Dōgen Zenji

Aus Kamigraphie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Historische Persönlichkeit
Name Dōgen Zenji 道元禅師
Lebenszeit geb. 19. Jänner 1200 in Kyōto, gest. 22. September 1253 in Kyōto (Kamakura-Zeit)
Sonstige Namen Eihei Dōgen 永平道元, Dōgen Kigen 道元希玄
Funktion, Amt Buddhistischer Mönch
Bild Dogen.gif

Dōgen 道元 lebte von 1200 bis 1253 und war der Begründer der Sōtō-Schule 曹洞宗 des japanischen Zen-Buddhismus. Ursprünglich war er ein Mönch der Tendai Schule, doch seine Unzufriedenheit mit Widersprüchen und Unklarheiten motivierte ihn, eine authentischere Form des Buddhismus zu suchen. Diese fand er schließlich während einer Chinareise, und darauf basierend gründete er seine eigene Schule.

Kindheit

Dōgen kam als Kind einer Fujiwara 藤原 auf die Welt und wuchs innerhalb der Hofaristokratie auf, was ihm einen frühen Zugang zu Bildung ermöglichte. Mit großer Wahrscheinlichkeit war für ihn der Lebensweg eines Beamten vorgezeichnet. Dōgens Eltern verstarben sehr früh, sein Vater als Dōgen zwei Jahre alt war, die Mutter fünf Jahre später, was den Jungen schwer traf. Bei der Beerdigung der Mutter dürfte sich ein Schlüsselereignis zugetragen haben, das gleichzeitig als erstes hagiographisches Element in Dōgens Lebenserzählung identifiziert werden kann: Im vom Grab aufsteigenden Weihrauch realisierte er mit einem Mal die universelle Vergänglichkeit allen Seins (Dumoulin 1986, S. 42, Hoover 1970, S. 195).

Priesterlaufbahn

Diese Erfahrung und die darauffolgenden Jahre werden durch die vorliegende Fachliteratur als Ausgangspunkt für Dōgens spirituelle Suche bewertet. Bereits im Alter von zwölf Jahren erfolgte die Entscheidung gegen die Beamtenlaufbahn und für den Beruf des Mönchs. Ein Onkel verschaffte ihm Zugang zu einem Kloster am Berg Hiei 比叡山 — Dōgen wurde von nun an in der Tradition der Tendai-Schule 天台宗 unterwiesen und lernte über deren Schriften und Rituale. Dieses Studium nahm einige Zeit in Anspruch, sein Aufenthalt am Berg Hiei dauerte insgesamt fünf Jahre (Bodiford 1993, S. 13), in welchen Dōgen allerdings auch andere Tempel besuchte. Der Tendai-Buddhismus gab ihm nicht die Zufriedenheit, die er sich erhofft hatte und besonders das Konzept der „ursprünglichen Erleuchtung“ (hongaku 本覚) beschäftigte ihn:

As I study both the exoteric and the esoteric schools of Buddhism, they maintain that man is endowed with the Dharma-nature by birth. If this is the case, why had the Buddhas of all ages — undoubtedly in possession of enlightenment — to seek enlightenment and engage in spiritual practice?
Kim 2004, S. 22

Diesem Unverständnis konnte kein Mönch der Tendai-Schule auf zufriedenstellende Art begegnen, weshalb er begann, andere Lehrer aufzusuchen. Kōin, der Tendai Abt des Onjō-ji 園城寺 Tempels, legte ihm eine Chinareise nahe, um den dortigen chan zu studieren.

Dōgen beschloss später, in den Kenninji-Tempel 建仁寺 in Kyoto zu wechseln, in welchem neben den Praktiken der Tendai-Schule eine in Japan neue Form des Buddhismus gelehrt wurde, deren Fokus auf zazen 座禅 (Sitzmeditation) lag. Im Jahr 1214 hatte Dōgen hier im Zuge eines Kurzaufenthalts den Abt Myōan Eisai 明菴栄西 (1141–1215) getroffen, der heute als Gründer der Rinzai-Schule gilt und als erster die Zen-Meditation aus China nach Japan transferiert hatte (Kim 2004, S. 24). Dieses Treffen dürfte bei Dōgen einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben und im Jahr 1221 ging er bei Eisais Nachfolger Myōzen 明全 (1184–1225) in Lehre. Beide — sowohl Dōgen als auch sein neuer Lehrer — teilten den Wunsch, die authentische Form des Buddhismus kennenzulernen und ihre Übung zu intensivieren. Sie planten eine Reise nach China, zu der sie im Frühjahr 1223 aufbrachen (Dumoulin 1986, S. 43).

