Izumo

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Provinz Izumo, Lage innerhalb Japans

Izumo 出雲国 ist eine historische Provinz Japans, deren Lage heute dem östlichen Teil der Präfektur Shimane in der Region Chūgoku entspricht. Seit dem Altertum ist dieser Ort bekannt, als "Das Zuhause der Götter". Die Provinz war eine der acht Provinzen der Region San'indō 山陰道, welche die nördliche Hälfte West-Honshūs umfasste. Die lokalen Mythen vermischten sich mit denen der anderen Provinzen und lieferten somit eine der Hauptquellen für das Kojiki 古事記 und das Nihon shoki 日本書紀.

Izumo war eine politisch einflussreiche Region des historischen Japan. Der Izumo-Klan verfolgte eine unabhängige Politik, im 4. Jahrhundert geriet Izumo allerdings unter den Einfluss des Yamato-Reiches 大和.

Insgesamt waren in Izumo zur Zeit der Erstellung des Izumo fudoki 399 Schreine zu finden, wovon aber nur 184 registriert waren. [1] Der Izumo-taisha 出雲大社 ist neben dem Ise-Schrein 伊勢神宮, eine der bedeutendsten und ältesten heiligen Stätten des Shintō: Besondere Verehrung findet dort Ōkuninushi.

Geografie

Izumo grenzte im Norden und Nordwesten an das japanische Meer, wo härteres Klima vorherrschte. Die Provinz hatte wenig Flachland und im Süden bildete das Chūgoku-Gebirge eine natürliche Grenze zur benachbarten Provinz Bingo 備後. Im Chūgoku-Gebirge entspringt auch der Fluss Hino, der Izumo mit wertvollen Reisanbauflächen versorgte. [2] Im Osten grenzte Izumo an die Provinz Hōki 伯耆 und im Westen an Iwami 石見. Die Provinz maß laut den Angaben im Izumo fudoki von Osten nach Westen ca. 73 km und von Norden nach Süden ca. 98 km, was zu der Zeit anhand der Länge der damaligen Straßenverbindungen gemessen wurde. [3]

Bezirke der Provinz Izumo im 8. Jhdt. [4]

Zur Zeit der Erstellung des Izumo fudoki war die Provinz Izumo in 9 Bezirke eingeteilt:

Archäologie

Yayoi-Epoche

Nachbarprovinzen von Izumo im 8. Jhdt.

Wichtige archäologische Funde, welche Rückschlüsse auf die Bedeutung des Yayoi-zeitlichen Izumos geben, sind insbesondere die Funde von Bronzegegenständen im Kōjin-Tal im Nordwesten Izumos, deren Herstellung auf die Yayoi-Zeit zurückdatiert werden konnte. Dieser Fund weist die Gegend um Izumo somit als einen wesentlichen Träger der Yayoi-Kultur und vermutlich auch als einen der ersten Produzenten von Bronze-Gegenständen in Japan aus. Das technologische Wissen um die Herstellung der Gegenstände allerdings scheint aus Silla zu stammen, was die Vermutung über eine Migration von Korea nach Izumo stützt, zumal die Herkunft des Eisens wohl in Südchina und Korea liegt. [5] Im Allgemeinen scheint sich die Besiedlung des Gebiets, von den Küstenregionen ausgehend, mit Verbreitung des Reisanbaus auch weiter ins landesinnere ausgebreitet zu haben und mit einer zunehmenden Abhängigkeit vom Nassreisanbau scheinen sich Konglomerate bestehend aus der Bevölkerung mehrerer Ortschaften gebildet zu haben, um die notwendigen Bewässerungsanlagen zu errichten. Die Notwendigkeit, solche Arbeiten zu koordinieren und auch der Fund von Fürstengräbern dieser Zeit, welche im Vergleich zu früheren deutlich größere Ausmaße annehmen und somit eine wachsende Bedeutung der herrschenden Schichten implizieren, legen eine komplexe soziale Rangstruktur der Yayoi-zeitlichen Gesellschaft nahe. [6] Für das Izumo der Yayoi-Zeit kann man grundsätzlich recht starke Wanderungsbewegungen feststellen, welche durch Schwankungen im Reisertrag einzelner Gebiete, Seuchen und Überbevölkerung bedingt war, sowie durch die einfachere Besiedlung neuer Gebiete durch die Einführung von Eisenwerkzeugen. Die Ausgrabungen in Kôjindani belegen, dass Izumo ein Handels- und Technologie-Zentrum der Yayoi-Zeit bildete, welches durchaus mit den kulturellen Zentren Kyūshūs und Koreas in Konkurrenz treten konnte. Bedeutung hat in diesem Kontext insbesondere die Siedlung Yano, welche sich im Distrikt Kando, also im Westen der Provinz befindet. Diese Ortschaft, auf welche im Izumo fudoki kaum eingegangen wird, scheint als Muttersiedlung für eine Reihe kleinerer Ortschaften gedient zu haben und in der Yayoi-Zeit floriert zu sein. Frühe Hügelgräber in Nishidani lassen ebenfalls Rückschlüsse auf eine starke Besiedlung Nordwestizumos in der Yayoi-Zeit zu.

