Hachiman

Aus Kamigraphie
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Gottheit oder numinose Erscheinung
Name Hachiman 八幡 („acht Banner“)
Sonstige Namen Yawata 八幡, Hachiman Daibosatsu 八幡大菩薩
Rel. Zugehörigkeiten Shinto, Buddhismus
Herkunft Japan
Ikonographie häufig in Mönchsgestalt oder Krieger
Attribute, Begleiter Bogen, Pfeil, Armschoner, Taube
Funktion, Wirkkraft Kriegsgottheit, Ahnengottheit
Hachiman 10jh.jpg

Hachiman 八幡 ist eine der bekanntesten japanischen Gottheiten (kami 神). Im späten 8. Jh. erhielt Hachiman den buddhistischen Beinamen Daibosatsu 大菩薩 (Großer Bodhisattva).

Namen

Hachiman als Bodhisattva

Der Ursprung der Bezeichnung „Hachiman“ 八幡 (wtl. „acht Banner“) ist nicht ganz klar. Es existieren dazu mehrere Theorien, die alle plausibel klingen:

  1. Der Name Hachiman stammt wahrscheinlich von den 8 Bannerscharen 幡, welche das chinesische Militär benützte, um seine Truppen in kleinere Einheiten, den 4 bzw. 8 Himmelrichtungen nach, einzuteilen.
  2. Hachiman ist die spätere Sinifizierung eines älteren Yahata (onyomi-Lesung von 八幡). Hata stand aber ursprünlich nicht für „Banner“, sondern für „Feld“ (畠 = hata, mod. jap. hatake). Der Name bedeutete demnach „acht Felder“ und bezeichnete „eine beschützende agrarische Bodengottheit“ [1].
  3. Yahata war ursprünglich eine rein japanische Kriegsgottheit und Hachiman ein ähnlicher chinesischer Kriegsgott. Beide wurden im Zuge der Einführung der chinesischen und koreanischen Zivilisation vermengt.

Yahata/Yawata

Der Name Hachiman kann auch Yahata/Yawata 八幡 gelesen werden (Yahata bzw. Yawata ist eine alternative Lesung zu sino-japanisch „Hachiman“). Die meisten frühen Dokumente zu Hachiman beziehen sich auf einen Yahata-Schrein, der offenbar mit dem Usa Hachiman-gū identisch ist [2].

Eine mögliche Grundbedeutung von yahata sind die acht Banner Hachimans (ya-hata oder yawata), die bei seiner Wiedergeburt in China, dem Rokugō kaizan Ninmon Daibosatsu hongi nach, am Himmel hingen und das Symbol des Hachimankults sind.

Yahata könnte aber auch in Beziehung zu den Hata stehen, eine Gruppe chinesischer oder koreanischer Immigranten, die sich zunächst in Nord-Kyūshū ansiedelten.

Ursprünge Hachimans

Da Hachiman weder in Klassikern wie dem Kojiki (712) oder dem Nihon shoki (720), ebenso wenig in einer der fünf überlieferten Lokalchroniken aus der Nara-Zeit, den Fudoki, erwähnt wird, kann angenommen werden, dass Hachiman zu Beginn der Nara-Zeit ein wenig bedeutender Lokalgott aus Kyūshū war. Sein Name wird erstmals für das Jahr 737 in der offiziellen Regierungschronik Shoku Nihongi (spätes achtes Jhdt.) überliefert. Es war eine Zeit, in der Kyūshū zahlreichen Gefahren ausgesetzt war, darunter der Bedrohung durch Korea, Aufständen durch lokale ethnische Minderheiten und einer Pest in den Jahren 735-737 [3]. Laut dem Shoku Nihongi zettelten im Jahr 720 der aus dem Süden von Kyūshū stammende „Barbarenstamm“ der hayato 隼人 einen Aufstand an und töteten einen Governeur [4]. Die in den engi 縁起, Schreinchroniken des Hachiman, dargestellten Geschichten berichten von einer großangelegten militärischen Kampagne gegen die hayato, wobei durch göttliche Unterstützung durch Hachiman der Sieg gelang [3].

Die militärische Rolle von Hachiman lässt sich möglicherweise durch kriegerische Handlungen der Priester selbst erklären [3].

