Rezension Boot 1990

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Rezensiertes Werk:

Boot, Willem Jan (1990). „The religious background of the deification of Tokugawa Ieyasu.“ In: Boscaro, Adriana u.a. (Hg.), Rethinking Japan. Vol. II. Social Sciences, Ideology & Thought. Kent: Japan Library, S. 331–337. (Rezension.)


Der Autor

Willem Jan Boot ist seit 1985 Professor für Japanologie an der Universität in Leiden und war von Oktober 2008 bis April 2009 Gastprofessor an der Sophia Universität in Tokyo. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Geschichte der Edo-Zeit mit Betonung auf den Konfuzianismus. [1] Er publizierte zahlreiche Artikel und war (Teil-)Herausgeber zahlreicher Monographien in sowohl englischer, japanischer als auch niederländischer Sprache. [2]

Er hat mehrere Artikel veröffentlicht, die die Deifizierung von Tokugawa Ieyasu zum Thema hatten. „The Deification of Tokugawa Ieyasu“, The Japan Foundation Newsletter, XIV/5 (Feb 1987), S. 10-13, sowie „The Death of a Shogun“ aus dem Sammelband Shinto in History: Ways of the Kami herausgegeben von John Breen und Mark Treuwen aus dem Jahr 2000, welcher bereits 1989 in einer früheren Version in holländischer Sprache publiziert wurde.[3]

Der Artikel

Der Artikel beginnt mit der Verlautbarung eines Edikts von Yoshimune im Jahr 1721, der u.a. die Zeit des Friedens dem Tōshōgu und der göttlichen Tugend des gongen zuschreibt und einer Textstelle aus der Geschichte „Der Traum-Polster von Nikkō“, die dem Genre des jitsuroku angehört (ein Genre der Populärliteratur, dass es kaum auf Tatsachen beruht), worin Yagi Nobuyuki, nachdem er beim shogun Tsunayoshi in Ungnade fiel, nach Nikkō ging und betete und der Tōshōgu seine Loyalität belohnte.

Damit illustriert Boot, dass vom Tōshōgu-daigongen erwartet wurde, dass er das bakufu und seine Anhänger schützte. Dass es in einem Werk der Populärliteratur des Anfangs des 18. Jahrhunderts vorkommt ist ein Anzeichen, dass dieser Glaube an den Tōshōgu-daigongen weitgehend verbreitet war.

Dies soll Teil der in der Kyōhō-Zeit erfolgten Aufwertung des Tōshōgu-daigongen laut Ishige gewesen sein. Diese Popularisierung kam erstens recht spät und zweitens wich aus theologischer Sicht davon ab, was zur Deifizierung Ieyasus führte. Weitere Textbeispiele des Militärtheoretikers Daidoji Yuzan zeigten, dass Ieyasu zu einem Gott wurde, zu dem jeder beten kann, und nicht nur ein Schutzgottes des Hauses. Dies deutet für Ishige Tadashis Theorie, in der die Kyōhō-Zeit eine Zeit war, in der die Verehrung des Tosho-daigongen sich ungewöhnlich intensivierte und der Tōshōgu-daigongen ebenbürtig anderen Göttern und Buddhas war. Diese Popularisierung kam erstens recht spät und zweitens wich aus theologischer Sicht davon ab, was zur Deifizierung Ieyasus führte.

Daraufhin beschreibt Boot die Unstimmigkeit der Interpretation des Testaments Ieyasus von Bonshun und Tenkai. Bonshun wollte Ieyasu nach den Regeln des Yoshida-Shinto auf dem Kunozan in einen Schrein einschließen und zunächst vom Shogun Hitedata unterstützut wurde. Tenkai konnte Hitedata jedoch überzeugen, Ieyasu ein Jahr nach seinem Tod im Nikkō-Schrein als Tōshōgu-daigongen und nach den Riten des Sanno Ichijitsu Shinto in den Schrein einzuschließen. Boot erwähnt weiterhin aus den Niederschriften von Tenkai relevante Passagen zur Deifizierung.

Im letzten Teil des Kapitels geht Boot der Frage nach, welche Präzedenzfälle gab es zur Deifizierung von Ieyasu, sodas Ieyasu auf seinem Totenbett sagen konnte er würde als die Schutzgottheit der acht Provinzen offenbaren. Er nennt dabei Toyotomi Hideyoshi und Fujiwara no Kamatari. Alle drei haben vor ihrem Tod erwähnt, dass sie nach ihrem Tod als Götter offenbaren würden. Sowohl Hideyoshi als auch Ieyasu haben Punkte mit Kamatari gemein, jedoch nicht miteinander, wie z.B. die Wiederbestattung Ieyasus, eine Statue Ieyaus mit Blick gen Westen bzw. Hideyoshi und Kamatria waren die Begründer eines neuen uji, Ieyasu war zwar der erste mit dem Nachnamen Tokugawa jedoch nicht der erste des uji.

Boot stellt zum Ende des Artikels folgende Behauptungen auf:

  1. Die Verehrung deifizierter Vorfahren an ihrem Grab ist eine jüngere Entwicklung des Mittelalters.
  2. Die Präzedenzfälle für die Deifizierungen von Hideyoshi und Ieyasu war die Verehrung von Kamatari.
  3. Die Verehrung Ieyasus entwickelte sich von der Verehrung seiner Nachkommen zur Verehrung als Gott von der ganzen Nation.

Die beiden letzten Aussagen fassen den Artikel recht gut zusammen, wobei die erste Aussage aus dem Artikel nicht recht hervorgeht. Der Aspekt der Veränderung der Verehrung in der Kyōhō-Zeit ist recht interessant, der Vergleich zwischen den drei Instanzen der Deifizierung und die Geschichte der Deifizierung wird in Boots „Death of a Shogun“ sehr stark ausgebaut und wurde im Vergleich dazu in diesem Artikel nur angerissen. Zusätzlich ist der Artikel teils recht schwer zu lesen, da sehr viele Fremdwörter verwendet werden, teilweise ohne Erklärung (sei im Vergleich zu uji[4] und meiner Meinung nach auch den Lesefluss stören (byoshinto of the kofun-jidai[5].


Verweise

Weitere Literatur

  • Boot, Willem Jan (2000). „The death of a Shogun: Deification in early modern Japan.“ In: Breen, John und Mark Teeuwen (Hg.), Shinto in history: Ways of the kami. London: Curzon, S. 144–166. (Rezension.)