Rezension Ishida 1964

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Rezensiertes Werk:

Ishida, Eiichirō (1964). „Mother-son deities.“ History of Religions 4/1, S. 30–52. (Rezension.)


Fragestellung

  • Welche Parallelen gibt es zwischen Mutter-Sohngottheiten in der japanischen Mythologie und der Mythologie anderer Länder?
  • Wieso spielt Wasser eine so wichtige Rolle in japanischen Legenden?

Einleitung

Viele Mythen und Märchen haben eine enge Verwandtschaft und gemeinsame Merkmale obwohl sie ganz unterschiedliche Themen behandeln. Kunio Yanagita ist Pionier auf diesem Forschungsgebiet und er hat verschiedene Archetypen der japanischen Folklore entdeckt (S. 30-31).

Archetypen der japanischen Mythologie

  • "Small hero": ein Junge mit übermenschlichen Kräften taucht in der Welt der Menschen auf und bringt ihnen Glück (z.B. Momotarō) (S. 31)-
  • Das Element Wasser ist sehr wichtig: Häufige Hauptfigur solcher Legenden ist der Sohn des Drachenkönigs, der das Reich des Wassers kontrolliert. Yanagita vermutet, dass die heutigen Kappa degenerierte Formen dieses Königssohnes sind (S. 32).
  • "Divine mother: Die göttliche Mutter des "small hero". Sie erscheint Menschen oft als Dank dafür, wenn sie Brennholz ins Wasser werfen (S. 34).
  • "miraculous birth": Eine Jungfrau aus dem Reich des Wassers kommt in die Welt der Menschen, gebärt ein Kind und verschwindet wieder (S. 35).

Hachiman

Der Ursprung des Hachiman: Ein siebenjähriges Mädchen treibt, mit ihrem Kind, in einem Boot von China aus auf Japan zu. Sie wurde angeblich schwanger, als sie im Traum das morgendliche Sonnenlicht erblickte. In Japan wird die Mutter buddhistische Nonne und das Kind wird bekannt als Shintōgottheit Hachiman (S. 36).

Die Verehrung des Hachiman liegt dem Glaube an die heilige Mutter und ihrem Sohn zugrunde. Dieses Motiv beeinflusste wohl auch Nihongi und Nihon shoki. Kaiserin Jingū (heilige Mutter) und Kaiser Ōjin (Sohn) stehen in Verbindung zu dieser Legende. Ōjin gilt als Wiedergeburt des Hachiman und kommt, ebenso wie dieser, durch eine mysteriöse Geburt zur Welt kommt (S. 36).

Hachiman und das Wasser: In einige Schreine des Hachiman wird er auch „junger Wasserprinz“ (Mizuwakamiya) genannt und anderen Legenden zufolge ist die Mutter von Hachiman eine Jungfrau aus dem Drachenpalast. Dies lässt vermuten, dass früher eine enge Verbindung des Hachiman zum Wassergottkult bestand (S. 36).

Wieso ist Wasser so wichtig?

Im globalen Kontext ist dies leicht zu erklären. Die Muttergottheit wurde in Afrika und Eurasien immer mit Wasser in Verbindung gebracht, da sie eine Fruchtbarkeitsgöttin ist ohne die die Erde nicht überleben könnte (S. 52).

Schlussfolgerung

Heutzutage erscheinen viele Mythen und Märchen vielleicht naiv und unwichtig, enthalten aber Motive, die Aufschlüsse über frühere Kulturen und deren Gesellschaft geben. Archetypen haben auch internationale Gültigkeit, z.B. „small hero“ und „miraculous birth“ (Jesus) und „divine mother“ (Maria) (S. 37; 52).

Kommentar

Dieser Artikel liefert einige sehr interessante Aspekte zum Thema Hachiman, unter anderem auch einen Anhaltspunkt, wieso Kaiser Ōjin später als Hachiman verehrt wurde. Die vom Autor aufgeworfenen Fragen wurden für mich zur vollsten Zufriedenheit beantwortet. Um die Parallelen zwischen japanischer und anderer Mythologie zu verdeutlichen, liefert er außerdem noch Beispiele aus Indien, Südostasien, Ozeanien etc., die näher zu erläutern aber im Rahmen des Exzerpts zu umfangreich und abschweifend vom eigentlichen Thema gewesen wären.

Weiterführende Literatur

Sasaki, Kizen (1922), Esa-gun Mukashibanashi. Tokyo: Verlag.

Sasaki, Kizen (1926), Shiba-gun Mukashibanashi. Tokyo: Verlag.

Seki, Keigo (1948), Nihon-Mukashibanashi-Meii. Tokyo: Verlag.

Seki, Keigo (1953), Nihon-Mukashibanashi-Shūsei. Tokyo: Verlag.

Yanagita, Kunio (1914), Santō-Mintan-Shū. Tokyo: Verlag.

Yanagita, Kunio (1932), Momotarō no Tanjō. Tokyo: Verlag.

Yanagita, Kunio (1946), Monogatari to Katarimono. Tokyo: Verlag.



Dieser Artikel wurde ursprünglich für das Schwesterprojekt Hachiman-no-pedia verfasst.