Kojiki

Aus Kamigraphie
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Primärquelle
Werktitel Kojiki 古事記 („Chronik alter Begebenheiten“)
Autor Ō no Yasumaro 太 安万侶
Entstehungszeit Nara-Zeit, 712
Übersetzungen
  • Philippi, Donald L. (Ü.) (1969). Kojiki. Tokyo: University of Tokyo Press.
  • Antoni, Klaus (Ü.) (2012). Kojiki: Aufzeichnungen alter Begebenheiten. Berlin: Verlag der Weltreligionen (Insel Verlag). (Mit einer begleitenden Studie und ausführlichen Text-Anmerkungen.)
Bemerkung Älteste erhaltene Schrift Japans

Das Kojiki 古事記 entstand im Jahre 712 und ist somit die erste umfangreiche, schriftliche Quelle Japans. Es beschreibt die Mythologie und Frühgeschichte Japans bis zum Zeitalter der Kaiserin Suiko und stellt im Wesentlichen die Dynastiegeschichte der Tennō Familie dar. Das Kojiki ist nach dem Übersetzer Donald Philippi vor allem deshalb bedeutend, weil es die Mythologie, das Verhalten, die Sprache und die traditionelle Geschichte des alten Japans gewissenhafter erhalten hat als jedes andere Buch (Philippi 1968:4). Die geschichtlichen Begebenheiten, die dort geschildert werden, sind im Laufe der Zeit vereinfacht und mit vielen Mythen und Legenden angereichert worden.

Inhalt

Das Kojiki ist in drei Teile aufgeteilt: Kamitsumaki („obere Rolle“), Nakatsumaki („mittlere Rolle“) und Shimotsumaki („untere Rolle“).

Wie auch das Nihon shoki 日本書紀 (720) erzählt das Kojiki von der Entstehung von Himmel und Erde (eigentlich Japan) durch das Urgötterpaar Izanagi 伊邪那岐 und Izanami 伊邪那美, welche unter anderem die Sonnengöttin Amaterasu 天照 und den Sturmgott Susanoo 須佐之男 zeugten. Es wird der Konflikt zwischen Amaterasu und Susanoo beschrieben, nach welchem der Sturmgott ins Totenreich hinabsteigt. Danach geht es um die Nachkommen von Amaterasu und Susanoo. Ninigi 邇邇芸, der Enkel von Amaterasu, begründet schließlich die Tennō-Dynastie, welche ihren Stammbaum bis heute auf die Sonnengöttin zurückführt. Die restlichen mehr oder weniger mythischen Erzählungen handeln von den einzelnen Tennōs bzw. deren Regierungsperioden.

Die Entstehung von Himmel und Erde, sowie die Geburten verschiedener Götter, werden im Kamitsumaki beschrieben. Im Nakatsumaki geht es dann um Jinmu Tennō 神武天皇 (711 v.u.Z.-585 v.u.Z.), dem ersten Kaiser Japans und seine Nachkommen. Es endet mit dem 15. Kaiser, Ōjin Tennō 応神天皇. Viele der Kaiser-Geschichten beinhalten mythologische, sowie historische Informationen. Im Shimotsumaki schließlich geht es um den 16. bis 33. Kaiser, wobei Gottheiten nur noch sehr wenig erwähnt werden. Über die letzten 9 Tennōs gibt es fast keine Informationen mehr.

Das Kojiki beinhaltet außerdem einige Lieder und Gedichte, welche zwar mit chinesischen Zeichen geschrieben sind, allerdings im Yamato-Dialekt (Jōdai Nihongo) ausgesprochen wurden.

Geschichte der Entstehung

Das Kojiki wurde laut seinem eigenen Vorwort von Tenmu Tennō in Auftrag gegeben und von Ō no Yasumaro zusammengestellt. Es enthält Geschehnisse, welche in anderen, heute verlorenen Büchern schon festgehalten worden waren, und Geschichten, welche von Generation zu Generation weitergegeben worden waren.

