Nakayama Miki

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Historische Persönlichkeit
Name Nakayama Miki 中山みき
Lebenszeit geb. Kansei 10/4/18 (2. Juni 1798) in Präfektur Nara, gest. 18. Februar 1887 (Kansei bis Meiji)
Sonstige Namen Oyasama おやさま
Bemerkung Gründerin der Tenrikyō 天理教
Miki Nakayama.JPG

Nakayama Miki 中山みき wurde 1798 in der heutigen Präfektur Nara geboren und ist die Gründerin der Neureligion Tenrikyō 天理教. Angeblich wurde sie im Alter von 40 Jahren zum lebendigen Schrein der Gottheit Tenri-Ō-no-Mikoto 天理王命 [1], die sich ihr als einzig wahrer Gott offenbarte. Sie entschloss sich für ein Leben in Armut und verteilte die Besitztümer der Nakayama Familie an Bedürftige. Laut Tenrikyō-Schriften besaß sie heilende Fähigkeiten, die etwa eine sichere Geburt garantierten. Durch ihre Taten gelangte sie bereits zu Lebzeiten zu Verehrung durch eine Gefolgschaft, der sie den Pfad zu einem freudvollen Leben (yōki yusan 陽氣遊山 oder auch yōki gurashi 陽氣暮) lehrte.

Kindheit

Nakayama wurde 1798 in dem kleinen Dorf Sanmaiden 三昧田 in der damaligen Provinz Yamato 大和 (heutiges Nara) geboren. Sie war die älteste Tochter Maekawa Hanashichi Masanobus 前川半七正信, der im Dorf das Amt des shōya 庄屋 innehatte, was zu dieser Zeit dem eines Bürgermeisters entsprach und seit Generationen von der Familie ausgeübt wurde. Er brachte seiner Tochter Miki das Lesen und Schreiben bei, bevor sie für zwei Jahre eine Tempelschule besuchte. Mikis Mutter Kinu きぬ stammte aus einer sehr religiösen Familie, die traditionell miko 巫 女 [2] für die Schreine der Provinz stellte. Kinu nahm Miki regelmäßig mit zu Tempelbesuchen, wodurch sie sich schon früh mit Religion auseinandersetzte. Sie studierte buddhistische Gebete und fasste bald den Entschluss, Nonne zu werden. Miki wurde jedoch im Alter von dreizehn Jahren mit Nakayama Zenbei 中山善兵衛 verheiratet. Die Nakayamas waren eine sehr wohlhabende und einflussreiche Familie und Zenbei erbte später von seinem Vater die Position des Oberhauptes der Familie.

Eheleben

Nakayama Mikis Stammbaum

Miki war angeblich eine sanfte Ehefrau, die sich vorbildlich um ihren Ehemann und den Haushalt kümmerte. Auch die Angestellten der Familie behandelte sie mit Respekt und Freundlichkeit. Schon früh übernahm Miki viele wichtige Aufgaben innerhalb der Familie und pflegte ihre Schwiegereltern. 1822 wurde ihr Sohn Shūji 秀司 als ältestes ihrer sechs Kinder geboren. Mit 28 bekam sie ihre erste Tochter Masa まさ und zwei Jahre später folgte eine weitere Tochter namens Yasu やす. Zu dieser Zeit säugte sie auch den Sohn einer wohlhabenden Nachbarsfamilie. Der Legende nach soll sich Miki völlig für diesen Jungen aufgeopfert haben, als sich dieser mit Pocken infiziert hatte. Sie betete sowohl zu buddhistischen als auch zu shintoistischen Gottheiten und bot sowohl ihr eigenes Leben, wie auch das ihrer Töchter für das Leben des Jungen an; schließlich wurde das Kind wie durch ein Wunder gesund. 1830 starb ihre Tochter Yasu im Alter von vier Jahren. Wenig später bekam Miki zwei weitere Töchter mit den Namen Haru はる und Tsune つね, wobei letztere auch mit drei Jahren verstarb. Schließlich wurde ihre jüngste Tochter Kokan こかん geboren, die eine große Rolle in der Verbreitung von Mikis Lehren spielen sollte. 1837 hatte Miki einen Sohn und drei Töchter; zwei Töchter waren bereits verstorben.

