Nara-Zeit

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Die Nara-Zeit (Nara jidai 奈良時代) dauerte von 710-794 und ist nach der damaligen Hauptstadt Nara benannt.

Die Etablierung des Buddhismus, die zuvor noch auf geteilten Zuspruch gestoßen war, wurde in der Nara-Zeit sowohl von Shōmu Tennō 聖武天皇, als auch von den mächtigen Adelsfamilien massiv unterstützt. Sie trugen aktiv zu dessen Verbreitung bei und instrumentalisierten ihn als „Wächter des Staates“. Gleichzeitig wetteiferten kaiserliche Familienmitglieder, führende Hoffamilien wie der Fujiwara Klan 藤原氏 und der Tachibana Klan 橘氏 sowie buddhistische Priester um Einfluss.

Durch den Einfluss der Klöster auf das Kaiserhaus konnten sich diese in die Politik einmischen, wodurch der Buddhismus stark an Macht gewann. Japan wurde durch die Zeremonie des Augenöffnens (Aufmalen der Augen) der Buddhastatue im Tōdai-ji zum Mittelpunkt der buddhistischen Welt Ostasiens. Japanische buddhistische Priester, die in China studierten, waren wichtige Vermittler und brachten so zum Beispiel chinesische Architektur (buddhistische Tempel), Literatur und Schrift nach Japan. In der Nara-Zeit entstanden die frühesten, heute noch bekannten japanischen Schriftwerke, das Kojiki (712), das Nihon shoki (720), die Gedichtsammlung Man'yōshū und andere historische und literarische Werke.

Politische Geschehnisse zur Zeit Shōmu Tennōs

Kaiser Shōmu hatte nicht nur eine Fujiwara Mutter, sondern auch eine Fujiwara Frau, beide waren Töchter Fujiwara no Fuhitos 藤原不比等. Der Aufstieg Shōmus zum Kaiser und die Festlegung seiner Fujiwara Ehefrau zur Kaiserin Kōmyō 光明 führte zur Gründung einer Fujiwara-Hegemonie von 729-733. Die Mächtigsten Vertreter des Fujiwara Klans waren die 4 Söhne Fuhitos, die 737 eine Seuche dahinraffte. Dadurch wurde die Macht der Fujiwara stark geschwächt und Tachibana no Moroe 橘諸兄 trat als Oberhaupt der Regierung in Erscheinung. Er war Dainagon 大納言 und hatte später auch das Amt des Sadaijin 左大臣 inne. Eng verbunden mit Tachibana no Moroe war der Sōjō Gembō 僧正玄肪, einer der treibenden Kräfte des Tachibana Klans. Gembō 玄肪, ein Priester der Hossō-shū, der in China studierte hatte, verfasste das Naidōjō 内道場, was den Priestern ermöglichte, im Palast zu dienen. Dies war der erste permanente Einzug des Buddhismus in den kaiserlichen Palast und ein Schlüsselfaktor für Dōkyō 道鏡. Durch den Einschnitt in der Fujiwara Macht wurde die buddhistische Partei eine einflussreiche Macht am Hofe.

Der Bau des Tōdai-ji

743 ließ Shōmu den Tōdai-ji 東大寺 mit dessen Buddha Dainichi 大日 erbauen. Der Priester Gyōgi soll ein Orakel verkündet haben, dass sich die Göttin Amaterasu Ōmikami 天照大神 mit Vairocana identifiziere, eine Grundlage für die Verschmelzung der vorbuddhistischen, indigenen Religionen mit der Lehre Buddhas. Von diesem Punkt an ergab sich ein allmählicher Synkretismus zwischen Buddhismus und Shintō, bezeichnet als Shinbutsu-Shūgō 神仏習合. Shōmu selbst erklärte sich zum „Diener der drei Schätze“ des Buddhismus: Dem Buddha, den Lehren des Buddhismus und der buddhistischen Gemeinschaft.