Kofun-Epoche

Aufgrund der Untersuchung insbesondere von Fürstengräbern konnte man die Integration des Gebietes von Izumo in das Staatsgebiet von Yamato auf das 6.Jahrhundert datiert werden. Bereits gegen Ende der Yayoi-Zeit hatten sich im Süden und Osten starke Territorialmächte gebildet, welche ihre Zentren in Ou und Ost-Shimane hatten, und sich auch kulturell von Yamato abzugrenzen versuchten. Diese Abgrenzungsversuche äußerten sich wohl am nachdrücklichsten in den eckigen Schlüssellochgräber der Izumo-Fürsten. [7] Faktoren, die zum frühen Erstarken Izumos beitrugen sind Joan Piggott zufolge insbesondere die Zentrale Lage Izumos und günstige Voraussetzungen für den Seehandel, welche dessen Bedeutung als Handelszentrum begründete und auch die frühe Verfügbarkeit von Eisenwerkzeugen, deren erste Funde in Izumo auf die Mitte der Yayoi-Zeit zurückdatiert werden können. Auch scheint die wachsende Konkurrenz Yamatos zu der Vereinigung Izumos beigetragen zu haben. Für das 5. Jahrhundert kann man in Izumo erste Hügelgräber nach dem Vorbild von Yamato feststellen, deren erster Vertreter das Hügelgrab in Ôdera ist. In weiterer Folge wurden Yamato-Hügelgräber in Küstennähe errichtet und breiteten sich später auch auf die Kandō-Ebene aus. Die archäologischen Funde legen weiters nahe, dass die Beziehung zwischen Yamato und Ou eher einem Bündnis glich. So wurde in einem Hügelgrab aus dem 6.Jahrhundert, welches in Ou lokalisiert wurde, ein Schwert, das wohl in Yamato hergestellt wurde, gefunden. Die Vergabe von Schwertern war nun eine gängige Praxis um Bündnisse zu bekräftigen. Und somit wurden auch seit dem späten 6.Jahrhundert keine Hügelgräber in Konkurrenz zu Yamato erbaut. Dies ist symptomatisch für die Zeit, welche im Übergang von einer Stammesgesellschaft in eine zentral geführte, kodifizierte Monarchie, mit deren Verfestigung auch die rituelle Bedeutung der Kôfun abnahm.

Izumo in der Mythologie

Izumo ist ein wichtiger Ort in der Mythologie Japans. Der Name leitet sich von Izanami no Mikoto 伊邪那美命 ab. In Izumo soll der Eingang zur Unterwelt Yomi no kuni 黄泉の国 liegen, die Izanami nach ihrem Tod regiert. Die Mythen berichten, dass Susanoo no Mikoto 須佐之男 nach der Verbannung aus dem Himmel durch Izumo wandert. Später herrscht dort Susanoos Sohn Ōkuninushi. Die Geschichte um Ōkuninushi entstammt wahrscheinlich einem eigenen Mythenkreis, der in Izumo entstand und erst später zu den Mythen rund um die Sonnengöttin hinzugefügt worden sein soll.

