Rezension Littleton 1995

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Rezensiertes Werk:

  • Littleton, C. Scott (1995). „Yamato-takeru: An "arthurian" hero in Japanese tradition.“ Asian Folklore Studies 54/2, S. 259–274. (Rezension.)


In seinem Artikel geht C. Scott Littleton auf die sich sehr ähnelnden Punkte der Arthussage und Yamato Takerus Leben, wie es im Kojiki 古事記, Nihon shoki 日本書紀 und den Fudoki 風土記 beschrieben wird, ein.

Textinhalt

C. Scott Littletons Artikel ist in fünf Abschnitte gegliedert.
Anfangs gibt es eine kurze Einleitung, welche im Grunde dazu dient, Littletons Ansatz einer Forschungsfrage für diesen Artikel zu erläutern. Im Wesentlichen zeigt Littleton in seinem Text die Parallelen zwischen Japans bekanntestem Held O-usu-no-mikoto 小碓命 – oder auch bekannt als Yamato Takeru 倭建(日本武尊) – und Englands König Arthur auf. Da beide einen höchst ähnlichen Werdegang mit nur sehr marginalen Unterschieden aufweisen, nimmt Littleton weiters an, dass es sowohl für Arthur als auch für Yamato Takeru eine Art universelle Helden-Vorlage gab.

Danach folgt eine stichpunktartige Zusammenfassung der wichtigsten Stationen im Leben Yamato Takerus nacherzählt, damit der Leser ein wenig leichter in die Materie findet, falls er mit dieser nicht allzuvertraut ist. So wird an dieser Stelle beispielsweise erwähnt, dass die ältesten Versionen seiner Heldentaten im Kojiki 古事記, im Nihon shoki 日本書紀und dem Hitachi fudoki 常陸風土記 zu finden sind – wobei hier anzumerken ist, dass Yamato Takeru eigentlich in jedem der Fudoki erwähnt wird.

Im nächsten Abschnitt wird sofort auf die Parallelen zwischen Yamato Takeru und König Arthur eingegangen und anhand derer unmittelbar Arthus Werdegang dargestellt. Beispielsweise, haben beide ein magisches Schwert besessen, welches sie von einer weiblichen Figur erhalten haben und das auch mit ihrem Tod zusammenhängt, der sie ereilt, als sie besagtes Schwert wiederum für eine Frau aufgeben – Miyazu-hime 美夜受比売(宮簀姫) beziehungsweise Nimue (Lady of the Lake). Es wird allerdings explizit hervorgehoben, dass sich gewisse Diskrepanzen in den Details finden lassen, genauso wie auch die Episoden aus den früheren Tagen der Helden gänzlich unterschiedlich sind.

Im dritten und vierten Segment kommt Littleton erneut auf seine Hypothese – es gäbe einen universellen Held, der als Vorlage für Arthur und Yamato Takeru diente – zu sprechen und versucht dies mit schlüssigen Argumenten im letzten Teil des Artikels zu begründen. So erwähnt er in diesem Zusammenhang Yoshida Atsuhiko, der in einer Vielzahl von Veröffentlichungen darauf hinweist, dass eine signifikante Nummer an Symbolen der japanischen Mythologie, wie zum Beispiel die Reichsinsignien (der Spiegel, das Schwert und der Edelstein), von den drei indoeuropäischen ideologischen Funktionen [1] gefärbt worden sind.

Vergleich zwischen Yamato Takeru, Arthur, Lancelot und Batraz


Yoshida stellt die Hypothese auf, dass diese dreigeteilte Ideologie mit einer Vielzahl anderer indoeuropäischer Merkmale über Reiterstämme aus dem asiatischen Festland nach Japan gebracht wurde. Verfolgt man diese Annahme weiter, so können es sich in dem fraglichen Zeitraum nur um zwei Stämme handeln – die Tocharer und die Alanen. Da jedoch die Tocharer dadurch ausgeschlossen werden können, dass sie hauptsächlich buddhistische Mönche waren, bleiben somit nur noch die Alanen als beste Kandidaten für den Einfluss auf Japan übrig. Heutzutage werden die Osseten von Forschern als die letzten der Alanen gesehen. Zusätzlich existieren in der ossetischen Kultur heroische Sagen über einen Bund von Helden, genannt die Nartha oder Narten. Batraz, ihr Anführer, hatte, so wie Yamato Takeru und König Arthur, ein magisches Schwert, dass er mit Hilfe einer Frau erhalten hatte, die zudem noch seine Tante war. Im letzten Teil des Textes weist Littleton darauf hin, dass der einzige Unterschied zwischen diesen drei Figuren ist, dass Arthur als einziger keine gewaltätigen Wutausbrüche hat, die er zweitweise gegen seine eigenen Leute richtet. Dies ist eher ein Charakterzug Lancelots, der immer wieder die anderen Ritter der Tafelrunde attakiert. Zudem ist Lancelots magisches Objekt ein Spiegel, eine weitere signifikante Parallele zu den japanischen Insignien. Auch die Beziehung zwischen Lancelot und seiner Pflegemutter, der Dame du Lac, weist beinahe die selben Korelate auf, wie die Beziehungen zwischen Batraz und seiner Tante Satana und zwischen Yamato-takeru und Yamato-hime 倭比賣(倭姫).

Daher erscheint es plausibel, dass sich Yamato Takeru, Arthur, Lancelot und Batraz alle von einem gemeinsamen nordost-iranischen Helden ableiten lassen können. Auffällig ist weiters, dass Ossetien geographisch gesehen, genau zwischen Westeuropa und Japan liegt und Batraz daher, thematisch gesehen, ein Zwischenglied zwischen den europäischen Reflexen dieser heroischen Tradition und der, die in Japan zum Vorschein gekommen ist. Vereinfacht ausgedrückt: Aus einem nordost-iranischen Prototypen sind sowohl Yamato Takeru als auch Batraz und Arthur hervorgekommen, wobei sich die Figur des Arthur dann in zwei Teile gespalten hat und daraus Lancelot wurde.

Abspaltung vom Prototyp





Fußnoten

  1. Drei-Funktionen-Theorie nach dem französischen Religionswissenschaftler Georges Dumézil, dessen Theorie auf der These aufbaut, der Götterhimmel sei ein Abbild der Gesellschaft. So würden also der Spiegel für Weisheit, das Schwert für Tapferkeit und der Edelstein für Fruchtbarkeit stehen.



Dieser Artikel wurde ursprünglich für das Schwesterprojekt Fudokipedia verfasst.