandanten des Hauptarchivs beschützte. Die Erzählung setzt am Hof des Tennō ein.

Seimei ist im Palast bei der Ankunft hoher Würdenträger und ihrem Gefolge zugegen. Als der Unterkommandant, ein junger und schöner Mann, aus seinem Wagen steigt, fliegt eine Krähe über ihn und lässt ihren Kot auf ihn fallen. Seimei erkennt, dass die Krähe ein shikigami ist, der dem Unterkommandanten Schaden zufügen soll, und warnt ihn, er habe ein Zeichen gesehen, dass er die kommende Nacht nicht überleben werde. Der Unterkommandant bittet ihn um Hilfe und Seimei geht mit ihm nach Hause. „Seimei umarmte ihn fest, führte zu seinem Schutz ein Ritual durch und ohne einen Moment zu schlafen, rezitierte er die ganze Nacht ohne Unterlass magische Verse und betete.“

Am Morgen kommt ein Bote an die Tür und erklärt, den shikigami habe der eifersüchtige Schwager des Unterkommandanten senden lassen, da er dessen Amt begehre. Er habe dazu einen onmyōji beauftragt, der nun jedoch selbst sterben müsse, da durch den mächtigen Schutz, den Seimei ausgeübt habe, der Schaden auf ihn zurückgefallen sei. Der Vater des Unterkommandanten verstößt den Schwiegersohn, der den onmyōji beauftragt hat und Seimei wird mit Dank überhäuft.

Mills 1970, S. 175-176

In dieser Erzählung ist Seimei mächtig genug, den bösen Zauber so abzuwehren, dass den Verursacher die Strafe dafür trifft. Auslöser für das Senden des shikigami, hier offenbar eine Art Geisterdiener, der den Fluch überbrachte, ist Eifersucht sowie Streben nach Ruhm und materiellem Vorteil. Zu diesem Zweck bedient sich der Schwager des verbotenen Mittels.

Seimei und die Mächtigen seiner Zeit: Fujiwara no Michinaga und Fujiwara no Akimitsu

Fujiwara no Michinaga mit seinem Hund

Das Verhältnis von Abe no Seimei zu Fujiwara no Michinaga 藤原道長 (966-1028), dem mächtigsten Mann seiner Zeit, wird in der 184. Geschichte des Uji shūi monogatari aufgegriffen. Der Titel dieser Episode lautet: Ein unheimlicher Zwischenfall, an dem Seimei und der Hund von Fujiwara no Michinaga beteiligt sind.

Michinaga geht täglich den in seinem Auftrag gerade fertig gestellten Tempel Hōjō-ji 法成寺 besuchen. Dabei begleitet ihn stets sein weißer Hund. Eines Tages stellt sich der Hunde vor Michinagas Wagen, als dieser gerade das Tempeltor passieren will und lässt seinen Herrn nicht vorbei. Der nun misstrauisch gewordene Michinaga, sendet sofort einen Boten zu Seimei. Dieser findet durch eine Deutung heraus, dass auf dem Weg ein Fluch [juso 呪詛] vergraben ist, der Michinaga schaden soll. Da der Hund übernatürliche Fähigkeiten besitze, habe er ihn davor geschützt. Als sie an der Stelle graben lassen, finden sie „… zwei mit einer gelben, gedrehten Papierschnur kreuzweise zusammengebundene Tongefäße. Als sie sie öffneten, befand sich nichts darin, außer dem Schriftzeichen für ‚eins‘ [一], das in zinnoberroter Farbe auf dem Grund eines der Gefäße geschrieben stand.“

Seimei verdächtigt den Meister Dōman, da außer diesem und ihm selbst niemand diese Kunst beherrsche. Um den Verursacher zu finden, faltet er ein Stück Papier zu einem Vogel, spricht eine magische Formel darüber und lässt ihn fliegen. Er verwandelt sich in einen weißen Reiher, fliegt nach Süden und lässt sich am Eingang eines alten Hauses nieder. Der alte Meister, der dort wohnt, gesteht, er habe den Fluch auf Anweisung des Fujiwara no Akimitsu, des Ministers zur Linken gelegt. Michinaga betrachtet Dōman als nicht schuldig, da er auf Anweisung gehandelt habe und sendet ihn als Strafe zurück in seine Heimat Harima. Es heißt, dass Akimitsu, auch genannt der ‚böse Minister‘ [akuryō safu 悪霊左府] nach seinem Tod als Rachegeist [onryō 怨霊] im Hōjō-ji umgegangen sei.

