Yamato Takeru

Aus Kamigraphie
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Historische Persönlichkeit
Name Yamato Takeru 日本武
Lebenszeit geb. 82 u.Z., gest. 113 u.Z. in Nobono 能褒野
Sonstige Namen Yamato Takeru no Mikoto 日本武尊 (Nihon shoki) bzw. 倭建命 (Kojiki), O-usu 小碓, Yamato Oguna 日本童男
Verwandtschaft Sohn des Ōtarashi 大足
YamatoTakeru.jpg

Yamato Takeru 日本武 (mytholog. Lebenszeit: 82–113 u.Z.) war der königliche Sohn des Ōtarashi 大足, der offiziell als 12. Kaiser Japans, Keikō Tennō 景行天皇 geführt wird. Der berühmteste Sohn Yamato Takerus ist Prinz Tarashi Naka 足仲, der spätere Chūai Tennō 仲哀天皇 (149-200).

Auf Befehl seines Vaters reist Yamato Takeru in die westlichen Provinzen (Kyūshū), um die rebellischen Kumaso 熊襲, eine Volksgruppe im Süden Kyūshūs, zu bestrafen. Nach Unterwerfung von mehreren Regionen kehrt Yamato Takeru nach Yamato zurück, um diesmal nach Osten zu ziehen. Auf seinem Feldzug besiegt er wiederum eine Unzahl an ungebärdigen Gottheiten und rebellischen Sippen. Er stirbt jedoch noch in jungen Jahren in Nobono, in der Provinz von Ise 伊勢国 (nördliches Gebiet der heutigen Präfektur Mie 三重県).

Yamato Takeru wird am Ort seines Todes dort als Hauptgottheit im Schrein von Nobono 能褒野神社 in der heutigen Stadt Kameyama 亀山市, Präfektur Mie, verehrt. Laut Kojiki 古事記 (712) wurde dort auch ein kaiserliches Grab namens Shiratori 白鳥陵 errichtet.[1]

Allgemeine Charakteristika

Namen und Titel

Der volle Name lautet Yamato Takeru no Mikoto 日本武尊 (nach der Art der Transkription auch Yamato-take oder Yamato-dake). Im Kojiki benutzt man die Schreibung 倭建命 und im Nihon shoki 日本武尊 (zum Titel, s.u.). In den Analen erhält er zunächst den Namen O-usu 小碓 (Wo-usu). Er selbst bezeichnet sich auch manchmal als Yamato Oguna 日本童男 (Yamato Wo-guna).

Seinen Namen Yamato Takeru erhält er vom Anführer der Kumaso, nachdem er diese besiegt hat. Chamberlain übersetzt den Namen als „the Brave of Yamato“. Dies kann man einerseits als eine Anerkennung von Yamato Takerus Stärke, oder aber als die Anerkennung der zentralen Macht von Yamato Kaiserhof betrachten, da Yamato Takeru in den Mythen oft als eine Verkörperung dieser Macht funktioniert.

Genealogie

Im Kojiki steht, dass Ousu 小碓 (Yamato Takeru) das dritte Kind von Keikō Tennō (Ōtarashi) und seiner Frau, der älteren Lady von Inabi in Harima, Inami no wakiiratsume 播磨稲日大郎姫, der Tochter von Waka Take, Prinzen von Kibi, ist. Seine Brüder sind der ältere Prinz Kushitsunu wake 櫛角別王 und Ōusu 大確, der laut beiden Analen sein Zwillingsbruder ist.

Da Keikō Tennō mehrere Frauen heiratete und aus jeder Heirat mehrere Kinder entstanden, hat er relativ viele Stiefgeschwister, unter anderen auch Seimu Tennō 成務天皇.

Auch Y.T. heiratet mehrmals. Unter seinen Söhnen ist Chūai Tenno 仲哀天皇 der prominenteste. Dieser ist Gatte von Jingū Kōgō 神功皇后 (169-269) und Vater von Ōjin Tenno 応神天皇.

Yamato Takerus Schwerter

Yamato Takeru verhindert mit dem „Grasmähe-Schwert“ einen Steppenbrand

Yamato Takeru besaß zwei Schwerter, allerdings wird nur auf das Zweite näher eingegangen, da es sich hierbei um das magische Schwert Kusanagi no tsurugi 草薙の剣 handelt, das er von seiner Tante Yamato-hime 倭比賣(倭姫) erhalten hat und auch Teil der drei Reichsinsignien ist. Eigentlich ist Kusanagi unter dem Namen Ama no Murakumo no tsurugi 天叢雲剣 bekannt und erst Yamato Takeru taufte das Schwert schließlich Kusanagi.