Politische Geschehnisse zur Zeit Kōken/Shōtoku Tennōs

Die Fujiwara konnten ihre Macht erst wiederbehaupten, als Shōmu zurücktrat und 749 der Amtsantritt Kōken Tennōs 孝謙天皇 erfolgt. Die wirkliche Macht lag aber bei der Exkaiserin Kōmyō und ihrem Neffen Fujiwara no Nakamaro 仲麻呂. 758 trat Kōken zugunsten des Prinzen Ohī 大炊, der als Kaiser Junnin 淳仁天皇 den Thron bestieg. Dieser war aber nur die Marionette Nakamaros. Die wichtigste Stütze der Fujiwara, die Exkaiserin Kōmyō starb 760. 761 wurde Kōken schwer krank, doch Dōkyō, ein buddhistischer Mönch, konnte sie durch magische Riten heilen. 762 ging sie als buddhistische Nonne ins Kloster.

Dōkyō entstammte einem niederen Adelszweig und war auch konfuzianischer Lehrer. Er war stark beeinflusst von magischen Riten der alten japanischen Religionen. Dōkyō diente im Tōdai-ji 748 und erhielt in den frühen 750ern Eingang in den Naidōjō. Er war ein angesehener Heiler und als er die kranke Kōken heilte, gewann er ihr Vertrauen und wurde noch 761 zu ihrem Minister ernannt.

Bis zu diesem Zeitpunkt gab es keinerlei Zwist zwischen Kōken und ihrer Mutter bzw. ihrem Cousin (Nakamaro-Kōmyō-Partei). Nach dem Tod ihrer Muuter entschied sich Kōken allerdings 764, die Macht wieder in die Hand zu nehmen. Fujiwara no Nakamaro setzte sich dagegen militärisch zur Wehr, doch konnte diese "Rebelliion" niedergeschlagen werden. Nach Nakamaros Tod wurde Junnin Tennō entmachtet und ins Exil gesandt, wo er bald darauf starb.

Der Dōkyō-Zwischenfall

Kōken bestieg als Shōtoku Tennō 称徳天皇 zum 2. Mal den Thron. Eine Verordnung wurde erlassen, die besagte, dass jeder geweihte Monarch einen geweihten Minister brauche und so wurde Dōkyō zum Daijin zenji 大臣禅師 (wtl. „Priesterlicher Minister“) und 765 schließlich zum Daijō daijin zenji 太政大臣禅師 (wtl. „Priesterlicher Groß-Minister“) ernannt. Es war das höchste bürokratische Amt im Land war und in der Geschichte nur selten vergeben. Kurz nach Amtsantritt ließ sie eine Million winziger, tönerner Stupas (jap. hyakumantō 百万塔) anfertigen, darin mit magischen Gebetsformeln (jap. darani 陀羅尼) bedruckte Papierstreifen einfassen und in den Klöstern des Landes verteilen.

Man betrieb aktive Propaganda für den Buddhismus und schränkte die Macht der großen Klans ein. Dōkyō versuchte auch, die Fujiwara aus ihren Ämter zu verdrängen.

Schließlich wurde dem ambitionierten Mönch sogar der Titel des Hō-ō (法王, wtl. „Dharma-König“) verliehen. Seine Sänfte, Kleidung und Essen waren wie die eines Kaisers. Im Jahr 769 verkündete Dōkyō in der Hauptstadt, ein Orakel (jap. takusen 託宣) im Usa Hachiman-gū hätte prophezeit, das Land würde Frieden genießen, wenn Dōkyō tennō werden würde.

Shōtoku beauftragte den hochrangigen Hofbeamten Wake no Kiyomaro 和気清麻呂 733–99 den Orakelspruch zu bestätigen. Kiyomaro kehrte jedoch mit der Überlieferung eines gegenteiligen Orakelspruchs in die Hauptstadt zurück: Untertan und Herrscher seien von Anfang des Staates an verschieden gewesen, der Thron dürfe nur aufgrund der Abstammung aus der Dynastie der tennō vergeben werden.

Daraufhin erhob die Kaiserin Dōkyō nicht zum Kaiser. Nach dem Tode Shōtokus 770 wurde Dōkyō seiner Ämter enthoben und ins Exil gesandt [1].

Religiöser und politischer Hintergrund des Dōkyō-Zwischenfalls

Verbunden mit der Instabilität im institutionellen Bereich war eine theologische Verunsicherung, ein Zweifel bezüglich der göttlichen Begründung der Herrschaft.

Obwohl die buddhistische Lehre der göttlichen Bewahrung des Staates in erster Linie als neue mächtige Maßnahme für die kaiserliche Herrschaft gesehen wurde, um Friede und Wohlstand zu sichern, formten die Ereignisse der mittleren Nara-Zeit dies jedoch in eine Bedrohung des Thrones um.

