Hachiman gudōkun

Aus Kamigraphie
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Primärquelle
Werktitel Hachiman gudōkun 八幡愚童訓 („Lehren des Hachiman für törichte Kinder“)
Alternative Titel Hachiman gudōkin
Autor unbekannt
Entstehungszeit Kamakura-Zeit
Übersetzungen Bockhold, Wolfgang (Ü.) (1982). Das Hachiman gudōkun als historische Quelle, insbesondere zu den Invasionen der Mongolen in Japan. Augsburg: Sofortdruck-Center Blasaditsch. (Dissertation Ludwig-Maximilians-Universität, München; s.a. Rezension Bockhold 1982.)
Bemerkung 2 inhaltlich unzusammenhängende Bände

Hachiman gudōkun ist eine wichige Quelle aus dem späten 13. oder frühen 14. Jh. unbekannten Autors, in welchem aber ein Shintō Priester des Iwashimizu Hachiman-gū vermutet wird. Es handelt sich um eine zweiteilige Shintō-Schrift, die über die Wunder des Hachiman 八幡 berichtet. Der Iwashimizu Hachiman-gū 岩清水八幡宮 spielt in diesem Werk eine wichtige Rolle.

Der Übersetzer Wolfgang Bockhold hat dem Werk eine ausführliche Einleitung gewidmet, die diesem Artikel zugrunde liegt. (Die beiden Teile des Hachiman gudōkun werden im Folgenden mit HGK I und HGK II abgekürzt.)

Der Text

(Bockhold 1982, S. 5-14)

Besonders das HGK I wird als wichtige historische Quelle zur Abwehr der beiden Mongolenangriffe betrachtet. Die Entstehungszeit ist nicht genau bekannt, dürfte aufgrund der Erwähnung bestimmter Personen und der Mongoleneinfälle aber zwischen 1282 und 1300 liegen. Das HGK I lässt sich in 5 Abschnitte einteilen, von denen die ersten vier zeitlich zusammenhängende Ereignisse und der letzte eine Auswertung der vorhergehenden Abschnitte darstellen. Die beiden Bände des HGK II bestehen aus je 7 voneinander abgegrenzten Kapiteln.

In welchem Zusammenhang die beiden Werke des HGK stehen, ist nicht ganz klar. Es gibt Forscher, die meinen, dass das HGK I eine Fortsetzung des HGK II sei. Allerdings gibt es Hinweise, wie einige inhaltliche Überschneidung der beiden Werke, die darauf hindeuten, dass es sich um voneinander unabhängige Werke handelt. Auch kann der Kreis der Verfasser durch einige Indizien im Text eingeengt werden. Allerdings lässt sich nur feststellen, dass der Verfasser mit dem Iwashimizu-Schrein in Verbindung steht. Ob die Schriften von einer oder zwei Personen verfasst wurden, ist unklar.

Das Hachiman gudōkun als religiöse Schrift

(Bockhold 1982, S. 15-29)

Im HGK I wird besondere Betonung auf die hohe Stellung japanischer Gottheiten (Kami) und die göttliche Kraft von Hachiman gelegt. Es gibt viele Theorien um die Entstehung des Gottes Hachiman. Zwei davon gehen zum Beispiel davon aus, dass Hachiman bereits vor seiner Erwähnung in offiziellen Werken als Gottheit des Meeres und des Bergbaus verehrt wurde.

Bockhold ist jedoch der Meinung, dass das häufige Auftreten von Lebewesen des Wassers im Zusammenhang mit Hachiman nur auf eine Verehrung als Schutzgottheit, nicht aber als Naturgottheit schließen lässt. Und auch das regelmäßige Erscheinen des Hachiman in einer göttlichen Verkörperung aus Steinen genügt nicht, um ihn als Berggottheit zu bezeichnen. Im HGK I tritt Hachiman auch nie als Naturgottheit auf, sondern immer in einer konkreten Gestalt, wie der eines Tieres oder als Ōjin Tennō 応神天皇, Sohn der Kaiserin Jingū 神功皇后 (169-269).

Dass Takeuchi no sukune ausführlicher dargestellt wird als der Vater des Ōjin Tennō, Chūai Tennō 仲哀天皇 (149-200), erinnert an die Theorie, dass Takeuchi no sukune der eigentliche Vater des Ōjin Tennō und damit von Hachiman ist. Allerdings kann dies durch den Text nicht belegt werden.

