Taira

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Nach 1156 wurde die politische Geschichte Japans beherrscht durch Kämpfe zwischen den größten Militärklans, den Taira 平 und den Minamoto 源. Am Ende (1185) sollten die Minamoto die Oberhand gewinnen.

Feudalismus

Die Ursprünge der Kriegerklasse sind eng verbunden mit dem Entstehen eines "japanischen Feudalismus". Ländereien von beachtlicher Größe wurden unterhalten von Gutsherren, die über Privatbesitz von Land und Jurisdiktion über Menschen verfügten, was eigentlich das Vorrecht der Krone gewesen war. Durch das Anwachsen der Bevölkerung wurde die Erschließung und das Kultivieren von neuem Land (3 Mill. Hektar) durch die Regierung angeordnet. Diejenigen, die diesem Aufruf Folge leisteten, konnten mit Steuererleichterungen rechnen. Arme Kultivierer begaben sich in den Schutz größerer Landbesitzer. Das Land gehörte zwar noch dem ursprünglichen Besitzer, jedoch zahlten sie Tribut für ihre Sicherheit. Die militärische Klasse der provinziellen Landeigentümer erschien um das Jahr 900. Die Autorität der Zentralregierung war am Lande quasi nicht mehr vorhanden, ein Umstand der zum großen Teil dem Fujiwara Klan angelastet wird. Die wohlhabendsten unter den Landeigentümern begannen, ihre privaten Truppen zusammenzustellen. Zweck dieser Truppen war zum Teil die Verteidigung, aber auch der Kampf gegen Rivalen oder die Invasion von öffentlichen Ländereien.

Aufstieg des Kriegertums

Im ganzen Land versuchten sich die Krieger von den Restriktionen der Gesetze, sowie vom Einfluß der Krone zu emanzipieren. Also verbündete man sich gegen die Repräsentanten der Regierung. Das Ergebnis dieser Koalitionen waren die Taira und die Minamoto als Anführer der großen Klans.

Die Taira bereicherten sich zunächst an Land und Einfluß im Osten. Sie leiteten sich von einem Enkel des Kammu Tenno, nämlich Takamochi, her. Die Söhne, Enkel und deren Nachkommen von Takamochi hielten alle Eigentum und meistens ein Amt in den östlichen Provinzen. Innerhalb einer Generation behaupteten die meisten der führenden Familien im Osten zur Familie der Taira zu gehören. Die Taira übertrafen die Minamoto an Anhängerschaft im östlichen Japan und in den nördlichen Provinzen. In den Jahren 935 – 40 kam es nach der Gründung der Regierung in Kyoto zur ersten Revolte von Taira no Masakado gegen die Autorität der Krone. Diese konnte jedoch von loyalen provinziellen Kräften niedergeschmettert werden.

Taira no Masakado

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Taira no Masakado 平将門 war ein Feldherr 武将 der Heian Zeit und Anführer der ersten größeren Rebellion gegen die zentrale Staatsmacht durch die aufstrebende Kriegerklasse. Masakado hatte seinen Sitz in der Provinz Shimôsa 下総国 (heute ein Teil der Präfekturen Chiba 千葉 u. Ibaraki 茨城) in der Kantô 関東 Region.

Dem Shômonki 将門記 (ca. 940, auch bekannt als Masakadoki) zufolge entwickelte sich ein intrafamiliärer Streit in den Jahren 935-936 zum militärischen Machtkampf zwischen Masakado und seinen Verwandten, aus dem er siegreich hervorging. Ab 938 weitete sich der Konflikt auf die gesamte Kantô-Region aus und wurde 940 zur Rebellion gegen den Staat: Masakado attackierte zunächst in der Provinz Hitachi 常陸, und danach in anderen Teilen der Region die Regierungsposten des Hofes, und setzte eigenmächtig Provinzialverwaltungsbeamte (kokushi 国司) ein. Als Herrscher über die autonome Kantô-Region beanspruchte er für sich den Titel „neuer Kaiser“ (shinnô 新皇). Der Kaiserhof reagierte daraufhin mit einem Kopfgeld auf ihn, aber bevor Truppen aus Kyôto den Schauplatz erreichten, wurde Masakado von Kriegern des Fujiwara no Hidesato 藤原秀郷 getötet. Dies markiert auch das Ende der Rebellion, die Aufständischen wurden Gefangengenommen und bestraft bzw. exekutiert.

Aufstieg der Taira

Unter Taira no Kiyomori (s.u.) kam es zu einer einstweiligen Hegemonie der Taira über die Minamoto. Die Ereignisse, die dazu führten, sind im Heiji Monogatari dokumentiert:

Ein einflußreicher Fujiwara namens Shinzei hatte den Kaiser dazu überredet, Maßnahmen zu ergreifen, die der Wiederherstellung der Autorität der Kaiserkrone dienen sollten. Shinzei war Kiyomori wohl gesonnen. Jedoch war ein anderer Fujiwara (Nobuyori) Shinzei feindlich gesinnt. Kiyomori war nun der Anführer der Taira und genoss hohes Ansehen am Hof. Der regierende Nijō Tennō hörte auf den Rat von Shinzei, der abgedankte Go-Shirakawa Tennō begünstigte einen anderen Fujiwara, Nobuyori.