Über das erste Schwert weiß man nur, dass Yamato Takeru es verwendet hatte, um die beiden Anführer der Kumaso, die Brüder waren, zu töten. Auch dieses Kurzschwert hat er von Yamato Hime erhalten. Dies zeigt Parallelen zu König Arthur auf und wird in C. Scott Littletons Artikel behandelt.

Yamato Takeru in Kojiki und Nihon shoki

Blockdruck, ukiyo-e von Tsukioka Yoshitoshi (1839–1892). Edo-Zeit, 1876; aus der Serie Mirror of Famous Generals of Japan (Dai nippon meisho kagami), 1876-1882; Ōban

Im Kojiki werden die Analen der Regierungsperiode des Keikō Tennō (Ōtarashi) fast ausschließlich dem Mythos von Yamato Takeru gewidmet. Im Gegensatz dazu erscheint Yamato Takeru im Nihon shoki an verschiedenen Stellen in den Erzählungen der Zeit des Keikō Tennō.

In beiden, Kojiki und Nihon shoki 日本書紀 (720), unternimmt Yamato Takeru seine Reisen aufgrund der Befehle seines Vaters Keikō Tennō (Ōtarashi). Zuerst reist er in die westliche Provinzen (Kyūshū), um die rebellierenden Anführer der Sippe Kumaso 熊襲 zu „pazifizieren“ (unterwerfen). Ein weiterer Feldzug richtet sich in die nordwestlichen Provinzen, wo er die Sippen der Emishi 蝦夷 niederschlägt. Laut Kojiki und Nihon shoki sind es diese Taten des Yamato Takeru, die die Festlegung der zentralen Macht des Yamato Kaiserhofs 大和朝廷 über ganz Japan (mit Ausnahme Hokkaidos) ermöglicht haben. [2]

Unterschiedliche Darstellung von Yamato Takeru in Kojiki und Nihon shoki

Trotz der Kohärenz dieser Quellen bezüglich der Feldzüge des Yamato Takeru, gibt es in beiden Quellen Unterschiede hinsichtlich der Motivation des Keikō Tennō (Ōtarashi), seinen Sohn Yamato Takeru auf seine Feldzüge zu entsenden.

Im Kojiki ist der Beweggrund des Keikō Tennōs die unkontrollierbare Stärke des Yamato Takeru, deren negative Konsequenzen sich erstmals zeigen, als er seinen älteren Bruder Ōusu 大確 tötet: Nachdem sich Ōusu 大確 weigert zu den Mahlzeiten zu erscheinen, erhält Yamato Takeru die Anweisung des Vaters, seinen Bruder zu "belehren und warnen" (negioshie satose 泥疑教へ覚せ), interpretiert dies jedoch als Befehl, den Bruder zu töten. Das Wort, das Keikō Tennō benutzt, negi 泥疑 kann als "bitten" oder "vernichten" übersetzt werden, was die Ursache des Missverständnises zwischen dem Vater und Sohn wird. Danach befiehlt Keikō Tennō Yamato Takeru in die westliche Provinzen (Kyūshū) zu ziehen, um eienn scheinbar aussichtslosen Feldzug anzuführen. Auch wenn Takeru den wahren Beweggrund seines Vaters erkennt, lamentiert er nur und hegt keinen Groll. Diese Geschichte, in der Version des Kojiki, ist dadurch als eine Erzählung vom Vater, der seinen Sohn töten möchte, zu verstehen. Nach Isomae definiert diese Erzählvariante Yamato Takeru als eine Trickster-Figur. [3]

Das Nihon shoki porträtiert die Beziehung zwischen dem Vater und Sohn ganz anders. Yamato Takeru unternimmt die Reise als Thronfolger, der die ihm gegebene Aufgaben erfüllt und sogar die Initiative übernimmt.[4] Nihon shoki präsentiert das gegenseitige Vertrauen in der Vater-Sohn Beziehung als die zwischen Herrn und Vassal. Yamato Takeru benutzt immer wieder den Ausdruck Vassal (shin 臣), wenn er von sich selbst redet.[5]

Yamato Takeru im Kogo shūi

Yamato Takeru wird im Kogo shūi an drei Stellen erwähnt:

1) Die erste Erwähnung von Yamato Takeru ist am Ende der Episode von Susanoo's 須佐之男 Sieg über die achtköpfige Schlange Yamata no Orochi 八又大蛇 zu finden. Susanoo findet in dem Schwanz der Schlange das Schwert Ame Murakumo 天叢雲 (Himmels-Wolkenhaufen). An dieser Stelle findet man in dem Text folgende Anmerkung:

Über der Riesenschlange befand sich beständig Wolkendunst. Aus diesem Grunde erhielt [das Schwert] den Namen. ln dem Jahre seines östlichen Feldzuges gelangte Yamato-takeru no Mikoto nach dem Lande Sagami und geriet dort in die Kalamität eines Feld-Brandes. Da mähte er mit diesem Schwerte das Gras ab, und es gelang ihm so zu entkommen. Darauf wurde der Name in Kusa-nagi no tachi „Grasmähe-Schwert“ umgewandelt.[6]

Die Bezeichnung Ame no Murakumo und die Episode mit dem Feld-Brand kommen im Haupttext (honbun 本文) des Nihon Shoki nicht vor, also kann man annehmen, dass diese Erzählung Elemente aus beiden Kiki-Quellen (Nihon Shoki und Kojiki) kombiniert.[7]

2) Weiters wird Yamato Takeru in der Passage, wo das Geschehen zur Regierungszeit von Keikō Tennō beschrieben wird, erwähnt. An der Stelle, wo Yamato Takeru vor seinem Feldzug nach Osten seine Tante Yamato-hime im Ise Schrein besucht, gibt sie ihm das Schwert Kusanagi mit den Worten: „Sei verständig und wahre dich davor träge zu sein!“ Der Autor des Kogo shūi zitiert Yamato Hime’s Worte aus Nihon Shoki.[8] Obwohl diese Passage offenbar von Nihon Shoki stammt, wird ein großer Teil der dortigen Erzählung wie die Feldzüge von Keikō Tennō und Yamato Takerus frühere Feldzüge ausgelassen. Auch der Eintrag von Yamato Takerus Feldzug nach Osten wird mit Worten „Yamato Takeru unterwarf die Rebellen und auf dem Rückweg erreichte er das Land Owari“ kurzgefasst. Die Passage endet mit der Beschreibung, wie das Schwert Kusanagi zum Atsuta Schrein in der Provinz Owari gelangte:

Der Prinz Yamato Takeru unterwarf die Rebellen und auf dem Rückweg in die Hauptstadt erreichte er das Land Owari. Er blieb in Owari und heiratete Miyazu Hime. Er verweilte dort lange Zeit und ließ das Schwert Kusanagi in ihrem [Miyazu Himes] Haus. Als er den Berg Ibuki bestieg, wurde er von giftigen Dämpfen getötet. Das Schwert Kusanagi wird jetzt im Schrein von Atsuta in der Provinz Owari aufbewahrt. Obwohl der Schrein ein solches Objekt besitzt, wurde dem Schrein kein spezieller Status gewährt.[9]

3) Der letzte Eintrag, wo der Name Yamato Takeru vorkommt, ist im letzten Teil des Kogo shūi, unter den ‚elf Abweichungen von alten Bräuchen‘ zu finden. Wie in der oberen Passage wird Yamato Takeru erwähnt, um zu erklären, wie das Schwert Kusanagi nach Atsuta in der Provinz Owari gelangte.[10]

Kogo shūis Fokus liegt ganz offenbar auf dem Schwert Kusanagi. Die Feldzüge von Keikō Tennō werden ausgelassen und der Name Yamato Takeru wird ausschließlich an den Stellen erwähnt, wo das Schwert auftaucht. Ein gutes Beispiel ist die Anmerkung zu der Feld-Brand Episode, wo beschrieben wird, wie Kusanagi seinen Namen bekommt. Man erfährt nicht, wie es zu dem Brand kam oder was mit Yamato Takeru nachher passiert. Auch der Eintrag, der das Geschehen zur Regierungszeit von Keikō Tennō beschreibt, wird auf Yamato Takeru’s Feldzug nach Osten und die Umstände, wie Kusanagi zum Atsuta Schrein in der Provinz Owari gelangt, subsumiert.