Früher war die Quelle der Legitimität die Abstammung von Amaterasu Ōmikami. Der tennō regierte auf Vorteil seiner göttlichen Abstammung, ungeachtet seiner Taten. Unter Shōtoku Tennō hätte es dazu kommen können, dass die Legitimität durch die Entscheidung des Monarchen, ob er den Buddhismus annimmt oder ablehnt, bestimmt würde.

Schon als sich Shōmu Tennō als Diener der 3 Schätze bezeichnete, enthielt dies einen Zweifel über den Sinngehalt der Göttlichkeit des Herrschers. Die Gründung einer permanenten Macht am Hofe und die Vertrautheit zwischen Kaiser und politisch bewanderten Priestern wie Dōkyō und Gembō gab dem „Diener der 3 Schätze“ eine neue Definition, da er sich damit der buddhistischen Gemeinschaft unterordnete. Unter Shōtokus Herrschaft wurde das Konzept, dass Priester politische Befehlsgewalt verdienen, zur politischen Bedrohung für den Thron und das Überleben der kaiserlichen Institution.

Dass sich der Hof plötzlich so stark für den Gott interessierte, legt nahe, dass es sich um eine politische Notwendigkeit handelte. Der Zusammenhang zu Hachimans Aufstieg war das Bestreben eine akzeptable politische Balance zwischen nativistischen und buddhistischen Glauben zu erlangen. Der Vorteil Hachimans über andere heimische Götter war der große Grad zu dem der Kult schon buddhistische Elemente integriert hatte.

Ein Shintō Gott hatte eine buddhistische Ideologie absorbiert: die Rolle die er spielte war die eines Beschützers der Nation und des Kaisers.

Feiertage in der Nara-Zeit

Das Nihon ryōiki aus dem neunten Jahrhundert enthält verschiedene Hinweise auf Feiertage in der Nara- bzw. frühen Heian-Zeit.

Jahreszyklus

Lampenfest

Erzählung III-05: in Kawachi (Region Kinai), Lampen 燃燈 für Myōken bosatsu 妙見菩薩

Totenfest und Neujahr

Das Fest, an dem den Verstorbenen gedacht wird (拜諸靈) und diese wiederkehren können, fand damals offenbar am letzten Tag (晦) des zwölften Monats statt, also zu Jahresende, und nicht wie heute zu O-bon im Sommer. Jedenfalls ein Fest, für das man sich auch privat vorbereitete: In Geschichte III-27 ist der Mann unterwegs, um für das Fest einzukaufen (為買正月物). Ob das Fest zu Neujahr und das zum Totengedenken ein Fest waren oder zwei verschiedene zum selben Zeitpunkt?

Erzählung I-12 und III-27: Einem am Weg liegenden Schädel wird ein guter Dienst erwiesen, worauf sich der Verstorbene bedankt, indem er am letzten Tag des Jahres lebend zurückkehrt, den Wohltäter in sein Haus einlädt und dort mit ihm für die Verstorbenen geopferten Speisen verzehrt.

Monatszyklus

Die sechs Fastentage

Die sechs monatlichen Fastentage (rokusainichi 六斎日, 六齋日) fallen auf den 8., 14. 15., 23., 29. und 30. jedes Monats. Es sind Fastentage (poṣadha, fusatsu 布薩 oder sekkai 説戒) an denen sich die Mönche (shukke 出家) zu Rezitation und Gespräch versammlen und die Laien (zaike 在家) neben den fünf Geboten auch die drei weiteren der acht strengeren Gebote beachten (hassaikai 八斎戒). Die Tage waren auch im ritsuryō 律令 System berücksichtigt, sodass es an diesem Tag untersagt war, zu töten.

Erzählung II-05: Ein Mann opfert jährlich Ochsen, worauf er schwer erkrankt. Er erkennt die Ursache und beachtet von diesem Zeitpunkt an jeden Monat die acht strengeren Gebote (齋戒) an den sechs Fastentagen (六節受齋戒) und bemüht sich darum, Lebewesen vor dem Tod zu retten.

Siehe auch

Verweise

Anmerkungen

Quellen



Teile dieses Artikels wurden ursprünglich für das Schwesterprojekt Hachiman-no-pedia verfasst. Andere stammen aus Nihon Ryo-Wiki .