737 wird Hachiman als eine der drei Schreingottheiten Kyūshūs im Nihon Shoki erwähnt, die aufgrund ihrer Unterstützung gegen das Königreich Silla im gleichen Jahr vom japanischen Kaiserhaus aus mit Geschenken bedacht wurden [3].

Erst beim Bau des Großen Buddha (Daibutsu) in Nara beginnt die einigermaßen verlässlich dokumentierte Geschichte Hachimans, 749 wurde er erstmals im Zusammenhang mit dem Daibutsu erwähnt. Demnach soll Hachiman eine tragende Rolle gespielt haben, als Shōmu Tennō (701-756) dieses ehrgeizige Projekt in Angriff nahm. Bereits im Jahr 740 soll Shōmu eine Weissagung Hachimans erhalten haben, welche unter anderem besagt, dass Hachiman als kami die Errichtung des Daibutsu mithilfe der Götter des Himmels und der Erde gewiss vollbringen werde können und das Kupfer zu Wasser schmelzen würde. Dies würde erklären, warum Hachiman ab dem Jahr 749 sehr viel Aufmerksamkeit zuteil wurde und er und seine Frau Himegami unvermittelt in die höchsten Schrein- bzw. Adelsränge katapultiert worden sind.

Hachimans heutige Bedeutung

Schon während der Edo-Zeit zählte Hachiman zu den am weitesten verbreiteten Schreingottheiten in Japan. Nach der Meiji-Restauration (1868-1912) bekam die Verehrung von Hachiman einen neuen Impuls, und zwar zu einem militärischen Zweck. Verschiedene Schreine wurden in ihrem Rang erhöht und man schickte Schulkinder, sowie Rekruten in Form von Ausflügen zur Huldigung von Schreinen Hachimans. So wurde Hachiman vor dem Zweiten Weltkrieg mehr zu einem nationalen Kriegsgott als er es davor gewesen war.

Insgesamt kann Hachiman am ehesten als eine Universalgottheit bezeichnet werden: er ist der kriegerische Gott, der gegen das Böse und für die gerechte Sache kämpft, das aufrichtige Anliegen unterstützt und für Hilfe und Schutz sorgt. Leute beten aber auch für einen Ehepartner, Kinder, Heilung von sexuellen Krankheiten oder gute Ernten.

Embleme

Bogen, Pfeil und Armschoner des Bogenschützen

Humuta tomo.jpg

Unter homuda oder homuta verstand man in alter Zeit offenbar ein gepolstertes Armband aus Leder, das die Bogenschützen zum Schutz vor der Bogensehne am linken Unterarm anbrachten. In späterer Zeit wurde es tomo 鞆 genannt. Kaiser Ōjin, der später mit Hachiman identifiziert wurde, soll einen Geburtsfehler in der Form eines solchen homuda gehabt haben und erhielt daraufhin den Eigennamen Homuda (auch "Honda" gelesen). Nach den militärischen Erfolgen seiner Mutter Jingū, wurde ein Geburtsfehler in Form eines kriegerischen Artefakts als gutes Omen gedeutet. Das tomoe Zeichen, das u.a. Hachiman symbolisiert, soll nach einer (eher unwahrscheinlichen) Etymologie aus dem tomo Armband entstanden sein.

tomoe

tomoe

Das tomoe 巴 bzw. tomoe-mon 巴紋 ist ein abstraktes japanisches Emblem bestehend aus einem, zwei oder drei komma-artigen Formen. Es wird als Hauswappen (kamon 家紋), Schreinsymbol (shinmon 神紋) oder Firmenlogo verwendet. Seinen Namen verdankt das Emblem seiner Ähnlichkeit mit einem Wasserstrudel (tomoe 巴), doch gibt es auch die Ansicht, das tomoe stelle ein archaisches Krummjuwel (magatama 勾玉) dar. Eine weitere etymologische Erklärung führt den Begriff auf den Handschutz der Bogenschützen (tomo 鞆) zurück. Schließlich könnte sich das Emblem aus dem chinesischen Yin-Yang Zeichen entwickelt haben, mit dem es zweifellos eine Ähnlichkeit hat (s. Abb., ganz rechts oben).