Um das Jahr 807, als Inbe no Hironari sein Werk Kogo shūi als ein Versuch die Macht seiner Familie wiederherzustellen dem damaligen Tennō (Heizei Tennō) überreichte, war die Familie der Inbe der Nakatomi Familie in ihrer rituellen Funktion offenbar unterlegen. Kogo Shūi ist als eine Art Klagebericht zu betrachten, mit dessen Hilfe der Autor die Rückerstattung der rituellen Funktion seiner Familie und ihre Teilnahme in verschiedenen zeremoniellen Aktivitäten anstrebte. Die Präsentation der Reichsinsignien — bzw. einer Kopie des Schwertes Kusanagi und des sakralen Spiegels bei der Thronbesteigungszeremonie — gehörte zu einer der wichtigsten rituellen Aufgaben von Inbe und erklärt, warum Kusanagi in Hironari’s Version der Erzählungen, die in den Kiki den heroischen Taten und der persönlichen Geschichte von Yamato Takeru und Keikō Tennō gewidmet werden, im Mittelpunkt steht.[11]

Yamato Takeru in den Fudoki

Karte der Provinz Hitachi: Markiert sind alle Orte, die in Hitachi fudoki mit Yamato Takeru in Verbindung gesetzt werden.

Der Mythos Yamato Takerus taucht auch in mehreren erhaltenen Provinzchroniken (Fudoki) auf.[12] Die Namensgebung von vielen Orten wurde in den Fudoki mit seinen Reisen durch das Land in eine direkte Verbindung gesetzt, was an die Stärke des fundamentalen Glaubens an die Mythen von Yamato Takeru, oder andererseits an eine starke Motivation diese Mythen in die lokale Traditionen einzubinden, hinweisen könnte.

Yamato Takeru im Hitachi fudoki

Als Besonderheit der Fudoki empfindet man, dass an einer Stelle im Hitachi fudoki 常陸国風土記 Yamato Takeru als Kaiser und seine Gattin Oho Tachibana als Kaiserin (kisaki 后, 皇后) angeführt sind. Im Hitachi fudoki funktioniert Yamato Takeru daher als lokaler Souverän und universaler Held, doch seine Taten, die Namensgebung und Pazifikation von einheimischen Sippen der Region, stimmen mit den Intentionen des politischen Zentrums überein. [13]

  • Im Bezirk Namekata 行方郡 im Hitachi fudoki vernichtet Y.T. den Kuzu Anführer Kitsuhiko, während sich dessen Schwester Kitsu-hime unterwirft und zu einer von Y.T.s Nebenfrauen wird.[14]

Diskrepanzen in den Primärquellen

Es gibt durchaus Ungereimtheiten bezüglich der Genealogie von Yamato Takeru. Bereits das Verhältnis zwischen ihm und Keikō Tennō (Ōtarashi) ist umstritten. In den Analen Kojiki und Nihon shoki figuriert Keikō Tennō zwar als sein Vater, aber...

  • Keikō Tennō (Ōtarashi) heiratet laut Kojiki in vierter Ehe Prinzessin Kaguro 迦具漏比売命, die angeblich die Urgroßenkelin von Yamato Takeru ist. Dies bedeutet, dass zwischen den Ehepartnern ein 4–Generationen-Altersunterschied bestehen müsste, was höchst unwahrscheinlich ist.[15]
  • Chūai Tennō 仲哀天皇 (Prinz Tarashi Naka 足仲), ein Sohn Takerus, soll angeblich im 19. Jahr der Herrschaftsperiode des Seimu Tennō 成務天皇 (149 u.Z.) geboren sein werden. Laut den Kiki stirbt sein Vater, Yamato Takeru, jedoch im 43. Jahr der Herrschaftsperiode des Keikō Tennō (113 u.Z.). Also liegt zwischen dem Tod des Vaters und dem Geburt des Sohnes ein Intervall von 36 Jahren.[16]
  • Weitere Widersprüche finden wir in der Lebensgeschichte von Oho Tachibana-hime 大橘比売命, der 2. Frau von Yamato Takeru. Im Kojiki steht sehr klar, dass sie noch vor der Reise von Yamato Takeru nach Osten stirbt. Im Hitachi fudoki beschreibt man aber ihr Treffen mit dem Ehemann Yamato Takeru in Afuka 相鹿, im Distrikt von Namekata 行方郡.

Historische Persönlichkeit? Ehemaliger „Kaiser“? Nationaler Held?

