Kodama

Aus Kamigraphie
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Überall auf der Welt haben die Menschen über Jahrhunderte hinweg eine gewisse Faszination für Bäume empfunden. Der Glaube an Baumgeister und an die Heiligkeit von Bäumen ist weit verbreitet. Bei den alten Griechen und Römern glaubte man, dass weibliche Geister namens Dryad oder Meliae in Bäumen wohnten. Im schottischen Volksglauben hilft ein freundlicher Baumgeist namens Ghillie Dhu, Kindern, die sich verirrt haben. Auch in Japan gibt es die Tradition Baumgeister zu verehren. Seit jeher betrachten die Japaner manche Bäume als etwas besonderes. Beispielsweise gibt es Bäume, deren Stamm in einer besonderen Form gewachsen ist oder Bäume auf deren Rinde sich Knoten befinden, die einem Gesicht ähneln. Solche Bäume werden als die Wohnorte für bestimmte Geister angesehen. Es gibt viele Namen für diese Geister aber der berühmteste ist wohl kodama.[1]

Was bedeutet kodama?

Kodama ist ein sehr altes Wort, welches lange bevor dem geschriebenen Japanisch existierte. Über die Jahrhunderte hat sich die Schreibweise dieses Wortes verändert. Heute kennt man 3 verschiedene Arten, diesen Begriff auf Japanisch zu schreiben. Die älteste Schreibweise ist 古多万 welche sich aus den Kanji für „alt“, „viel“ und „zehntausend“ zusammensetzt. Der Sinn dieser Schreibweise ist nicht ganz klar. Als die Japaner das Schreibsystem von China übernommen haben, wurden die Schriftzeichen eher nach Klang und nicht nach Bedeutung ausgewählt. Oft wurden Zeichen ausgewählt, die überhaupt keinen Bezug zueinander hatten, aber die zu der Aussprache bereits existierender japanischen Worte passten. Dies ist höchst wahrscheinlich die Erklärung für den Gebrauch der Schreibweise 古多万.

Später gab es die Schreibweisen 木魂 und 木魅 die sich beide aus den Kanji für „Baum“ und „Seele“ zusammensetzen. In der heutigen Zeit wird kodama mit 木霊 geschrieben, welches sich aus den Kanji für „Baum“ und „Geist“ bildet. Ein anderes Kanji, das für die Baumgeister benutzt wird ist 谺, welches „Echo“ bedeutet. Warum dies so ist, wird im folgenden Absatz erklärt.[2]

Legenden rund um die kodama

Zusammen mit den Schriftzeichen hat sich auch das Verständnis was genau ein kodama ist, über die Jahre verändert. Der Glaube reichte von Naturgöttern bis hin zu Kobolden. Im alten Japan wurden die kodama als Götter angesehen, die in Bäumen lebten. Viele Menschen glaubten, dass sie nicht nur in einem einzigen Baum zu Hause sind, sondern im ganzen Wald frei von Baum zu Baum ziehen können. Andere glaubten, dass die kodama wie die Bäume selbst verwurzelt waren und dass sie selbst auch wie Bäume aussahen. Förster die nicht aufmerksam genug waren und ihre Axt in einen kodama schlugen, mussten ihren Fluch ertragen, der sehr gefürchtet war.

Aber die kodama waren auch Geräusche und Klänge. Man glaubte, dass Echos die durch die Berge und Bäume schallten, kodama waren und der Klang eines Baumes der gefällt wurde, wurde auch als klagender Schrei der kodama interpretiert. In der heutigen Zeit werden die Echos in den Bergen nicht mehr mit ihnen in Verbindung gebracht sondern mit dem Bergdämon yamabiko.

Ungeachtet welche Form sie annahmen, den kodama wurde nachgesagt, dass sie übernatürliche Fähigkeiten besaßen, die entweder ein Fluch oder ein Segen sein konnten. Kodama die richtig verehrt wurden, beschützen die Häuser und das Dorf. Kodama die respektlos behandelt wurden, brachten schlimme und mächtige Flüche über die Menschen.[3]

Die Geschichte der kodama

Die erste bekannte Erwähnung der Baumgeister des alten Japans findet man im ältesten Buch Japans, dem Kojiki. Hier wird über den Baumgott Wakunochi no Kami berichtet, dem zweitgeborenen Sohn von Izanagi und Izanami. Das erste Mal wurde der Begriff kodama in der Heian-Zeit im Buch wamuryorui jyusho 和名類聚抄[4] erwähnt. Dieses Buch war ein Wörterbuch, das Schreibweisen japanischer Wörter beinhaltete und hier wurde auch das vorhin erwähnte 古多万 aufgelistet, das man mit „Geister in den Bäumen“ übersetzte. In einem anderen heian-zeitlichen Buch, dem Genji Monogatari, wurden die kodama als in Bäumen lebende Kobolde beschrieben. In diesem Buch kommt auch die Phrase „entweder Dämonen, Götter, Füchse oder kodama“ vor was zeigt, dass diese 4 Geister als separate Wesen angesehen wurden.