Manche Wissenschaftler glauben, dass die Zusammenstellung von Vorläufern des Kojiki bereits im 6. Jahrhundert, während der Herrschaft der Kaiser Keitai 継体 und Kinmei 欽明 stattfand. Es wird oft angenommen, dass das „jetzt“ im Kojiki auf diese Zeit anspielt. (Philippi 1968:5)

Anderen Interpretationen zufolge beruhen Kojiki und Nihon shoki 日本書紀 (720) nur zum Teil auf alten Traditionen und erhielten ihre definitive Gestalt erst durch ihre jeweiligen Autoren. (S. Rezension Isomae 2010)

Laut Nihon shoki sollen die ersten Versuche zur historischen Zusammenstellung 620 unter der Aufsicht von Shōtoku Taishi 聖徳太子 unternommen worden sein. Es gab folgende Vorläufer der kaiserlichen Chroniken:

  1. Tennō-ki (Aufzeichnungen der Kaiser)
  2. Kokki (Landesaufzeichnungen)
  3. Hongi (fundamentalen Aufzeichnungen)

Alle bis auf eines dieser Werke wurden während der Taika-Reformen 大化改新 (645) zerstört, als das Haus von Soga no Umako 蘇我馬子 niedergebrannt wurde. Die einzige Information, die man über die eigentliche Erstellung des Kojiki kennt, stammt aus dem Vorwort des Kojiki selbst. Die Einleitung deutet an, dass führende Adelsfamilien über historische und genealogische Dokumente verfügten, diese aber oft gefälscht oder historisch nicht korrekt waren, weil damals der Adel nach Abstammung und Bezug zum Kaiserhaus in Ränge eingeteilt wurde. Kaiser Tenmu 天武 entschied dann, dass das so nicht weiter gehen könne, und ließ das Kojiki als einzig gültige Fassung kompilieren, um Klarheit zu schaffen. (Philippi 1968:6)

Vorwort

Das Kojiki verfügt über ein ausführliches Vorwort, das Aufschluss über seine Entstehung gibt. Diesem Vorwort zufolge beruht das Kojiki hauptsächlich auf zwei Quellen, und zwar:

1. einem genealogischen Quellendokument, bestehend aus:

  • Sumera-mikoto no hitsugi (die kaiserliche Sonnen-Nachfolge)
  • Teiki (kaiserliche Chroniken)
  • Senki (frühere Chroniken)

2. einem anekdotenhaften Quellendokument, bestehend aus:

  • Sendai Kuji (altertümliche Schriften früherer Jahrhunderte)
  • Honji (fundamentale Schriften)
  • Kuji (altertümliche Schriften)

Das Nihon shoki beruht ebenfalls auf älteren Quellen, aber da es kein Vorwort gibt, kann die Entstehungsgeschichte weniger gut rekonstruiert werden (Philippi 1968:8-9). Neuere Forschungen ziehen die Angaben des Kojiki-Vorworts allerdings in Zweifel.

Textgeschichte

Das Kojiki ist nicht mehr als Original erhalten, aber mithilfe von Abschriften hat es die Jahrhunderte überdauert, bis es in der Edo-Zeit mithilfe gedruckter Versionen einem größeren Publikum zugängig gemacht wurde.

Verhältnis zum Nihon shoki

Lange Zeit galt das im Jahr 720 entstandene Nihon shoki als die bedeutendere Quelle, das es zugleich die erste offizielle „Reichsgeschichte“ darstellt (s. Rikkokushi). Es hat einen ähnlichen Inhalt, ist aber komplett auf Chinesisch geschriebene, ausführlicher und stärker an realen historischen Daten orientiert. Durch den Gelehrten Motoori Norinaga 本居 宣長 (1730-1801), welcher die urtümliche Sprache des Werkes hervorhob, erfuhr das Kojiki neue Wertschätzung. Norinaga konzentrierte seine Forschungen ganz auf das Kojiki und begann 1764 den Kojiki-den, einen monumentalen Kommentar zum Kojiki, zu schreiben, den er 34 Jahre später vollendete. Mit seiner Hilfe wurde das Kojiki dem Nihon shoki gleichgestellt und auch Motoori war Zeit seines Lebens der Meinung, dass das Kojiki die verlässlichere Quelle für die japanische Geschichte sei, weil es nicht so sehr von der chinesischen Mentalität beeinflusst ist, wie das Nihon shoki (Philippi 1968:31-32).

Für den Shintō wurde als zentrale Schrift gewählt und nach der Meiji-Restauration 1868 wurde es als Vorlage für den Staats-Shintō gewählt.


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