Im Nihon shoki wird Takerus Titel mikoto mit dem besonders ehrenvollen Zeichen 尊 geschrieben, was als Anerkennung seiner Taten bei der Vereinheitlichung Japans gewertet wird. Im Kojiki wird von ihm nach seinem Tod als von Kaiser gesprochen, in dem man seine Gattin Oho Tachibana mit dem Titel Kaiserin kisaki 后 honoriert. Weiter wird für seinen Tod der Ausdruck kamuagari 本公演 verwendet, der normalerweise einer Referenz vom Tod des Kaisers vorbehalten wurden. Schließlich gibt es ein Dokument, das Yamato Takeru explizit als Kaiser bezeichnet und seine Gattin Oho Tachibana als Kaiserin kisaki 后, nämlich das Hitachi fudoki (s.o.).

Auffallend ist außerdem, dass im Kojiki selbst die Gegner Y.T.s den Namen Takeru tragen, z.B. zwei "Kumaso Takeru", die ihm schließlich ihren eigenen Namen/Ehrentitel(?) "Takeru" verleihen (Phillippi: 46). Oder "Izumo Takeru", den Y.T. mit List besiegt (Phillippi: 48).

Die Diskrepanzen in den Chroniken führten Autoren wie Basil Hall Chamberlain oder Aoki Michiko zu der Annahme, dass Yamato Takeru nicht unbedingt eine historische Person ist. Er verkörpert die zentrale Macht des Yamato Kaiserhofs 大和朝廷 und funktioniert als ein universaler Held in den Mythen von der Vernichtung der Anführer der einheimischen Sippen, die die lokale Macht vertreten. Durch diese Polarisation der Vertreter der zentralen und lokalen Macht in den Chroniken versuchte man die Pazifikation von Ureinwohnern, die sich dem Zentrum widersetzten, und damit die Vereinheitlichung des Landes unter der zentralen Macht von Yamato Kaiserhof 大和朝廷 zu rechtfertigen.

Die abweichenden Versionen der Erzählung von Yamato Takeru innerhalb und außerhalb der Kiki Chroniken und dessen Vergleich offenbaren auch das Ausmaß der Manipulation der Mythen durch den Yamato Kaiserhof 大和朝廷, die man vornahm um die hegemonische Ansprüche des Zentrums zu legitimieren.[17]

Wandel der Legende

Yamato Takeru im Großschrein Ōtori 大鳥大社, in der Stadt Sakai, Ōsaka

Frühe Versionen: Kojiki, Nihon shoki und Fudoki

Wie oben bereits erwähnt, geht es sowohl im Kojiki als auch im Nihon shoki um die Befriedung verschiedener Gebiete und um die Machtdemonstration des Schwertes Kusanagi 草薙. Es sollte jedoch festgehalten werden, dass das Schwert nicht das Hauptaugenmerk darstellt. Da die unterschiedliche Darstellung Yamato Takerus im Kojiki und Nihon shoki bereits erläutert wurde, bleibt nur noch zu sagen, dass sich die frühen Werke hauptsächlich um Yamato Takerus Persönlichkeit und die Beziehung zu seinem Vater gekümmert haben.

Heian Zeit

Die Versionen der Heian Zeit entstanden meist aus Exzerpten aus dem Nihon shoki und können in zwei Typen unterteilt werden: die, die sich mit den Expeditionen beschäftigen und die, die sich mit den wundersamen Ereignissen um das Schwert Kusanagi beschäftigen. Konnte man in der Hauptvariante des Nihon shoki nicht das finden, was man gebraucht hat, so bediente man sich des Kojiki oder einer Nebenvariante des Nihon shoki.

  • Sendai kuji hongi: fasst die Ergebnisse der Expeditionen in den Osten und Westen aus dem Nihon shoki zusammen, ohne dabei auf das Schwert oder zwischenmenschliche Beziehungen einzugehen. Es geht einzig und allein um die nationale Einigung.
  • Kogo shūi: Der Fokus liegt wie oben ausgeführt primär auf dem Schwert, die Erzählung setzt sich aus Elementen des Kojiki und einer Version des Nihon shoki zusammen. Yamato Takeru fungiert nur als Bote, um das Schwert von Ise nach Atsuta zu bringen. Die Kräfte des Schwertes bedürfen einer größeren Ehrerbietung.
  • Waka zu Ehren des Nihon shoki: es war üblich, waka basierend auf Figuren des Nihon shoki zu schreiben.

Mittelalter

Das Nihon shoki wurde nun weniger dazu genutzt durch Kompilationen eine Gesellschaftsordnung zu erschaffen (Legitimation durch Passagen in den alten Werken), denn es kam zu einem vermehrten Interesse an den Reichsinsignien.