In der Edo-Zeit 江戸時代 (1603-1868) verlor der kodama seinen Status als Gott der Wälder und wurde als einer der vielen Dämonen Japans eingeordnet. Außerdem wurde der kodama auch oft vermenschlicht. Beispielsweise gibt es Geschichten über kodama die sich in Menschen verliebten und dann selbst menschliche Form annahmen, um heiraten zu können.[5]

Die kodama in Japan

In Aogashima, einem Ort auf den Izu-Inseln, beten die Menschen noch immer zu den kodama und stellen kleine Schreine am Fuß von großen Zedern auf. Man sagt, dass dies die Überbleibsel einer natur-verehrenden Religion ist, die einst dominierte.

Kodama-Baum in Aogashima

Im Dorf Mitsuni in Hachijō-jima wird jedes Jahr ein großes Fest gehalten, bei dem man den kidama-san oder kodama-san dankt. Man hofft Vergebung und Segen zu erhalten wenn dort Bäume für die Holzindustrie gefällt werden.

In Okinawa werden die Baumgeister kinushi genannt. Wenn man in der Nacht das Geräusch eines fallenden Baumes hört, wird geglaubt, dass dies der Schrei eines kinushi ist. Der in Okinawa berühmte in Bäumen lebende Dämon kijimuna wird als Nachkomme der altertümlichen kinushi angesehen.[6]

Das Aussehen der kodama

Niemand kann wirklich sagen, wie kodama aussehen und es gibt viele Widersprüche unter den Menschen in Japan. In alten Legenden sind sie entweder unsichtbar oder man kann sie nicht von echten Bäumen unterscheiden. Toriyama Sekien, der das Aussehen und Auftreten vieler Kreaturen aus der japanischen Mythologie bestimmt hat, beschrieb in seinem berühmten Buch gazu hyakki yagyō 画図百鬼夜行 [7]die kodama als alte Männer und Frauen, die neben Bäumen stehen.

Kodama nach Toriyama Sekien

Miyazaki Hayao benutzte die kodama in seinem Film Prinzessin Mononoke und stellte sie als farblose Kreaturen mit großen Köpfen, die sie ständig schütteln, dar. Moderne Interpretationen der kodama unterscheiden sich stark, angefangen von kodama als junge oder alte Menschen, über kleine Natur-Geistern, die sich stark an den Glauben der heidnischen Völker in Europa anlehnen, bis hin zu süßen kleinen Anime-Charakteren.[8]

Kodama nach Hayao Miyazaki

kodama und ki no kami

Für Baumgötter gibt es in Japan auch einen weiteren Begriff und zwar ki no kami. Kodama und ki no kami unterscheiden sich jedoch voneinander. Ki no kami sind eher niedrig gestellte Baum-Geister und keine Götter. Man sagt, dass sie vom Himmel herabsteigen und sich in Bäumen niederlassen während die kodama die Geister der Bäume an sich sind. Sie sind es auch die die Bäume mit Seelen versehen.

Dank dem Film Prinzessin Mononoke sind die kodama in Japan sehr bekannt, auch wenn sie nun vorwiegend mit kleinen Wesen, mit großem wakelnden Kopf assoziiert werden.[9]

Verweise

Anmerkungen

  1. Siehe auch: Yukiguni: Tree Spirits“ Stand: 2014/11/01
  2. Siehe auch: Kodama – The Tree Spirit“ Stand: 2014/11/01
  3. Kodama – The Tree Spirit“ Stand: 2014/11/01
  4. übersetzt: Japanische Namen für Dinge
  5. Kodama – The Tree Spirit“ Stand: 2014/11/01
  6. Kodama – The Tree Spirit“ Stand: 2014/11/01
  7. übersetzt: Die illustrierte Nachtparade von 100 Dämonen
  8. Kodama – The Tree Spirit“ Stand: 2014/11/01
  9. Kodama – The Tree Spirit“ Stand: 2014/11/01

Quellen