Exzerpt:Shapinsky 2010

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Rezensiertes Werk:

Shapinsky, Peter D. (2010). „From Sea Bandits to Sea Lords: Nonstate Violence and Pirate Identities in Fifteenth- and Sixteenth-Century Japan.“ In: Robert J. Antony (Hg.), Elusive pirates, pervasive smugglers: Violence and clandestine trade in the Greater China Seas. Hong Kong: Hong Kong University Press, S. 27–41. (Exzerpt.)


Inhalt

Einleitung

Die Bedeutung des Begriffs „Pirat“ ist variabel, selten als Selbstbezeichnung – so auch im Japan des 15.-16.Jh. Begriff kaizoku bis zum 15.Jh Bezeichnung von Seeräubern, immer illegitime Gewaltausübung, danach gemischt; Herrschende Japans von kaizoku abhängig (z.B.: Schlachten, Handel, Schutz,...) (27).

Entstehung von Machtgebilden der Piraten, Anerkennung von Daimyō und Shōgun wird zunehmend wichtiger, herrschen über Domänen im Meer, oft ähnlich wie Herrschaft am Festland (27-28).

3 Wege zur Macht:

  1. Platzierung zwischen kulturellen und politischen Reichen
  2. Ausnutzung von Engpässen für Zollbarrieren
  3. Maritimes Söldnertum

Nicht-staatliche Gewalt im Japan des 15. und 16. Jahrhunderts

Artikel stellt Fokus auf Seto-Inlandsee, besonders wichtige Rolle in Anbindung innerhalb Japans. Banden waren oft an bestimmten Ort und Familie gebunden (28).

Entwicklung staatlicher Institutionen aber keine Marine, daher auf Piraten angewiesen (28-29). Söldnerbeziehungen auch in Dokumente über Transaktionen etc. festgehalten – oft als Vasallen dargestellt, aber eher Interpretation der Machthabenden – Piraten wie Wakō als Vermittler zwischen Machtzentren. Ähnlich wie in anderen Teilen der Welt, Piraten ermöglichen extra-territoriale Gewaltanwendung (29).

Aus Sicht der Machthabenden zwiespältig – einerseits militärisch, politisch, ökonomisch wichtig, andererseits Interessenkonflikt (30).

Etablierung einer grenzüberschreitenden Identität

Aufzeichnungen hielten lange einen Fokus am Festland, bis 15.Jh wechselmütige Einstellung gegenüber Meer und Seefahrern entwickelt (30) Einerseits schon seit Implementierung des ritsuryō Meer einbezogen und teilweise in Grenzziehungen berücksichtigt (30-31). Andererseits als gefährlich für Machthabende gesehen, wenig direkter Einfluss. Allgemein herrschte Angst vor Seefahrt – z.B. im Tosa Nikki beschrieben. Daher Schutz von Gottheiten gesucht.

Arbeiter/Leute auf See als ama bezeichnet – Klassifizierung als „Andere“ (31). Piraten direkt mit Gewalt verbunden, parallel zu Banditen an Land (31-32). 14.Jh kaizoku nachweisbar zum „Schutz“ (keigo), also für Schlachten eingesetzt, Begriffe keigo und kaizoku erst nach Legalität getrennt, später nicht mehr.

Bald Dienstleistung von Piraten ausgeweitet – Eskort, Verwaltung, Transport. Zwischen 1540 und 1582 Bande der Noshima Murakami. Herrschaft über ganzes Netzwerk von Inseln, Häfen usw. über die Inlandssee, im Auftrag von 7 Daimyō. Selbstdarstellung der Piraten genau wie Herrscher des Festlandes, selbe Titel, Murakami Takeyoshi führte den Namen Minamoto um das 16.Jh (32).

Auch in Machtausübung und Kultur (z.B. renga) Anpassung an Normen des Festlandes. Aber auch eigene Kultur mit Fokus auf alles maritime, sogar Land abgelehnt um Autonomie auf See zu halten. Verschiedenheit in Geschlechterpraktiken, Kleidung, Sprache, Taktiken zu erkennen (33).

Ähnlichkeit Piraten der Inlandsee und von Tsushima festgestellt (33-34).

Zollbarrieren und Schutz

Zollbarrieren auf See, bei Engpässen sehr lukrativ; auch Machthabenden des Festlands haben so zu profitieren versucht (34). Zollbarrieren auf See aber vorwiegend mit Piraten verbunden. Ursprung wird von manchen in Gemeinschaften in Verbindungen mit Tempeln und Schreinen gesehen – Zoll als Opfer für die Götter, dafür Schutz. Piraten eventuell bis zum frühen 14.Jh in dieser Vermittlerrolle gesehen, dann Vorgehen stark verurteilt.

Wegen zunehmenden Machtkämpfen an Land zu dieser Zeit auch Abhängigkeit von Schutz durch Piraten gestiegen. Durch Zölle Ausweitung von Macht, Seegebiet wurde zur Domäne von Piratenbanden; Entstehung einer Machtdynamik zwischen Banden, Autorität auf See liegt fast ausschließlich bei Piraten (35).

Noshima Murakami in den 1560ern so etabliert, dass im Voraus Anfragen für Schutz gestellt wurden, Flagge von Bande reicht für Schutz (36). Beweis für Machtausübung in Anfragen von Schutz durch verschiedenen Örtlichkeiten und Persönlichkeiten, auch Daimyō und Priester. Legitimität der Macht mit offiziellen Ansuchen bestätigt, auch Änderungen in Terminologie weg von Implikation der Wegelagerei. Sogar bis zum Beginn der Einigung Japans (bis 1580er) Macht erhalten (37).

Söldnertum

Ansicht auch als „notwendiges Übel“ vor allem auch, da Piraten die Daimyō gegeneinander ausspielten (37-38). Assoziierung mit bestimmten Daimyō essentiell – Gunst von Daimyō, im Gegenzug Schwächung der Gegner der Daimyō durch hohe Zölle. Aber Selbstbild der Autonomie von Piraten, bei Änderung der Abmachung Racheakte (z.B. 1552 Noshima gegen neuen Daimyō) (38). Strategisch oft essentiell, 1561-1571 von zwei gegeneinander kämpfenden Daimyō eingesetzt (38-39).

Noshima wechselten die Seite je nach besserem Angebot – kam auch auf Festland vor, aber auf See eher ein Fall vom Verkauf der Dienste an mehrere Parteien, nicht Verrat.

Ansicht von Auftraggebern als strategische Befugnisverleihung; von Piraten Ausnützen der Situation zur eigenen Bereicherung (39) Piratenschiffe oft nicht zu erkennen, strategisch hilfreich für Daimyō; auch verantwortlich für Angst vor Seefahrt und damit für Schutzgelder (40).

Conclusio

Selbstrepräsentation und damit Anstieg an Macht durch Bewusstsein und Ausnützung der im Festland bestehenden Machtstrukturen. Anpassung insoweit sie selbst profitierten, sonst Selbstständigkeit (40). Aber dadurch Gefahr für den wiedervereinigten Staat, daher strenges Vorgehen von Hideyoshi und den Tokugawa (40-41). Einige Banden (Noshima Murakami, Tagaya) wurden aber zu Samurai und Daimyō durch die zuvor bestehende Akzeptanz (41).