Seuchengötter

Aus Kamigraphie
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Seuchengott und Gefolge

Seuchengötter, jap. ekijin 疫神 sind feindselige Kami 神, die Krankheiten und Seuchen verursachen. Ihr Charakter ist allerdings ambivalent. Genauso wie sie Krankheiten verursachen können, können sie auch dagegen schützen.[1]

Bestrafung und Belohnung

Als Beispiel sei folgende Geschichte genannt:

Eines Tages machte sich eine Himmlische Gottheit auf eine lange Reise von 80.000 li zum Hof der Tochter des Drachenkönigs des Südmeers. Auf dem Weg müde geworden, suchte die Himmlische Gottheit eine Unterkunft, wo sie sich ausruhen könnte. Schließlich traf sie auf zwei Brüder, einen reichen jüngeren namens Shōrai Kotan und einen armen älteren Namens Shōrai Somin. Der jüngere Bruder verwehrte der Himmlischen Gottheit das Einkehren, der ältere jedoch, obwohl sehr arm, war überaus gastfreundlich; er nahm den müden Reisenden auf und teilte was er hatte mit seinem Gast. Bevor sie ihre Reise fortsetzte erwiderte die Himmlische Gottheit die Freundlichkeit ihres Gastgebers indem er dessen Tochter einen Kranz aus geflochtenem Elefantengras schenkte, den sie, wie er sagte, um ihre Hüfte tragen sollte, wann immer eine Seuche ihr Land plagte. Indem sie den Kranz trug und sich als Nachkomme von Shōrai Somin zu erkennen gab würde sie und alle ihre Nachkommen, die es ihr gleich tun würden, vor der Krankheit geschützt sein.

Die Himmlische Gottheit setzte ihre Reise fort und erreichte schließlich den Palast des Drachenkönigs. Dort ehelichte er die schöne Tochter des Drachenkönigs und während der nächsten zwanzig Jahre zeugten er und seine Königin acht Kinder und scharten ein Gefolge von 84.645 dienenden Gottheiten um sich. Schließlich verließ die Himmlische Gottheit, begleitet von seiner Familie und dem großen Gefolge den Palast des Drachenkönigs und reiste zurück zur Heimat von Shōrai Kotan und Shōrai Somin, welcher bereits gestorben war. Bei ihrer Ankunft zerstörte die Himmlische Gottheit mit der Hilfe ihrer Kinder und ihrem Gefolge alle Einwohner dieses Landes, mit Ausnahme der Tochter von Shōrai Somin und ihrer Nachkommen.

McMullin 1988: 270-271

Die Geschichte ist in einer früheren Variante auch aus dem Bingo fudoki (8. Jh.?) bekannt. Hier gibt sich die Gottheit schlussendlich als Susanoo zu erkennen.

Bildbeispiele aus der Edo- und Meiji-Zeit

Götter besiegen die Krankheiten

Blockdruck (Papier, Farbe) von Utagawa Yoshikazu. 1858?; 35 x 48,8 cm
Bild © University of California, San Francisco. (Letzter Zugriff: 2011/11/03)

Die Bildinschrift lautet: „Unter dem Schutz der verschiedenen Kami besiegen gute Medikamente die bösen Kranheiten.“ (S.a. Kusuri no Hakubutsukan)

Seuchengoetter.jpg

Unterwerfung der Masern (Hashika taiji 痳疹退治)

Blockdruck, hashika-e (Papier, Farbe) von Utagawa Yoshiiku? (Yoshifuji). 1862
Bild © Museum of Fine Arts, Boston. (Letzter Zugriff: 2012/10/26)
William Sturgis Bigelow Collection

Die Masern sind hier in Gestalt des legendären Bösewichts Shuten Dōji dargestellt.

Hashika taiji.jpg

Susanoo schließt einen Pakt mit den Krankheiten

Gemälde, ema (Holz, Farbe, Blattgold) von Katsushika Hokusai, bemalt von Soga. 1860; Ushijima Schrein, Mukōjima, Tokyo; 21,5 x 27,5 cm
Bild © The British Museum. (Letzter Zugriff: 2012/10/13)

Votivbild

Das Bild trägt eine Inschrift, der zufolge es sich um eine verkleinerte Kopie eines ema von Katsushika Hokusai aus dem Jahr 1845 handelt. Der Ushijima Schrein war Ende der Edo-Zeit besonders wegen Bitten um Gesundheit populär. Dargestellt ist eine Gottheit (wahrscheinlich Susanoo oder Gozu Tennō), der mit verschiedenen Monstern, die jeweils eine Krankheit darstellen, einen Pakt schließt (der sie zwingen soll, sich still zu verhalten). Eines der Monster „unterschreibt“ mit einem Handabdruck. Diese Motiv findet sich auch auf zahlreichen anderen Darstellungen von Krankheiten. S.a. Beschreibung des British Museum.

Susanoo und Krankeiten.jpg

Kräuter gegen Masern (Hashika yōjōgusa はしか養生草)

Blockdruck, hashika-e (Papier, Farbe) von Utagawa Yoshiiku (1833–1904). 1862
Bild © Museum of Fine Arts, Boston. (Letzter Zugriff: 2012/10/26)
William Sturgis Bigelow Collection
Hashika yojogusa.jpg

Verweise

Verwandte Seiten

Literatur

Anmerkungen

  1. McMullin 1988: 272