Erleuchtung

1837 litt Shūji, der älteste Sohn der Familie, während der Arbeit plötzlich zum ersten Mal unter großen Schmerzen im Bein. Da kein Arzt die chronischen Schmerzen behandeln konnte, suchten Miki und Zenbei Hilfe bei dem yamabushi 山伏 [3] Nakano Ichibei 中野市兵衛, der die Schmerzen mit Hilfe einer mysteriösen Zeremonie lindern konnte. Die teure Zeremonie zeigte aber immer nur für kurze Zeit Wirkung und musste immer wieder wiederholt werden. Bei diesen Zeremonien benutzte er die miko Soyo そよ als Medium. Als diese bei einem der Termine im Jahr 1838 abwesend war, agierte Miki als Medium. Dabei ergriff eine Gottheit Besitz von Mikis Körper und offenbarte sich als der wahre ursprüngliche Gott Tenri-Ō-no-Mikoto, der Miki als den lebenden Schrein Gottes auserwählt hatte. Zenbei bat die Gottheit, Miki freizugeben, doch die weigerte sich und drohte damit, die Familie auszulöschen, falls ihr Wille nicht befolgt würde. Nach einem dreitägigen Familienrat wurde beschlossen, die Gottheit zu akzeptieren, und erst dann erwachte Miki aus ihrer Trance. Dieser Tag der Zeremonie, der 26. Oktober 1838, wird als Gründungsdatum der Tenrikyō verstanden.

Anfänge der Tenrikyō

Die ersten Jahre nach ihrer Erleuchtung waren von Schwierigkeiten geprägt. Die einflussreiche und wohlhabende Nakayama Familie hatte viel Geld verloren. Als Miki begann, die Reichtümer der Familie, und sogar Möbel und Lebensmittel im Namen ihrer Gottheit zu verschenken, wandten sich viele Familienmitglieder gegen sie. Doch trotz großen Protestes ihres Ehemannes und des Restes der Familie folgte sie dem Willen ihres Gottes. Auch die Exorzismusversuche Zenbeis blieben vergeblich. In ihrer Nachbarschaft kursierten viele Gerüchte über Miki und man vermutete, sie habe den Verstand verloren. In diesen Jahren stand Miki immer wieder kurz davor, durch Ertränken Selbstmord zu begehen. Doch kurz vor dem Versuch soll sie eine göttliche Stimme jedes Mal davon abgehalten haben. Der Grund für ihre Suizidversuche ist unter ihren Biographen umstritten; dass Miki Selbstmordgedanken hatte, ist man sich allerdings einig. 1863 starb ihr Ehemann Zenbei und Miki spendete nun fast ihr ganzes Hab und Gut. Viele Verwandte wandten sich nun endgültig von ihr ab und zwei ihrer Töchter heirateten und verließen die Familie. In dieser Zeit standen ihr ihr Sohn Shūji und ihre Tochter Kokan zur Seite. Letztere war auch diejenige, die zu dieser Zeit mit der Verbreitung der Lehren ihrer Mutter begann. Mit einigen Anhängern Nakayama Mikis ging Kokan nach Ōsaka, um dort im Namen von Tenri-Ō-no-Mikoto zu predigen.

Aufstieg und Konflikte

Nakayama Miki wurde vor allem durch ihre heilenden Kräfte bekannt. Ihre bedeutendste Gabe war die der schmerzlosen oder sicheren Geburt, genannt obiya yurushi をびや許し [4]. Nachdem sie damit begann, Frauen bei der Geburt zu unterstützen, stieg ihr Ansehen wieder. Das erste Mal benutzte sie diese Gabe 1854, um ihrer Tochter Haru bei der Geburt zu helfen. Sie war die erste von unzähligen Frauen, denen Miki zu einer sicheren Geburt verhalf, wodurch sie den Ruf der „Göttin der sicheren Geburt“ erhielt. 1863 heilte sie die Frau des Zimmermannes Iburi Izō 飯降伊蔵, der später zu ihrem Nachfolger wurde. Nakayama Miki hatte nun bereits eine Gefolgschaft von Gläubigen, die sie regelmäßig besuchten.

Zu dieser Zeit kam es auch zu den ersten Konflikten mit anderen Religionen. Als Miki und ihre Anhänger bei einem Yamato-Schrein 大和 zu Tenri-Ō-no-Mikoto beteten, wurden sie von dem dortigen Shintō-Priester beschuldigt, die heilige Stätte entweiht zu haben und für drei Tage in Gewahrsam genommen. Im Jahr 1865 wurde sie vom Hauptpriester des Hōrin-Tempels 法輪寺 und mehreren buddhistischen Mönchen aufgesucht, die ihren Glauben offen verurteilten. Im selben Jahr konfrontierte sie auch der Hauptpriester eines Shintō-Schreines, Moriya Chikuzen 守屋筑前, der den neuen Glauben auf die Probe stellen wollte. Er war so beeindruckt, dass er Miki dabei half, eine offizielle Genehmigung für ihre Religion zu erhalten. Zu dieser Zeit prophezeite Nakayama Miki große Veränderungen. Ein Jahr darauf kam es zur Meiji-Restauration.