1160 begab sich Kiyomori mit seiner Familie auf eine Pilgerreise nach Kumano. Nobuyori wollte die Gunst der Stunde nutzen, um einen Regierungswechsel herbeizuführen. Jedoch, manche Historiker suggerieren, daß Kiyomori seinem Gegenspieler damit eine Falle gelegt habe. Die Verschwörer konnten in großer Eile ca. 500 gute Krieger mobilisieren, und griffen das Anwesen des Ex-Tenno an, nahmen ihn in Gewahrsam und brannten sein Haus, sowie das von Shinzei nieder. Nijo Tenno wurde abgeführt und eingesperrt.

Nobuyori hatte nun die Regierungsgeschäfte über. Kiyomori war alamiert durch die Stärke der Minamoto-Kräfte, und machte Nobuyori Angebote. In Rokuhara bekam Kiyomori Verstärkung durch Taira-Krieger und anderen Gegnern Nobuyoris. Desweiteren gelang es Kiyomori mit einer List den Kaiser sowie seine Gattin und auch den Ex-Kaiser aus den Fängen der Aufrührer zu befreien. Durch großes taktisches Geschick gelang es Kiyomori die Minamoto-Kräfte aus dem großen Palast zu vertreiben. Als die Minamoto im Gegenzug Rokuhara angreifen wollten, scheiterten sie und mußten sich zurückziehen, da sie auf den bewaffneten Widerstand der Hiyeizan Mönche stießen.

Taira no Kiyomori

Taira no Kiyomoris Vater Tadamori, der sich als Bekämpfer der Piraterie verdient gemacht hatte, starb im Alter von 58 im Jahre 1153. Über Kiyomoris Mutter ist nicht viel bekannt. Er verfolgte eine Heiratsstrategie, die seine Töchter für junge Männer vorsah, die Anwärter auf die höchsten Ämter waren. Dies bekräftigte Kiyomoris starke Position. 1167 wurde er Kanzler des Reiches und erreichte den höchstmöglichen Rang. In 1178 gebar die Kaisergemahlin einen Jungen, den Enkel Kiyomoris, nämlich Antoku Tenno, der in einigen Jahren schon den Tod finden sollte.

Kiyomoris Antagonisten

Für die Taira ging große Gefahr von der militärischen Kraft der buddhistischen Klöster und von den nach Rache dürstenden Minamoto aus. Im Dezember 1179 marschierten mehrere tausend Männer aus Fukuwara in die Hauptstadt ein. Kiyomori demonstrierte hiermit seinen Groll über die Konfiszierung des Eigentums seiner im gleichen Jahre schon verstorbenen Kinder, des Sohnes Shigemori und der Tochter Mori-ko. Kiyomori ließ den zu verantwortlich machenden Go-Shirakawa unter Hausarrest stellen, und führte eine Säuberungsaktion unter hochrangigen Staatsmännern durch.

Der junge Takakura Tenno, vielleicht aus Angst vor seinem Vater, dankte bald im Jahre 1180 ab, und setzte damit seinen damals erst zweijährigen Sohn Antoku auf den Thron. Als bald darauf die Mönche erfuhren, daß Kiyomori mit seinem nunmehr abgedankten Sohn Takakura sich auf eine Pilgerreise begab, um seine eigenen Gottheiten zu verehren, war ihr Zorn unbändig. Kiyomori mußte gewußt haben, daß es nicht gut um die Taira stand, da er Spione und Informanten hatte. Die Minamoto waren nach wie vor die gefährlichsten Feinde geblieben.

Noch im Mai des Jahres 1180 sandte der von Kiyomori vertrauenswürdig eingestufte Minamoto Yorimasa ein Bittgesuch an die Klöster, die von Kiyomori angegriffen worden waren, und an die Minamotoführer im Osten und Norden, um einen Aufstand gegen das Regime zu entfachen. Der große Anführer der Taira hatte jedoch gemerkt, daß was im Busch war, führte mehrere tausend Mann in die Stadt, ließ Go-Shirakawa noch stärker isolieren und gab Order zur Festnahme seines Sohnes, Prinz Mochihito, der maßgeblich an der Verschwörung teil hatte. Dem Prinzen gelang aber die Flucht nach Miidera, einem Kloster am Biwa See. Auf dem Weg von Miidera nach Nara, paßten Tairamilizen den Prinzen und Yorimasa ab, Yorimasa beging Selbstmord, Mochihito wurde bald gefaßt und hingerichtet.

Der Tod Kiyomoris

Das Versagen des Regimes war leicht an der Vielzahl von Raub, Vergewaltigung und Mord in der kaiserlichen Stadt abzulesen. Die bewaffneten Kräfte der Taira waren nicht im Stand diese Mißstände zu unterdrücken. Hungersnöte trafen nicht nur die Hauptstadt, sondern auch andere Provinzen.

Kiyomori wurde im Frühjahr 1181 todkrank. Er hatte hohes Fieber und brennende Schmerzen. Er verstarb am 21. März 1181. Sein letzter Wille war, daß Yoritomo nie begraben werden dürfe, daß seine Knochen immer auf dem Erdboden dahinbleichen sollten. Seine eigenen Überreste, so wünschte er, sollten bei einem Kloster in Harima bestattet werden.

Quellen

  • Reischauer, Edwin (1972). „The Heiji monogatari.“ In: Edwin Reischauer und Joseph K. Yamagiwa (Hg.), Translation from early Japanese literatur. Cambridge: Harvard University Press, S. 271–351.
  • Kodansha, (Hg.) (1993). Kodansha Encyclopedia of Japan. Tokyo: Kodansha. (Auch 1983 Auflage vorhanden.)



Dieser Artikel wurde ursprünglich für das Schwesterprojekt Hachiman-no-pedia verfasst.