Yamaboko

Aus Kamigraphie
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Die yamaboko 山鉾 sind prunkvoll geschmückte Festwägen, die jedes Jahr am 17. Juli als Teil des Gion Matsuri in einer Parade durch den gleichnamigen Stadtteil von Kyoto geführt werden. Sie entwickelten sich aus den Hellebarden, die ursprünglich im Garten des Schreinsees des damaligen Gion-Schreins aufgestellt wurden. Ursprünglich als Waffen gegen Unheil gedacht, entwickelten sie sich zu einer Vorführung der Produkte der Handwerker, wie Hersteller von Kimono und handgefertigten Brokaten, und Händler des Viertels. Die yama 山 sind seit 998 Teil der Parade, die hoko 鉾 kamen erst 1225 hinzu. Im 14. und 15. Jahrhundert, als sich die verschiedenen Handwerksgilden (japanisch za 座) entwickelt hatten, besaßen einige za ihre eigenen yamaboko, wie zum Beispiel die Kasasagi Hoko 鵲鉾 (auch 笠鷺鉾) der Webergilde (Wakita 1997: 1050), die heute nicht mehr in der yamabokojunkō zu sehen ist. Als Beispiel für eine yamaboko, die auch heute noch Teil der Parade ist, sei die Naginata Hoko 長刀鉾 genannt, welche im 15. Jahrhundert entstand.

Die unterschiedlichen Festwägen

Es gibt 9 hoko 鉾 und 23 yama 山 Festwägen. Die Reihenfolge der yamaboko bei der Parade wird durch Losentscheid festgelegt. Ausnahmen sind die Naginata Hoko 長刀鉾, die immer die Parade anführt, und einige andere yamaboko (Kanko Hoko 函谷鉾, Hōka Hoko 放下鉾, Iwato Yama 岩戸山, Fune Hoko 船鉾, Kitakannon Yama 北観音山, Hashibenkei Yama 橋弁慶山 und Minamikannon Yama 南観音山), deren Platz in der Parade fixiert ist. Den Abschluss bildet immer die Minamikannon Yama.

Die Viertel Kyotos, in denen die yamaboko betreut werden, heißen yamabokochō 山鉾町. Für die 32 yama und hoko ist jeweils ein bestimmtes yamabokochō verantwortlich. 1962 wurden 29 yama und hoko von der japanischen Regierung als jūyō yūkei bunkazai 重要有形文化財 (wichtiges materielles Kulturgut) anerkannt.

Hoko

hoko

Die hoko wiegen rund 12 t und sind bis zu 25 m hoch. Sie sind geschmückt mit Bildteppichen aus Eurasien und auf ihren Dächern sind hohe Bäume befestigt. Der aus religiöser Sicht wichtigste Teil der hoko ist der shinpō 神宝, der heilige Schatz. Er besteht aus einem hohen Mast, an dem ein tennōdai 天王台, ein symbolischer Sitz des kami, angebracht ist. Der Mast kann als Transformation der ursprünglichen Hellebarden des goryō-e Ende des 9. Jahrhunderts angesehen werden. Er ist weiters mit einem sakaki 榊 (immergrüner Baum) dekoriert und soll den kami als Orientierung dienen, um das matsuri zu finden (Roemer 2007: 187). Auf dem Dach sitzen vier Personen, die yanekata 屋根方, die darauf achten, dass der hohe Aufbau der hoko keine Schäden an Stromleitungen verursacht. Auf der Bühne unter dem Dach der hoko finden bis zu 50 hayashikata 囃子方 (Musikanten) Platz, welche auf Flöten, kleinen Glocken aus Bronze und kleinen Trommeln spielen. Die traditionelle Form der Musik heißt Gion Bayashi 祇園囃子 und variiert je nach hoko. An der Vorderseite unterhalb der Bühne stehen zwei ontōdori 音頭取. Sie geben mit den Bewegungen ihrer Fächer und bestimmten Gesängen den 40 bis 50 hikishi 曳子, den Ziehern, die Bewegungen der hoko vor.

Auf der Bühne befinden sich chigo 稚児, Kinder, die Gottheiten symbolisieren. Bis Ende des 15. Jahrhundert wurden die chigo durch junge Buben, die aus wohlhabenden und angesehenen Familien stammten, dargestellt. Heute werden sie, mit Ausnahme der Naginata Hoko, auf der auch heute noch drei lebendige Kinder als chigo sitzen, durch lebensgroße Puppen dargestellt.

Yama

yama

Die kleineren yama mit ihrer quadratischen Form, wiegen zwischen 500 kg und 1 t [1] und sind ungefähr 6 bis 15 m hoch. Auf ihnen sitzen lebensgroße ningyō 人形 (Puppen) oder plastische Darstellungen von übergroßen Tieren und Insekten, die oft das goshintai 御神体 (wörtl. Gottkörper), das Objekt der religiösen Verehrung, beherbergen. An der Rückseite der meisten yama sind sakaki angebracht, die den kami als yorishiro 依代 dienen sollen, als Ort, dem sie vorübergehend innewohnen können. Sie werden von 14 bis 24 Personen, den kakishi 舁子, durch die Straßen getragen. [2]

Die Prozession der Festwägen

saki no matsuri junkō

Wagen am Beginn der Matsuri Prozession 祭り巡航:

ato no matsuri junkō

Wagen am Ende der Prozession:

  • Kitakannon Yama 北観音山
  • Hashibenkei Yama 橋弁慶山
  • En no Gyōja Yama役行者山
  • Hachiman Yama 八幡山
  • Kuronushi Yama 黒主山
  • Suzuka Yama 鈴鹿山
  • Jōmyō Yama浄妙山
  • Koi Yama 鯉山
  • Minamikannon Yama 南観音山

Einzelbeispiele

Naginata Hoko

Naginata hoko zeichen.JPG
Naginata Hoko 長刀鉾

Die Naginata Hoko 長刀鉾 ist eine der 32 yamaboko 山鉾 des Gion Matsuri 祇園祭. Der Name kommt von dem langen Schwert (naginata 長刀), das oben auf der Spitze der hoko 鉾 (Hellebarde) am Dach der Naginata Hoko befestigt ist. Ursprünglich war dies eine naginata aus der Werkstatt Munechika in Sanjō in Kyoto, heutzutage wird allerdings eine leichtere Variante aus Bambus und Zinn verwendet.

Die Naginata Hoko ist die einzige yamaboko, auf der während der Parade drei lebendige Kinder, chigo 稚児 genannt, die Shintō-Gottheiten repräsentieren, sitzen.

Die Verzierung der Naginata Hoko ist sehr aufwendig und prunkvoll. Unter dem Dach sind hundert in Gold gemalte Vögel des Malers Matsumura Keibun 松村景文 (1779 – 1843) und eine aus Holz geschnitzte Darstellung des Schwertes aus der Munechika-Werkstatt von Kataoka Yūho 片岡友輔 zu sehen.

Am unteren Teil des Wagens sind wertvolle Wandteppiche aus Persien und Indien aus dem 16. bis. 18. Jahrhundert mit Blumenmustern oder Bildern von Pflaumenbäumen angebracht. Darüber befindet sich ein Brokat mit einem Muster aus Wolken, Drachen und Wellen, welches im Jahr 2005 restauriert wurde.

Die Naginata Hoko führt traditionell die Parade der 32 yamaboko an. Die Reihenfolge der nachfolgenden yamaboko wird per Los entschieden.

Niwatori Hoko

Niwatori zeichen.jpg
Niwatori Hoko

Die Niwatori Hoko 鶏鉾 ist eine der 9 hoko 鉾 der yamaboko-Parade des Gion Matsuri.

Laut einer chinesischen Überlieferung baute ein Huhn einst ein Nest in einer unbenutzten, von Moos überwachsenen kanko 諌鼓, einer Trommel, die während der Tang-Zeit in China (618 – 907) vor dem Kaiserpalast aufgehängt war und von der Bevölkerung geschlagen werden konnte, um dem Kaiser Unzufriedenheit zu signalisieren.[3] Der Kreis im Dreieck an der Spitze der hoko symbolisiert ein Hühnerei in der kanko. Warum die Niwatori Hoko diesen Namen trägt, ist allerdings unklar.

Auf dem tennōza 天王座, dem Sitz des Himmelsgottes, wird die Gottheit der Sumiyoshi-Schreine 住吉明神, eine Gottheit der Seefahrt, verehrt. Die Umrandung unter dem Dach ist von Shimokōbe Tamatsuru (?) 下河辺玉鉉 dekoriert, die unteren Hängebilder sind u.a. von Matsumura Goshun 松村呉春(1752~1811) und Matsumura Keibun 松村景文 (1779~1843).

Besonders sticht allerdings der Bildteppich an der Rückseite der Niwatori Hoko hervor. Er wurde im 16. Jahrhundert in Belgien hergestellt und stellt entweder einen trojanischen Prinzen mit seiner Familie oder den römischen General Coriolanus aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. dar [4].

Verwandte Seiten

Anmerkungen

  1. Zum Gewicht der yama finden sich unterschiedliche Angaben. Die hier genannte stammt von der Website von Kyoto Gion Matsuri Volunteer 21 [1]. Roemer gibt das Gewicht jedoch zwischen 1,2 und 1,6 t an (Roemer 2007: 187).
  2. Eigentlich werden die yama nicht mehr getragen sondern eher auf Rollen geschoben, nur in den Kurven müssen sie für die Drehung angehoben werden.
  3. Kanko Trommel (Stand: 2012/10/24). Aus: Google Books
  4. Vlam 1981:477

Quellen

  • Gion Matsuri  祇園祭 (Offizielle HP, KYOTO GIONMATSURI VOLUNTEER 京都・祇園祭ボランティア).

Mōsō Yama

Moso Zeichen.jpg
Mōsō Yama 孟宗山

Die Szene, die auf der Mōsō Yama 孟宗山 dargestellt wird, hat ihren Ursprung in einer alten chinesischen Legende. Die kranke Mutter eines armen Mannes namens Mōsō bat ihren Sohn eines Winters um frische Bambussprossen, die zu dieser Jahreszeit nicht zu bekommen sind. Die Darstellung zeigt Mōsō, der die Götter um Gnade bittet und schließlich Bambussprossen im gefrorenen Boden findet. Auf dem Hut der Figur lässt sich Schnee erkennen. In der rechten Hand hält sie Bambussprossen, links trägt sie eine Feldhacke über der Schulter.

Der Wandteppich, der sehr schlicht gehalten ist, bildet einen Kontrast zu den eher farbenfrohen Dekorationen der übrigen yamaboko

Verwandte Seiten

Anmerkungen

Literatur

Links

Gion Matsuri  祇園祭 (Offizielle HP, KYOTO GIONMATSURI VOLUNTEER 京都・祇園祭ボランティア).