Mills 1970, S. 411-413

Thema der Geschichte ist ein Fluch, verursacht durch einen onmyōji, der kein offizielles Amt am Hof innehat und befohlen von einem Widersacher Michinagas, der ihm aus Eifersucht und Ehrgeiz Böses wünscht. Wie in der Geschichte des Unterkommandanten den shikigami, kann Seimei ihn unschädlich machen und seinen adeligen Auftraggeber schützen. Die Protagonisten der Erzählung, Fujiwara no Michinaga, Fujiwara no Akimitsu 藤原顕光 (944-1021) und Abe no Seimei, gehen auf historische Persönlichkeiten zurück. Den Bau des Hōjō-ji ließ Michinaga allerdings erst 1019 beginnen, also einige Jahre nach Seimeis Tod. [5] Doch passt diese Geschichte zu dem in den Quellen vermittelten Bild für die letzten Lebensjahre Seimeis, nämlich dass Michinaga ihn schätzte und als onmyōji offenbar favorisierte.

Abe no Seimei in der setsuwa-Literatur

Portrait des Abe no Seimei

In der setsuwa-Literatur wird Abe no Seimei mehrfach explizit als vorzüglicher und berühmter onmyōji eingeführt. Seine überragenden magischen Fähigkeiten und deren Wirkkraft werden vorwiegend durch Handlungen charakterisiert: Er ist dem alten Priester überlegen, da er dessen shikigami entwendet (Konjaku 24:16.2), er erkennt eine magische Bedrohung, die offenbar anderen verborgen bleibt, wie den shikigami, der als Vogel über den Unterkommandanten fliegt und seinen Kot auf ihn fallen lässt und führt daraufhin einen wirksamen Schutzzauber durch, um ihn zu retten (Uji shūi 126). Diese Überlegenheit wird am Ende der Geschichten häufig noch einmal explizit gemacht. Durch Figurenrede wird beispielsweise vermittelt, dass der Priester Seimeis Überlegenheit anerkennt und sich ihm unterordnet oder dass die Familie des Unterkommandanten ihn mit Dank überhäuft.

Darüber hinaus wird Seimei in den setsuwa als Beherrscher der shikigami etabliert. In der Erzählung, in welcher der Priester Seimei herausfordert, deutet sich sogar ein gewisser spielerischer Umgang mit seinen Zauberkünsten an, als er die shikigami seines Widersachers einfach versteckt. Im Vergleich zu den shikigami erscheinen die furchterregenden oni der Konjaku Episode, denen Seimei mit seinem Lehrer Tadayuki begegnet, als unberührbare Wesen einer anderen Welt. Selbst die Figuren, die ihnen gegenüber besondere Fähigkeiten aufweisen, können nichts Besseres tun, als sich vor ihnen zu verbergen bzw. sie zu meiden (Konjaku 24:16.1).

Wenn es darum geht, dass andere Menschen zu Schaden kommen, nimmt Seimei stets die Seite des Bedrohten ein: Er beschützt den Unterkommandanten und Fujiwara no Michinaga vor den sie bedrohenden Flüchen (Uji shūi 126, 184). Dabei zeigt sich ein weiterer auffälliger Charakterzug der Abe no Seimei Figur innerhalb der setsuwa-Literatur: Er positioniert sich immer auf der Seite derjenigen, die Macht und Ordnung vertreten. Er schützt die Mächtigen, wehrt Angriffe von Neidern erfolgreich ab und trägt durch seine Fähigkeiten in weiterer Folge zum Erhalt der gesellschaftlichen Ordnung bei.

Die setsuwa bilden den Ausgangspunkt der literarischen Figurenentwicklung, die an historische Fakten nicht gebunden ist. Doch gleichzeitig haftet den setsuwa in der japanischen Tradition, in den in der Meiji-Zeit (1868-1912) einsetzenden Kanonisierungsprozessen und auch in den literarischen Texten der Gegenwart immer eine gewisse Nähe zur historischen Überlieferung an, die sie von späteren literarischen Texten abhebt. Ihnen kommt dadurch ein besonderer Status in der Vermittlung kulturellen Wissens über die Figur des Abe no Seimei bis in die Gegenwart zu, der zwischen Fiktion und Wirklichkeit vielschichtig wechselt.

Wirft man einen näheren Blick auf die Figur des Seimei, wie sie gestützt durch verschiedene Handlungsverläufe, in den setsuwa als überlegener, wirkkräftiger und ordnungserhaltender onmyōji charakterisiert wird, dann lässt sich daraus schließen, dass die Bedeutung des Anderweltlichen, also das, was Seimei gegenübertritt oder dessen er sich in seinen Überlegenheitsdemonstrationen bedient, dabei eher untergeordnet ist. Eine Ausnahme bilden zu einem gewissen Grad lediglich die nächtlich erscheinenden oni. Doch Seimei und die Dämonen ziehen aneinander vorbei, ohne dass sie sich direkt begegnen. Offenbar spielen die oni im Konjaku noch keine große Rolle in der Welt der Figur. Allerdings greifen viele der späteren Seimei-Texte auf oni-Darstellungen zurück und erweitern so die Verbindung zwischen Seimei und den Dämonen.

