Die drei erlauchten Kinder

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Der Ausdruck „die Drei Erlauchten Kinder“ wird von Nelly Naumann (1988, S. 67 und 1996, S. 55) in Übereinstimmung mit den Übersetzungen von Florenz (1919) als Sammelbegriff für die Gottheiten Amaterasu 天照, Tsukiyomi 月讀 und Susanoo 須佐之男 verwendet. Es sind Kinder des Urgötterpaares Izanagi 伊邪那岐命 und Izanami 伊邪那美命 bzw. von Göttervater Izangi alleine, die als Nachfolger der Herrschaft über das von den Göttern regierte Universum ausersehen sind.

Laut der geläufigsten Mythenvariante sind ihnen sind spezielle Herrschaftsgebiete zugeteilt, die mit ihrer Entstehung in Verbindung stehen: Sonne und Mond werden aus den Augen des Urvaters geboren, sind daher Wesen des Himmels und herrschen beide im Himmel. Die Mondgottheit bleibt jedoch erzählerisch im Hintergrund des Geschehens. Susanoo, der bei der Waschung der Nase geboren wird — oder, laut Nelly Naumann (1988), aus dem Lebensodem und den Lebenssäften des Urvaters — symbolisiert das Leben und den Atem. So soll Susanoo das Meer bzw. die Erde regieren, als er aber seiner Göttermutter nachtrauert und weint, bringt er der Natur und den Menschen den Tod. Somit ist sein Wesen als Lebensspender ins Gegenteil gekehrt und er eignet sich nicht als Herr der Erde bzw. des Diesseits. Er wird von Izanagi in ein Jenseits versetzt, das ebenfalls ein Totenland ist, Ne no kuni 根の国, das „Wurzelland“.

Amaterasu und Susanoo

Amaterasu und Susanoos Gelübde

Amaterasu, die Älteste der Geschwister, tritt die Herrschaft in den Himmlischen Gefilden Takama no hara 高天原 an. Susanoo begibt sich jedoch nicht nach Ne no kuni, sondern steigt in den Himmel hoch, unter dem Vorwand, sich von seiner Schwester verabschieden zu wollen. Izanagi gewährt es ihm. Amaterasu ist jedoch misstrauisch und so empfängt sie ihn bewaffnet. Sie fordert einen Beweis, dass er nicht in böser Absicht gekommen ist. Susanoo schlägt ihr einen Eid vor, durch den Kinder geboren werden sollten. Als Beweis für seine guten Absichten solle die Geburt von männlichen Kindern gelten. Beide sprechen einen göttlichen Eid und tauschen die Insignien ihrer Macht. Amaterasu nimmt das Schwert des Susanoo, zerbricht und kaut es und spuckt es anschließend wieder aus. So entstehen drei weibliche Göttinnen. Susanoo macht das gleiche mit der Perlenkette Amaterasus. Dabei entstehen fünf männliche Götter. Da er so seine Unschuld bewiesen hat, darf er im Himmel bleiben. Unter den so erschafften Kindern befindet sich auch Ame no Oshiho-mimi 天忍穂耳, der künftige Vater des Himmelsenkels Ninigi.

Im Himmel begeht Susanoo eine Reihe von Untaten. Als er ein gehäutetes Pferd in die Webehalle Amaterasus wirft, zieht sich diese in eine Felsenhöhle zurück und die Welt verdunkelt sich. Der Tanz der Göttin Ame no Uzume 天宇受売命 lockt Amaterasu schließlich wieder hervor. Eine andere Quelle spricht von der Hervorlockung der Sonnengöttin durch einen Spiegel.

Nach dieser Reihe von Verstößen wird Susanoo ein harae 祓え (Shintō-Reinigungszeremonie durch Austreibung und Exorzismus) auferlegt. Mit diesem harae wird alles Schlechte und Negative aus Susanoo ausgetrieben, das Weinen, das ursprünglich den Tod bedeutet wird zum lebensspendenden weinen. Susanoo ist also sowohl der Gott, der das Leben nimmt, es aber auch wieder gibt; deshalb ist sein Herrschaftsgebiet wohl auch nicht die Unterwelt, sondern Ne no kuni, das Wurzelland, ein Totenreich, aus dem das Leben neu erwächst. Nach vollzogenem harae steigt Susanoo wieder auf die Erde hinab. Auf seiner Wanderung durch die Provinz Izumo rettet er Prinzessin Kushinada 奇稲田姫 vor einem achtköpfigen Drachen, den er tötet und in dessen Schwanz er das Schwert Kusanagi 草薙剣 findet. (Später schenkt er es Amaterasu. Das Schwert soll später eines der drei heiligen Insignien darstellen.) Er nimmt die Errettete zur Frau und gründet eine neue Herrscherdynastie. Im Himmel herrschen nun Sonne und Mond, Amaterasu und Tsukiyomi, in Ne no kuni Susanoo, nur die Erde, Ashihara no Nakatsukuni 葦原の中つ国, das Mittelland der Schilfgefilde, das dazwischen liegt, hat noch keinen Herrscher. Susanoo zeugt nur einen Sohn (Ōkuninushi), der für diese Herrschaft bestimmt ist, bevor er seine Herrschaft in Ne no kuni antritt.

Verweise

  • Naumann, Nelly (1988). Die einheimische Religion Japans: Teil 1: Bis zum Ende der Heian-Zeit. Leiden: Brill. (Rezension.)
  • Florenz, Karl (Ü.) (1901). Nihongi: Japanische Mythologie.(Mittheilungen d. Dt. Ges. f. Natur- und Völkerkunde Ostasiens, IV.) Tokyo: Hobunsha. (Ü. von Nihon shoki, Götterzeitalter nebst Auszügen aus Kojiki und fudoki.)




Dieser Artikel wurde ursprünglich für das Schwesterprojekt Fudokipedia verfasst.