Rezension Kitagawa 1966

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Rezensiertes Werk:

Kitagawa, Joseph M. (1966). Religion in Japanese history. New York: Columbia University Press. (Rezension.)

Das Gesamtthema das Buches „Religion in Japanese History“ von Joseph Mitsuo Kitagawa beinhaltet eine Darstellung über die Entwicklung und Trends der Religionen im Verlauf der japanischen Geschichte.

Buchinhalt

Drittes bis Achtes Jahrhundert

Erste Erwähnung Japans in chinesischen Chroniken als das Land der Wa. Später kommen genauere Definitionen über die Yamatai und Yamato, deren Invasions- und Handelspolitik mit dem koreanischen Festland (den Paekche), die Erwähnung von Himiko und die Chinesische Oberherrschaft über das damalige Japan.

Der Kaiser der herrschenden Familie gilt als Nachfahre der Sonnengöttin Amaterasu und war sowohl durch das „herrschaftliche Charisma“, als auch das „priesterliche Charisma“ die oberste politische und religiöse Autorität, obwohl sich seinen schamanischen Fähigkeiten nur auf den obersten Gott des Clans beschränkten und für alle anderen Götter wurden Schamanen benötigt. Meist waren dies Frauen, egal ob diese von hoher Geburt oder bescheidener Herkunft waren, die die kami besetzen und durch sie ihren Willen äußern konnten. Der Beweis für die Hochachtung für solche Frauen ist Jingū Kōgō, die selbst durch sich ein Orakel erfahren hat.

Bereits vor der Nara-Zeit wurden kami, auf Grundlage von taoistischen und konfuzianistischen Ideologien in ethische göttliche Wesen verändert.

Neuntes bis Zwölftes Jahrhundert

In der Heian Zeit erfolgt die Veränderung des bereits eingeführten Buddhismus zu einem „japanischen“ Buddhismus. Unter anderem wurden kami zu Manifestationen von Buddha, die selbst zur Erlösung die Hilfe Buddhas brauchten (Hachiman Daibosatsu).

Zudem erfolgt in dieser Zeit die Etablierung zweier großer buddhistischer Schulen (Shingon und Tendai), die als Vertreter des esoterischen Buddhismus gelten.

Der Glaube an Amida und der an Jizō waren besonders in der Heian-Zeit sehr stark. Zum einen der Glaube an Amida, vor allem durch die Aristokratie, die hofften in Amidas Reines Land empfangen zu werden. Und zum anderen wurde Jizō, der durch sein Gelübde zwischen dieser Welt und der Hölle wartet und die armen Seelen vor den ewigen Höllenqualen rettet, vor allem von der armen Masse angebetet.

Dreizehntes bis Sechzehntes Jahrhundert

Im japanischen Mittelalter entstand durch die Einführung eines neuen Regierungssystems, auch eine größere Nachfrage nach neuen religiösen Richtungen. Es gab hier fünf Persönlichkeiten (Hōnen, Shinran, Nichiren, Eisai und Rōgen), die maßgebend für die Entwicklung des Buddhismus in der Kamakura und Muromachi-Zeit waren.

Hōnen und seine Schule des Reinen Landes waren Anhänger Amidas und glaubten an die Erlösung in dessen reinem Land.

Shinran und seine Schule des Wirklichen Reinen Landes waren ebenfalls Anhänger Amidas, die durch Nenbutsu (wiederholtes Rezitieren des Namen Amidas) Erlösung im Reinen Land finden wollten. Shinran war ein Schüler Hōnens und der Unterschied der beiden Schulen waren die "gelockerten" Regeln Shinrans.

Nichiren und die Nichirenschule waren Anhänger des Lotus-Sutra und forderten den Dienst des Landes und des Thrones für den Buddhismus. Sie waren wie die beiden oberen Schulen bewaffnet (Kampfmönche).

Eisai und die Rinzai Zen Schule: Sein Ziel war die Reinigung und Wiederherstellung der ursprünglichen Pracht des Buddhismus in Japan. Durch das Patronat der Kriegerführer wurde sie zur staatlichen Religion der Muromachi-zeit Unter der Inspiration des Zen wurde Kunst, Literatur, Tee-Kult oder das Nō-Spiel entwickelt.

