Exzerpt:Rotermund 1968

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Rezension zu:

Rotermund, Hartmut O. (1968). Die Yamabushi: Aspekte ihres Glaubens, Lebens und ihrer sozialen Funktion im japanischen Mittelalter. Hamburg: de Gruyter.


Einleitung

In seinem Buch"Die Yamabushi: Aspekte ihres Glaubens, Lebens und ihrer sozialen Funktion im japanischen Mittelalter" betrachtet Rotermund die verschiedenen Facetten der Entstehung und WIrkung der Yamabushi. In diesem Exzerpt sind die ersten beiden Hauptkapitel des Werks zusammengefasst.

Grundlagen des Shugendō

Shugendō ist eine natürlich entwickelte synkretistische Religion. Sie verbindet Elemente der prä-shintoistischen Naturverehrung, esoterischen Buddhismus und chinesischen Daoismus. Die Bezeichnung bedeutet „der Weg sich durch die Übung magisch-religiöser Rituale in den Bergen übernatürliche Kräfte zu entwickeln und in Wunderwirkungen zu manifestieren. Der Terminus shugen wird im buddhistischen Kontext auch mit dem Üben von Sutren in Verbindung gebracht. Der beste Ort Riten des esoterischen Buddhismus auszuüben, waren die Berge(Bergglaube in verschiedenen Kulturen beobachtbar). In der Heianzeit wurden Menschen, die in den Bergen Wunderkräfte erlangten als „Wunderasketen“ oder „wundertätige“ Mönche bezeichnet. Im brahmanistischen Indien spielen Berge für Asketen eine wichtige Rolle – sie galten als sündenreinigend. In China kam es zu buddhistischem Klosterbau auf den Bergen – dadurch nähert sich diese Tradition immer mehr an Daoistische Vorbilder an. In Japan glaubt man, dass auf Bergen die Götter wohnhaft sind. Die Begräbniskultur spielt sich ebenfalls dort ab und man Glaubt an Berggottheiten – yama no kami. Magie ist im Volk weit verbreitet und auch der Buddhismus kann das nicht beseitigen. Es kommt zur buddhisitschen Färbung des Magieglauben. Yamabushi verbinden Shinto und Buddhismus, sie zogen in Kamakurazeit auch mit Shamaninnen herum. Im (vulgär)Daoismus ist die zentrale Figur der Eremit. Eremiten sammelten in ihren Einsiedeleien Schüler um sich und ihnen wurden teilweise die Fähigkeit zu Fliegen zugeschrieben. Es finden sich auch daoistische Spuren in der En no Gyōja Legende. Dazu zählen das Beherrschen von Dämonen, die Übung des Pfauenmantras, gegen Himmel fliegen, auf fünffarbigen Wolken fliegen, übers Meer gehen, nährende Lüfte atmen und mit über 40 noch in Felsenhöhle leben. Es ist ein starker Diesseitscharakter und der Einbezug volkspopulistische Religionen¬ sichtbar.¬

En no Gyōja und das Aufkommen der Yamabushi

In der altjapanischen Dorfgemeinschaft spielten die Shamanen eine große Rolle. Sie traten bei Krankheiten, Festen und ungewöhnlichen Ereignissen hervor. Der Einströmende Buddhismus, vor allem der esoterische Buddhismus brachte v.a. in der Heianzeit den Gebrauch von Mantras für verschiedene Zwecke mit sich und beeinflusste die traditionellen Zauberpraktiken der Shamanen. In dieser buddhistischen Frühzeit war auch das Verlassen der Familie (shukke) für Mönche gesetzlich geregelt. Damit kann davon ausgegangen werden, dass bereits im frühen 8.Jh Bergaskese unter buddhistischen Mönchen bereits üblich war. Offizielle Mönche hatten wenig Kontakt zum einfachen Volk, für dieses waren die „freien Mönche“ oder auch die frommen Laienbrüder(ubasoku), die durch Berge und Wälder zogen und Exorzismus, Wahrsagerei und Magie betrieben, zuständig. Diese ubasoku kamen dort mit Shamanen und Volksmagiern in Kontakt. Durch diese wechselseitige Beeinflussung von Shamanen und freien Mönchen wurde der Aufenthalt in den Bergen bald als Voraussetzung shamanistischer Aktivitäten vorausgesetzt. Einer der Ersten shamanistischen Magier war En no Ozunu, dessen historische Verbannung von vielen Legenden gesäumt ist. Seine Entwicklung vom Bergshamanen zum vom Daoismus geprägten ubasoku der Heianzeit wurde im Nihon Ryōiki dokumentiert. Warum er ausgerechnet zum Begründer des Bergasketenkults wurde, ist keinen Falls vollständig aufgeklärt. Er dürfte mit besonders divinatorischen Aufgaben betraut gewesen sein und scharrte Schüler um sich, im Sinne des daoistischen Genius. Vermutlich hatte sein Wirken noch längere Auswirkung bis in die zweite Hälfte der Narazeit, En no Gyōza wurde nicht nur mit dem Katsuragi Berg, sondern auch den Kimpu-sen in Verbindung gebracht. Die Legenden, er könne selbst Dämonen durch die Ausübung des Kujaku-Mantras besiegen, stellt die Überlegenheit buddhistischer Magie über die Kami dar. In der Kamakurazeit bildeten sich zwei Shugendō Zentren aus – Shōgoin und Sanbōin – und En no Gyōja wurde zum Gründerahn erhoben. Er wird in Lehrschriften der Edozeit als Verkörperung des Fudō Myōō gesehen und wurde 1799 vom Kaiser mit dem Titel „jinben dai bosatsu“ ausgezeichnet, was so viel wie „gottverwandter Groß-Bodhisattva“ bedeutet. En no Gyōja nahm im Bestreben des Staats, die Religion zu beherrschen, eine Wiederstandhaltung ein, was schlussendlich auch zu seiner Verbannung geführt haben könnte. Später wurden durch Saicho und Kukai frühere magische Praktiken durch Askese Übungen in den Bergen wieder populärer, Askese mit dem Ziel der Kräfteerwerbung nannte man dann „shugen“ – trainieren. Es entstand statt bloßem Üben in den Bergen eine regelrechte „Bergpilgerfahrt“, die typisch für die Yamabushi wurde. Das Wort Yamabushi hatte in der Heianzeit noch eher die Bedeutung der Einsiedlerlebensform und weniger die, des rastlosen Bergasketen. Unter denen, die in die Berge zogen, bildeten sich Gruppen heraus, die sich ähnlich kleideten und ähnliche Praktiken ausübten. Je weiter diese Gruppen pilgerten, desto mehr wurden sie von Wundermönchen zu Yamabushi, in der heutigen Bedeutung der Pilger. Zusammenfassend kann man sagen, dass sich die Yamabushi aus der Tradition der wandernden Berg-Exorzisten und der Tradition der ubasoku der Heianzeit entwickelt haben.