Am häufigsten ist das dreifache tomoe (mitsudomoe 三つ巴) zu finden, es gibt jedoch auch einfache, zweifache und sogar vierfache tomoe-Embleme, jeweils in linksdrehender und rechtsdrehender Version.

Tomoe und Hachiman

Das tomoe gilt generell als Symbol des Hachiman, doch weder ist es allein auf Hachiman beschränkt, noch benützen alle Hachiman-Schreine ein tomoe-Symbol. Viele Hachiman-Schreine verwenden z.B. ein Taubensymbol, während der berühmte Tsurugaoka Hachiman-gū in Kamakura, in Anspielung auf den Ortsnamen Tsurugaoka (wtl. „Kranichhügel“) durch das bekannte Kranichsymbol repräsentiert wird, das bis 2002 auch die Luftflotte der Japan Airlines zierte. Andererseits ist das tomoe-mon mitunter auch in buddhistischen Tempeln, z.B. auf Dachschindeln, zu finden. Als universales religiöses Symbol ist es zudem häufig auf den traditionellen japanischen Trommeln (taiko) abgebildet.

Eine gewisse Affinität zwischen dem tomoe-Symbol und Hachiman lässt sich dennoch belegen. So wurde das Zeichen von den wakō Piraten verwendet, die Hachiman zu ihrem speziellen Schutzgott erkoren hatten. Möglicherweise durch Vermittlung der wakō wurden sowohl Hachiman als auch das tomoe Symbol im Inselreich Ryūkyū, heute Okinawa, bekannt und vom dortigen Königshaus übernommen.

Das Wort tomoe kann in Japan auch als Vornamen sowohl von Männern als auch von Frauen getragen werden. Berühmtestes Beispiel ist die halblegendäre Tomoe Gozen, die einzige weibliche Samurai-Gestalt der gunki (Krieger-Epen).

Taube

Hachiman, der als Schutzgott der kaiserlichen Familie galt, wurde auch von dem Klan der Minamoto als Schutzgott adaptiert, wahrscheinlich weil sie selber ein Nebenzweig der kaiserlichen Familie waren, nämlich der des Kaisers Seiwa. Deshalb auch die Bezeichnung Seiwa-Genji, wobei Genji für die Bezeichung der Minamoto-Familie steht. Sie nahmen die weiße Taube, welche ein Symbol des Hachiman ist, als ihr Familienwappen und die Legende ist wie folgt:

Nach der Niederlage von Ishibashiyama, anno 1181, musste Yoritomo hart bedrängt fliehen, fand aber glücklicherweise einen hohlen Baum, in dem er sich versteckte. Der verfolgende Kajiware Kagetoki sah den Baum, ging hin, und stiess in Gegenwart etlicher Kameraden mit seinem Bogen in die Hölung. Zwei Tauben flogen heraus - ein sicherer Beweis, dass er ein ruhiges Nest gestört hatte, und sich niemand im Baum befinden konnte.

Für Yoritomo war es ein Beweis, dass ihn Hachiman besonders in Schutz genommen hatte und so wurde das Familienwappen der Minamoto ausgewählt [5].

Kult- und Ritualgegenstände

  • Armlehne
  • Steinkult

Im frühen Hachiman-Kult in Kyūshū spielten offenbar Megalithe (Riesensteine) ein große Rolle. In vielen Legenden hat sich die Erinnerung daran undeutlich erhalten.

So gibt es eine Legende, nach der Hachiman sich zum ersten Mal auf dem Maki-Gipfel in Usa, in Form von 3 Steinen manifestierte. Nicht 3 Steine, aber 2 Steine sind es, die es Kaiserin Jingū ermöglichten ihre Schwangerschaft um 3 Jahre hinaus zu zögern, um den Korea Feldzug durchführen zu können.

  • Shintai 神体 (Götterkörper)

Shintai stellen die Hauptheiligtümer shintoistischer Schreine dar. Sie repräsentieren jedoch streng genommen nicht die Gottheit selbst, sondern stellen ihren Aufenthaltsort in dem jeweiligen Schrein dar.