China

In China angekommen suchte Dōgen zunächst Klöster in der Zhèjiāng 浙江省 Provinz auf, wo das Training vor allem auf kōans basierte. Dieser Fokus desillusionierte ihn abermals, und er begab sich weiter auf die Suche nach einem Lehrer, der ihm zufriedenstellende Antworten geben konnte.

Gegen Ende dieses vierjährigen Aufenthalts fand Dōgen das, wonach er suchte, in Form der Zen-Lehre des Meisters Rújìng 如淨 (jap. Nyōjō) am Berg Tiāntóng 天童山. Rújìng lehrte eine sehr schlichte Form des Buddhismus, in deren Zentrum die ausschließliche Zen-Meditation shikantaza 只管打坐 stand. Diese Form der Praxis wurde später die Grundlage von Dōgens eigener Lehre und neben dem inhaltlichen Aspekt war auch das gute persönliche Verhältnis zum neuen Lehrer Dōgen sehr zuträglich. Thomas Hoover fasst das positive Bild zusammen:

The master Rújìng became Dogen's ideal of what a Zen teacher should be, and the habits — perhaps even the eccentricities — of this aging teacher were translated by Dogen into the model for monks in Japan. Rújìng was, above all things, uncompromising in his advocacy of meditation or zazen.
Hoover 1980, S. 198

Unter Rújìngs Anleitung wurden auch dreimonatige Intensivperioden der Meditation abgehalten, an welchen Dōgen teilnahm. Während dieser Zeit soll ihm der Fachliteratur zufolge im Zuge einer Morgenmeditation die Erleuchtungserfahrung zu Teil geworden sein, als der Lehrer aussprach, beim zazen 座禅 gehe es um das „Abfallen von Körper und Geist“ (jap. shinjin datsuraku 身心脱落). Die Erfahrung wurde von Rújìng anerkannt und Dōgen erhielt im Jahr 1225 offiziell das Recht, Rújìngs Lehre selbst zu unterrichten und weiterzugeben (Kim 2004, S. 37–38). Auf diese Abfolge der Überlieferung — die sogenannte Dharmalinie — stützt sich bis heute die auf Dōgen zurückgehende Sōtō-Schule 曹洞宗, die er nach seiner Rückkehr nach Japan im Jahr 1227 aufzubauen begann.

Rückkehr nach Japan

1227 kehrte Dōgen nach Japan zurück und verfasste das Werk Fukanzazengi 普勧坐禅儀, in dem er die Wichtigkeit von zazen, der Zen-buddhistischen Sitzmeditation, betonte und diese mit starken Worten hervorhob. In dieser Zeit stieg die Spannung zwischen der Tendai Gemeinschaft und den neuen Formen des Buddhismus in Japan, Zen und Jōdo. Angesichts dessen verließ er Kyoto in 1230 und bezog stattdessen einen südlich gelegenen Tempel. Zwei Jahre später baute er diesen zum Kōshō-hōrinji 興聖法林寺 aus, dem ersten vollwertigen Zen-Kloster Japans. Dōgens religiöse Gemeinde verfügte damit über eine gestärkte Position, jedoch nahm die Kritik aus Kyoto zu. Eine unabhängige Institution des Zen in der Größe einer eigenen Sekte oder Schule wollte man in der Hauptstadt nicht tolerieren. Dōgens Lehre wurde von Seiten des etablierten Klerus als „engstirnige Form des Buddhismus ohne sozialen Mehrwert“ abgetan und das Klima verschlechterte sich (Bodiford 1993, S. 28).

Dieser Konflikt dürfte Dōgen zu einer bedeutenden Entscheidung bewegt haben: Im Jahr 1243 verließ er die Ortschaft Fukakusa mit einigen seiner Anhänger und zog weg aus der Region um die Hauptstadt ins entlegene Echizen, Teil der heutigen Präfektur Fukui. Dort nahm sich Dōgen der Landbevölkerung an, öffnete seine Lehre auch für Frauen und errichtete den Daibutsu-ji 大仏寺, welcher 1246 zum Eiheiji-Tempel 永平寺 umbenannt wurde, und heute noch einer der beiden Haupttempel des Sōtō Zen in Japan ist.

Den Rest seines Lebens verbrachte Dōgen damit, zu lehren und schreiben. 1247 reiste er auf Einladung des Regenten Hōjō Tokiyori 北条時頼 nach Kamakura, um diesen zu unterrichten, ein Jahr später kehrte er wieder zurück. 1252 erkrankte Dōgen, und als sich sein Zustand immer weiter verschlechterte, trat er seine Robe und damit die Abtschaft des Eihei-ji an seinen Schüler Koun Ejō 孤雲懐弉 ab.