Rōgen und die Sōtō Schule: Er hat gelehrt, dass die Buddhaschaft jeder erreichen kann, unabhängig von der intellektuellen Kapazität oder dem sozialen Hintergrund (auch Frauen) und das die wahren Absichten Buddhas nur in den Sutren zu finden sind. Somit war für ihn der Glaube an die Erlösung das Wichtigste.

Tokugawa-Zeit

Der Schwerpunkt der Tokugawa-Zeit konzentriert sich auf die Kirishitan, Neo-Konfuzioanismus und dem Shogunat. Die Kirishitan war eine Gruppe, die dem allgemeinen Muster der eng-verbundenen Gesellschaft Japans, wie dem echten reinen Land (True Pure Land), oder der Nichiren-Sekte folgte. Wichtige Rituale, wie Hochzeiten und Begräbnis wurden gefeiert.

Der Neo-Konfuzianismus hingegen hielt sich stark an chinesische Normen. In dieser Zeit überwachte das Shogunat religiöse Gruppen und Institutionen, um etwaige Aufstände, oder Bildung neuer Gruppen bzw. verbotenen Sekten zu vermeiden.

Allgemein ist über die Tokugawa-Zeit zu sagen, dass es weder einen religiösen noch einen philosophischen Unterschied zwischen dem Shinto und dem Buddhismus gab. Trotzdem war zu dieser Zeit der Buddhismus die Hauptreligion. Das Shogunat zwang das Volk sich in den Tempeln registrieren zu lassen um die Mitgliedschaft einer verbotenen Sekte zu vermeiden. War dies doch der Fall, so wurde derjemige schwer bestraft. Ende der Tokugawa-Zeit verlor der Buddhismus jedoch an Spiritualität und es kam zu einer Erneuerung des Shinto und dem Beginn der Meiji-Restauration.

Meiji-Zeit

In der Meiji-Zeit wurden Buddhismus und Shinto getrennt. Von da an war der Shinto die Hauptreligion Japans. Er war eher ein patriotischer Kult als eine Religion (Einführung des Staatsshinto) Es kam zu einigen Veränderungen, wie z.B. eine Shintoregisrtierung. Weiters waren buddhistische Priester gezwungen ihr Amt abzulegen und ein normales Leben zu führen. Offiziell gab es 8 Mio. Kami, aber nur Amaterasu Ōkami stand über allen.

Zu diesem Zeitpunkt stellte sich dem Buddhismus eine Anti-Buddhistische Gruppe gegenüber, welche die Religion zerschlagen sollte. Tempel wurden zerstört, Priester und Nonnen mussten ihr Amt ablegen. Einige Mitglieder des Buddhismus gingen gewaltsam gegen Antibuddhismus, Shinto, der Verwestlichung, Christentum und die neue Regierung vor. Der Pure Land-Tempel Amida wurde gegen einen Altar mit darauf versehenen vier Shinto Ame no Minakanishi, Takamimusubi, Kammusubi und Amaterasu ausgetauscht und am Eingang wurde ein Torii errichtet.

Mit der Ankunft der „Schwarzen Schiffe“ der Amerikaner in Japan unter dem Kommando von Kommodore Matthew Perry, zwangen diese die Japaner zur Öffnung des Landes. Neben den wirtschaftlichen Ungleichen Verträgen kam es zum ersten Mal 1858 zur Religionsfreiheit (galt nur für Ausländer), sodass in Japan Ansässige Ausländer frei ihre Religion praktizieren konnten. Kurz darauf folgte die erste christliche Kirche in Nagasaki 1865. Es kam zur regen Verbreitung der Kirishitan-Anhänger vor allem im Raum Kyûshû. Der Staat wirkte in der Meiji Zeit dieser Freiheit entgegen, indem er den Japanern einredete, es sei nicht patriotisch nicht dem Staats-Shinto anzugehören, da das Oberhaupt dieser Religion der Kaiser persönlich ist, und man deshalb den göttlichen Ursprung des Kaisers anzweifelte. Zudem gab es eine Anti-Kirishitan Einstellung in der Regierung, weshalb viele Kirishitan-Anhänger verhaftet wurden. Trotz dieser Maßnahmen kann man geschichtlich gesehen Fortschritte im Christentum in Japan erkennen. 1873 wurden die Edikte gegen den Christentum aufgehoben und 1912 wurde sie als einer der drei großen Religionen anerkannt. Der Neo-Konfuzianismus wurde nicht als Religion angesehen, vielmehr als eine Weisheitslehre. Einer pragmatisch wissenschaftlichen Auslegung der Lehre.In der Tokugawa Zeit beschränkte man sich bei der Erlernung von den europäischen (holländischen) Wissenschaften auf die Praktischen, wie Medizin oder Botanik, anstatt auf philologische, um die einheimische Religion nicht zu gefährden. Zudem wurden Japaner die sich mit europäischen Wissenschaften beschäftigten, streng der konfuzianistischen Lehre unterzogen, um bei der Erlernung der Wissenschaft den pragmatischen Aspekt in den Vordergrund zu stellen. Später wurden auch andere wissenschaftliche Bereiche erlaubt, um die Modernisierung des eigenen Landes zu beschleunigen, da man Angst vor einer Invasion durch eine moderne westliche Nation hatte. Viele der jungen Wissenschaftler, die sich mit der westlichen Lehre befassten, bekamen später zu Führungspersonen im modernen Japan. Sie waren auf konfuzianistischen Werten basierende Nationalisten und versuchten zum Wohle der Nation östliche Ethik mit westlicher moderner Wissenschaft (=saisei-itchi) zu vereinen.

