Rezension Matsuura 1992

Aus Kamigraphie
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Rezensiertes Werk:

Matsuura, Masaaki 松浦 正昭 (1992). Bishamonten zō(Nihon no bijutsu 日本の美術 315.) 毘沙門天像. Tōkyō: Shibundō. (Rezension.)

Der Autor

Matsuura studierte an der Tōhoku Daigaku 東北大 Kunstgeschichte, bevor er als Research Worker im Nara kokuritsu hakubutsukan 奈良国立博物館 tätig war. Seit 2000 ist er Gastprofessor an der, Hōsō Daigaku 放送大学 und beschäftigt sich primär mit buddhistischer Kunst.

Zum Booklet

Matsuuras Broschüre Bishamonten-zō 毘沙門天像 ist ein hundertseitiges, jedoch äußerst aufschlussreiches Booklet, angereichert mit zahlreichen Farb- und schwarz-weiß Fotos der verschiedenen ikonographischen Formen Bishamons 毘沙門. Er widmet sich dabei Bishamons Entwicklung von Indien über China und Korea bis Japan, wobei der Fokus auf seiner japanischen Form liegt.

Im ersten Kapitel geht Matsuura auf Bishamons vedische und damit prä-buddhistische Manifestation Kubera, Reichtumsgott und Schutzgott des Nordens, ein: Kubera wird in vedischen Schriften, allem voran dem Rāmāyaṇa [1], den Yakṣas, einem mythisch-dämonischen Volk, zugerechnet. Auch ikonographisch lassen sich dazu Parallelen ziehen: Wie die Yakṣas erscheinen auch frühe Kubera-Darstellungen zunächst als stehende Figuren mit einem betonten Bauch. Später standardisiert sich Kuberas Ikonographie: Er wird zumeist in Hockstellung und korpulenter Körperform abgebildet und hat nichts mit dem späteren Krieger Bishamon gemein. Seine Kriegerform übernimmt Kubera zu einem späteren Zeitpunkt wahrscheinlich von Paṇchika [2], einem seiner Yakṣa-Generäle (Lalitavistara Sūtra 15) [3]. Im zweiten Kapitel behandelt Matsuura Bishamon in der indisch-buddhistischen Kunst der frühen buddhistischen Zentren Sanchi, Gandhāra und Mathurā, wie auch in China und Korea. Als eine Figur der buddhistischen Shitennō [4] weist Bishamon bereits sein kriegerisches Aussehen auf. Besonders Plastiken und Darstellungen Bishamons aus China und Korea, die ihn in Rüstung, Waffen und Pagode zeigen, weisen eine große Übereinstimmung zu japanischen Abbildungen auf. Kapitel Drei widmet sich der Darstellung und Verehrung Bishamons und seiner Verbindung zum Konkōmyō-kyō 金光明経 [5]; Kapitel Vier der Etablierung Bishamons als einer von den Shitennō unabhängigen Einzelfigur und der damit verbundenen Schlüsselfigur Tobatsu Bishamon 兜跋毘沙門天. Kapitel Fünf bezieht sich nochmals auf verschiedene Funktionen Bishamons, die ihm in unterschiedlichen Sūtren und anderen Werken zugeschrieben werden. In einem letzten, angefügten Kapitel befasst sich Matsuura mit den indisch-buddhistischen Himmelskönigen, Catumahārāja, und dem als Vaiśravaṇa bezeichneten indisch-buddhistischen Bishamon.

Kritik

Matsuuras Bishamonten-zō ist eine kompakte Sammlung zur buddhistischen Gottheit Bishamons und verschafft einen guten Überblick über die doch recht breite Thematik seiner ikonographischen Entwicklung. Matsuura beschränkt sich dabei nicht nur auf Japan, sondern geht, wenn auch nur kurz, auf die Ausformung seiner Figur im prä-buddhistischen Kontext, China und Korea ein. Im Anhang beschäftigt er sich zudem auf einigen Seiten mit Vaiśravaṇa, der indisch-buddhistischen, frühen Form Bishamons. Leider fehlen im Text jedoch Literaturangaben.

Umso hilfreicher sind jedoch die 150 repräsentativen Illustrationen von Bishamon-Darstellungen aus Indien, China, Korea und Japan. Jedes Bild ist mit detaillierten Angaben zu Entstehungszeit, Ausstellungsort, Material, oftmals auch Stilrichtung versehen. Somit ermöglicht Matsuuras Bishamonten-zō einen guten Vergleich der Bishamon-Ikonographie verschiedener künstlerischer und historischer Epochen und Lokalitäten.

Anmerkungen

  1. Eines der klassisch-hinduistischen Epen
  2. Wie Kubera handelt es sich auch bei Paṇchika um einen vergöttlichten Yakṣa-Dämon. Beide wurden ursprünglich in Hockstellung, mit dickem Bauch und nacktem Oberkörper dargestellt. Obgleich Paṇchika in schriftlichen Quellen niemals mit Reichtum in Verbindung steht, findet sich dieser Aspekt in der Ikonographie wieder. Dennoch wird Paṇchika, im Gegensatz zu Kubera, in kriegerischerem Habitus und mit einer Lanze abgebildet, die Kubera wahrscheinlich von ihm übernommen hat (Getty 1962:156-158).
  3. Mitra 1998:249-250.
  4. Die Shitennō, die vier Himmelskönige, sind eine Gruppe von vier Figuren, die jeweils die Schutzherrschaft einer Himmelsrichtung übernehmen und den buddhistischen Dharma bewahren. Im Osten herrscht Jikoku-ten 持國天, Zōchō-ten 增長天 im Süden, Kōkomu-ten 廣目天 im Westen und Tamon-ten im Norden.
  5. Das Goldglanz-Sūtra, das sich besonders in der Nara-Zeit (710-794) großer Popularität erfreute, als man versuchte, den Buddhismus als Schutzreligion Japans zu etablieren