1867 begann Miki mit der Erstellung des liturgischen Gebetes Mikagura Uta みかぐらうた [5] und zwischen 1869 und 1882 schrieb sie das Ofudesaki 御筆先 [6]. Durch diese Schriften versuchte sie die Offenbarungen des wahren Gottes ihren Gläubigen näher zu bringen. Sie entfernte sich auch immer mehr von den gewöhnlichen Menschen, ließ ihr Essen separat in einem eigenen Gefäß über einem getrennten Feuer kochen und trug ausschließlich noch rote Kleidung. 1875 wurde ihr der richtige Ort offenbart, um eine heilige Stätte, Kanrodai 甘露台, zu errichten. [7] Nachdem diese Stätte erbaut worden war, kam es wieder zu Konflikten mit anderen religiösen Vertretern und den Behörden. Im Zuge eines Besuches des kannushi 神主 [8] des Isonokami-Schreins 石上神宮 beschlagnahmte die Polizei einige religiöse Instrumente. Nakayama Miki wurde auch mehrmals von der Polizei in Gewahrsam genommen. Während einem dieser Aufenthalte im Gefängnis verstarb ihre Tochter Kokan. Obwohl die Verfolgung durch die Behörden stieg, forderte Miki ihre Anhänger auf, mit den Gottesdiensten weiterzumachen.

Tod Nakayama Mikis

Nakayama Miki starb 1887 im Alter von 90 Jahren. Sie habe zuvor prophezeit, sie würde 115 Jahre alt werden, doch angeblich konnte sie die Bürde mit ihrem alten Körper nicht mehr tragen und bat Tenri-Ō-no-Mikoto darum, ihr Leben zu verkürzen. Ihre Seele sei nun eins mit Tenri-Ō-no-Mikoto geworden. Am Tag ihrer Beerdigung kamen tausende Menschen um ihr zu gedenken. Die Zeremonie wurde von dem bekannten kannushi Moriya Hideo 守屋秀雄 und zwei weiteren Shintō-Priestern durchgeführt.

Verweise

Siehe auch

Anmerkungen

  1. Tenri-Ō-no-Mikoto hat nach Tenrikyō-Glauben kein Geschlecht. Er wird von den Anhängern auch Tsukihi 月日神 oder Oyagamisama 親神様 genannt.
  2. Junge Frauen, die in Schreinen arbeiten.
  3. Bergmönch, Einsiedler.
  4. Auch 帯屋許し.
  5. Zu den drei Hauptschriften der Tenrikyō zählen neben dem Ofudesaki 御筆先 und dem Mikagura Uta noch das Osashizu おさしづ.
  6. Auch おふでさき. Zu Deutsch „Spitze der Schreibfeder“.
  7. Eines Tages soll der „süße Tau des Himmels“ in die Schale des Kanrodai tropfen. Die Gläubigen, die davon trinken, sollen dauerhaft glücklich sein und 115 Jahre alt werden. Der heutige große moderne Tempel der Tenrikyō ist um diese Stätte errichtet worden.
  8. Person, die verantwortlich für die Instandhaltung eines Schreins ist.

Literatur

  • Kasahara, Kazuo 笠原 一男 (1973). Nihon josei–shi. Teikō ni mezameru onna(Nihon josei–shi 5.) 日本女性史抵抗に目ざめる女. Tōkyō: Hyōronsha.
  • Tenrikyō, (1966). Tenrikyo: Its history and teachings: Published in commemoration of the 80th anniversary of the foundress. Tōkyō: Tenri.
  • Okao, Masahide 岡尾将秀 (1999). „Tenrikyō ga hassei shita jōken“ 天理教が発生した条件. Nenpō ningen kagaku 20–2, S. 475–490.
  • van Straelen, Henry (1957). The religion of divine wisdom: Japan's most powerful religious movement. Kyōto: Veritas Shoin.
  • Wöhr, Ulrike (1989). Frauen und neue Religionen: Die Religionsgründerinnen Nakayama Miki und Deguchi Nao. Wien: Universität Wien.

Weblinks