  • Hossu 払子
Hossu

Der Pferdeschweifwedel, stammt aus dem Indischen und heisst chauri. Er wurde vom Buddhismus übernommen und gilt als Symbol des höchsten okkulten Wissens. Im Daoismus wird er verwendet um böse Geister zu vertreiben. Er wird im Allgemeinen von Heeresführern als Signalstab verwendet. Es besteht also eine Verbindung zum Krieg und damit die Möglichkeit diesen für Hachiman als Kriegsgott zu verwenden, jedoch wurde die Verwendung als Signalstab in Japan nie eingeführt.

Kunst

Architektur

Bildhauerei

Shinzō

Der Begriff shinzō 神像 bezeichnet Statuen oder Bilder von japanischen kami. Die ältesten shinzō stammen aus dem späten 8. Jahrhundert oder frühen 9. Jahrhundert. Die ältesten Hachiman Statuen werden auf das 9. und 10. Jahrhundert datiert. Der Grund, wieso die ersten shinzō relativ spät auftauchen, liegt in der Art der frühen kami-Verehrung. Kami haben keine fixe Gestalt und keinen fixen Aufenthaltsort. Sie können sich in Gegenständen, Erscheinungen natürlicher Art (z.B. alten Bäumen, Wasserfällen, Vulkanen) oder auch in Naturkatastrophen manifestieren. Erst mit dem Auftauchen des Buddhismus und der Darstellung der Buddhas kam es langsam zur Entwicklung von shinzō [6].

Kaikeis Hachiman

Kakeis Hachiman

Kaikeis Hachiman ist die wahrscheinlich bekannteste aller Hachiman-Statuen. Sie steht im Tōdaiji und wurde vom Bildhauer Kaikei um 1201 erstellt. Die Statue ist deshalb so bekannt, weil die Umstände der Entstehung in Aufzeichnungen und Tagebüchern erwähnt wird, also quasi die komplette Entstehungsgeschichte für diese shinzō vorhanden ist [7].

Ein Unterschied zu den vorher erwähnten Statuen ist der, dass Hachiman als erleuchteter Boddhisvata dargestellt ist. Anzeichen dafür geben das Lotus Podest, auf dem die Statue steht, und der Heiligenschein, der seinen Kopf umgibt.

Hachiman Triade

Eine Dreiergruppe (Triade) von Hachiman und seinen Begleiterinnen, Jingū Kōgō und Ōhime-gami, aus dem 10. Jahrhundert, die im Yakushiji zu finden ist. Sie ist nur 36cm hoch. Hachiman wird als sitzender Mönch dargestellt (sōgyō Hachiman 僧形八幡) und die flankierenden Göttinnen tragen höfische Kleidung. Siehe auch Hachiman Triade (Tōji) und Kaikeis Hachiman.

Malerei

Rituale und Zeremonien in Verbingung mit Hachiman

Primärquellen zum Thema Hachiman

Schreine des Hachiman

Hauptschreine

Weitere Schreine

Verweise

Anmerkungen

  1. Casal 1962:3
  2. Die Erwähnung eines Usa-Schreins gibt es erst nach 859, als eine Unterscheidung zwischen den Usa und Iwashimizu Schreinen notwendig wurde.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 Scheid 2014:33
  4. Bender 1979:131
  5. Die Legende stammt aus Casal 1962 und die Informationen sind möglicherweise etwas einseitig.
  6. Kanda 1985:7
  7. Vgl. Kanda 1981

Quellen

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  • Casal, Ugo Alfonso (1962). Hachiman, der Kriegsgott Japans. (Mitteilungen der deutschen Gesellschaft für Natur und Völkerkunde Ostasiens Band XLI, Teil D.) Wiesbaden: Otto Harrassowitz. (Rezension.) {{#ifanon:

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  • Kanda, Christine Guth (1985). Shinzō: Hachiman Imagery and its Development. Cambridge, Massachussets u.a.: Harvard University Press. (Rezension.) {{#ifanon:

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  • Naumann, Nelly (1988). Die einheimische Religion Japans: Teil 1: Bis zum Ende der Heian-Zeit. Leiden: Brill. (Rezension.) {{#ifanon:

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Dieser Artikel wurde ursprünglich für das Schwesterprojekt Hachiman-no-pedia verfasst.