Rezension Roemer 2007

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Rezensiertes Werk:

Roemer, Michael K. (2007). „Ritual participation and social support in a major Japanese festival.“ Journal for the Scientific Study of Religion 46/2, S. 185 – 200. (Rezension.)


Der Autor

Dr. Michael K. Roemer ist Assistenzprofessor für Religion am Institut für Philosophie und Religion der Ball State University in Muncie, Indiana. Seine Spezialgebiete sind u.a. Religion in Japan, Religion und Gesundheit und Buddhismus in Ostasien. Seine zwischen 2004 und 2008 entstandene Dissertation befasst sich mit dem Zusammenhang zwischen Religiosität und psychischem Wohlbefinden in Japan.

Der Artikel

Der 2007 in der Zeitschrift Journal for the Scientific Study of Religion[1] erschienene Artikel „Ritual Participation and Social Support in a Major Japanese Festival“ befasst sich mit den Themen Gemeinschaftssinn, soziale Sicherheit und Netzwerke sowie Religiosität im Zusammenhang mit matsuri in Japan am Beispiel des Gion Matsuri in Kyoto. Roemer argumentiert in seinem Artikel, dass die in das matsuri involvierten Männer [1] aufgrund ihrer Mitarbeit bei Ritualen, Feiern und Meetings, die mit dem Gion Matsuri in Zusammenhang stehen, und aufgrund der Investition von Zeit, Geld und Energie enge Bindungen knüpfen und von dem daraus entstehenden sozialen Netzwerk profitieren (Roemer 2007: 185).

Er beginnt seinen Artikel mit einer kurzen Einführung in das Thema Religiosität in Japan. Hier weist er nicht nur darauf hin, dass sich Religiosität in Japan meist nicht auf eine Glaubensrichtung beschränkt sondern eine synkretistische Mischung aus Shintō, Buddhismus und volkstümlichen religiösen Traditionen ist, sondern auch dass für die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Tempel oder Schrein nicht die religiöse Überzeugung sondern die geographische Nähe des Wohnortes zum jeweiligen Tempel oder Schrein ausschlaggebend ist (Roemer 2007: 185 – 186).

Im nächsten Abschnitt gibt er einen kurzen Abriss der Geschichte des Festivals beginnend mit dem ersten goryō-e 御霊会 im Jahr 869 um eine landesweite Seuche zu bekämpfen und beschreibt das matsuri grob. Eine besonders prominente Rolle spielen hier die yamaboko 山鉾, die Berg- und Lanzenfestwägen. Für jeden dieser Festwägen ist eines von 32 yama- oder hoko-Vierteln verantwortlich. Aufgrund der Zusammenarbeit vor und während des matsuri bilden sich enge Beziehungen zwischen den teilnehmenden Bewohnern dieser Viertel (Roemer 2007: 186 – 187).

Der Hauptteil des Artikels basiert auf Feldstudien, die der Autor 1995 und 2003 durchgeführt hat und die sowohl aus teilnehmender Beobachtung als auch aus Interviews mit diversen Mitwirkenden bestehen. So hat Roemer unter anderen den Oberpriester des Yasaka-Schreins und den Museumsdirektor der städtischen Bibliothek Kyoto für historische Aufzeichnungen (Interviews im Jahr 1995) aber auch Teilnehmer des matsuri, wie einige Oberhäupter der yama- und hoko-Viertel (Interviews 2003), zu Themen wie Bindungen unter den Mitwirkenden und Religiosität befragt. Er unterteilt seine Erkenntnisse in vier Abschnitte; „Ein positives Gefühl von Gemeinschaft“, „Gemeinschaft und Intimität in Gion Matsuri-Vierteln“, „Exklusive Netzwerke in Gion Matsuri-Vierteln“ (diese drei Abschnitte zählt er zur Kategorie „Zugehörigkeitsgefühl“) und „Spirituelle Unterstützung im Gion Matsuri: Emotionale Sicherheit“. Im ersten, sehr kurzen, Abschnitt stellt Roemer fest, dass es unter den Bewohnern der betroffenen Viertel einen starken Gemeinschaftssinn gibt (Roemer 2007: 190-191). In weiterer Folge beschreibt er, wie sich unter den mitwirkenden Personen enge, familienähnliche Bindungen entwickeln (Roemer 2007: 191 – 192). Im dritten Teil seiner Ergebnispräsentation geht er darauf ein, dass sich auch exklusive Netzwerke bilden, die Mitwirkenden vorbehalten sind, die tatsächlich in einem yama- oder hoko-Viertel wohnen[2]. Teilnehmer von außerhalb der traditionellen Viertel haben oft das Gefühl nicht wirklich Teil des Gion Matsuri zu sein, obwohl sie schon jahrelange Erfahrung bei der Mitarbeit haben (Roemer 2007: 192 – 193).Schließlich stellt er noch fest, dass sich vor allem Teilnehmer, die bereits ein fortgeschrittenes Alter erreicht haben, eine starke Religiosität zu eigen gemacht haben, die ihnen auch im Alltag abseits des matsuri emotionale Sicherheit gibt (Roemer 2007: 193 – 194).

In einem Zukunftsausblick geht er auf eine Forschungslücke zum Thema religiöse Gemeinschaften, soziale Unterstützung und Gesundheit ein, die er versucht mit dem Artikel teilweise zu schließen. Er plant die vorliegende Studie zu vertiefen indem er mehr Interviews durchführt und einen Vergleich anstellt zwischen Bewohnern der in matsuri involvierten Viertel, die an den Vorbereitungen und Festivitäten teilnehmen und solchen, die dies nicht tun.

Kritik

Der Artikel ist eher auf einer soziologischen als einer ikonografischen Ebene relevant, aber sehr interessant zu lesen. Leider ist er ein bisschen kurz und fokussiert auf wenige, nämlich die oben genannten, Punkte. Der Schwerpunkt liegt auf den Erkenntnissen, die der Autor aus den Interviews mit den Teilnehmern aus den yama- und hoko-Viertel gewonnen hat, das Interview mit dem Oberpriester des Yaska-Schreins wird leider kaum erwähnt. Trotzdem ist der Artikel ein guter Einstieg in das Thema, das ich für meine Seminararbeit plane, welche sich wahrscheinlich mit den yama- und hoko-Vierteln befassen wird.

Verweise

  1. Frauen arbeiten eher im „Hintergrund“ mit und ihre Rolle ist weit weniger prominent.
  2. Aufgrund von Veränderungen in der Bevölkerung sind einige der Viertel nur mehr spärlich bewohnt. Es wirken daher auch Personen mit, die entweder im Bezirk des Yasaka-Schreins oder ganz außerhalb der vom Gion Matsuri betroffenen Viertel wohnen.