  • Yamatohime no mikoto seiki: Dieses Werk konzentriert sich auf die Rolle, die Yamatohime in der Legende um Yamato Takeru spielt. Der Text setzt sich zusammen aus dem Nihon shoki, dem Kojiki, einer Variante des Nihon shoki und dem Kogo shūi. Die Passagen wurden so ausgewählt, dass die Göttlichkeit und Macht des Schwertes noch mehr in den Vordergrund gerückt wird. Yamato Takeru ist durch die Kompilation in den Schatten seines Schwertes getreten.
  • Ise nisho kodai jingu shinmei hisho: In diesem Werk geht es hauptsächlich um verschiedene Gottheiten, die dem Schrein von Ise unterstehen und angebetet werden und beinhaltet auch Legenden um Kusanagi. Yamatohime übberreicht Yamato Takeru zusammen mit dem Schwert weitere Gaben, welche als weiterer Beweis für ihre spirituelle Kraft fungieren sollen.
  • Owari no kuni Atsuta daijingu engi: Hier verschiebt sich das Image von Yamato Takeru hin zu dem eines romantischen Helden, welcher Miyazuhime sein Schwert als Zeichen seiner Liebe überlässt. Es werden Elemente aus dem (nicht mehr existenten) Owari no kuni fudoki und dem Kojiki kombiniert und das Verhältnis der beiden wesentlich intensiver präsentiert, als es im Nihon shoki oder im Kojiki der Fall war.[18]
  • Jinnō shōtōki: Yamato Takeru avanciert mit dieser Kompilation zum Musterbild der Tapferkeit. Es wird nicht nur auf die Expedition nach Osten eingegangen, sondern auch auf die in den Westen. Indem ambivalente Charakterzüge aus dem Kojiki bzw. Nihon shoki, wie Gerissenheit, einfach ausgespart werden, ergibt sich das glorifizierte Bild eines Helden ohne Fehler. Diese Glorifizierung wiederum hebt auch den Status des Schwertes Kusanagi.

Frühe Neuzeit

Es lässt sich eine Tendenz erkennen, dass Kojiki und Nihon shoki noch einmal mit dem Fokus auf die Gefühle und Beweggründe der handelnden Figuren gelesen und interpretiert wurden. Es wird viel mehr zwischen Zeilen gelesen als das, was tatsächlich geschrieben steht.

Verweise

Anmerkungen

  1. Heute identifiziert man zwei kofun, Karusato kofun 軽里大塚古墳 in Ōsaka und Nobono kofun 能褒野王塚古墳 in der Präfektur Mie, die eventuell Yamato Takerus Ruhestätte sein könnten. (Chamberlain 1932)
  2. Isomae 1999: 362
  3. Isomae 1999:363
  4. Aston 1896:I. 202-203
  5. Isomae 1999:364-365
  6. Bentley 2002:74-75
  7. Isomae 1999:369
  8. 愼(之)莫怠也
  9. Bentley 2002:83
  10. Bentley 2002:87
  11. Isomae 1999:369-370
  12. Zu Y.T. im Izumo fudoki s. Aoki:122; zu Y.T. im Hizen fudoki, s. v.a. Aoki: 260 und Ortsnamen ...
  13. Bialock 2007:127
  14. Aoki 1997: 55
  15. Chamberlain 1932:245
  16. Chamberlain 1932:lxxvii
  17. Bialock 2007:115
  18. Obwohl Isomae das Werk zum Ende der Kamakura Periode datiert, wird in dem Nachwort das Jahr 890 als Zeit des Entstehens angegeben. Wenn dies stimmt, müsste man das Werk unter Heian-zeitliche Texte einteilen.

Quellen

  • Aoki, Michiko Yamaguchi (Ü.) (1997). Records of wind and earth: A translation of Fudoki with introduction and commentaries.(Monographs of the Association for Asian Studies, Bd. 53.) Ann Arbor, Mich.: Association for Asian Studies.
  • Bialock, David T. (2007). Eccentric spaces, hidden histories: Narrative, ritual and royal authority from the chronicles of Japan to the tale of the Heike. Stanford: Stanford University Press.
  • Isomae, Jun'ichi (1999). „Myth in metamorphosis: Ancient and medieval versions of the yamatotakeru legend.“ Monumenta Nipponica 54/3, S. 361–385.
  • Littleton, C. Scott (1995). „Yamato-takeru: An "arthurian" hero in Japanese tradition.“ Asian Folklore Studies 54/2, S. 259–274. (Rezension.)



Dieser Artikel wurde ursprünglich für das Schwesterprojekt Fudokipedia verfasst.