Izumos Gründungsvater war der große Gott des Wassers Omizunu, der dem Land auch seinen Namen gab. Durch Izumo fließt der große Hinogawa, dessen Auswirkungen auf das Land Izumo mit seinen Aufschüttungen und Überschwemmungen wohl die Erklärung für den Glauben an den Gott Omizunu war.

Das Izumo fudoki gibt ferner an, dass die Götter Sada Ōkami 佐太大神, Nuki Ōkami und Kumano Ōkami 熊野大神 verschiedene Herrschaftsgebiete innerhalb Izumos innehatten. So regierte Sada Ôkami über Ost-Shimane, Nuki Ôkami über die Yasuki-Ebene und Kumano Ôkami über die Ou-Ebene.

Bezirk Izumo

Bezirk Izumo - Lage innerhalb der Provinz Izumo

Der Bezirk Izumo 出雲 ist einer der 9 Bezirke der gleichnamigen Provinz Izumo, wie sie im Izumo fudoki beschrieben wird. Der Bezirk befindet sich am westlichen Ende der Shimane-Halbinsel und grenzte im Nordosten, dem weiteren Verlauf der Halbinsel, an den Bezirk Tatenui, wobei diese Grenze durch den Ukagawa gebildet wird. Im Süden des Bezirks befand sich der Bezirk Kando, dessen Grenze entlang des damaligen Verlaufs des Hinogawa verlief. Im Norden und Westen erstreckt sich das Japan-Meer, während sich im Osten die damalige Inlandsee (der heutige See Shinji) befand. Im Südosten hatte der Bezirk Izumo auch eine gemeinsame Grenze mit den Bezirken Ou und Ōhara. Der mythologische Ursprung des Namens des Bezirks, ebenso wie der der gleichnamigen Ortschaft, wird im Fudoki mit der Namensgebung der Provinz gleichgesetzt.

Bezirk Izumo - Detail

Laut dem Izumo fudoki befanden sich im Bezirk Izumo acht größere Ortschaften. Denen waren insgesamt 23 Dörfer zugeteilt, die allerdings kaum namentlich angeführt werden. Bei den Ortschaften handelt es sich um: (Reihenfolge von West nach Ost auf der Detailkarte)

  • Kizuki (杵築; früher 寸付)
  • Inu (伊努 seit 726; davor 伊農)
  • Uka (宇賀)
  • Izumo (出雲): Standort der Bezirksverwaltung.
  • Mitami (美談 seit 726; davor 三太三)
  • Kauchi (河内, Kafuchi)
  • Shitsunu (漆沼 seit 726; davor 志刀沼)
  • Takerube (健部)

Verweise

Anmerkungen

  1. Aoki 1997:77
  2. Aoki 1971:29
  3. Aoki 1997:75
  4. Aoki 1971:33
  5. Piggott 46-48
  6. Piggott 49-50
  7. Piggott 54-55

Quellen

  • Aoki, Michiko Yamaguchi (Ü.) (1971). Izumo fudoki.(Monumenta Nipponica Monograph.) Tokyo: Sophia University.
  • Aoki, Michiko Yamaguchi (Ü.) (1997). Records of wind and earth: A translation of Fudoki with introduction and commentaries.(Monographs of the Association for Asian Studies, Bd. 53.) Ann Arbor, Mich.: Association for Asian Studies.
  • Frédéric, Louis (2002). Japan encyclopedia. Cambridge, Massachusetts: The Belknap Press of Harvard University Press.
  • Naumann, Nelly (1988). Die einheimische Religion Japans: Teil 1: Bis zum Ende der Heian-Zeit. Leiden: Brill. (Rezension.)
  • Ōbayashi, Taryō und Yoshio Watanabe (1982). Ise und Izumo: Die Schreine des Shintoismus. Freiburg: Herder.
  • Piggott, Joan (1989). „Sacral kingship and confederacy in early Izumo.“ Monumenta Nipponica 44/1, S. 45–74.
  • Yamamoto, Midori (1992). Place names and the rediscovery of former landscapes in Izumo city and Hikawa town, Japan. Vancouver: The University of British Columbia.



Dieser Artikel wurde ursprünglich für das Schwesterprojekt Fudokipedia verfasst.