Eine These von Ishida Eiichirō, laut der das Wasser in der Beziehung zwischen Ōjin Tennō und der Kaiserin Jingū Fruchtbarkeit symbolisiert, wird nach Ansicht des Autors durch die vielen mit Hachiman verbundenen Drachengottheiten und andere Geschehnisse im Wasser bestätigt.

Hachiman wird im HGK I eher selten mit dem Shintō, sondern eher mit dem Buddhismus in Verbindung gebracht. Es gibt zu fast allen Lehren des damaligen Buddhismus Bezüge. Auch wird das Töten der Feinde durch Hachiman nicht als Verstoß gegen die buddhistische Lehre aufgefasst, da es nur die Loyalität des Hachiman zu seinem Land ausdrückt, wodurch auch dieser Widerspruch zu erklären ist.

Des Weiteren ist Bockhold der Ansicht, dass das HGK I mit Hilfe des Buddhismus und des Shintōismus versucht, Hachiman den Lesern näher zu bringen. Auch konnte durch Hachiman der Buddhismus ohne größere Konflikte mit dem Shintōismus in Japan eingeführt werden.

Das Hachiman gudōkun als politische Schrift

(Bockhold 1982, S. 29-35)

Bockhold greift auch eine Theorie auf, nach der Hachiman aus der Verschmelzung zweier Sippengottheiten entstanden sein soll. Er untermauert dies mit der Verbindung Hachimans zum Kaiserhaus und den Minamoto, einer vom Kaiserhaus abstammenden Kriegersippe. Da sich Kriegersippen wie die Minamoto oder die Taira Hachiman als Schutzgottheit auserkoren hatten, spricht dies dafür, dass er auch als Kriegsgottheit verehrt wurde. Zusammenfassend erwähnt der Autor, dass Hachiman das Kaiserhaus und damit verbundene Sippen nur deshalb schützt, weil sie wichtig für die Unabhängigkeit des Landes sind. Daraus wiederum lässt sich Hachimans Funktion als Beschützer ganz Japans ableiten, wie es auch im HGK I erwähnt wird.

Die Mongoleneinfälle

(Bockhold 1982, S. 36-44)

Neben dem Mōko shūrai ekotoba 蒙古襲来絵詞 bietet das HGK I die größte Fülle an Detailinformationen zu den Mongoleneinfällen. Im Folgenden zeigt der Autor einige der beschriebenen Details auf. So zum Beispiel waren die Mongolen an den Kampf mit großen Truppenmassen gewöhnt, wohingegen die Japaner eher auf den ehrenhaften Einzelkampf spezialisiert und somit den Mongolen deutlich unterlegen waren.

Auch in der Rangordnung innerhalb des Militärs waren die Japaner unterlegen, da hier die Rangordnung durch das „feudale“ Zuordnungsverhältnis bestimmt wurde und somit praktisch jede kleine Gruppe für sich kämpfte. Durch das Konkurrenzdenken zwischen diesen Gruppen motivierten sich diese gegenseitig, die anderen im Kampf gegen den Feind zu übertreffen.

Der am Ende des zweiten Mongolenangriffs einsetzende Wind, bei dem es sich nach einer Theorie von Kawazoe um kamikaze („Götterwind“) handelt, wird nach Ansicht des Autors durch das HGK I nicht belegt, da es weder Hachiman noch eine andere Gottheit als Verursacher des Windes nennt.

Der Götterlandgedanke

(Bockhold 1982, S. 44-46)

Der Autor kommt letztendlich zu dem Schluss, dass das HGK verfasst wurde, um einerseits Hachiman als Schutzgottheit dem Volk näher zu bringen. Hier werden Mittel aus allen Glaubensrichtungen angewandt, um seine Funktion auch jedem verständlich zu vermitteln.

Außerdem sollten die Berichte über das wundersame Wirken des Hachiman und dessen Verbindung zum Kaiserhaus und zur Sippe des Shōgun das nach den Mongolenangriffen sowohl in Glauben als auch Moral geschwächte Volk wieder stärken.

Verweise

  • Ishida, Eiichirō (1964). „Mother-son deities.“ History of Religions 4/1, S. 30–52. (Rezension.)
  • Ono, Naomune (1943). „Hachimangudōkun no shohon ni tsuite.“ Setsuwa bungaku kenkyū, Bd. 8. Tokyo, S. 26ff.