1253 trat Dōgen eine Reise nach Kyoto an, in der Hoffnung, dort seine Krankheit heilen zu können; kurz nach Ankunft jedoch verstarb er. Dōgen hinterließ neben dem Text Fukanzazengi weitere Schriften (Textsammlung Shōbōgenzō 正法眼蔵); seine Schüler veröffentlichten zudem Aufzeichnungen seiner Vorträge.

Verweise

Exzerpte

Siehe auch

Buddhistische Reformer des Mittelalters

Literatur

  • Bodiford, William (2006). „Remembering Dogen: Eiheiji and Dogen Hagiography.“ Journal of Japanese Studies 32 (1), S. 1–21.
  • Bodiford, William (1993). Sōtō Zen in Medieval Japan. Honolulu: University of HawaiI Press.
  • Dumoulin, Heinrich (1959). Zen: Geschichte und Gestalt. Bern: Francke Verlag.
  • Dumoulin, Heinrich (1986). Geschichte des Zen-Buddhismus.(Band 2.) Bern: A. Francke AG.
  • Heine, Steven (2003). „Did Dōgen Go to China?: Problematizing Dōgen's Relation to Ju-ching and Chinese Ch'an.“ Japanese Journal of Religious Studies 30/1-2, S. 27–59.
  • Hoover, Thomas (1980). The Zen Experience. New York: The New American Library.
  • Kasulis, Thomas (2011). „Dōgen.“ In: Heisig, James, Thomas Kasulis und John Maraldo (Hg.), Japanese Philosophy. A Sourcebook. Honolulu: University of Hawaii Press.
  • Kim, Hee-Jin (2004). Eihei Dōgen. Mystical Realist. New York: SUNY Press.
  • Kurebayashi, Kodo 榑林こど (1958). „Dōgen Zenji no sōchōzen hihan“ 道元禅師の宋朝禅批判 [Dōgen Zenjis Kritik am Zen der Sung-Dynastie]. Indogaku Bukkyōgaku Kenkyū 印度學佛教學研究 7(1), S. 294–297.
  • Münzer, Florian (2017). „Dōgen Zenji: Eine Analyse seiner Biografie und Hagiografie.“ In: Bernhard Scheid (Hg.), Seminar: Religiöse Biographien. Universität Wien: Repositorium Kamigraphie. (BA-Seminararbeit, Wintersemester 2016/17.)
  • Riggs, David (2004). „The Life of Menzan Zuihō, Founder of Dōgen Zen.(Japan Review.)“ , S. 67–100.
  • Tanimoto, Junno 谷本順應 (1967). „Dōgen Zenji ni okeru nyoninzō“ 道元禅師における女人像 [Dōgen Zenjis Sicht der Frauen]. Indogaku Bukkyōgaku Kenkyū 印度學佛教學研究 15 (2), S. 821–823.

Als PDF hochgeladen:

  • Bodiford, William (2006). „Remembering Dogen: Eiheiji and Dogen Hagiography.“ Journal of Japanese Studies 32 (1), S. 1–21.
  • Heine, Steven (2003). „Did Dōgen Go to China?: Problematizing Dōgen's Relation to Ju-ching and Chinese Ch'an.“ Japanese Journal of Religious Studies 30/1-2, S. 27–59.
  • Kasulis, Thomas (2011). „Dōgen.“ In: Heisig, James, Thomas Kasulis und John Maraldo (Hg.), Japanese Philosophy. A Sourcebook. Honolulu: University of Hawaii Press.
  • Kurebayashi, Kodo 榑林こど (1958). „Dōgen Zenji no sōchōzen hihan“ 道元禅師の宋朝禅批判 [Dōgen Zenjis Kritik am Zen der Sung-Dynastie]. Indogaku Bukkyōgaku Kenkyū 印度學佛教學研究 7(1), S. 294–297.
  • Riggs, David (2004). „The Life of Menzan Zuihō, Founder of Dōgen Zen.(Japan Review.)“ , S. 67–100.
  • Tanimoto, Junno 谷本順應 (1967). „Dōgen Zenji ni okeru nyoninzō“ 道元禅師における女人像 [Dōgen Zenjis Sicht der Frauen]. Indogaku Bukkyōgaku Kenkyū 印度學佛教學研究 15 (2), S. 821–823.