Rezension Murakami 1988

Aus Kamigraphie
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Rezensiertes Werk:

Murakami, Fuminobu (1988). „Incest and Rebirth in Kojiki.“ Monumenta Nipponica 43/4, S. 455–463. (Rezension.)


Im Artikel „Incest and rebirth in Kojiki“, der 1988 in Monumenta Nipponica erschien, versucht der Autor Murakami Fuminobu die These darüber, ob und wann Inzest im Kojiki stattgefunden hat, zu analysieren und von mehreren Blickwinkeln zu betrachten.

Die These vom Inzest im Kojiki

Die Annahme, dass im Kojiki, wie auch den anderen frühen japanischen Werken Inzest unter zwei Geschwistern stattgefunden haben könnte, ist umstritten. Dafür sprechen würde, dass große Ähnlichkeit zu anderen asiatischen Mythen besteht, in denen die ersten Menschen von einem Geschwisterpaar gezeugt werden. Darüber hinaus finden sich im Kojiki Bezeichnungen wie etwa imo, was sowohl Schwester, als auch Ehefrau bedeuten kann. Während man im Falle des Man’yōshū zwar davon ausgehen kann, dass „Ehefrau“ gemeint ist, ist dadurch aber nicht gewiss, ob man die Bedeutung so auch auf das Kojiki anwenden kann. Gegen die These spricht außerdem auch, dass in den anderen Mythen die Rede von der Erschaffung der Menschheit ist, im Gegensatz zum japanischen Mythos, in dem die Welt erschaffen wird. Eine Beeinflussung durch eben diese Mythen ist daher nicht mit Sicherheit anzunehmen.

Analyse der These

Murakami setzt sich in seinem Artikel nicht damit auseinander, ob der besagte Inzest tatsächlich stattgefunden hat oder nicht, sondern beschäftigt sich mit den Umständen, den Gründen und den Folgen, die aus diesem hervorgehen. Er bringt den Begriff Inzest außerdem mit denen der heiligen Geburt, des Todes und der Wiedergeburt in Zusammenhang.

Zunächst geht er dabei auf Izanami und Izanagi, Amaterasu und Susanoo ein; während im Kojiki Izanagi alleine die erlauchten Kinder zeugt, existiert auch eine Version des Nihon shoki, in der diese durch Izanagi und Izanami gezeugt werden. Geht man wie Murakami davon aus, dass diese Version ursprünglich die richtige war, und es sich darüber hinaus bei Izanagi und Izanami um ein Geschwisterpaar handelt, so hätte sich hier der erste Inzest vollzogen, durch den, in heiliger Geburt, Susanoo und Amaterasu entstanden. Izanami stirbt daraufhin und Izanagi begibt sich in die Unterwelt. Obwohl die Wiedergeburt Izanamis nicht erwähnt wird, wird durch diese Handlung offensichtlich, dass Izanagi genau das wünscht. Murakami erkennt darin auch eine Verbindung zu einem frühen Ritual, in dem man den Leichnam eines Verstorbenen immer wieder besuchte, um so für dessen Wiedergeburt zu beten. Die vier oben genannten Begriffe treffen also an dieser Stelle alle zusammen: Inzest, heilige Geburt, Tod und Wiedergeburt.

Auf diese Episode folgt das gemeinsame Kinderzeugen von Amaterasu und Susanoo. Auch hierbei handelt es sich erneut um ein Geschwisterpaar, und aus dieser Handlung gehen Oshi-ho-mimi und Takiri-bime hervor. Darauf folgen die Untaten des Susanoo, aufgrund derer eine Weberin Amaterasus stirbt. Im Zusammenhang mit dieser These wird diese Stelle auch oft so interpretiert, dass es sich dabei um Amaterasu selbst handelt – ihr Rückzug in die Felsenhöhle ist somit mit dem Tod gleichzusetzen, und ihr Hervorkommen aus dieser mit Wiedergeburt. Demnach sind auch an dieser Stelle jene vier Elemente wieder vorhanden.

Im Hinblick auf das Daijō-sai, eine Zeremonie bei der der Kaiser die Seele Amaterasus empfängt, deutet Murakami darauf hin, dass es vermutlich einen Glauben daran gab, dass die Seelen der Großeltern in deren Enkelkindern wiedergeboren würden. Durch den Inzest im Kojiki sollte diese Wiedergeburt noch verstärkt werden. Der tiefere Sinn dahinter offenbart sich schließlich nach der Wiedergeburt Amaterasus, denn als sie mit der Seele ihrer Großmutter zurückkehrt, befindet sie sich in derselben Generation wie Taka-mi-musubi, sodass man annehmen kann, dass Toyo-Aki-tsu-shi-hime, die Tochter von Taka-mi-musubi, auch die Tochter von Amaterasu ist. Daraus ergibt sich erneuter Inzest zwischen Oshi-ho-mimi und Toyo-aki-tsu-shi-hime, woraus schließlich Ho-no-ninigi entsteht, der nach dem oben beschriebenen Ritual die Seele seiner Großmutter Amaterasu erhält. Dies wird auch als Grund genannt, warum erst bei ihm der Abstieg vom Himmel stattfindet.

Auch unter Susanoos Nachkommen kommt es zum Inzest, jedoch folgt auf diese keine heilige Geburt; vielmehr werden deformierte Kinder gezeugt, was den Schluss darauf zulässt, dass die heilige Geburt nur in Takama-no-hara stattfinden kann. Auch eine weitere Geschichte im Kojiki berichtet von einem sich liebenden Geschwisterpaar und endet schließlich mit dessen Selbstmord. Die Frage nach dem „Warum“ beantwortet Murakami damit, dass die ständig sich wiederholende Wiedergeburt den Menschen unsterblich machen würde, und so könnte man ihn mit den Göttern gleichsetzen. Dieses Recht auf Unsterblichkeit soll nur dem Kaiser zu Gute kommen, weswegen man darauf achtete, nur den Inzest von Amaterasus Seite mit positiven Folgen zu versehen, während jeglicher anderer Inzest bestraft wurde.