Rezension King 1993

Aus Kamigraphie
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Das 1993 erschienene Buch Zen and the Way of the Sword von Winston L. King, Professor Emeritus an der Vanderbilt University, behandelt als Themenkomplex die Rolle, die Zen im Gedankengut, der Kultur und v.a. der Kampfkunst der japanischen Kriegerelite gespielt hat. Es bietet nicht nur eine kompakte Übersicht über die Geschichte und Entwicklung des Zen in Japan, sondern erläutert auch anschaulich und anhand zahlreicher Beispiele dessen Grundideen und institutionelle Praktiken. Im Anschluss daran widmet sich King einer detaillierten Geschichte der japanischen Samurai, von ihren Anfängen zum Beginn der Kamakura-Zeit bis weit in das 20. Jahrhundert hinein, um in einer Art Synthese der vorher angeführten Fakten die Zusammenhänge zwischen Zen und Bushidô und die Gründe für die Popularität des Zen unter den Samurai zu erläutern.

Inhalt des Buches

Zen and Japan

Das erste Kapitel behandelt nach einer kurzen Geschichte des Zen und seiner buddhistischen und taoistischen Wurzeln in China die grundlegenden Zen-Praktiken wie etwa Meditation oder Kôan 公案, und gibt so erste Einblicke in dessen Gedankengut, und die Methoden, die die Zen-Schüler zur „Erleuchtung“ (was natürlich nicht im biblischen Sinne verstanden werden darf) führen sollten. Dabei wird auch auf die Unterschiede zu anderen Richtungen des Buddhismus hingewiesen, wie z.B. die Rolle des Meisters bei der Meditation, oder die Art und Weise, wie die Lehre des Zen tradiert wurde. Anschliessend beschreibt King, u.a. anhand berühmter Persönlichkeiten wie Eisai 榮西 oder Dôgen 道元, wie und wann der Zen-Buddhismus unter den japanischen Kriegern verbreitet wurde, und welche Rolle er im japanischen Mittelalter spielte.

The Japanese Samurai

Dieses Kapitel wechselt den Fokus zu den Samurai; es enthält eine ausführliche Geschichte der japanischen Krieger von der Frühgeschichte bis zur Heian-Zeit, v.a. aber ab dem Genpei-Krieg bis zur Meiji-Restauration. Erläutert werden neben den historischen Fakten auch militärische Strategien, Ausrüstungen und der Verlauf von Schlachten, teilweise mit Illustrationen veranschaulicht. Ein Schwerpunkt dieses Kapitels ist auch die Geschichte des Katana 刀, des japanischen Schwerts, wobei auch Details wie der Schmiedeprozess oder die kulturelle Rolle, die das Schwert bis weit in die Moderne hinein spielte, zum Vorschein treten. Der Unterpunkt „Samurai Swordsmanship“ behandelt Schwertkampf und dessen Techniken, und Beispiele berühmter Samurai (Die Biographie von Miyamoto Musashi 宮本武蔵 ist natürlich auch wiedergegeben, sogar sehr ausführlich, allerdings mit viel Bezug auf fiktive Quellen). King versucht ebenfalls, mit Hilfe einiger Textbeispiele einen Umriss des Ethos der Kriegerklasse zu zeichnen.

Samurai Zen

Hier kommt der Autor zum eigentlichen Gegenstand seines Buches, dem Verhältnis des Zen zu den Bushi 武士, und die Art und Weise, wie dessen Philosophie in der Mentalität der Krieger Anklang fand. Dabei wird auch deutlich gemacht, dass die Samurai im Gegensatz zu den Mönchen weniger nach Erleuchtung, als u.a. nach Verbesserung ihrer Kampfkunst durch das psychologische Training des Zen suchten, und somit ein relativ pragmatisches Verhältnis entstand. King veranschaulicht, inwiefern die Philosophie des Zen im Einklang mit der Lebensweise, und v.a. der Kampfkunst der Samurai stand.


The Samurai Heritage

Im letzten Teil kommt King auf die moderne Geschichte Japans zu sprechen, und zeigt, welchen Einfluss die Kriegerethik auch dort noch vorweisen konnte, speziell im Kontext zu den beiden Weltkriegen. Dabei macht er auch kritisch aufmerksam darauf, wie die führenden Militärs diese zugunsten ihrer Ideologie verdrehten und einzusetzen versuchten, um den Kampfgeist und auch die Todesbereitschaft der Armee zu stärken (siehe Kamikaze). Hierbei kommen auch verschiedene Theorien über den Einfluss der Samurai-Kultur auf das Japan des 20. Jahrhunderts zu Wort, u.a. in den modernen Kampfsportarten.


Kommentar

King macht den Eindruck, sich sehr gut mit der japanischen Geschichte und dem Zen-Buddhismus auszukennen; vor allen Dingen die Samurai und ihr Leben scheinen ein sehr grosses Interessengebiet von ihm zu sein. Dementsprechend detailliert geht er zu Werk, wenn es um Rituale, Verhaltensweisen und Biographien der Krieger selbst geht. Die institutionelle Geschichte des Zen rückt dabei etwas in den Hintergrund, genau wie z.B. die Biographien der grossen Zen-Meister. Bei manchen biographischen Details der Schwertmeister bleibt auch unklar (obwohl es teilweise angemerkt ist, z.B. bei Musashi), ob es sich um zuverlässige Quellen oder Fiktion bzw. Prosa handelt. Auch sind manche Begriffe etwas unvorsichtig gewählt, wenn etwa von „enlightenment“ die Rede ist, in Referenz zum satori 悟り. King scheint sich durch sein grosses Interesse für das von ihm behandelte Thema etwas zu unobjektiven oder dramatischen Formulierungen hinreissen zu lassen. Eine ziemliche Kompetenzüberschreitung markiert das Kapitel, das die Auswirkungen auf das moderne Japan aufzuzeigen versucht, hier driftet King z.B. in den Mythos vom „Samurai-Businessman“ und ähnlichen Dingen ab; ein Gebiet, in dem die Soziologie sich längst auf einem anderen Stand befindet. Dennoch schafft er es, einen Teil seiner Faszination für die japanische Kriegerklasse auf den Leser zu übertragen, und ihr Verhältnis zum Zen-Buddhismus speziell im Hinblick auf Schwertkunst gut verständlich zu machen.

Literatur

  • King, Winston L. (1993), Zen and the Way of the Sword: Arming the Samurai Psyche. New York: Oxford University Press.



Dieser Artikel wurde ursprünglich für das Schwesterprojekt Hachiman-no-pedia verfasst.