Nachkriegszeit

Erst nach dem zweiten Weltkrieg kam es zur richtigen Religionsfreiheit. Japan stand zu dieser Zeit unter der Herrschaft der SCAP (=Supreme Commander of the Allied Powers). Der Amerikaner General MacArthur war der oberste Befehlshaber dieses Kommandos. Das Ziel der SCAP war eine Demokratisierung und Entmilitarisierung des Landes. Die SCAP zwang den Kaiser sich von seiner göttlichen Abstammung zu distanzieren. (Er sollte sagen, dass er keine göttliche Abstammung hat.) Dadurch sollte der Staats-Shinto, der auf der göttlichen Abstammung des Kaisers aufgebaut ist, an Bedeutung verlieren. Auf der anderen Seite benutzte die SCAP den Kaiser, indem er durch seine Präsenz die Einigkeit der Nation und Moral des Volkes aufrechterhalten sollte. Der Staats-Shinto Glaube wechselte wieder zum Schrein-Shinto, bei der die einzelnen Schreine mit ihren religiösen Tradition im Mittelpunkt standen, zurück. Die SCAP erzwang eine Religionsfreiheit und versuchte gleichzeitig zu verhindern, dass eine Religion zu politischen Zwecken missbraucht wird. Sie trennten Religion von Politik. Durch die Religionsfreiheit entstanden viele neue Religionen (742). Davon wurden nur insgesamt 43 Religionen offiziell (13 Shinto, 28 buddhistische und 2 christliche) anerkannt. Es kam wieder zum Religionsmissbrauch. Diesmal nicht politisch. Viele benutzten den Titel „Religion“ um sich von Steuern zu befreien oder andere Privilegien nutzen zu können. Deshalb wurde das „religious juridical persons law“ gegründet. Sie testete die Religionen nach bestimmten Kritierien, und die Anzahl der Religionen reduzierte sich auf die Hälfte. Aufgrund der Landreform verarmten die Schreine und Tempel in der nach Kriegszeit und deshalb mussten viele Priester ihr Einkommen durch andere Tätigkeiten sichern.

Schluss

Zum Schluss wird die Wichtigkeit der Religionen in Japan dargestellt, da diese einen wichtigen Aspekt der nationalen Identität beinhaltet. Nach der Erklärung des Kaisers nicht göttlicher Abstammung zu sein, zerbrach für die Japaner eine Welt. Die Japaner verloren nicht nur den Krieg sondern auch ihre Identität. Autor: “ What Japan lost was far more than the divine prerogatives of the throne or the gigantic institution of state shinto. These were external symbols of something much deeper, that is the source of the Japanese sense of destiny and security based on a cosmological world view which had been preserved from time immemorial. ….lost their traditional sense of values and meaning of history.” S.332

Darstellung

Der Autor versucht über die Erläuterung des geschichtlichen Hintergrundes, die religiöse Entwicklung zu erklären. Er teilt die geschichtlichen Perioden in einzelne Kapitel und geht in diesen Kapiteln näher auf geschichtliche und religionsrelevante Ereignisse ein.



Dieser Artikel wurde ursprünglich für das Schwesterprojekt Hachiman-no-pedia verfasst.