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Verweise

Anmerkungen

  1. vgl. Li 2009:28-30
  2. Theile 2013:95
  3. Theile 2013:98
  4. Theile 2013:101
  5. Suwa 2000:66

Literatur

  • Hu, Xin Sheng 胡新生 (1999). Zhongguo gudai wushu 中国古代巫术. [Alte chinesische Hexerei.] Jinan: Shandong Renmin Publishing.
  • Komine, Kazuaki 小峯和明 (1993-1999). „Abe no Seimei, Tadayuki ni shitagahite michi wo narafu koto“ 安倍晴明、忠行に随ひて道を習ふ語. [Wie Abe no Seimei von Tadayuki seine Kunst erlernte.] In: Kazuaki Komine (Hg.), Konjaku monogatari shū. (SNKBT 36.) Tōkyō: Iwanami Shoten, S. 411–414.
  • Li, Michelle Elene Osterfeld (2009). Ambiguous bodies: Reading the grotesque in Japanese setsuwa tales. Stanford, California: Stanford Uinversity Press.
  • MacCullough, Helen C. (1980). Ōkagami: the Great Mirror. Fujiwara Michinaga (966 - 1027) and His Times: A Study and Translation by Helen Craig MacCulloug. New Jersey: Princeton University Press.
  • Mills, Douglas E. (1970). A collection of tales from Uji: A study and translation of Uji shūi monogatari. Cambridge: Cambridge University Press.
  • Miura, Ryū 三浦竜 (2002). „Onmyōdo to majinai“ 陰陽道とまじない. [Onmyōdo und Zauberei.] Kokubungaku kaishaku to kanshō 853 tokushū: Onmyōji, Abe no Seimei to sono shūen 67, 国文学解釈と 鑑賞 853 特集—陰陽師・安倍晴明とその周縁 67. Tōkyō: Shibundo, S. 32–35.
  • Miyata, Nana (2012). „Die Hintergründe der Legendenbildung über Abe no Seimei, dem namhaftesten Divinationsmeister der Heian-Zeit.“ In: Triplett Katja (Hg.), Religiöse Tradierung in Japan. Halle an der Saale: Universitätsverlag Halle-Wittenberg, S. 119–146.
  • Pang, Carolyn (2013). „Uncovering Shikigami: The Search for the Spirit Servant of Onmyōdō.“ Japanese Journal of Religious Studies 40/1, S. 99–129.
  • Shigeta, Shin'ichi 繁田信一 (2013). „A Portrait of Abe no Seimei.“ Japanese Journal of Religious Studies 40/1, S. 77–97.
  • Suwa, Haruo 諏訪春雄 (2000). Abe no Seimei Densetsu 安倍晴明伝説. [Die Legende Abe no Seimei.] Tōkyō: Chikuma Shoten.
  • Theile, Nina (2013). Der on’yōji Abe no Seimei und die oni: Genese einer literarischen Figur. Würzburg: Ergon. (Dissertation.)

Externe Links

Jap. Seminar I: Religiöse Biographien (WiSe 2016/2017)

Diese Links haben mein besonderes Interesse geweckt:

Interne Links:

Geister: Kappa, Kitsune

Gottheiten: Amaterasu, Ebisu, Inari, Jizō, Sieben Glücksgötter, Susanoo, Yamata no Orochi, Yatagarasu

Personen: Gyōki, Himiko, Jingū Kōgō, Jinmu Tennō, Yamato Takeru

Ich möchte mich gerne näher mit der Shintō-Gottheit Inari bzw. den Kitsune-Mythen in Japan auseinandersetzen. Dazu gehören unter anderem: Glaubensursprung/Herkunft, Bedeutungen und Eigenschaften, Vorkommen und Interpretationen in der Literatur, Darstellungen in der Moderne etc.

Website zu Kitsune: [1]

Sollte das nicht möglich sein, da es sich bei diesem Thema um keine religiöse Persönlichkeit handelt, möchte ich mich auf Yamato Takeru, Jinmu Tennō oder Himiko spezialisieren.

Themenwahl

Ich würde mich sehr gerne näher mit wichtigen Persönlichkeiten der Shugendō Religion (Yamabushi) wie: En no Gyōja, Kūkai oder Saichō befassen. Da es jedoch wahrscheinlich zu größeren Überschneidungen mit den Themen der anderen Seminarteilnehmer kommt, möchte ich mich mit Abe no Seimei auseinandersetzen.

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Literatur

Statue von Abe no Seimei
  • Reider, Noriko T. (2010). Japanese Demon Lore: Oni from Ancient Times to the Present. Logan, Utah: Utah State University Press.
  • Shigeta, Shin'ichi 繁田信一 (2013). „A Portrait of Abe no Seimei.“ Japanese Journal of Religious Studies 40/1, S. 77–97.
  • Theile, Nina (2013). Der on’yōji Abe no Seimei und die oni: Genese einer literarischen Figur. Würzburg: Ergon. (Dissertation.)

Externe Links

  • Yokai.com (Patreon project, Matthew Meyer, seit 2013).

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